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Carnifex

Storie von: arne, am 19.07.2016 ]

Im Feld zwischen Tech-Death und Deathcore sind die Kaliforner CARNIFEX als essentielle Konstante anzusehen. Seit mehr als zehn Jahren legt die Band aus San Diego gute Veröffentlichungen vor und spielt mitreißende Shows auf hohem Niveau. „Slow Death“ ist der sechste Longplayer des Quintetts betitelt, der den Extrem-Sound der Musiker neu akzentuiert und so den enormen Reifeprozess belegt, den Frontmann Scott Lewis & Co. bis heute gemeistert haben.

 
„Wirkliche Schwierigkeiten hat uns eigentlich nur das zweite Album bereitet. Wir waren gezwungen, alle Songs innerhalb von drei Wochen zu schreiben und so klingt das Ergebnis auch. Wenigstens hat es für uns Anschein, als sei alles überstürzt und überhastet entstanden,“ äußert der Sänger auf die Frage, wie CARNIFEX die Arbeit an ihrem neuen Werk erlebt haben. „Inzwischen sind wir mit dem Songwriting und Studio-Aufenthalten vertraut. Wir wissen, was zu tun ist, und gehen mit klaren Vorstellungen davon, was wir erreichen wollen, in den Arbeitsprozess. Schon, als wir dieses Mal in die Überarbeitung der Song-Ideen gingen, reifte in uns die Überzeugung, dass uns etwas richtig Starkes gelungen ist. Mit diesem Wissen im Hinterkopf arbeitet es sich dann geradezu einfach. Dennoch haben wir uns eineinhalb Jahre Zeit gelassen, um die Stücke fertig zu stellen. Es ist gut und gerne vorstellbar, dass wir uns für das nächste Album drei Jahre gönnen werden. Das würde mich wenigstens nicht überraschen. Zeit zu haben, ist kein Luxus, sondern hilft dabei, den Blick zu weiten, um über das hinaus gehen zu können, was man kennt und was typisch für einen ist. Wenn alles schnell gehen muss, nutzt man sein Potenzial nicht aus, weil man sich der Einfachheit halber an Bewährtes hält und in erprobte Bahnen verfällt. In Ruhe arbeiten zu können, birgt Vorteile und ermöglicht es, mit anderen, neuen Ansätzen zu experimentieren.“

Scott Lewis und seine Band-Kollegen haben sich das nötige Selbstbewusstsein angeeignet, sich nicht mehr hetzen zu lassen und den Mechanismen der Musik-Industrie zu widerstehen: „Wir haben aus den Fehlern unserer Vergangenheit gelernt,“ so der Frontmann. „Wir lassen uns heute nicht mehr drängen, gesetzte Deadlines unbedingt einzuhalten. Wenn wir mit der kreativen Arbeit an Tag X nicht fertig sind, arbeiten wir ohne Hast weiter. Wir hören auch längst nicht mehr gleich nach dem ersten Wurf auf, sondern ziehen uns zunächst zurück, überarbeiten Tracks bewusst und wiederholen diesen Prozess so lange, bis wir zufrieden sind. Es gibt nichts so Erfüllendes, wie kreativ zu arbeiten und seine Ideen wachsen und sich verändern zu sehen. Das ist es, was uns interessiert. So halten wir uns motiviert.“ Die beständige Qualitätssteigerung der Longplayer von CARNIFEX hat Scott zufolge einen offensichtlichen Grund:

„Alle sechs Alben sind von denselben Leuten geschrieben worden, die sich im Zeitverlauf gemeinsam verbessert


haben. „Die Without Hope“ unterscheidet sich deshalb von seinen Vorgängern, weil wir uns damals erstmals wirklich Zeit für das Songwriting und die Aufnahmen genommen haben und wir genau das umgesetzt haben, was uns vorschwebte. Schon davor war es immer unser Ziel, das uns bestmögliche Album umzusetzen. Die Umstände haben das aber jeweils verwehrt und uns zu vielen kleinen Kompromissen gezwungen. Inzwischen akzeptieren wir das nicht mehr. Als Musiker und Einheit sind wir über die Jahre gewachsen. Heute möchten wir unsere Vorstellungen realisieren. Was dabei entstehen kann, stellt „Slow Death“ nun gewichtig heraus. Die Songs klingen reif, unsere Vision ist klar erkennbar.“ Es ist von einem modernen Extrem-Werk zu sprechen, das neben unbändiger Härte auch düster-bedrohliche Atmosphären, melodische Akzente und eine Black Metal-Ästhetik aufweist. Noch wichtiger: das Songwriting erfolgt spannungsgeladen, variabel und ganzheitlich:

„In dieser Beziehung haben wir eine große Lernkurve genommen,“ so der Kalifornier. „Keiner in der Band hat anfangs sein Instrument beherrscht oder hatte Musikstunden absolviert. Wir haben uns alles selbst beigebracht. Unsere Aktivitäten als CARNIFEX basieren auf Leidenschaft und der Liebe zum Metal. Wer unsere sechs Alben hintereinander hört und mit dem ersten Material aus dem Jahr 2005 startet, wird bemerken, dass wir zunächst lernen mussten, wie man Songs schreibt. Die Wirkung von klaren Song-Strukturen haben wir selbst ergründet, ganz ohne Hilfe. Entweder man beißt sich durch oder man bringt es nicht weit und scheitert. Für uns ist „Slow Death“ die natürliche Erweiterung dessen, was wir auf „Die Without Hope“ begonnen haben. Textlich erkunde ich noch düsterere Territorien, musikalisch gehen wir unseren Weg weiter.“

Insbesondere hinsichtlich der transportierten Emotionen bietet das neue Album mehr als seine Vorgänger: „Es war von Beginn an unsere Absicht, mit „Slow Death“ verzweifelte, bedrohliche Stimmungen umzusetzen. Auch deshalb haben wir die atmosphärische und emotionale Schlagseite unseres Sounds ausgebaut. Das tue ich auch in meinen Texten, mit denen ich eigene Ängste und Gedanken äußere, wie ich es sonst niemals tue bzw. es zuvor noch nicht getan habe. „Slow Death“ steht für Gefühle der Isolation und Depression. Ich möchte die Botschaft übermitteln, dass niemand mit seinen Problemen alleine ist und niemand seinen Schmerz alleine durchstehen muss.“

 
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