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Hatebreed

Storie von: arne, am 17.05.2016 ]

Der Sound zwischen Hardcore und Metal ist gesetzt; ebenso sind es die aggressive Attitüde und die direkten Worte von Jamey Jasta. HATEBREED legen mit „The Concrete Confessional“ ein Album vor, das musikalisch und textlich düster und schonungslos daher kommt. Als Spiegel seiner Zeit taugt die siebte Platte der Szene-Ikone damit vortrefflich.

 
Trotz Interview-Marathon meldet sich via Skype ein gut gelaunter, auskunftsfreudiger Frontmann: „Ich habe Spaß daran, mich mit Leuten zu unterhalten und mit ihnen auszutauschen. Ganz nebenbei kann ich HATEBREED so im Bewusstsein der Leute halten, die nicht so regelmäßig mit uns zu tun haben. Die meisten Interviews führe ich natürlich, wenn neue Alben von uns erscheinen, doch auch dazwischen gibt es viele Anfragen, denen ich nachkomme, sofern es sich einrichten lässt. Das Interesse an uns ist kontinuierlich da, was mich freut. Im Vorfeld der Veröffentlichung von „The Concrete Confessional“ steigert sich das gerade enorm. Es ist schön zu sehen, dass wir direkt wieder viele gute Reviews einfahren und die Leute uns die Treue halten. Da wir sehr stolz auf die Arbeit, die wir geleistet haben, sind, ist die positive Bestätigung willkommen. Wir stehen stärker denn je da, obwohl wir kürzlich unser 20-jähriges Band-Jubiläum gefeiert haben. Für uns kommt gerade einiges zusammen. So haben wir etwa unseren Vertrag mit Nuclear Blast um zwei Platten verlängert und arbeiten nun weltweit mit ihnen zusammen. Und auch über den Zuspruch auf unseren Touren können wir uns nicht beschweren. Es läuft.“

In den USA werden HATEBREED anlässlich der Veröffentlichung ihrer neuen Platte gemeinsam mit DevilDriver unterwegs sein, deren neues Album „Trust No One“ am selben Tag erscheint: „Wir kennen uns schon ewig und haben über die Jahre hinweg auch immer wieder mit der anderen Band von Dez, Coal Chamber, Shows gespielt,“ so Jamey. „Wenn wir unsere gemeinsame Tour am 13. Mai in Cleveland starten, kommen beide Alben gerade an diesem Tag auf den Markt. Ich weiß, dass wir beide darauf spekulieren, in die Billboard Top 20 einzuziehen. Mal schauen, wer dabei erfolgreicher sein wird. Ich hoffe auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wobei ich mich für jede Heavy-Band freue, die es in die Charts oder auf Magazin-Cover schafft. In der Presse und den Charts aufzutauchen ist wichtig, denn darüber werden immer wieder neue Leute auf einen aufmerksam.“ Die angesprochene Ausweitung der Kooperation mit Nuclear Blast ist dem Frontmann zufolge ein naheliegender Schritt gewesen:

„Sie sind ein professionell organisiertes und arbeitendes Label, das bewiesen hat, dass sie ihre PS auf die Straße bringen. Selbst für Bands wie Slayer oder Machine Head konnten sie noch einmal mehr bewegen. Das zeigt die Qualität ihrer Arbeit. Außerdem arbeiten bei Nuclear Blast Leute, die voll und ganz hinter ihren Künstlern stehen. Wir kennen viele von ihnen seit Jahren und wissen, dass sie vollends von uns überzeugt sind. Dieses Vertrauen geben wir mit dem neuen Vertrag zurück. In den USA ist unser letztes Album auf einem größeren Label erschienen, das eher auf Rock spezialisiert ist. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten haben sie viel für uns getan. Doch nur einige der Mitarbeiten sind dem Hardcore verbunden oder wissen etwas über diese Szene. Ich glaube schon, dass sie unsere Platte gemocht haben. Gleichwohl bin ich davon überzeugt, dass es vorteilhafter ist, mit einem Label zusammen zu arbeiten, das eine Historie in dem Feld besitzt, das man selbst besetzt. Das Verständnis für Bands und ihre Fans ist durch nichts zu ersetzen. Wir teilen uns Hörer mit Agnostic Front, Madball, Accept und Suicide Silence. Mit Slayer und Anthrax sind wir auch regelmäßig auf Tour. Es sagt mir zu, dass Nuclear Blast als Label Hörer all dieser Bands anspricht und erreicht.“

