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Beyond All Recognition

Storie von: arne, am 19.06.2016 ]

Dubcore – so nennen die Schweden die von ihnen praktizierte Vermischung von Death Metal/MetalCore mit Dubstep-Elementen. Damit ist ein dichter, intensiver und drückender Crossover gemeint, der ausgewiesen live-tauglich daher kommt. Mal dominieren markante Beats, dann wider starke Riffs. Im Ergebnis entstehen bei BEYOND ALL RECOGNITION modern-brachiale Stücke, die ihre Wirkung nicht verfehlen.

 
„Als wir die Band gestartet haben, waren wir um die 16 Jahre alt und verfolgten den naiven Traum, eines Tages Rock-Stars zu sein. Wer will das in diesem Alter nicht – also überall die Massen begeistern, die Welt bereisen und allerorten Fans haben,“ äußert Frontmann David Söhr auf die Wartezeit seit dem 2012er Debüt „Drop=Dead“ und den großen Entwicklungssprung hin zum selbstbetitelten Zweitwerk angesprochen. „Im Rückblick klingt das natürlich lächerlich, doch wir stehen dazu. Inzwischen wissen wir es besser und verfolgen kleinere Ziele. Wir sind erwachsen geworden und blicken realistisch auf das, was uns als Band möglich ist. Immerhin kommen wir wirklich herum, sehen viele Länder und nehmen die unterschiedlichsten Eindrücke mit. Es ist spannend, zu sehen, wie Leute anderer Kulturkreise auf unsere Songs reagieren. Wenn man die Lyrics des neuen Albums mit denen von „Drop=Dead“ vergleicht, bemerkt man ebenfalls eine deutliche Veränderung im Sinne tiefergehender Gedanken und kritischer Ansätze. Etwa, wenn wir Korruption, das Artensterben oder menschliches Verhalten allgemein thematisieren. Auf „Drop=Dead“ drehte sich noch alles darum, das Hirn auszuschalten, zu saufen und Spaß zu haben. Die Entwicklung vom ersten Album zum zweiten geht mit der Erkenntnis einer Verantwortung einher, der wir heute gerecht werden wollen.“

Die Schweden brechen musikalisch dennoch kaum mit ihrer Vergangenheit. Und auch die Motivation von BEYOND ALL RECOGNITION unterscheidet sich letztlich gar nicht so sehr, wie David ausführt: „Es ging uns von Beginn an darum, uns auszuleben und unsere Meinungen zu äußern. Als Menschen sind wir im Privaten eher introvertiert. Dennoch verspüren wir regelmäßig den Wunsch, herum zu schreien und Dinge anzuprangern, die in der Gesellschaft schief laufen. Wir sind in einem religiös geprägten Land groß geworden, das auf einer entwickelten Kultur und geteilten Werten basiert. Damit kann man sich überwiegend arrangieren, an einigen Ausprägungen gelegentlich aber auch Anstoß nehmen. Dann ist es gut, ein verbales „Fuck You“ heraus zu schreiben. Im Metal finden wir diese Möglichkeit, denn unserem Verständnis nach steht Metal dafür, gegen Standards anzukämpfen, die einem nicht passen. Vielen Leuten geht es besser, wenn sie ihren Emotionen freien Lauf lassen. Sie weinen beispielsweise, wenn etwas schief gelaufen ist oder sie traurig sind. Auf der Bühne durchleben wir etwas Vergleichbares. Nach Konzerten fühlen wir uns regelrecht erlöst. Wir haben all unsere Aggressionen verarbeitet und Schmetterlinge


im Bauch, um es literarisch zu beschreiben. Wenigstens mir als Sänger geht das so. Ich halte nichts zurück.“

Ein Selbstläufer ist die Auseinandersetzung mit dem Dubcore von BEYOND ALL RECOGNITION allerdings nicht. „Unser Ansatz bedingt es, dass es immer Leute geben wird, die nichts mit uns anfangen können,“ weiß auch David Söhr. „Einige sind einfach nicht bereit dafür, unseren Ansatz und unsere Botschaften zu verstehen. Andere werden beides lieben. Wir sind schon gespannt, zu erfahren, wie unsere Fans auf die cleanen Vocals der neuen Platte reagieren. Das Album ist unter anderem deshalb selbstbetitelt, weil wir dieses Mal allein für uns gearbeitet haben. So werden wir es auch zukünftig halten. Die Songs sollen zuallererst uns gefallen und für sich selbst stehen. In Kategorien wie Singles oder Hits denken wir nicht mehr. Wir streben danach, wertige Musik zu erschaffen, die die Leute so wie uns selbst berührt. Ob dieser Weg von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt abzuwarten. Doch egal, wie es läuft, wir bleiben uns treu und verfolgen unser eigenes Ding. Es ist gut möglich, dass jemand zu einzelnen Songs überhaupt keinen Zugang findet, andere aber abfeiert. Wundern würde mich das nicht. Wir sind für jeden Interessenten dankbar, der uns eine Chance gibt und antestet.“

Auch die Schweden selbst mussten sich zunächst zu ihrem Crossover-Sound vorarbeiten: „Ich erinnere mich, dass wir anfangs plump unseren Helden nachgeeifert sind und wie Europe, Judas Priest, Iron Maiden und all die anderen Klassiker klingen wollten,“ verrät der Frontmann im Rückblick. „Recht bald haben wir festgestellt, dass man nicht wie jemand anders klingen kann und uns daran gemacht, zu ergründen, was unsere Band auszeichnen kann. Doch erst im Jahr 2011, als wir die Single ,Now Or Never‘ fertig gestellt haben, wussten wir, welchem Pfad wir folgen wollen. Obwohl es zwischen unseren Alben offensichtliche Unterschiede gibt, bleiben wir diesem Weg bis heute treu. Ich würde für uns sogar in Anspruch nehmen, dass wir etwas entwickelt haben, das einzigartig für BEYOND ALL RECOGNITION ist. Dennoch verfolgen wir mit jedem Album das Ziel, musikalisches Neuland zu betreten. Auf diese Art und Weise halten wir es aufregend und spannend. Ausschließlich auf Bekanntes zu setzen oder dasselbe mit kleinen Veränderungen zu wiederholen, ist uns zu wenig. Anders ausgedrückt: die Band ist für uns eine aufrichtige und einzigartige Plattform, die es uns ermöglicht, unsere kreativen Grenzen auszutesten und als Künstler zu wachsen.“

 
 Links:
  facebook.com/beyondallrecognition
 
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