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The Zenith Passage

Storie von: arne, am 14.06.2016 ]

Wenn Musiker beliebter Extrem-Kapellen in einer anderen Konstellation auf den Plan treten, ruft das bei der relevanten Hörer-Klientel unweigerlich Interesse hervor. In den Reihen der debütierenden THE ZENITH PASSAGE treffen Mitglieder von The Faceless, Fallujah und All Shall Perish aufeinander und frönen einem wahnwitzigen Tech-Death. Mindestens ebenso bemerkenswert wie die Musik ist der Konzept-Ansatz von „Solipsist“.

 
„Um ehrlich zu sein, überrascht es mich, dass wir für so viel Aufsehen sorgen und dass sich so viele Leute für uns interessieren,“ zeigt sich Gründer, Haupt-Songschreiber und Lead-Gitarrist Justin McKinney (auch The Faceless) bescheiden. „Jedenfalls sehe ich es nicht als selbstverständlich an und habe schon gar nicht damit gerechnet. Für diese Band habe ich niemals eine Karriere angestrebt oder gedacht, dass sie es einmal weit bringen würde. Anfangs war sie nicht mehr als ein Spaß-Projekt, mit dem ich mir die Zeit vertrieben habe. Einen Großteil der frühen Stücke habe ich geschrieben, als ich noch zur Schule ging. Meine kühnsten Träume sind längst über erfüllt.“ Auf Nachfrage gibt der Kalifornier dann doch zu, dass er in Ansätzen nachvollziehen kann, weshalb THE ZENITH PASSAGE auffallen:

„Ein Stück weit ist das, was wir spielen, tatsächlich verrückt. Doch so drücke ich nun einmal meine Kreativität aus,“ sagt der Gitarrist. „Ohne über eine weitere Verortung in irgendwelchen Sub-Genres nachzudenken, kann ich bestätigen, dass THE ZENITH PASSAGE von Haus aus technisch geprägt sind. Im Songwriting geht es mir aber nicht darum, Technik zum Selbstzweck aufzufahren. Es liegt schlicht in meiner Natur, mich auf der Gitarre zu fordern. Erzwingen tue ich nichts.“ Der Umgang mit „Solipsist“ gestaltet sich entsprechend anspruchsvoll und lehrreich: „Wenn es mir tatsächlich gelingt, bei Hörern das Verständnis für komplexe Musik voran zu bringen und die Wertschätzung für technischen Metal zu steigern, wäre das eine tolle Sache,“ äußert Justin. „Wenn die Leute von meinen Songs etwas lernen oder für ihren Musik-Zugang mitnehmen, habe ich alles richtig gemacht. Ich selbst verbinde mit meinen Songs die persönlichen Erinnerungen, Gefühle, Gerüche und Stimmungen, die ich zu dem Zeitpunkt empfunden oder erlebt habe, als sie entstanden sind. Das lässt sich für Hörer natürlich nicht nachempfinden. Doch man spürt, dass die Tracks von ihrer Anlage her unterschiedlich sind, verschiedene Richtungen ansteuern und sich immer wieder verändern. Es ist mein Anliegen, jedem Stück eine schaurige, mystische Aura mit auf den Weg zu geben und variabel gestaltete Musik zu präsentieren.“

Das Feedback auf die 2013er MCD „Cosmic Dissonance“ hat bewiesen, dass der Vierer aus Los Angeles bei Hörern einen Nerv trifft und ankommt: „Wir sind eine junge Band, die noch einen weiten Weg vor sich hat. Das sehen wir realistisch, auch wenn wir bei bestimmten Hörergruppen bereits für einiges Aufsehen gesorgt haben,“ relativiert Justin McKinney. „Innerhalb der kurzen Zeitspanne, in der wir THE ZENITH PASSAGE nun bewusst voran treiben, ist viel Positives passiert. Dass wir bereits eine Menge Kredibilität zugebilligt bekommen, ehrt uns. Die Voraussetzungen scheinen gut zu stehen, dass wir unseren Helden nacheifern können. Persönlich haben sich für mich auch durch meinen Einstieg bei The Faceless längst alle Träume erfüllt. Seit meinen Highschool-Tagen war ich ein eingefleischter Fan von ihnen. Dass sie mich als Gitarristen aufnehmen würden, hätte ich nie zu träumen gewagt.“ An seinem eigenen Outlet hält der Musiker dennoch weiter fest: „Wir haben gerade erst damit begonnen, eine eigene Identität und einen wiedererkennbaren Sound heraus zu bilden. „Solipsist“ ist der Startpunkt unserer Entwicklung, die hoffentlich zu musikalischer Eigenständigkeit und Klasse führen wird. Es wäre vermessen, zu behaupten, dass wir diesen Punkt schon erreicht haben. Wir sprechen ja gerade einmal von unserem Debüt. Dennoch kann ich versprechen, dass wir uns kontinuierlich weiter entwickeln und danach streben werden, außergewöhnlichen, anspruchsvollen und dennoch nachvollziehbaren Metal zu erschaffen. Das Gesagte betrifft den übergeordneten Bereich. Vorderdringlich bekommt man es mit rigorosen, brutalen Stücken zu tun, die aber stets zugänglich gehalten sind.“

