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Sum 41

Storie von: arne, am 14.09.2016 ]

Mit ihrem sechsten Album „13 Voices“ melden sich die Kanadier lebendig und gefällig in der Pop-Punk-Sparte zurück. Sänger/Gitarrist Deryck Whibley hat den Zusammenbruch als Folge seines Alkohol-Missbrauchs gut weggesteckt und widmet sich SUM 41 nun wieder mit voller Energie.

 
„Nachdem wir eine längere Zeit von der Bildfläche verschwunden waren, überrascht mich der Zuspruch, den wir erfahren, schon ein wenig,“ äußert der Frontmann. „Doch um ehrlich zu sein, habe ich darüber nicht groß nachgedacht. Ich habe all meine Anstrengung auf meine gesundheitliche Genesung verwendet und darauf, mein Alkohol-Problem in den Griff zu bekommen. Mein größtes Ziel ist es gewesen, mental und physisch wieder auf die Beine zu kommen, um erhobenen Hauptes zurück zu kehren. 2014 bin ich für vier Monate im Krankenhaus und in ambulanter Behandlung gewesen. Anschließend hat es weitere zwei Jahre gedauert, bis ich mich halbwegs von meinem Leber- und Nierenversagen erholt hatte.“ Deryck ist zur Entgiftung seines Körpers zwischenzeitlich sogar in ein künstliches Koma versetzt worden. So ernst war die Lage. SUM 41 und die Aussicht auf eine fortzusetzende Musik-Karriere haben ihm dabei geholfen, um sein Leben und für seine Zukunft zu kämpfen:

„Letztlich ist es Herzblut, nichts anderes,“ bestätigt der Kanadier. „Das ist der wesentliche Grund, warum die Band immer noch besteht. Wie lieben die Musik und SUM 41 und wollen nichts anderes tun, als unsere Songs zu spielen. Daran hat sich im Verlauf der letzten zwanzig Jahre nichts verändert. Einzig die Wertschätzung für das, was wir tun dürfen, ist gerade in der letzten Zeit enorm gewachsen. Ich genieße die kleinen wie die großen Momente heute umso mehr, und sie wirken länger nach. Als wir noch jünger waren, schien alles viel schneller zu geschehen. Ein Highlight folgte auf das nächste. Es blieb keine Zeit, kurz inne zu halten und zu genießen.“ Nach zwei Dekaden als Band dürfen sich die Kanadier längst als Alt-Meister im Pop-Punk-Zirkus fühlen: „Wenn wir touren, sehe ich im Publikum immer noch dieselbe Altersgruppe wie zu Beginn unserer Karriere,“ so der Sänger und Gitarrist. „Nur wir sind älter geworden. Ich finde es großartig, dass immer wieder neue Hörer zu unserer Band finden und wir etwas anzubieten haben, das junge Leute anspricht. Deshalb kann ich es gar nicht abwarten, mit dem neuen Album zu touren und möglichst viele Leute von Angesicht zu Angesicht zu treffen. Gefühlt befinde ich mich aktuell in der Form meines Lebens; stärker und fitter als jemals zuvor. Noch vor einigen Jahren dachte ich, dass ich mich ohne Alkohol schwach und antriebslos fühlen würde. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Ich stecke voller Energie und weiß, sie positiv zu nutzen.“

Auf dem Nachfolger des 2011 erschienenen „Screaming Bloody Murder“ lässt sich das gut nachhören. Das Schicksal seines


Vorbilds bleibt Deryck Whibley hoffentlich erspart: „In meiner Jugend ist Jim Morrison mein großes Idol gewesen. Ich wollte so sein wie er und hätte es ihm auf unrühmliche Art und Weise fast gleich getan. Als Folge meines Alkohol-Missbrauchs bin ich aufgebläht und ungepflegt bei mir zu Hause zusammen gebrochen und wäre um ein Haar gestorben. Inzwischen habe ich verstanden, wie selbstzerstörerisch mein Weg gewesen ist und habe mein Leben sowie meinen Alltag verändert. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich anderen als Vorbild dienen kann oder eines sein möchte. Mir erscheint es abwegig, dass Kids in mir ein Idol sehen. Ich kann ihnen für ihren Lebensweg nichts mitgeben.“ Mit der Ausnahme von hymnischem Pop-Punk natürlich. „13 Voices“ präsentiert SUM 41 gewohnt lebhaft und eingängig. Der Hang zu Ohrwürmern ist ungebrochen:

„Meinem Verständnis nach sind wir von jeher eine einfache, berechenbare Rock-Band,“ meint der Frontmann. „Das ist unser Wesen, wir sind auch heute nichts anderes. Meine Texte drehen sich um mein Leben und die Dinge, die mir wichtig sind und viel bedeuten. Daran hat sich nichts geändert. Deshalb spiegeln die Texte jeweils ihre Entstehungszeit und mein Leben in dieser Phase wider. Wann immer ich Themen aufgreife, die mir Unbehagen bereiten, weiß ich, dass ich mich an ihnen abarbeiten muss, um mit ihnen klar zu kommen. Ich strebe danach, Musik zu schreiben, die ehrlich ist.“ Für den Kanadier fühlt sich alles neu und aufregend an. Wohl auch deshalb, weil SUM 41 erstmals in einer Fünfer-Besetzung aufspielen. Angst, dass er während der anstehenden Tour-Aktivitäten in Support des sechsten Albums rückfällig werden könnte, hat Deryck übrigens nicht:

„Die viele Zeit, die man mit reisen oder warten verbringt, ist Segen und Fluch zugleich,“ weiß der Musiker. „Nicht immer ist es positiv, wenn man seinen Gedanken nachhängt. Deshalb habe ich es mir zu Eigen gemacht, mich auf meine Gefühle zu konzentrieren und im Moment zu leben, anstatt viel zu denken. Auf Tour werde ich zudem relativ häufig krank, weil ich zu wenig schlafe und dazu tendiere, mich zu verausgaben. Als Folge dessen bin ich regelmäßig erschöpft. Früher hat mir der Alkohol darüber hinweg geholfen und es ermöglicht, durchzuziehen und weiter zu machen. Spaß und Arbeit waren eins. Der Alkohol hat alles zusammen gehalten, so dass ich dieses Leben jahrelang ohne Pausen durchstehen konnte. Inzwischen weiß ich, dass das seinen Preis hatte. Heute arbeite ich genauso viel wie früher, fühle mich aber nicht herunter gekommen, sondern gesund und lebendig.“

 
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  www.facebook.com/Sum41
 
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