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Broken Teeth Hc

Storie von: arne, am 09.05.2016 ]

Obwohl sie noch kein Album veröffentlicht haben, zählen BROKEN TEETH HC längst zur Speerspitze der britischen und europäischen Metal-Hardcore-Sparte. Das überfällige Debüt „At Peace Amongst Chaos“ erscheint bei Nuclear Blast und ist im Label-Programm neben den Platten von Hatebreed, Madball und Agnostic Front bestens aufgehoben.

 
Das Quintett aus Manchester setzt auf den metallischen Hardcore der 1990er Jahre, den es mit viel Mosh, herben Breakdowns, markanten Riffs und einem dicken Schlagzeugspiel inszeniert. Der Wechsel schleppender Groove-Parts und bissiger Vorstöße kommt effektiv und unterstreicht die Verortung der Gruppe: „Einige von uns sind schon seit der Gründung mit dabei und waren zuvor bereits zu Schulzeiten befreundet,“ äußert Schlagzeuger Adam Kelly im Rückblick auf die Anfänge der Band. „Da wir ohnehin immer mit der Hardcore-Szene verbunden und zu Shows gefahren sind, haben wir irgendwann eine eigene Gruppe auf die Beine gestellt. Aufgrund der häufig wechselnden Gitarristen unterscheiden sich unsere bisherigen Veröffentlichungen und Songs teilweise stark voneinander. Hoffentlich verstetigt sich das jetzt und unser Line-Up bleibt mal einige Zeit lang stabil. Da wir alle markante Riffs schätzen, fungieren sie als roter Faden und prägen unseren Sound unabhängig von der Frage, wer sie spielt.“

Die Zugehörigkeit zu ihrer Sub-Kultur steht für BROKEN TEETH HC dabei ebenfalls nicht zur Debatte: „Wir gehen seit mehr als zehn Jahren zu Konzerten und unterstützen die Hardcore-Szene, wo wir können,“ bekräftigt Adam. „Trends und Hypes hat es in dieser Zeit einige gegeben. Sie sind gekommen und waren genauso schnell wieder vorbei. Den Hardcore und uns beeindruckt all das nicht. Hardcore bleibt, was er ist und sein soll, auch wenn sich das Umfeld heute vielleicht besser als noch vor einigen Jahren darstellt. Die Hardcore-Szene haben wir im Kern immer lebendig und kraftvoll erlebt. Die eingeschworene Gemeinschaft ist intakt. Dank des ausgeprägten Gemeinschaftsgedankens und -handelns haben wir längst Freunde und Unterstützer auf der ganzen Welt. Gefühlt kommen jeden Tag neue hinzu. Deshalb ist es meiner Überzeugung nach überhaupt kein Problem, dass der Hardcore derzeit wieder mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht und als Sub-Kultur größer zu werden scheint. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Bands die Gelegenheit erhalten, jeden Abend größere Clubs in Asche zu legen.“

Allein positive Aspekte bringen diese Entwicklungen aber nicht mit sich: „Seit ich zu Hardcore-Shows gehe, ist vieles besser geworden,“ setzt der Schlagzeuger an. „Das betrifft die Clubs und Auftrittsmöglichkeiten, aber auch die Bands, die schlicht mehr drauf haben als früher. Die Schattenseiten darf man aber nicht verschweigen. Bekanntere Gruppen verlangen häufig Geld dafür, dass man mit ihnen touren kann. Selbst kleine Bands kommen kaum mehr an bezahlten Managern und professionellen Video-Clips


vorbei. Wenn man gerade noch dabei ist, seine Füße auf den Boden zu bekommen und sich selbst zu finden, ist das schon reichlich viel verlangt.“

Dass es auch anders funktioniert und eine Einstellungsfrage ist, hat das Quintett aus Manchester bewiesen: „Als wir mit unserer Band gestartet sind, haben wir nichts erwartet – wirklich überhaupt nichts,“ erinnert sich Adam Kelly. „So sollten es nach meinem Dafürhalten alle Gruppen halten. Bis heute bewahren wir uns diese Einstellung. Wir fahren zu unseren Konzerten und hoffen auf das Beste. Wenn nur wenige Leute auftauchen oder keiner abgeht, ist das okay. Mit dem ersten Album jetzt ist es nicht anders. Es ist das Debüt von BROKEN TEETH HC. Natürlich wünschen wir uns, dass irgendjemand unsere Songs hört. Wir sind aber nicht zu enttäuscht, wenn das nicht passiert. Die Band allein ist uns Belohnung genug. Dank ihr haben die Möglichkeit, dem grauen Alltag zu entfliehen und unsere Frustration heraus zu lassen.“ Ganz so destruktiv und negativ gestimmt, wie man „At Peace Amongst Chaos“ aufnehmen kann, will der Schlagzeuger das Album nicht verstanden wissen:

„Obwohl wir harte Riffs spielen, sind wir keine grobe Band. Das zu betonen, ist mir wichtig. Dass unsere Songs aggressiv ausfallen, liegt daran, dass wir über den täglichen Überlebenskampf in dieser Gesellschaft und den ganzen Scheiß, der um uns herum passiert, schreiben. Meiner Überzeugung nach, sind ehrliche Worte und klare Botschaften für jede Band wichtig – für Bands mit Hardcore-Verwurzelung noch einmal mehr. Die Leute, die sich für uns interessieren, singen die Texte ja nur dann mit, wenn sie Substanz besitzen und sie sich mit ihnen identifizieren können. Es gibt viele Leute, die dasselbe fühlen wie wir, weil sie ähnliche Leben führen. Das ist die Grundlage der Verbindung zwischen unseren Hörern und uns. Gemeinsam finden wir einen Raum der Freiheit jenseits der Welt, die von Konzernen regiert wird und unseren Alltag so beschwerlich werden lässt.“

Schon die nötige Zeit für Auftritte frei zu schaufeln, ist im realen Leben mit Schwierigkeiten verbunden: „Es ist nicht immer einfach, den Freiraum für Shows und Touren freizuschaufeln,“ bestätigt Adam Kelly. „Glücklicherweise haben die meisten von uns coole Chefs oder Jobs, die ihnen nicht wichtig sind. Entweder verwenden wir unsere Urlaubstage, melden uns krank oder nehmen unbezahlt frei. Es geht immer schon irgendwie. Im schlechtesten Fall müssen wir zwischen der Arbeit und den Shows hin und her pendeln. Das nervt zwar unglaublich, funktioniert aber, wenn es nicht anders geht.“

 
 Links:
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