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Of Mice & Men

Storie von: arne, am 19.09.2016 ]

Im aktuellen MetalCore-Umfeld gibt es an OF MICE & MEN kein Vorbeikommen. Das Quintett aus Orange County zählt zu den Stil prägenden Bands, die über das Genre hinaus bekannt und erfolgreich sind. „Cold World“ heißt das vierte Album, mit dem die Kalifornier noch weiter in die Rock-Breite vorstoßen, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen.

 
Mit seinem markanten Clean-Gesang prägt Bassist Aaron Pauley (ex-Jamies’s Elsewhere) als Gegenpart von Frontmann Austin Carlile und dessen derben Screams das musikalische Antlitz des Quintetts: „Ich bin mit offenen Armen empfangen worden. Als ich damals zur Band gestoßen bin, ging es von jetzt auf gleich richtig los,“ äußert der Musiker im Rückblick auf seinen Einstieg im Jahr 2012. „Es blieb auch gar keine andere Wahl, denn wir sind fast direkt in die Arbeit an „Restoring Force“ gegangen. Das waren aufregende Tage, doch die Arbeit verlief ohne Reibungen und sehr natürlich. So hatte ich es in meinen früheren Bands zuvor noch nicht erlebt. Deshalb wusste ich schnell, dass mein Einstieg die richtige Entscheidung gewesen ist. Bis heute habe ich meinen Schritt nicht bereut. Innerhalb kürzester Zeit haben Austin und ich einen Weg gefunden, unsere Stimmen effektvoll miteinander zu kombinieren. Anfangs haben wir die Gesangslinien und Texte Wort für Wort entwickelt und viele Ideen ausprobiert, um eine gemeinsame Arbeitsweise zu etablieren. Dabei haben wir uns gegenseitig angestachelt und motiviert. Das war eine sehr intensive Phase, von der wir noch heute profitieren. Meinen Platz innerhalb des Band-Gefüges habe ich so schnell gefunden. Die anderen haben mir von Beginn an die Chance eingeräumt, mich aktiv mit ins Songwriting einzubringen. Das sehe ich für ein neues Mitglied einer etablierten, eingespielten Band nicht als selbstverständlich an. Meine Eingewöhnungsphase hat sich dadurch enorm beschleunigt. Ich fühlte mich nie fehl am Platze, sondern direkt voll integriert.“

Das Drittwerk „Restoring Force“ hat für OF MICE & MEN viele Türen sowohl hinsichtlich der Wahrnehmung bei neuen Hörer-Gruppen als auch des kommerziellen Erfolgs geöffnet. Touren mit etablierten Rock- und Metal-Acts wie Slipknot, Marylin Manson und Linkin Park haben die Kalifornier einer neuen Hörer-Klientel vorgestellt und auch den Zugang der Musiker zu ihrem Spiel verändert: „Wann immer wir an neuen Stücken arbeiten, achten wir darauf, dass uns die Umsetzung für die Bühne keine Probleme bereitet,“ so der Bassist und Sänger. „Wir sind keine Band, die im Studio freidreht, abgefahrene Ideen verfolgt und mit Loops oder einer ungewöhnlichen Orchestrierung arbeitet. Alle unserer Songs haben wir auch schon auf Konzerten gespielt, und sie alle funktionieren auf der Bühne wunderbar. Nicht anders wollen wir das haben. Das sind wir nicht zuletzt auch unseren Fans schuldig, die auf Konzerten die Songs hören wollen, die sie kennen und mögen. Wer zu einer Show geht, will unterhalten werden, eine gute Zeit haben und für einige Stunden seinen Alltag vergessen. Dafür sind wir da. Diese Funktion erfüllt unsere Musik.“ Und auch darüber hinaus bieten die Tracks von OF MICE & MEN einen beachtlichen Nachhaltigkeitswert und ausgeprägten Ohrwurm-Faktor.

