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Trap Them

Storie von: arne, am 07.10.2016 ]

Jenseits der Fragestellung, was im Sound von TRAP THEM denn nun alles aufeinander trifft, ist die Stoßrichtung des Spiels doch eindeutig: die Stücke der Band fallen düster, roh und destruktiv aus. Das Quartett präsentiert sich auch auf seinem neuen Album „Crown Feral“ impulsiv, unangepasst und extrem, wenn es eine Schneise der Verwüstung zwischen Grindcore, Death Metal, D-Beat und punkigem Hardcore zieht.

 
Die Zeit seit der Veröffentlichung von „Blissfucker“ vor zwei Jahren ist für die Band unspektakulär verlaufen, wie Frontmann Ryan McKenney (ex-Backstabbers Inc.) im Gespräch berichtet: „Flankierend haben wir einige Touren gespielt, viele Wochenend-Shows absolviert und irgendwann darüber nachgedacht, was wir auf dem Nachfolger tun wollen. Unser Line-Up ist dieses Mal dasselbe wie bei der letzten Platte, was erfreulich ist und die Dinge erleichtert hat. Eine solch entspannte Phase hat es in der Historie von TRAP THEM bislang noch nicht gegeben. Wir vier bewegen uns auf derselben Wellenlänge, streiten nicht und haben Spaß zusammen. Besser geht es kaum.“ Die Gruppe hat also endlich zu personeller Konstanz gefunden. Bassist Galen Baudhuin (Infera Bruo) und Schlagzeuger Brad Fickeisen (No Salvation, ex-The Red Chord) komplettieren das eingespielte Gespann, das Ryan gemeinsam mit Gitarrist Brian Izzi (December Wolves) seit der Band-Gründung 2001 bildet:

„Brian und ich sind vor 15 Jahren angetreten, den Krach zu verzapfen, der in unserer Vorstellung herum geisterte,“ so der Sänger. „Erst vor zwei Wochen haben wir den zehnten Jahrestag der Aufnahmen unseres Debüts „Sleepwell Deconstructor“ begangen. Unser Baby ist erwachsen geworden. Dass wir nach wie vor aktiv sind, überrascht mich keineswegs. Brian und ich sind durch eine starke Verbindung, die der zwischen zwei Brüdern gleichkommt, aneinander gebunden, wenn es um unsere Musik geht. Gemeinsam haben wir die Band gegründet und halten sie am Laufen. Dieser Zusammenhalt besteht sogar schon länger als diese Gruppe selbst. Da außer uns beiden anfangs niemand sonst involviert war, haben wir unsere Vision Realität werden lassen. Wir waren nur uns selbst gegenüber Rechenschaft schuldig und haben genau das getan haben, was wir wollten. Bis heute passt zwischen uns kein Blatt. Niemand kann unsere Verbindung ruinieren. Das bedeutet auch, dass wir mit TRAP THEM so lange weiter machen werden, wie wir es für richtig halten. Im Verlauf der Jahre hat es viele sich verändernde Variablen gegeben, doch wir beide sind die Konstanten.“ In der Zeit des Bestehens der Gruppe haben die Musiker den normalen Alltag bzw. Wahnsinn tourender Bands erlebt:

„Unsere Erfahrungen sowie die Höhepunkte und Tiefschläge aus 15 Jahren unterscheiden sich nicht von denen anderer Gruppen,“ meint Ryan. „Jede Band bleibt auf Tour irgendwann irgendwo liegen oder hat Unfälle. Auf fantastische Shows im Nirgendwo folgen alptraumhafte Touren, die nicht zu enden scheinen. Die Einzelheiten verschwimmen in der Erinnerung und sind auch nicht weiter relevant. Außerdem habe ich keine Marshmallows mehr, so dass die Zeit für Lagerfeuer-Geschichten um ist.“ Mit der Rezeption des eigenen Schaffens zeigt sich der Frontmann indes zufrieden: „Für die Art von Musik, die wir spielen, haben wir eine Menge Aufmerksamkeit erfahren. Mehr können wir kaum verlangen. Wir sind keine Band, deren Songs im Vorabend-Programm im Fernsehen laufen werden oder die man zur Untermalung für seichte Unterhaltung nutzen könnte. Andererseits sind wir auch keine Gruppe, die auf Spektakel aus ist und zu diesem Zweck schillernde Gimmicks ohne Substanz auffährt. Wir halten es ehrlich und belastbar und haben uns so den Respekt der Leute erworben. Mehr als die, die wird sind, wollen wir dabei nicht sein. Das schlägt auf unsere Songs durch. Wenn jemand eines unserer Stücke zum ersten Mal hört, soll er zuallererst die schroffe Geradlinigkeit wahrnehmen. Beim zweiten Hören soll es dann etwas anderes sein, was die Aufmerksamkeit der Hörer erregt, und beim dritten Mal wieder etwas anderes. Darunter verstehe ich Substanz und die ist uns wichtig. Ich gebe ja auch niemandem ein Glas Wasser und spreche das Offensichtliche aus – das es Wasser ist. Was soll der andere sagen, wenn ich frage, wie es schmeckt? Wie Wasser?“

