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Allegaeon

Storie von: arne, am 28.09.2016 ]

Die Musiker aus Colorado haben Spaß daran, mit ihren Stücken rigoros auszuteilen und in ihnen möglichst viele Ideen zu verarbeiten. Hinsichtlich Spielwitz, Variantenreichtum und Verdichtung ist „Proponent For Sentience“ ein herausragendes, anspruchsvolles Death Metal-Werk moderner Prägung. Trotz Wechsel des Frontmanns präsentieren sich ALLEGAEON auf ihrem vierten Longplayer stärker denn je.

 
„So sind wir nun einmal,“ gibt sich Gitarrist Greg Burgess bescheiden. „Wir wissen, was wir wollen und wo der Platz für unsere Band ist. Manchmal sind wir von der Musik-Industrie genervt und fast versucht, uns anders darzustellen, als es unserem natürlichen Wesen entspricht. Doch es wäre der falsche Weg, sich zu verändern, um Erwartungen zu treffen oder Vorlieben von Hörern gerecht zu werden. Letztlich sind wir die Menschen, die wir sind, und im Songwriting streben wir nun einmal nach Exzellenz. Wir können nicht anders. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass auch ich nicht sagen kann, wie es bei ALLEGAEON künftig weiter gehen wird und wie wir klingen werden. Das steht schlichtweg noch nicht fest.“ Seinem Wesen nach hat man es mit einem kämpferisch eingestellten Quintett zu tun, das ehrlich und hart arbeitet:

„Etliche Bands werden ohne große Historie oder Anstrengung gesignt und mit spannenden Tour-Angeboten überschüttet,“ kritisiert der Gitarrist. „In unserem Fall ist das nicht so. Bei uns geschieht alles in kleinen Schritten und per Mund-zu-Mund-Propaganda. Obwohl es in unserem Line-Up zu vielen Veränderungen gekommen ist, hat unser Sound über die Jahre an Kontur und Schärfe hinzu gewonnen. Unsere Popularität ist gestiegen, weil unsere neuen Mitglieder dazu beigetragen haben, dass wir uns durch neue Ideen und Ansätze weiter entwickelt haben.“ Für Greg Burgess bewegen sich die Kreativität und Umsetzung des eigenen Death Metal in einem wiederkehrenden Kreislauf: „Alles, was wir schon getan haben, kommt eines Tages wieder. Selbst die frühen Songs, die aus heutiger Sicht etwas zu primitiv klingen, besitzen in ihrer Aggressivität weiterhin ihre Berechtigung und könnten in ähnlicher Form jederzeit wieder aufleben. Auf dem neuen Album wirkt sich merklich positiv aus, dass es die zweite Platte mit Brandon und Mike ist. Noch nie haben wir zwei Alben hintereinander mit ein und demselben Schlagzeuger umgesetzt. Auf Brandon’s Fähigkeiten vertrauen zu können, beruhigt mental ungemein. Dasselbe gilt für die Gitarren-Arbeit von Mike. Beide haben sich weitaus stärker eingebracht als auf ihrer ersten Platte mit ALLEGAEON. Zusätzlich sind wir als Team noch enger zusammen gewachsen, wovon „Proponent For Sentience“ ebenfalls profitiert.“

Die konkrete Ausrichtung und Ausgestaltung des Viertwerks hat sich dabei erst während des Arbeitsprozesses ergeben: „Wir sind ohne Zielsetzung in das Songwriting gegangen,“ verrät der Gitarrist. „Mike und ich hatten uns lediglich darauf verständigt, dass wir einige Elemente älterer Songs wieder


aufgreifen wollten. Die Zeit, die uns neben dem straffen Tour-Plan blieb, haben wir effektiv genutzt, doch so wenig Zeit wie dieses Mal hatten wir noch nie. Scherzhaft spreche ich im Rückblick davon, dass das Album das Ergebnis von Verzweiflung, Depression und Selbstironie ist. Die einsetzende und beständig zunehmende Panik haben wir in 17 Songs überführt, von denen sich letztlich elf auf dem Album finden.“ Der Wechsel des Frontmanns – neu dabei ist Riley McShane von Son Of Aurelius und Continuum – hat die Situation auch nicht entspannt:

„Das Material war schon geschrieben, als Riley zu uns stieß. Sein Vorgänger hat für das Album schon gar nichts mehr getan, so dass wir anderen uns für etliche Tracks Texte und Gesangslinien überlegt haben, die der neue Sänger übernehmen sollte. Wir wussten ja nicht, wer es werden und wann er zu uns stoßen würde. In dieser Frage hat eine große Ungewissheit bestanden. Sänger wollen sich zumeist selbst verwirklichen und nicht alles vorgegeben bekommen. Andererseits wollten wir die Songs nicht mehr ändern müssen. Riley hat alles professionell aufgenommen; unsere Ideen fortgeführt und finalisiert. Er hat von Beginn an verstanden, wie wir ticken und worauf wir aus sind.“ Da ALLEGAEON trotz des gehobenen Tech-Death-Stils immer auch songdienlich unterwegs sind, fällt das nicht schwer:

„Unser Anspruch ist es, dass alles flüssig ineinander greift, ohne dass Hörer holprige Übergänge ertragen müssen,“ so Greg Burgess. „Gerade in den Songs, in denen viel passiert, kommt den Übergängen eine große Bedeutung zu. Ich persönlich ärgere mich immer sehr, wenn ich Gruppen höre, die zwar exzellentes Stückwerk betreiben, jedoch die Verbindungen vernachlässigen. Wenn einem keine schlüssigen Übergänge einfallen, muss man Passagen zurück stellen, bis ihre Zeit kommt und sie sich stimmig einbinden lassen. Wir verbringen viel Zeit damit, zu tüfteln und zu experimentieren. Das gehört dazu, wenn man komplizierte Musik so umzusetzen sucht, dass sie am Ende hörbar und verdaulich klingt. Auf „Proponent For Sentience“ habe ich ganz bewusst etliche Passagen plakativ angelegt, damit sie sich in den Köpfen der Hörer festsetzen. Das fällt mir nicht leicht, weil ich viel Spaß daran habe, frei und extrem aufzuspielen. Doch es ist notwendig, sich gelegentlich zurück zu halten. Das Gesamtbild wird dadurch appetitlicher. Die Qualität der Songs steht nun einmal an erster Stelle. Dass Stücke auch eingängig sein müssen, wird niemand bezweifeln. Wir können uns innerhalb der Tracks ja trotzdem noch austoben.“

 
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