Die harten Momente im Band-Sound helfen dabei, die Wirkung der verträglichen Elemente noch effektiver heraus zu stellen: „Unserem Verständnis nach sind wir eine harte Rock-Band, die aus einem MetalCore-Umfeld stammt,“ ordnet Aaron Pauley ein. „Zuletzt hat man uns auch immer wieder mit NuMetal in Verbindung gebracht, doch das passt meiner Ansicht nach nicht wirklich. An sich interessieren uns derartige Verortungen gar nicht. Wir entwickeln einfach den Sound weiter, den unsere Fans kennen und schätzen. Dabei wollen wir als OF MICE & MEN erkennbar sein und möglichst eigenständig bleiben. Der harte Rock-Bereich bietet uns all die Möglichkeiten, die wir suchen.“ Zumindest phasenweise lassen sich auf „Cold World“ Verweise in Richtung Linkin Park und Stadion-Rock erkennen. Gleicht man das am bisherigen Werdegang der Kalifornier ab, ist dieses nur konsequent und passt sich stimmig in den Kontext ein: „Unsere Musik ist aufrichtig und ungekünstelt,“ betont der Musiker. „Jeder, der Rock in seinen unterschiedlichen Schattierungen, die es seit den späten 1990er Jahren gegeben hat, schätzt, wird sich bei uns zurecht finden und angesprochen fühlen. Wir legen es nicht bewusst darauf an, doch das Ergebnis unseres Songwritings sind stets verschiedenartig gewichtete Songs, die eine eigene Identität besitzen. So bleibt es für Hörer, aber auch für uns, spannend, denn es passiert immer etwas Neues. Auch die härteren Momente besitzen weiterhin ihre Berechtigung. Im Zusammenspiel mit den eingängigen Passagen und dem Clean-Gesang wirken sie richtig gut.“

Mit Blick auf den neuen Longplayer gilt das mehr denn je: „Wann immer man neues Material veröffentlicht, hofft man, dass sich die Leute dafür interessieren,“ stimmt der Bassist zu. „Wir haben inzwischen einen Status erreicht, bei dem das tatsächlich so ist. Am Ende unseres Weges sind wir aber noch lange nicht angekommen. Für uns ist jede neue Platte weiterhin aufregend. Wir freuen uns über jeden Zuspruch, den wir erfahren. Bislang haben wir keinen Grund, uns zu beschweren, und das freut uns natürlich sehr.“ Deshalb streben die fünf Musiker danach, die eigenen Leistungen zu bestätigen und zu verbessern, um in der Gunst ihrer Hörer weiter aufzusteigen: „Wir haben Spaß daran, unterschiedliche Arten von Songs zu schreiben. Deshalb achten wir darauf, uns Spiel nicht zu limitieren und nicht nur auf bestimmte Stil-Elemente einzuschränken,“ umreißt Aaron den Zugang zum Songwriting. „Wir schätzen die Freiheit, die sich uns als Band bietet, über alle Maßen. Dabei vertrauen wir darauf, dass sich aus dem Zusammenspiel von uns Fünf immer etwas ergibt, das nach OF MICE & MEN klingt. In welchen Genres wir uns dabei bewegen, ist für uns nebensächlich.“ Mit einem partiell immer noch heftigen Sound hat sich die Gruppe aus Orange County auch kommerziell etabliert, ohne dafür den Spaß am eigenen Treiben und die eigene Identität zu opfern:


„Wir haben mit der Zeit gelernt, dass sich beide Aspekte nicht ausschließen, man aber beide pflegen muss,“ formuliert es der Musiker mit Bedacht. „Wenn man es schlau anstellt, können die künstlerische und die wirtschaftliche Seite des Band-Daseins problemlos nebeneinander funktionieren. Man kann sie sogar gut voneinander trennen. Und genau das tun wir, um uns im kreativen Bereich den Spaß nicht zu verderben.“

Aaron Pauley stammt aus derselben Stadt wie Papa Roach, die er bis heute als eine seiner maßgeblichen und nachhaltigen Einflussquellen bezeichnet. Als Teil von OF MICE & MEN hat der Bassist inzwischen selbst eine Stellung erreicht, in der Kids und andere Künstler zu ihm aufschauen: „Als Musiker befassen wir uns vor allem mit unserer Musik. Kategorien wie der Bekanntheitsgrad oder Ruhm interessieren uns hingegen nicht,“ gibt er sich bescheiden. „Wir können sie ohnehin nicht beeinflussen und schauen deshalb allein auf uns. Wir verfolgen den Plan, unsere Songs mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen und sind bestrebt, die Liste der Leute, die mit uns in Berührung gekommen sind, beständig zu erweitern. Alles darüber hinaus liegt nicht in unserer Hand.“ Die Konzentration auf das eigene Spiel und die eigenen Stärken prägt „Cold World“. In den neuen Songs inszenieren die Musiker ihre vielschichtigen Einflüsse kontraststark und variantenreich: „Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass wir externe Einflüsse komplett ausblenden,“ bekräftigt Aaron. „Ganz frei machen kann man sich von ihnen im Unterbewusstsein sicherlich nicht. Unser Songwriting richten wir aber nicht nach Erwartungen aus oder dem, was gerade angesagt ist. Weder versuchen wir, kommerziellen Erfolg zu erzwingen noch denjenigen gerecht zu werden, die konkrete Erwartungen an uns richten. Als Band schreiben wir so häufig und so viele Songs, wie es uns möglich ist. Die besten von ihnen – unsere Favoriten – wählen wir dann später aus, um sie weiter zu entwickeln und für eine Album-Veröffentlichung zu finalisieren.“

