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Agoraphobic Nosebleed

Storie von: arne, am 16.06.2003 ]

Besser aufputschen kann kaum eine andere Band. AGORAPHOBIC NOSEBLEED spielen straighten, oftmals minimalistischen Prügel-Grind mit krassen Blast Beats und allem, was dazu gehört. Gerade ist mit “Altered States Of America“ eine 3Inch CD erschienen, die satte 100 Songs beinhaltet.

 
Gerüchteweise halten Anb damit Einzug ins Guiness Buch der Rekorde. Abgefahren genug ist das Projekt, das ursprünglich am 1.April erscheinen sollte, allemal. Wie durchgeknallt muss man eigentlich sein, um ein solches Vorhaben in Angriff zu nehmen. Scott Hull, nebenher ja auch noch gut mit Pig Destroyer im Geschäft, bringt Licht ins Dunkel der arbeitswütigen Band, die schon wieder einen Haufen neuer Releases angekündigt hat. Auf Reptilian soll zunächst eine Picture 7Inch erscheinen, der dann Anfang 2004 eine Split-CD mit Jesu, einem neuen Projekt ehemaliger Godflesh- Leute, folgen soll. Neben einer weiteren Split mit Dataclast ist die re-remasterte Neuauflage der “Honky Reduction“ geplant und darüber hinaus eine 2CD-Discografie aller AGORAPHOBIC NOSEBLEED Vinyl-Veröffentlichungen. Ruhig wird es um die Prügel-Fraktion also in nächster Zeit nicht sein, aber das hat sicherlich auch niemand erwartet.

Die neue 100 Track 3” CD entstand nach Scott aus drei verschiedenen Motivationen heraus: „Erstens ist es völlig absurd eine 3Inch CD mit 100 Songs vollzupacken, aber wir sind eben komplett absurd, waren es schon immer. Zweitens erinnert es uns an unsere Anfangstage, in denen wir oft Flyer für Tapes mit 1.000.000 Songs drauf erhielten und drittens wollten wir einfach sehen, wie viel Information am auf das von uns gewählte Format packen kann.“ Es galt also für die Band die maximal mögliche Spielzeit von 21 Minuten auszuschöpfen und mehr noch: „Wir wollten wieder etwas produzieren, das weniger verträglich und schwerer zu erfassen ist, als es “Frozen Corpse Stuffed With Dope“ gewesen ist.“ Wenn das kein Anspruch an eine Platte ist. Natürlich war auch “FCSWD“ nicht unbedingt massentauglich, aber für AGORAPHOBIC NOSEBLEED ist es mit Sicherheit die bisher eingängigste Veröffentlichung gewesen. Einige Parts kann man wohl sogar als catchy bezeichnen. Die Songs von “Altered States Of America“ sind schon bedingt durch ihre Länge bzw. Kürze (die meisten liegen zwischen fünf und zwanzig Sekunden) nicht mehr eingängig, doch wer ein zerfahrenes Soundbild erwartet, täuscht sich. Die Songs sind gut am Stück hörbar und nicht in jedem Fall ist auszumachen, wann ein Stück endet und das nächste beginnt.

Die 3Inch setzt sich dabei aus vier Teilen zusammen, von denen jeweils zwei einen thematischen Rahmen bekommen haben. Zum einen sind das die “Twelve Days Of Sodom“ und zum anderen besagte “Altered States Of America.“. Song-Titel und Texte sind zum Teil natürlich wieder sehr provokativ bis fragwürdig. Bandintern gibt es in bezug auf die Lyrics einen klaren Deal, mit dem alle in der Gruppe gut leben können: „Wir kamen überein, dass die Lyrics klar dem jeweiligen Verfasser zugeordnet sein müssen.


Die anderen halten still und lassen einen gewähren. Das ist unser Deal und so funktioniert es auch.“ Einen Großteil der fragwürdigen Texte kann man damit Jay zusprechen, der aber kein generelles Problem mit Frauen hat, wie es fast den Anschein hat: „Soweit ich weiß, hasst er nur eine Frau, seine ex-Freundin. Aus dieser Beziehung resultiert der Großteil seiner Wut. Er fühlt sich verarscht, weil sie Mitbesitzerin seines Geschäftes ist.“

Rückblickend auf die letzte Platte “Frozen Corpse Stuffed With Dope“ interessierte mich, welche Bewandnis es mit dem Album-Titel auf sich hat: „Der Titel und auch ein Teil der Songs standen bereits seit unserer 98er Arbeit an “Honkey Reduction“. “ FCSWD“ war damals einer unserer Songtitel, doch Bill Y. (einstiger Mitgründer von Relapse) beharrte nachhaltig darauf, dass unser nächstes Album so heißen müsse. Vielleicht transportiert er auch aus diesem Grund nur ungenügend, was die Platte hergibt. Den zweiten Teil der Platte, die ganzen Blast Beats, haben wir dann 1999, aus Unzufriedenheit über unseren Part auf der “Poacher Diaries“ Split aufgenommen. Ein Jahr später beendeten Jay, Rich, Carl und ich die Arbeit an der Scheibe und zu dieser Zeit war ich eher im 80er Thrash denn im Grind. Wir waren ziemlich angepisst, dass unsere nächste Scheibe, egal wie sie klingen würde, “Frozen Corpse...“ sein würde, aber so kam es eben.“ Auf “Altered States Of America“ hatten die Musiker jetzt ja wieder ausreichend Gelegenheit sich auszuleben. AGORAPHOBIC NOSEBLEEDs Beitrag auf der “Poacher Diaries“ finde ich gar nicht so schlimm, doch Scott verrät die Hintergründe:

„Eigentlich wollte ich damals musikalisch weiter in Richtung Tech- und Math-Metal gehen und weniger mit Geschwindigkeit experimentieren. Es hat eine Weile gedauert die Musik fertig zu bekommen und als Jay dann die Lyrics und Arrangements draufsetzen sollte, war er nicht vollends bei der Sache, weil sein Kopf komplett mit seinem neuen Tattoo-Shop voll war und seinen Problemen mit seiner Frau. Er kam also und brachte drei Text-Blätter mit, die er im Bus geschrieben hatte. Die Arrangements klappten nicht und ich konnte ihm dabei auch nicht helfen. Am Ende haben wir dann einige Songs fertig gemacht und das war es dann auch. Wir fuhren dann zu mir und am nächsten Tag ging Jay. Wir haben danach eine ganze Zeit nicht miteinander gesprochen. Das ganze Drumherum passte nicht und mit Converge gab es so etwas wie passive Aggressivität, warum auch immer.“

Die Kontroversen mit Jay sind längst beigelegt und mit der Verstärkung durch Carl und Rich haben AGORAPHOBIC NOSEBLEED frischen Wind hinzugewonnen. Die neue 3“CD der Band ist ihr bisher kompaktestes Release und ein richtiger Grind-Leckerbissen.

 
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