„The Concrete Confessional“ kommt mit einem ernüchterten, wütenden Gesamteindruck daher. Die Songs wirken gegenüber dem Vorgänger gestrafft und direkter adressiert, wobei HATEBREED im Großen und Ganzen natürlich wiederum auf ihren Trademark-Sound setzen „Das Album orientiert sich an seinem Umfeld. Auch dieses ist düster, hart und aggressiv,“ ordnet der Frontmann ein. „Dass nur wenig Positives Einzug in die Songs gehalten hat, ist nicht das Ergebnis einer bewussten Entscheidung. Die harte Grundhaltung der Texte und Musik hat sich von selbst eingestellt. Ein Stück weit führe ich das darauf zurück, dass ich mit den Songs das Negative, das in mir ist, verarbeite. In meinem Alltag erlebe ich dafür viel Positives. In der Musik lasse ich meinen Aggressionen freien Lauf. Wann immer ich Nachrichten verfolge, bin ich mit sinnloser Gewalt konfrontiert, wie zuletzt mit den schlimmen Anschlägen in Paris. Auch die Verdummungsversuche der Regierung und voreingenommene Berichterstattung der Medien, wie sie einige Redaktionen hier bei uns betreiben, ärgern mich. Was man derzeit im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in den USA geboten bekommt, ist schier unglaublich. Da kann man doch nur wütend werden und das in Songs verarbeiten. Einzelne Tracks sind hingegen persönlich ausgerichtet und frei von aktuellen Bezügen. In dieser Beziehung möchte ich beispielhaft ,Something’s Off‘ hervor heben, das sich mit den sozialen Netzwerken und ihren Schattenseiten beschäftigt, wie ich sie sehe. Es war mir wichtig, auf der Platte unterschiedliche Themen anzusprechen.“

Die Intention dabei ist klar – Änderungen bzw. ein Umdenken bewirken. „Gerade mit den Texten der neuen Platte hoffe ich, die Leute zum Nachdenken anzuregen,“ äußert Jamey Jasta. „Dabei gehe ich mit meinem Leben mit gutem Beispiel voran. Jegliche Änderung, die man anstrebt, beginnt zunächst auf der persönlichen Ebene. Mit meinen Texten stelle ich meine Überzeugungen und Standpunkte unseren Hörern in der Hoffnung vor, dass sie mich verstehen und vielleicht auch das eine oder andere für ihre Leben mitnehmen. Egal, was einen bewegt und wie schlimm die Situation


für den einzelnen gerade sein mag: viele Menschen suchen und hören Musik, um Hilfe zu finden oder Ansatzpunkte, wie sie ihren Alltag zum Besseren wenden können. Hier kommen wir ins Spiel. Es wäre schön, wenn wir Leuten den Anstoß geben, die Dinge in einem anderen Licht zu sehen oder ihre Leben anders anzugehen.“ Ohne Eigeninitiative und Engagement geht es dabei allerdings nicht – weder im privaten Bereich noch im politischen Umfeld:

„Auf dem Album will ich unter anderem zum Ausdruck bringen, dass wir alle eine große Macht besitzen, derer wir uns nicht bewusst genug sind,“ führt der HATEBREED-Kopf aus. „Wir selbst können beeinflussen, wo und wofür wir unser hart verdientes Geld ausgeben. Songs wie ,Us Against Us‘ oder ,A. D‘ streifen den politischen Bereich und die Kritik oder Desillusionierung, die viele Leute äußern und erleben. Das ist aber schon sehr abstrakt. Bevor man sich über solche Fragen den Kopf zerbricht, sollte man vor der eigenen Haustür starten und in seinem lokalen Umfeld das beeinflussen, was einem möglich ist. Das beginnt beispielsweise mit regionalen Wahlen. Ist man der Überzeugung, dass die eigene Stimme nichts zählt, muss man sich in seinem Bezirk engagieren und dort etwas tun. Wenn einem Themen wirklich wichtig sind, muss man sie auch angehen. Nur abzuwarten, bringt nichts. Gerade dann, wenn es die eigene Familie und das eigene Leben berührt. Und noch einmal: wirklich jeder sollte kritisch hinterfragen, wo und wofür er sein Geld ausgibt. Niemand ist gezwungen, in die Läden der Großkonzerne und Handelsketten zu gehen, sondern kann den kleinen unabhängigen Einzelhandel vor Ort unterstützen und dort einkaufen. Es hat viel Gewicht, wenn man die Leute unterstützt, die Alternativen aufbauen und ihre Geschäfte auf eine andere, faire Art und Weise betreiben. Ich selbst wähle im Zweifel lieber diejenigen, die motiviert etwas Eigenes auf die Beine stellen und vollends hinter ihren Angeboten stehen. Das ist bei den großen Ketten nicht der Fall.“ Die Hardcore-Szene mit ihrer tief verwurzelten DIY-Attitüde kann diesbezüglich als lehrreiches Beispiel dienen: „Genau, hier erlebt man schon seit Jahrzehnten, dass es auch mit kleinen Labels und Merchandise-Firmen funktioniert,“ bestätigt Jamey. „Größe ist nicht zwingend von Vorteil, manchmal sogar ein Nachteil. Wichtig ist es, dass man den handelnden Personen vertraut und sie gute Arbeit abliefern. Das lässt sich auch auf andere Bereiche des Lebens übertragen.“