Der vorwärts gerichtete, rigorose und düstere Sound von TRAP THEM entwickelt sich unbequem und unberechenbar. Es ist den Musikern ein Anliegen, sich außerhalb gängiger Spielmuster zu bewegen und vorbehaltlos zu wüten: „Dem Schaffen vieler Gruppen scheint so etwas wie ein ungeschriebener Standard zugrunde zu liegen, nach dem sie all ihre Aktivitäten ausrichten,“ holt Ryan McKenney aus. „Im normalen Leben ist es bei vielen Menschen auch nicht besser. Das akzeptiere ich, doch bei mir verhält es sich anders. Es existieren schlicht keine Prinzipien, nach denen ich mein Leben ausrichte. Im musikalischen Bereich ebenso wenig. Ich bin nicht bereit, mich in eine bestimmte Ecke oder Richtung zu zwängen. Diese Freiheit ist doch gerade der Vorzug, der gemeinhin mit aggressiven Punk-, Hardcore- und Metal-Bands assoziiert wird. Und so ist es doch auch! Deshalb wundere ich mich immer darüber, wenn Gruppen, die es zu etwas breiterer Beachtung schaffen, Sell-Out vorgeworfen wird. Gerade im Kontext von Punk, Hardcore und Metal ist der Vorwurf von Sell-Out schlicht Quatsch. Darüber hinaus wird er überstrapaziert und ist deshalb seit langer Zeit ruiniert. Jegliches Fingerzeigen ist für mich nicht mehr als ein Augenrollen wert. Sogar wir mussten uns schon einen solchen Unsinn anhören, und das kann ich überhaupt nicht verstehen. Das ist schlicht lächerlich. Wer uns kennt, kann eigentlich nicht anders, als ebenfalls darüber zu lachen. Natürlich freuen wir uns über jeden neuen Hörer, doch unser Sound wird sich niemals drastisch ändern – weder musikalisch noch von den Texten her.“

Die Stücke von „Crown Feral“ lassen an Entombed, Tragedy, Rotten Sound, Skit System, Converge, Nasum und vielleicht auch Disfear denken. Es geht demnach weder friedfertig noch verträglich zu. TRAP THEM teilen heftig aus und gehen dorthin, wo es weh tut: „Vor allem klingen


wir heavy – bisweilen temporeich und heavy, manchmal langsam und heavy. Gelegentlich kann man wohl auch noisig und heavy sagen,“ ordnet der Frontmann ein. „Was die Wirkung unserer Musik anbelangt, kann ich ansonsten nur wenig sagen, denn ich befinde mich auf der anderen Seite. Wir sind die Sender, nicht die Empfänger und haben keine Möglichkeit, die Perspektive zu wechseln. Unsere Songs, das sind wir. Auf diese einfache Aussage ist unser Ansatz herunter zu brechen, denn einen anderen Zugang zur Musik gibt es für uns nicht.“ Nach dieser Aussage ist es wenig überraschend, dass sich Ryan all denen verbunden fühlt, die wie er selbst keiner Agenda folgen und tun, wonach ihnen ist: „Über die Jahre sind wir mit vielen Bands getourt und haben mit vielen Musikern Freundschaften geschlossen, deren Einstellung der unseren ähnelt. Ich bin aber keine Person, die Freundschaften mit viel Aufwand pflegt oder mit Leuten in engem Kontakt bleibt. Namen und Gesichter vergesse ich zumeist schnell wieder, weil mein Kopf ein sprichwörtliches Sieb ist. Dennoch freue ich mich, wenn ich Leute nach Monaten oder Jahren wieder treffe und wir uns auf der Basis einer gewissen Vertrautheit begegnen. Die Details ihres Alltags muss ich dafür ja nicht kennen.“