Für die Produktion des vierten Albums haben OF MICE & MEN wiederum David Bendeth (u. a. Paramore, Killswitch Engage, Breaking Benjamin und Papa Roach) engagiert: „Es stimmt, schon für „Restoring Force“ haben wir mit ihm als Produzenten zusammen gearbeitet,“ so der Bassist. „Die Arbeit für unsere zweite gemeinsame Platte verlief dadurch weitaus harmonischer und leichtfüßiger. Bei „Cold World“ wussten wir ja nun schon vorab, worauf wir uns einzustellen hatten, wie die Pre-Production aussehen musste und wie das eigentliche Recording ablaufen würde.“ Entstanden ist ein souveränes, verdichtetes Album, das die Stärken der Kalifornier stärkt und den Band-Sound darüber hinaus weiter entwickelt: „Wir haben uns im Proberaum eingeschlossen, fünf Tage die Woche an neuen Songs gearbeitet und Demos aufgenommen,“ rekapituliert der Musiker der Entstehungsprozess. „In dieser Beziehung halten wir es immer klassisch. Der Arbeitsprozess verlief organisch. Eins kam zum anderen. Bei uns ist es schon immer so gewesen, dass wir das schreiben, was wir selbst gerne hören wollen. Daran haben wir uns auch dieses Mal gehalten. Nach dieser Maßgabe verläuft schon unsere ganze bisherige Karriere. Damit sind wir bislang gut gefahren. Der angenehme Nebenaspekt ist es, dass wir wahlweise einen komplett neuen Sound oder aber eine wahnsinnige Weiterentwicklung zugesprochen bekommen. Für uns ändert sich aber eigentlich nichts. Die Veränderungen resultieren allein aus den Verschiebungen unserer Geschmäcker und der Betonung der Songs. Die schlagen natürlich schon durch, doch ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, dass wir irgendetwas grundlegend anders oder wertiger als andere Künstler tun. Allenfalls agieren wir noch aufgeschlossener als andere Gruppen, was sie Ausgestaltung unserer Songs anbelangt.“

In allen Belangen nimmt man OF MICE & MEN als geerdete, sympathische Band wahr: „Egal, was wir tun, eines ist uns wichtig: wir achten darauf, dass wir uns gegenüber ehrlich bleiben und Musik und Texte aus unserem Innersten kommen,“ erwidert Aaron Pauley. „Bei unserem emotional gefärbten Ansatz ist das sehr wichtig. Das lässt sich an den Stücken von „Cold World“ gut nachvollziehen. Sie alle stehen mit dem Titel auf unterschiedliche Art und Weise in Verbindung, wobei jedes Lied eine andere Sichtweise oder Interpretationsmöglichkeit darstellt. Die Welt um uns herum ist kalt und ungerecht. Doch wenn wir unsere Innere Wärme mit anderen teilen, wird die Welt für uns alle ein besserer Ort.“ Im Grunde verhält sich also alles so wie auf den vorangegangenen Platten der Kalifornier: „Wir verfolgen Songs immer dann weiter, wenn sie sich von der musikalischen und lyrischen Idee her gut anfühlen,“ bestätigt der Bassist und Sänger. „Die Wirkung und die von Musik transportierten Empfindungen leiten sich ja zu einem großen Teil aus den Texten ab. Je älter wir werden, desto besser und intelligenter gelingt es uns, dass zu umschreiben, was wir fühlen und auszudrücken suchen. Es gleicht einer Wissenschaft, Emotionen so in Worte zu überführen, dass sie von Hörern ebenbürtig nachvollzogen werden können.“

Nicht erst auf „Cold World“ gelingt OF MICE & MEN das richtig gut. Das reife Selbstverständnis der Band und ihre Live-Qualitäten kommen auf dem vierten Longplayer schön zur Geltung. Auch hinsichtlich der Gesundheit von Austin Carlile gibt es abschließend gute Nachrichten. Die Genesung des Frontmanns schreitet nach mehreren Herzoperationen voran: „Es geht ihm von Tag zu Tag besser. Ich kenne sonst niemanden, der eine solche mentale Stärke und einen solchen Durchhaltewillen an den Tag legt. Natürlich durchlebt er bessere und schlechtere Phasen, doch insgesamt schlägt er sich gut, so dass er mit uns touren kann.“

 
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