Konformität und Austauschbarkeit sind ebenfalls nicht naturgegeben, sondern eine etablierte Konvention, die abzulehnen und zu durchbrechen ist. Als Crossover-Kapelle, die an stilistisch durchmischten Tour-Konstellationen interessiert ist, leisten HATEBREED ihren Anteil: „Als ich als Teenager die Musik für mich entdeckte, habe ich alles aufgesogen. Ich war auf unglaublich vielen Konzerten – von Ska über Death Metal und Hardcore bis hin zu Punk,“ erinnert sich Jamey Jasta. „Schon damals waren die einzelnen Szenen tendenziell separiert. Einen Austausch zwischen ihnen gab es nur in Einzelfällen. Überall hat man andere Gesichter gesehen. Es war so wie in den Wohnblocks, die sich in meiner Gegend zwischen Polen, Iren, Italienern, etc. aufgeteilt haben. Gruppen mit einer ähnlichen Geschichte oder Kultur finden immer zusammen. In der Musik ist das auch so und das stört mich. Mit HATEBREED haben wir von Beginn an versucht, solche Grenzen zu überwinden. Wir sind mit den Dropkick Murphys ebenso getourt wie mit Motörhead, Type O Negative oder Life Of Agony. Und was ist passiert: auch andere Hörergruppen sind auf uns angesprungen und haben unser Anliegen verstanden. Das bestätigt mich in der Überzeugung, dass alles eine Frage von Zugang und Möglichkeiten ist. Man darf nicht auf einzelne Sub-Szenen schauen, sondern muss den Underground-Bereich in seiner Gesamtheit sehen. Natürlich ist es schwer, wenn man vor einem Publikum spielt, das dich weder kennt noch sehen will. Davon lassen wir uns aber nicht aufhalten. Als Band wird man nie jeden erreichen, doch zumindest muss man es versuchen. Mit Internet und sozialen Medien spricht man heute viel mehr Leute an als früher. Die Barrieren bleiben dabei dieselben, und eigentlich ist es noch schlimmer. Weil jeder vor seinem eigenen Bildschirm sitzt, gehen Situation und Kontext komplett verloren. Ein verbindendes Gemeinschaftsgefühl kann sich da kaum herausbilden. Auf Konzerten, wenn unterschiedliche Leute aufeinander treffen, ist es eine andere Sache. In Clubs kann Musik für eine Verbindung sorgen und zusammen schweißen.“

Das Quintett aus Connecticut befindet sich in der komfortablen Lage, vor allem größere Touren mit anderen bekannten Gruppen zu spielen, die eigentlich immer Leute aus unterschiedlichen Lagern ziehen: „Das stimmt,“ bestätigt der Shouter. „Touren mit Whitechapel, All Shall Perish und Deez Nuts funktionieren für uns genauso gut wie mit Lamb Of God und In Flames oder mit Shadows Fall und Dying Fetus. Auch, als wir vor einigen Monaten mit Every Time I Die, Terror und Job For A Cowboy unterwegs waren, sind viele Shows ausverkauft gewesen. Auf unserem Level funktioniert der Crossover-Ansatz. Für aufstrebende Bands bietet es sich aus naheliegenden Gründen an, mit ähnlich ausgerichteten Gruppen zu touren. Da ist es schwieriger und führt automatisch zu einer gewissen Cluster-Bildung. Ich selbst bin dennoch ein eingefleischter Anhänger von Crossover-Touren. Sick Of It All als Support für Slayer zu sehen, finde ich genauso spannend, wie Sepultura mit Machine Head oder Napalm Death mit Converge.“

 
 Links:
  hatebreed.com
 
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