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The Dear Hunter

Storie von: arne, am 23.08.2016 ]

THE DEAR HUNTER sind eine dieser Bands, die nur dann ihr volles Potenzial abrufen, wenn sie sich an einem schier wahnsinnigen Konzept abarbeiten können. Mit „Act V: Hymns With The Devil In Confessional“ findet die Lebensgeschichte eines Protagonisten am Scheideweg zweier Jahrtausende nach fünf Alben ihr Ende. Zum Finale bietet die Gruppe um Kreativkopf Casey Crescenzo noch einmal atemberaubende Storyteller-Musik zwischen Art-Rock, Progressive, Avantgarde, Indie, Folk und Pop mit Unterstützung des Awesöme Orchestra.

 
„Ich verfolge nicht bewusst den Ansatz, gegen die Norm zu opponieren oder mich von einem Standard absetzen zu wollen,“ erklärt Casey mit Blick auf seine überbordende Spielfreude. „Im Ergebnis entsteht etwas, das anders klingt; jedoch nicht aus Planung oder Absicht heraus. Die Leute, die uns hören, fühlen sich meiner Beobachtung nach vor allem von der individuellen Kreativität angesprochen. Meine Musik entwickelt sich frei von irgendwelchen Einschränkungen, ist aber dennoch greifbar.“ Ginge es nach dem Musiker, wären Platten und Shows noch greller und vielschichtiger:

„Wenn Geld keine Rolle spielt, würde ich gemeinsam mit einem Kammerorchester auftreten und überhaupt mit einer noch breiteren Instrumentierung, als es uns heute möglich ist. Auf den Touren, die wir spielen, sind unsere Kompositionen leider nur mit Abstrichen umsetzbar. Deshalb suchen wir stets nach akzeptablen Lösungen, die Songs auf der Bühne umzusetzen. Die Wirkungsbreite und den Klangraum wie auf den Alben erreichen sie live sind.“ Dem THE DEAR HUNTER-Kopf bereitet das keine schlaflosen Nächte, denn er ist grundsätzlich zufrieden:

„Meine Erwartungen und Ziele stimmen überein, um es so zu formulieren. Ich bin mit mir im Reinen und arrangiere mich mit dem, was sich mir bietet und möglich ist. Zuspruch von Hörerseite ist ein zweischneidiges Schwert, das die Realität über einem fallen lässt. Jeder Mensch ist individuell und gleichartig. Das gilt es stets im Hinterkopf zu haben. Natürlich verstehe ich mich als Individuum mit eigener Persönlichkeit, doch ich komme nicht umhin zu akzeptieren, dass es da draußen viele Menschen wie mich gibt, die das Leben und die Welt auf dieselbe Weise wahrnehmen. Auch sie erfahren Inspiration und werden von Kunst angesprochen; können selbst kreativ


sein, wenn sie das wollen. Wer das berücksichtigt, kann gar nicht anders, als allein auf sich zu schauen, wenn er künstlerisch tätig ist. Später trifft man dann unweigerlich auf Leute, die ähnlich ticken und eine ähnliche Weltanschauung teilen. Deshalb überrascht es mich nicht, dass es Leute gibt, die meine Songs schätzen.“

Eine zu starke Pop-Attitüde möchte Casey Crescenzo THE DEAR HUNTER dabei nicht zugesprochen wissen: „Pop-Musik ist für mich dasselbe wie Fast Food. Eine tiefer reichende Bedeutung oder atemberaubende Ideen braucht man nicht erwarten. Diesem Verständnis nach ist Pop-Musik billig, obwohl sie allgegenwärtig ist. Andererseits ist jeder, der Pop-Musik hört, für sich wieder individuell und einzigartig – auch wenn es der Musik-Geschmack nicht unbedingt vermuten lässt. Der Unterschied zu Menschen wie mir ist es, dass ich im musikalischen Bereich nach Mehrdeutigkeiten, einem höheren Sinn und größeren Zusammenhängen suche und deshalb mit Fast Food nicht zufrieden bin. Um mich zu verwirklichen, erschaffe ich mehr und mehr Kunst. In den einzelnen Projekten dauert es zunehmend länger, bis ich Klarheit darüber erlange, worauf ich aus bin. Bei der ersten Veröffentlichung von THE DEAR HUNTER habe ich mir noch beim Mixen die Frage gestellt, welchen Absichten ich nachgegangen bin. Beim neuen Album beschäftigt mich die Frage bis dato noch überhaupt nicht. Wahrscheinlich stellt sie sich dann, wenn ich die Songs vor Publikum spiele. Ich bin mir der komfortablen Lage bewusst, dass ich mit voller Unabhängigkeit und Selbstverantwortung Musik erschaffen kann. Die Position verbessert sich zusätzlich dadurch, dass ich weiß, dass meine Hörer sich unvoreingenommen mit meinen Songs beschäftigen, auch wenn ich etwas ganz Eigenwilliges anstelle.“

 
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