Atmosphärische Schwelge- oder offene Prog-Parts stehen einer bissigen Vehemenz gegenüber, die zu keiner Zeit angestrengt wirkt. Dabei fallen die Kompositionen komplex und technisch aus: „Das Material ist über die letzten beiden Jahre hinweg entstanden und damit das Ergebnis eines längeren Arbeitsprozesses,“ erläutert der Gitarrist. „Wer unsere MCD kennt, wird


bestätigen, dass wir den Ansatz von „Cosmic Dissonance“ fortführen und ausbauen. Nachdem ich bei The Faceless eingestiegen bin und gemeinsam mit Michael Keene die Arbeit an ihrem neuen Album begonnen habe, ist es mir schwerer gefallen, mich auf „Solipsist“ zu konzentrieren und dafür zu sorgen, dass alles zusammen passt. Gewisse Überschneidungen ließen sich am Ende nicht vermeiden, was die dem Songwriting zugrunde liegende Mentalität anbelangt. Einige der Riffs habe ich ursprünglich für The Faceless geschrieben, letztlich aber doch für THE ZENITH PASSAGE verwendet, um sie nicht zu verschwenden. Der Song, der die offensichtlichsten Überschneidungen aufweist, ist mit Sicherheit ,Holographic Principle II: Convergence‘. In den Details sind beide Gruppen aber schon voneinander abgegrenzt.“

Problematisch wären selbst weiter reichende Parallelen nicht: „Ich habe das Album primär für mich geschrieben. Es ging mir darum, Songs zu erschaffen, die mich fordern und mir Freude bereiten,“ so Justin McKinney über seine Motivation. „Wenn auch andere Hörer Zugang zu „Solipsist“ finden, wäre das schön. Die lange Entstehungszeit resultiert daher, dass ich detailversessen bin und so lange an den Stücken herum arbeite, bis ich davon überzeugt bin, dass sie perfekt sind.“ Das feste Line-Up, das auch Konzerte spielt, existierte nicht von Anfang an und bestätigt ebenfalls, dass lange Zeit von einem Projekt zu sprechen war: „Die Entscheidung, eine Band-Konstellation aufzubauen, habe ich erst getroffen, nachdem die Songs für die MCD beisammen waren. Bis dahin war THE ZENITH PASSAGE lediglich Zeitvertreib. Einen engen Freund, Greg Hampton, habe ich für die Vocals eingebunden, und so haben wir eine ganze Weile vor uns hin gearbeitet. Irgendwann fassten wir den Entschluss, alles ernsthafter anzugehen und die MCD aufzunehmen. Wir fühlten, dass wir auf einem guten Weg waren und es sich lohnen würde, größere Anstrengung zu investieren. Die MCD führte dazu, dass sich etliche Musiker gemeldet haben, die Teil von THE ZENITH PASSAGE werden wollten. Seither arbeiten wir mit Rob Maramonte (Fallujah) und Luis Martinez (Oblivion) zusammen, was gut funktioniert und sehr produktiv ist.“

Die vielen Kniffe, Wendungen und Überraschungen im Sound von THE ZENITH PASSAGE sind dabei kein Zufall, sondern Absicht. Jeder Aspekt von „Solipsist“ basiert auf Hintergedanken und bewussten Erwägungen. Hörer merken das insbesondere an den Motiven, die über das Album verstreut immer wieder kehren, und auch an der konzeptionellen Basis: „Unser Debüt ist ein Konzept-Album, das sich um die zentrale Idee der Nicht-Existenz dreht,“ führt Justin McKinney in die Thematik ein. „Während des Songwriting-Prozesses habe ich mich mit der Überlegung auseinander gesetzt, dass lediglich das Ich als wirklich existent anzusehen ist. Doch was existiert außerhalb des eigenen Bewusstseins, oder was nicht? Diese Fragestellung hat mich interessiert, weshalb ich mich mit den Theorien des Solipsismus und des metaphysischen Solipsismus beschäftigt habe. Gemeint ist eine erkenntnistheoretische Lehre, die alle Gegenstände der Außenwelt und auch sogenannte fremde Ichs nur als Bewusstseinsinhalte des als allein existent angesehenen eigenen Ichs sieht. Ausgehend davon habe ich verschiedene Ableitungen zur Nicht-Existenz entwickelt und in einen Science Fiction-Kontext überführt. Jedes Stück von „Solipsist“ untersucht einen Blickwinkel auf die Nicht-Existenz. In der CD-Hülle ist jeweils eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Theorien, auf die ich mich beziehe, enthalten.“

Aufgrund der inhaltlichen Komplexität hat sich auch das Songwriting nicht einfach gestaltet, verrät Justin: „Es bringt Vorteile mit sich, wenn man während des Songwriting Pausen einlegt und reflektiert. Gerade dann, wenn man Gefahr läuft, zu überhitzen und es zu übertreiben. Immer, wenn ich merke, dass mir der Blick für das Gesamtbild verloren geht, stoppe ich. Es bringt ja nichts, allein technisch abzudrehen, ohne Verbindungen zwischen den einzelnen Elementen zu schaffen. Wenn man sich die nötige Zeit gewährt und immer wieder auch zurück nimmt, kann man anschließend frisch und unvorbelastet starten. So findet man letztlich zu wirklich guten Songs.“

 
 Links:
  facebook.com/TheZenithPassage
 
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