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Fallujah

Storie von: arne, am 05.05.2016 ]

AUGEN GERADE AUS. Die aus San Francisco stammenden FALLUJAH fallen als Death Metal-Band auf, die dynamische, überraschende Musik erschafft, die nicht übertrieben technisch daher kommt, jedoch mit komplexen Arrangements und verspielten Fingerfertigkeiten zu beeindrucken weiß. Als Kontrast setzen die Kalifornier atmosphärische, freigeistige Prog-Passagen, die nicht minder wagemutig und imposant ausfallen.

 
In der Kombination aus beidem entsteht auf „Dreamless“ ein sowohl fordernder als auch freigiebiger Metal: „Wenn ich überschwängliche Besprechungen und Kommentare über unsere Band lese, freut und motiviert mich das,“ entgegnet Frontmann Alex Hofmann darauf angesprochen, dass um FALLUJAH zuletzt ein regelrechter Hype ausgebrochen ist. „Einer der Gründe, warum wir Musik machen, ist es ja, die Leute zu begeistern und heraus zu fordern. Insofern ist die Rezeption die Bestätigung dessen, dass wir in unserem Streben erfolgreich sind. Wir sind zweifellos Weirdos, was den Metal anbelangt, doch es geht uns nicht darum, einfach nur abzudrehen. Für uns muss auch das Gesamtbild stimmen.“

Dass die Musiker bezüglich ihres Schaffens schlicht von „atmosphärischem Metal“ sprechen, hat seine Gründe: „Wenn ich im Internet nach Reviews suche oder Interviews führe, bin ich regelmäßig mit Verortungen und Terminologien konfrontiert, die mich enttäuschen. Es reicht uns nicht, nur als Tech-Death-Band wahrgenommen oder darauf reduziert zu werden. Unserem Verständnis nach unterscheidet sich unser Spiel deutlich von den Gruppen, was man gemeinhin dem Tech-Death zuordnet. Diese Nische ist viel zu eng, als dass sie uns gerecht würde. FALLUJAH sind eine Band am extremen Ende des Spektrums, die auf ihre offensichtlichen Einflüsse noch eine ganze Schippe mehr drauf packt. Andererseits: welche Gruppe behauptet das nicht von sich?!“ Im Falle der Kalifornier trifft es aber zu. Auf dem Drittwerk „Dreamless“ legen die Musiker weite Wege zurück und erschaffen Kompositionen, die man in dieser Art und Weise noch nicht gehört hat:

„Unsere Einflüsse stammen aus ganz unterschiedlichen Richtungen und sind nicht immer offenbar. Nur auf den Metal beschränkt, sind sie nicht,“ bekräftigt der Sänger, der in den frühen Tagen der Band noch als Gitarrist fungierte. „Für uns steht die Qualität der Musik im Vordergrund – unabhängig von der Fragestellung, woraus sie sich zusammen setzt. Und genau so sollen uns die Leute hören. Wer sich mit uns beschäftigt, dem wird auffallen, dass innerhalb unseres Metal-Kontexts viel mehr möglich ist, als man erwartet oder es gewohnt ist.“ Das Quintett aus San Francisco agiert ohne Scheuklappen und zeigt sich in der Wahl der Mittel nicht festgelegt: „Unsere Musik wächst und verändert sich mit jedem Stück, das wir schreiben,“ bestätigt Alex Hofmann.

„Ich kann es mir nicht vorstellen, dass wir jemals mit dem zufrieden sind, was wir tun. Das treibt FALLUJAH an und ist die Quelle unserer Motivation. Wir bilden uns nichts darauf ein, was wir schon erreicht haben, sondern schauen allein nach vorne. Auf dem neuen Album wird das besonders deutlich. Wir haben vorab das Ziel definiert, dass es ausgeglichener und homogener werden soll, was seinen Fluss anbelangt. Zusätzlich wollten wir es stärker an unserem Live-Sound ausrichten. Alle Songs sollten sich nahtlos


in unser Set einfügen und schon beim ersten Kontakt zünden. Darüber hinaus spiegeln die neuen Stücke auch wieder diese Breite an Emotionen wider, für die wir bekannt sind. Als Menschen verändern wir uns im Zeitverlauf wie als Musiker. Deshalb kann es gar nicht passieren, dass wir ein und dieselbe Platte zwei Mal schreiben. Insofern ist es für mich die logische Konsequenz, dass wir mit jedem Album zu einer neuen Identität finden.“ Was die Herangehensweise an „Dreamless“ anbelangt, vertrauen FALLUJAH auf bewährte Routinen und Konstanz: „Wir stellen wieder auf Emotionen und ein verbindendes Songwriting ab; nicht bloß auf Riffs und Parts,“ so der Sänger.

„Ich vergleiche es gerne damit, einen Film zu sehen, der eine Handlung durchläuft und bei seinen Zuschauern für ein Auf und Ab ihrer Gefühle sorgt. So etwas wollen wir mit unserer Musik erreichen. Hörer sollen sich fragen, was ihnen da gerade widerfahren ist und was sie in einzelnen Momenten gespürt haben. Da wir uns entlang der emotionalen Entwicklung unser Songs voran arbeiten, unterscheiden sich unser Zugang zum Metal und seine Inszenierung von dem anderer Gruppen.“ Besonders deutlich ist dies auf dem Drittwerk: „In der Wahrnehmung vieler Leute ist es erst unser zweites Album,“ relativiert der Kalifornier. „„The Harvest Wombs“ ist nur im Underground ein Geheimtipp gewesen. Erst mit „The Flesh Prevails“ haben wir größere Aufmerksamkeit auf uns gezogen. Deshalb wissen wir, dass „Dreamless“ nun so richtig einschlagen muss. Auch, weil wir nun auf einem größeren Label angekommen sind und uns alle Türen offen stehen. Einerseits wollen wir diese Chance nutzen. Andererseits ändert die bessere Ausgangslage nichts. Das neue Album würde ganz genauso klingen, wenn wir immer noch tief im Underground versteckt wären. Die Umstände wirken sich nicht auf unseren Anspruch aus, gute Musik zu schreiben.“

In rund zehn Jahren hat sich die Güte des Materials von FALLUJAH merklich verbessert. Nach chaotischen Anfangstagen hat sich das Quintett schnell daran gemacht, einen eigenen Stil und seinen Metal ganzheitlich zu entwickeln: „Für mich gibt es viel zu viel Metal, der darauf basiert, dass einzelne Teile irgendwie miteinander zu einem Song verbunden werden. Uns ist das zu wenig,“ ordnet der Frontmann ein.

„Wir achten darauf, dass jedes Stück seine eigene Persönlichkeit besitzt, indem es charakteristische Elemente sowie eine starke Struktur erhält. Mit der Zeit haben wir gelernt, dass Wiederholungen keine schlechte Sache sind und es wichtig ist, die Dramaturgie unserer Songs und Platten vorher zu planen. Es reicht nicht, darauf zu hoffen, dass alles schon irgendwie werden wird.“ Was das bedeutet, lässt sich auf „Dreamless“ nachhören. Jeder Song ist ein Teil des Albums und steht nicht nur für sich allein. FALLUJAH nutzen den Spielraum, der sich ihnen bietet, breitflächig und selbstbewusst aus.

 
 Links:
  facebook.com/fallujahofficial
 
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