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If These Trees Could Talk

Storie von: arne, am 27.05.2016 ]

Als instrumentale Post-Rock-Band sind IF THESE TREES COULD TALK naturgemäß einem Kopfkino-Ansatz verschrieben. Das „Fehlen“ von Vocals wird auf dem Drittwerk „The Bones Of A Dying World“ von eindrücklichen Spannungsbögen und einem die Vorstellungskraft animierenden Songwriting „kompensiert“.

 
„Es ist auch mein Verständnis, dass wir als instrumentale Band mit jedem Song, den wir schreiben, ein Problem zu lösen haben,“ greift Schlagzeuger und Produzent Zack Kelly den Faden auf. „Diese Art von Musik erfordert es, dass man sich Gedanken macht und den Hörern Lösungen anbietet. Es handelt sich um Musik, die nur selten Berücksichtigung im Radio findet. Man muss sie schon bewusst suchen. Hörer, die die instrumentale Musik für sich entdecken und sich mit ihr beschäftigen, erhalten dafür die Gelegenheit, aus jedem Song einen eigenen werden zu lassen und sich ein eigenes Verständnis zu Recht zu legen. Das ist der Unterschied zur Musik mit Gesang, bei der der Sänger die Geschichten erzählt und sie sich nicht erst durch die Assoziationen der Hörer einstellen.“ Das Quintett aus Akron in Ohio sieht hinsichtlich der besonderen Anforderungen an sein kreatives Arbeiten und seine Aufstellung allein die positiven Seiten:

„In der instrumentalen Kategorie fühlen wir uns bestens aufgehoben,“ bekräftigt Zack Kelly. „Ob man nun von Rock oder Metal spricht, spielt für mich schon keine Rolle mehr. Meinem Verständnis nach gibt es einen Unterschied zwischen lauter Heavy-Musik und Heavy-Musik, die sich in den Köpfen abspielt, in Bezug auf den Stil und das Tempo. Unsere Ziele sind es, der Musik die Führung zu überlassen und Hörer in die Lage zu versetzen, sich von ihren Alltagsproblemen zu lösen. Es gibt ausreichend Freiraum, den der Geist füllen kann, wenn man Songs ohne Gesang lauscht. Wir haben uns einst bewusst dafür entschieden, dass wir als Band keinen Sänger benötigen. Daran halten wir fest. Das ist unsere Philosophie. Ein Stück weit ungewöhnlich ist darüber hinaus der Umstand, dass es bei IF THESE TREES COULD TALK bislang noch keine personellen Wechsel gegeben hat. Wir alle sind schon seit Kindertagen miteinander befreundet und haben zusammen die Welten von klassischem Rock, Metal, Blues, Jazz und Bluegrass entdeckt. Als wir die Band gegründet haben, hat es sich einfach ergeben, dass wir instrumental geblieben sind.“

Die Vorteile liegen für den Schlagzeuger, der die Veröffentlichungen seiner Band auch produziert, auf der Hand: „Wir schätzen die Freiheiten, die wir im Songwriting genießen, denn auf das klassische Intro-Vers-Chor-Vers-Chor-Schema sind wir ohne Sänger nicht festgelegt. Eine solche Schablone bietet Hörern zwar eine Orientierung, weil sie stets wissen, was als Nächstes kommt. Als instrumentale Band steht es uns aber frei, Hörer jederzeit unerwartet anzusprechen und zu überraschen. Der einzige Nachteil ist es, dass es einige engstirnige


Leute gibt, die instrumentale Bands kategorisch ausschließen, eben weil sie keinen Sänger im Line-Up haben. Das akzeptieren wir notgedrungen und wenden uns lieber all den Hörern zu, die ihren Geist wandern lassen wollen. Als ich Bands wie Mogwai für mich entdeckte, habe ich es selbst nicht anders erlebt. Als ich sie das erste Mal gehört habe, war ich sofort davon begeistert, dass sie ihr Publikum ohne ein einziges Wort verzaubern. Davon habe auch ich mich fesseln lassen.“ Die beständige Veränderung von Stimmungen und Soundscapes liegt Zack zufolge am Leben ganz allgemein:

„Als Band, Musiker und Menschen verändern wir uns ganz von selbst, ohne dass wir das forcieren müssen. Das ist der Lauf der Dinge, und auch unser Sound entwickelt sich als Folge dessen kontinuierlich weiter und wächst. Die Wurzeln unserer Band wird man immer erkennen, doch ausgehend von unseren Anfängen trägt uns der natürliche Fortgang weiter. Unsere Aufgabe ist es schlicht, dem zu folgen und uns mit dem auseinander zu setzen, was wir erleben und sich von selbst einstellt.“ Nach dieser Aussage überrascht es nicht, zu hören, dass IF THESE TREES COULD TALK ohne fertiges Material ins Studio gegangen sind: „Das Songwriting und der Aufnahme-Prozess sind mehr oder weniger zusammen gefallen,“ so der Schlagzeuger. „Die ganze Zeit über haben wir mit verschiedenen Sounds und Stimmungen herum experimentiert. Das kann einen in den Wahnsinn treiben, weil man irgendwann Gefahr läuft, den nötigen Abstand zu verlieren. Doch eines steht fest: wir sind eine Riff-basierte Band, deren Einflüsse im Wesentlichen aus den 1990er Jahren stammen. Im Songwriting ist es für uns entscheidend, starke Riffs zu setzen, die Reaktionen aus uns heraus kitzeln. Gelingt uns das, wissen wir, dass wir ohne Hektik weiter arbeiten können. Es ist unser erklärtes Ziel, Hörer mit jedem Song vor die Frage zu stellen, was wohl als Nächstes passiert. Unsere Alben sind wie Filme mit einem unerwarteten Ende, die auch zuvor schon diverse Wendungen und Seitenstränge durchlaufen.“

Die stilistische Breite, die „The Bones Of A Dying World“ aufweist, ist dennoch kein Zufall: „Wir haben einen vollen Album-Zyklus vom Anfang bis zum Ende umgesetzt, anstatt wieder nur einzelne Tracks aneinander zu reihen,“ verrät Zack Kelly. „Um beim Film-Beispiel zu bleiben: man kann den Plot nicht erst in der Mitte beginnen; sondern muss schon am Anfang wissen, wohin die Geschichte führen soll. Alle unsere Veröffentlichungen weisen diesen Ansatz auf, doch auf dem neuen Album, haben wir das bislang am besten umgesetzt.“

 
 Links:
  facebook.com/treescouldtalk
 
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