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Poets Of The Fall

Storie von: arne, am 19.10.2016 ]

Die Musiker drücken ihren Ansatz bereits im Namen POETS OF THE FALL aus. Der poppig ausgelegte Rock der sechs Finnen ist durch düster-romantische Schattierungen und eine wohlige Melancholie geprägt. In das Umfeld der Herbsttage, in denen das Licht nicht mehr ganz so hell strahlt und die Dunkelheit das Regime übernimmt, passt „Clearview“ wunderbar. Auf dem achten Album setzt das Sextett konsequent auf seine Trademarks.

 
„POETS OF THE FALL bietet uns die Gelegenheit, unsere Kreativität mit der Welt zu teilen,“ gibt sich Frontmann Marko Saaresto bescheiden und fasst die Anlage der Gruppe sogleich breiter. „Für uns als Band bestehen weder festgelegte Bahnen noch müssen wir irgendwelche stilistischen Grenzen beachten. Wir sind frei, das zu tun, was immer uns zusagt. Dass die Leute unseren offenen, generellen Zugang anerkennen und sich mit unserer Musik beschäftigen, bestätigt uns darin, auf dem richtigen Weg zu sein und diesen weiter zu gehen.“ Über 13 Jahre hinweg haben sich die Finnen einen Rock-Pop-Sound erarbeitet, der zu ihnen passt und mit dem sie sich wohlfühlen:

„Im Musik-Geschäft trifft man ständig Leute, die alles besser wissen und einem erzählen, was das Beste für einen ist. Davon darf man sich weder verrückt machen noch beeindrucken lassen,“ so der Sänger. „Auch wenn es schwer fällt, muss man auf seine Intuition vertrauen. Man sollte sich aber mit allen Meinungen und Facetten des Band-Daseins beschäftigen und abklopfen, ob nicht doch etwas dabei hilft, voran zu kommen. Da wir unsere Band als nicht festgelegt verstehen, bieten sich uns immerzu Möglichkeiten, durch kleine Veränderungen noch besser zu werden.“ Für Künstler gilt es, die Chancen zu erhöhen, aufzufallen und gemocht zu werden. Diesbezüglich besteht für POETS OF THE FALL in Kontinentaleuropa durchaus Nachholbedarf:

„Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder, der sich künstlerisch ausdrückt, die Öffentlichkeit verdient, die ihm zuteil wird,“ äußert sich Marko zurück haltend. „Wenn man seiner inne wohnenden Kreativität Ausdruck verleiht und sich selbst gegenüber treu ist, gibt es nichts daran auszusetzen, wenn man breite Beachtung findet. Oder, wenn man sie nicht auf sich zieht. Wichtig ist allein, das man alles aus einer tief sitzenden Überzeugung heraus tut und sich nicht verstellt, um zu Erfolg zu finden. Niemand weiß im Voraus, was die nächste Sensation sein wird und worauf die Leute anspringen. In meinen Augen ist es wichtig, nicht auf Hypes zu schielen, sondern eigenständige Musik zu erschaffen, die Geschichten erzählt, und mit dieser auf Tour zu gehen. So halten wir es seit Jahren. Selbst, wenn jemand anders etwas Ähnliches erschafft und damit Erfolg einfährt, ist es wichtig, an sich selbst zu glauben und den eigenen Eingebungen auch weiterhin zu folgen. Es gibt ein solch unglaublich breites Angebot in der Musikwelt, dass man ohnehin keine andere Wahl hat. Was bleibt einem schon anderes übrig, als sein eigenes Ding zu machen


?!“

Die Finnen halten sich an die vom Frontmann formulierte Arbeitsweise. So ist auch „Clearview“ entstanden: „Natürlich versuchen wir, unsere Songs objektiv zu bewerten und abzuleiten, was wir vielleicht noch besser machen können. Letztlich läuft es aber doch immer darauf hinaus, dass wir unserem Bauchgefühl vertrauen und jegliche Planung über Bord werfen. Andernfalls würde unsere Musik wohl in eine völlig andere Richtung gehen und das wollen wir nicht. Wir haben eine Ahnung davon, was uns auszeichnet, und dieser Vision fühlen wir uns verpflichtet. Unsere Arbeit verläuft stets kurvenreich. Wir haben fast alle Lyrics des neuen Albums zwei Mal geschrieben und auch etliche Songs nach einem ersten Aufschlag komplett überarbeitet. Das Komponieren und Texten gleicht für uns einer ereignisreichen Reise, an deren Ende irgendwann „Clearview“ stand.“

Trotz des allgemeingültigen Pop-Rocks, den POETS OF THE FALL spielen, besitzen die Lieder der Finnen einen Wiedererkennungswert und Substanz: „Musikalisch sind wir meiner Auffassung nach schon sehr vielseitig aufgestellt. Das neue Album repräsentiert für mich deshalb eine natürliche Weiterentwicklung unseres Stils vor dem Hintergrund unserer derzeitigen Interessenlage,“ ordnet Marko Saaresto ein. „Wir sind bestrebt, mit unseren Songs die Gefühle zu teilen, die wir selbst beim Schreiben verspüren. Dieser Aufgabe stellen wir uns und sind bestrebt, unsere tief sitzenden Emotionen in Stücke zu überführen. Das geschieht zu einem großen Teil über die Musik, doch teilweise auch mit meinen Texten. Im Zusammenspiel aus beidem offenbart sich das ganze Bild.“

In knappen Worten beschreibt der Musiker „Clearview“ als unbekannte Größe, Außenseiter und Wegweiser. Die Songs vergleicht der Sänger mit einem schwach glühenden Lichtschalter am anderen Ende eines tiefschwarzen Flurs: „Ich vertrete die Überzeugung, dass unsere Erlebnisse jeweils nur eine individuelle Interpretation von Umständen und Geschehnissen sind. Diese muss nicht zwingend zutreffend im Sinne von richtig oder falsch sein und reicht weit über das Klischee des Erschaffens einer eigenen Realität hinaus. Damit verbinde ich keine Wertung. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass jeder Mensch Dinge, Emotionen und das Leben an sich anders erlebt. Wenn man seine Sicht um verzerrende Aspekte wie Wut, Angst, Müdigkeit oder den Wunsch, zu verstehen, befreit, kann man das Schachbrett des Lebens mitunter klarer erkennen. Mir scheint es ohnehin angebracht, nicht alles künstlich zu verkomplizieren.“

 
 Links:
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