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The Devil Wears Prada

Storie von: arne, am 11.10.2016 ]

Im internationalen MetalCore-Zirkus dürfen THE DEVIL WEARS PRADA als Konstante gelten. Seit mehr als zehn Jahren aktiv, veröffentlicht die Gruppe aus Dayton, Ohio seither auf einem immens hohen Niveau und hat neben Norma Jean, Underoath, etc. maßgeblichen Anteil daran, dass der MetalCore US-amerikanischer Prägung weltweit so verbreitet ist. Mit „Transit Blues“ bestätigt die Band neuerlich ihre Relevanz.

 
„In der Szene, wie sie sich heutzutage darstellt, erkenne ich eine Menge Oberflächlichkeit, die es in früheren Jahren so nicht gegeben hat,“ äußert Frontmann Mike Hranica auf den Status-quo des MetalCore und das aktuelle Wettbewerbsumfeld angesprochen. „Unsere Band stammt noch aus einer Zeit, in der sich nicht jeder Musiker als Bestandteil einer Boy-Gruppe verkauft hat und auf Konzerten noch nicht alle permanent mit Einspielungen gearbeitet haben. In der Szene als solcher sehe ich aber schon noch einen verbindenden Gemeinschaftssinn. Als THE DEVIL WEARS PRADA profitieren wir davon inzwischen allerdings weniger stark als früher. Unsere Anhängerschaft ist geschrumpft, weil sich nicht mehr so viele Gleichaltrige in der Szene tummeln. In elf Jahren mit der Band haben wir vieles kommen und gehen sehen. Ich finde es schade, dass oberflächliche Gruppen mitunter mehr Aufmerksamkeit erfahren als solche, die kreativ abgefahren sind und über ein starkes Songwriting verfügen. Deshalb hoffe ich, dass die vielen Gruppen, die am Mainstream ausgerichtet sind, bald wieder verschwinden und sie nicht den Untergang der Szene herbeiführen.“

Diese Befürchtung greift zu weit, doch der Einschätzung des Sängers hinsichtlich des Stellenwerts von THE DEVIL WEARS PRADA ist für diese Seite des Atlantiks zuzustimmen: „Wir haben Europa zuletzt stiefmütterlich behandelt und sind schon einige Jahre lang nicht mehr in Deutschland getourt. Das ist wenig hilfreich, wenn man sich Achtung bei den Fans erarbeiten will. Im Umkehrschluss müssen wir uns damit abfinden, dass man uns vielerorts nicht kennt und wir eine Underdog-Position besitzen. Andererseits gelingt es nur wenigen Gruppen, überall auf der Welt kontinuierlich Präsenz zu zeigen und erfolgreich zu sein. Wir sind realistisch genug eingestellt, das zu wissen.“ Zuletzt stand ohnehin die Arbeit an „Transit Blues“ im Vordergrund: „Mir geht es insbesondere darum, unseren Sound kontinuierlich zu entwickeln und aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Gelingt uns das, bin ich zufrieden. Mit Blick auf das neue Album kann ich sagen, dass das der Fall ist. Das Ergebnis unterscheidet sich kaum von meinen Erwartungen. Das liegt auch daran, weil wir sehr bewusst daran arbeiten, unsere Einfälle Realität werden zu lassen. Wir wissen, was unsere Songs ausdrücken und wie sie klingen sollen. Wir haben gelernt, dass wir uns nicht von unserem Weg abbringen lassen dürfen, sondern unsere Ideen exakt umsetzen müssen, um zufrieden zu sein.“

Wenn der Zielfokus klar ist, steht der Selbstverwirklichung nichts im Weg: „Mir war es wichtig, mit den Songs von „Transit Blues


“ einen weiter führenden, variablen Klangraum zu schaffen,“ erläutert Mike Hranica. „Die Stücke sollten sich klar voneinander absetzen. Deshalb enthalten sie immer wieder Elemente oder Passagen, die nur den jeweiligen Track auszeichnen; die sich auf dem Album sonst aber nicht wiederholen. Es macht ja keinen Sinn, wenn man gute Einfälle so oft reproduziert, dass sie ihren Reiz verlieren.“ Personelle Wechsel kompensiert die Gruppe, ohne dass ihr markanter Heavy-Sound darunter leidet. Selbstverständlich ist das nicht: „Heute fällt es mir schwerer, Songs für THE DEVIL WEARS PRADA zu schreiben,“ berichtet der Frontmann. „Das liegt daran, weil es mein erklärtes Ziel ist, die wilden, metallischen Klischees meiner Metal-Prägung zu überwinden, um etwas Neues zu erschaffen. Andererseits bin ich immer noch dieselbe Person, die ihre Geschichte und ihren Werdegang mit sich herum schleppt. Am Ende müssen die Songs zu mir passen, damit sie aufrichtig klingen.“

Für die übrigen Mitglieder gilt das nicht minder, doch gerade die gegenseitige Interaktion wirkt befruchtend: „Innerhalb der Band variieren die individuellen Vorlieben. Einige von uns spielen gerne komplex und vertrackt auf, andere schätzen die effektive Geradlinigkeit. Im Raum, der sich dazwischen aufspannt, entsteht unsere Musik. Es fällt mir schwer, das in Worte zu fassen, was wir tun. Es ist nicht wichtigtuerisch gemeint, wenn ich sage, dass unsere intensive Vorbereitung und unserer handwerkliches Geschick dazu führen, dass wir im Endeffekt souverän und anspruchsvoll klingen. Das ist beileibe nicht immer so gewesen. Wir haben uns das hart erarbeitet. Unsere frühen Veröffentlichungen klingen für mich aus heutiger Sicht schlicht grauenvoll. Über die Jahre haben wir uns stark verbessert und viel hinzu gelernt. Das ermöglicht es uns nun, viel treffender das umzusetzen, was wir auszudrücken suchen.“ Motivation und Leidenschaft sind dabei ungebrochen:

„Wenn das Songwriting für eine neue Veröffentlichung startet, bin ich sofort Feuer und Flamme,“ so Mike Hranica. „Die Zufriedenheit, die ich im Arbeitsprozess empfinde, ist der wesentliche Grund dafür, dass ich immer noch Teil dieser Band bin. Mit unserer Single „South Of The City“, die wir für den Record Store Day aufgenommen haben, thematisieren wir das sehr deutlich. Die Leute, die am Ball geblieben sind und uns über die Jahre verfolgt haben, verstehen unseren Entwicklungsprozess. Wir lassen es nicht zu, dass wir selbstgefällig werden oder mit dem Erreichten zufrieden sind. Diese Grundhaltung spiegelt sich in unseren Songs wider. Darauf können sich unsere Fans verlassen.“

 
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