Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1750

Despised Icon

Storie von: arne, am 14.07.2016 ]

Schon die Meldung über die Reunion der Deathcore-Helden DESPISED ICON war eine Sensation. Mit der Veröffentlichung des programmatisch „Beast“ betitelten Albums ist das Comeback des Stil prägenden Sextetts aus Montreal nun gänzlich vollzogen. Schnell ist klar: der Extrem-Sektor braucht diese Band.

 
„Es schmeichelt mir, wenn ich unsere Geschichte erzählen soll. Es ist doch toll, wenn sich Leute überall auf der Welt für einen interessieren,“ gibt der gutgelaunte Gitarrist Eric Jarrin zu Protokoll. „Dennoch bin ich überrascht davon, wie sehr sich die Nachfragen seit unserer Rückkehr vervielfacht haben. Es ist doch praktisch noch gar nichts passiert, von einigen Shows und Touren abgesehen. Dennoch scheint schon der Umstand, dass wir wieder aktiv sind, auszureichen, die Leute in Begeisterung zu versetzen. So ist mir erst kürzlich bewusst geworden, welch nachhaltigen Eindruck wir in der Metal-Szene hinterlassen haben und wie sehr uns viele Leute vermisst haben.“ Die Kanadier haben auch nicht lange ohne ihre Band ausgehalten. Dennoch haben sie die Spanne der vier Jahre genutzt, sich Leben jenseits der Musik aufzubauen. Das ermöglicht ihnen nun eine entspannte zweite Karriere mit DESPISED ICON:

„Wir müssen nichts und niemandem etwas beweisen,“ stimmt Eric zu. „Die geschäftliche Seite unseres Band-Daseins spielt heute eine untergeordnete Rolle. Insofern befinden wir uns in einer komfortablen Lage und können uns voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Es fühlt sich so ähnlich wie ganz zu Beginn an. Niemand kannte uns oder hatte Erwartungen. Wir haben die Songs geschrieben, die wir hören wollten. Exakt so haben wir „Beast“ umgesetzt. Es gab keinen Druck und keine Beeinflussung von außen. Natürlich hoffen wir, dass die Songs unseren Fans gefallen. Große Zweifel daran haben wir aber nicht, schließlich ist es ein typisches DESPISED ICON-Album – einfach und simpel! Doch hätte mir jemand vor sechs Jahren erzählt, dass die Band zurück kommen und ein neues Album veröffentlichen würde, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt. Damals schien das noch ausgeschlossen. Die Realität hat mich nun eines Besseren belehrt. Wir sind Metal-Fans, die DESPISED ICON einst gegründet haben, weil sie selbst aktiv sein wollten. Daran hat sich nichts geändert. Diese Band ist ein wesentlicher Teil unserer Leben. Wir alle spürten, dass die Zeit reif war, sie wieder aufleben zu lassen. Wir können einfach nicht ohne sie. Inzwischen leben wir über das Land verstreut, doch die Liebe zur Musik vereint uns.“

2010 haben sich die Kanadier wirklich aufgelöst und vier Jahre nicht bestanden. Den Neustart gehen die Musiker komplett mit neuem Material an: „Zur Band-Gründung 2002 waren wir nicht mehr als ein Haufen Kids, die extremen Metal spielen wollten. Etwas anderes hat uns nicht interessiert,“ erinnert sich der Gitarrist. „Erst, als die Dinge ins Rollen kamen und wir plötzlich unseren


Lebensunterhalt von der Band bestritten haben, bestimmten auch andere Parameter unser Handeln. Vieles von dem, mit dem wir uns herum schlagen mussten, lag außerhalb unserer Einflusssphäre und hat uns ernüchtert. Irgendwann war der Spaßfaktor dahin. Als wir DESPISED ICON auflösten, waren wir schlicht ausgebrannt und durch – körperlich und psychisch. Wir sind damals im Guten auseinander gegangen und dachten, das war es. Um eine Wiederholung all dessen zu vermeiden, gehen wir die Dinge heute anders an. Der wichtigstes Unterschied: die Band bezahlt nicht mehr unsere Rechnungen. Wir sind wieder aktiv, weil wir etwas Wesentliches vermisst haben und weil wir es wollten. DESPISED ICON sind keine Verpflichtung, sondern stehen wieder für Spaß. Erst, als die ersten Reunion-Shows gespielt waren, haben wir damit begonnen, an neuen Songs zu arbeiten. Das Material für „Beast“ ist im Zeitraum zwischen März und September 2015 geschrieben worden, also aktuell und frisch. Damit repräsentiert das Album DESPISED ICON, wie wir derzeit klingen.“

Viel verändert hat das Sextett nicht. Es setzt weiterhin auf seinen Trademark-Sound: „Wir lassen uns von unseren Gefühlen leiten und vertrauen ihnen,“ beschreibt es Gitarrist Eric Jarrin. „„Beast“ liegen keine großen Planungen oder Experimente zugrunde. Die Songs sind auf klassische Art und Weise entstanden. Wir verfolgen eine Old School-ige Arbeitsweise. Ein eingängiger Hook und einige starke Riffs reichen uns vollkommen, um daraus einen Track zu formen. Darüber hinaus bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass ein heftiger Breakdown nach einer schnellen Grindcore-Passage Wunder wirkt. Ein dynamisches Sound-Bild und Tempo-Variation bürgen für Spannung. Davon ist unser Songwriting geprägt. Schon vor 15 Jahren haben wir nichts anderes getan, als brutale Musik aus der Kombination all der Elemente zu erschaffen, die wir mögen. Das sind Blastbeats, Slam-Riffs und Breakdowns. Und sie prägen nun auch „Beast“, denn sie bestimmen unsere Identität als Band.“

Diese ist auch dafür verantwortlich, dass sich die Musiker innerhalb kürzester Zeit wieder aufeinander eingestellt haben, nachdem das Comeback der Deathcore-Kombo ausgerufen war: „Als wir wieder zusammen kamen, wussten wir nicht, wie sich das Songwriting entwickeln würde. Doch es hat nur ein-zwei Stunden gebraucht. Schon war die alte Magie wieder da und wir hatten unseren ersten neuen Track geschrieben. Es war so, als hätte es die Auszeit nicht gegeben. Die Arbeit insgesamt verlief schnell und ergebnisorientiert. Das äußert sich im rohen und geradlinigen Charakter von „Beast“.“

 
 Links:
  facebook.com/despisedicon
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  As I Lay Dying
  Cult Of Luna
  Despised Icon
  The Menzingers
  Entrails

Interviews/Stories:

  Brutality Will Prevail
  Uzziel
  Carnifex

Shows:

  24.09. Amanda Palmer - Hamburg
  25.09. Amanda Palmer - Leipzig
  27.09. Tankard - Wuppertal