Musikalische Trends und heiß gehandelte Newcomer interessieren den Musiker ebenfalls nicht über Gebühr: „Einige Bands erregen mein Interesse, die Mehrzahl jedoch nicht. Entweder spricht mich jemand an, oder er tut das nicht. Ich freue mich darüber, dass heutzutage mehr Leute unsere Art von Musik hören und selbst Bands gründen. Doch jeder hat seine eigene Sicht auf die Dinge und darauf, wie man spielen oder klingen sollte oder was noch Punk und Hardcore ist und was nicht. Sollen sie doch darüber philosophieren und streiten. Daran muss ich mich nicht beteiligen. Solange es nicht an Mumm, Intelligenz und Pisse mangelt, ist die Welt für mich in Ordnung.“ Für den früheren Frontmann von Backstabbers Inc. zählt ohnehin nur das Touren: „Für uns steht das steht das Live-Spiel im Vordergrund, denn so haben wir den Punk Rock kennen und schätzen gelernt. Mir sagt es sehr zu, dass ich vor einer Show auch heute noch nicht so genau weiß, was ich an dem Abend fühlen und wie ich die Show empfinden werde. Damit einher geht eine große Freiheit; nicht nur für mich, sondern auch für die Band insgesamt. Als Sänger habe ich dabei noch weiter reichende Möglichkeiten als die anderen. Sie sind stärker an die Musik gebunden, wie sie für ein Album geschrieben worden ist und entwickeln für unsere Shows einen Plan, wie die Songs in welcher Reihenfolge am besten wirken. Sie proben hart dafür, damit alles bestmöglich zur Geltung kommt. Und ich weiß, dass, egal welchen Unsinn ich auf der Bühne auch anstelle, Brian, Brad und Galen hinter mir stehen und gnadenlos rocken. Bildhaft gesprochen, würden sie sich für mich eine Kugel einfangen, während ich herumrenne und mir die Seele aus dem Leib schreie.“

Trotz der schonungslosen Attitüde und direkten Ausrichtung wirkt „Crown Feral“ gefälliger als seine Vorgänger. Dadurch steigt der Wiedererkennungswert der Stücke: „Das ist meiner Meinung nach das Ergebnis unseres bisherigen Weges, denn in Ansätzen findet sich all das schon immer bei uns,“ entgegnet Ryan McKenney. „Man kann seinen Sound verändern, ohne dafür das Rad neu zu erfinden. Bisweilen passiert es, dass Bands sich willentlich von etwas wegbewegen, nur um später festzustellen, dass sie über den Rand hinausgeschossen und von einer Klippe gestürzt sind. Den Weg zurück zu finden, ist beschwerlich und dauert. Einigen Gruppen gelingt die Rückkehr mit wehenden Fahnen, andere scheitern kläglich. Der Ansatz unserer Band ist es, stets die Essenz dessen, was wir schon getan haben, zu wahren und an ihr festzuhalten. Wir wollen uns weder verändern noch irgendwie wachsen, sondern Nebenstraßen erkunden, die neben unserer Hauptstraße verlaufen.“ Aus mehreren Gründen erscheint mit „Crown Feral“ bislang liebste Album des Musikers:

„Mir ist vor allem wichtig, dass es sich um unser bis dato gewalttätigstes Werk handelt. Wenigstens ist es das für mich, auch wenn andere meine Aussage wohl nicht nachvollziehen können. Ich sage das, weil es mein fester Vorsatz war, mich bei den Vocals in keiner Weise mehr zurück zu halten und alle Vorbehalte, die es unterbewusst vielleicht noch gegeben hat, aufzugeben. Wenn ich morgen aufwachen würde und meine Stimme wäre für immer verschwunden, kann ich mit diesem Album würdig abtreten. So wollte ich schon immer klingen. Mein ich von vor 25 Jahren, als ich Punk und Hardcore für mich entdeckt habe, ist auf mein jetziges ich sehr stolz.“ Von erfüllender Zufriedenheit möchte Ryan dennoch nicht sprechen:

„So und nicht anders sollte „Crown Feral“ klingen. Der Arbeitsprozess ist gleich dem einer gut geölten Maschine verlaufen. Jeder von uns hat sich mit seinem Beitrag zum Album gut gefühlt. Dieses Gefühl hat sich in der ganzen Gruppe eingestellt, und doch ist der Fokus jederzeit klar geblieben. Für eine Band, deren Musik so sehr von ihrer negativen Ausstrahlung und destruktiven Intensität lebt, ist es fast schon eine bizarre Situation, ein solch harmonisches, positives Arbeiten zu erleben. Einen Zustand der Zufriedenheit will ich aber gar nicht erreichen. Denn dann würde ich die Dinge vielleicht ruhiger oder entspannter angehen, was nicht meinem Naturell entspricht. Ich bin dazu verdammt, meinem Wunsch, mich kreativ auszuleben, für immer und ewig nachzugehen. Mir reicht es voll und ganz, gemeinsam mit drei Leuten Musik zu machen, die ich aus vollem Herzen respektiere. TRAP THEM klingen angepisst und rau und spielen laute, harte Musik, weil sie genau das tun wollen.“

 
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