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Knuckledust

Storie von: arne, am 11.03.2016 ]

FREUNDSCHAFT VERBINDET. KNUCKLEDUST sind 1996 als Hardcore-Band gestartet und werden Zeit ihres Bestehens genau das bleiben. Die letzten zwei Dekaden sind diesbezüglich ein deutlicher Fingerzeig. Andere Gruppen sind im Hardcore gestartet und haben ihren Sound später in Richtung MetalCore oder Street-Punk verändert, sind extremer oder seichter geworden. Beim Quartett aus dem Londoner East End indes ist Konstanz an der Tagesordnung. Die Jubiläums-Platte „Songs Of Sacrifice“ stellt das einmal mehr ruppig und schnörkellos heraus.

 
„Cockney Rejects haben einmal formuliert, dass es nur drei Wege gibt, um aus dem East End heraus zu kommen: Fußball, Kampf und Rock'n'Roll,“ äußert Schlagzeuger Ray Bussey auf seine Motivationslage und das Resümee aus 20 Band-Jahren angesprochen. „Ich bin davon überzeugt, dass mir die Musik mein Leben gerettet hat. Wäre ich nicht Teil von KNUCKLEDUST, wüsste ich nicht, welche Dummheiten ich stattdessen angestellt hätte. In der Gegend, aus der wir stammen, sind Gewalt, Kriminalität und Gefängnisstrafen ganz normal. Oder aber, die Leute haben acht und mehr Kinder. So oder so: viele bereuen ihren Lebensweg und sind unzufrieden. Die Musik hat mir dabei geholfen, dieses Umfeld hinter mir zu lassen und andere Orte kennen zu lernen. Wenn ich heute durch die Plätze meiner Jugend streife, was ich manchmal tue, sitzen dort immer noch dieselben Leute an denselben Plätzen. Seitdem sie Kinder waren, sehen sie tagein, tagaus dasselbe. Ich hingegen bin herum gekommen, habe viel gesehen und Erfahrungen gesammelt, die ich nicht missen möchte. Das verdanke ich dem Hardcore.“

Die Erlebnisse und dieses Bewusstsein finden Eingang in die Songs der neuen Platte: „Als übergeordnetes Thema schwingt unseren Tracks Lebenserfahrung mit,“ so Ray. „Wir sind heute älter und können von unserem Werdegang und den damit verbundenen Eindrücken und Lehren berichten. Letztlich bestimmt das Leben den Lauf der Dinge und das, was uns bewegt. Freunde und Verwandte sind von uns gegangen, aber natürlich gibt es auch glückliche Momente, die wir verarbeiten. Auch aus Rückschlägen kann dabei Positives erwachsen. Das Album ist in vielfacher Hinsicht ein Spiegel des Alltags. Jeder kämpft um seinen Platz, „Songs To Sacrifice“ dokumentiert unseren.“ Die Kontinuität in der Besetzung und dem Sound von KNUCKLEDUST über zwanzig Jahre hinweg ist für den Schlagzeuger weniger außergewöhnlich, als es auf Außenstehende wirkt:

„Wema (Gitarre), Nic (Bass) und ich kennen uns schon seit gemeinsamen Schulzeiten und inzwischen mehr als 30 Jahren. Als wir unseren Sänger Pierre kennen gelernt haben, hat es direkt click gemacht und sich von Beginn an so angefühlt, als sei er ebenfalls mit uns aufgewachsen. Die Grundlage unserer Band ist Freundschaft. Egos spielen keine Rolle. Natürlich gibt es auch bei uns gelegentlich kleine Unstimmigkeiten. Diese Reibereien sehen wir aber positiv. Sie zeigen, dass wir mit Leidenschaft bei der Sache sind und für KNUCKLEDUST das Bestmögliche erreichen wollen. Jeder von uns akzeptiert die Kritik der anderen; egal, ob beim Schreiben neuer Songs oder nach Auftritten. Wir haben keine Probleme damit, deutliche Worte zu finden, wenn jemand Mist gebaut hat. Auf der anderen Seite wissen wir gute Leistungen entsprechend anzuerkennen.“ Zuletzt haben die Londoner ihre Live-Aktivitäten merklich herunter gefahren. Im Frühjahr werden sie als Teil der siebten Auflage der „Rebellion Tour“ u. a. mit MADBALL, RYKER’S und CROWN OF THRONZ


durch Europa touren:

„Bisweilen ist es hart, die nötige Zeit zum Touren frei zu schaufeln,“ sagt Ray Bussey. „KNUCKLEDUST ist keine Vollzeit-Band, von der wir unseren Lebensunterhalt bestreiten. Wenn wir touren oder Shows spielen wollen, muss das in unserem Urlaub oder an den Wochenenden passieren. Gerade längeres Touren fällt uns nicht mehr so leicht wie früher. Wir haben inzwischen Familien und Kinder, mit denen wir Zeit verbringen möchten. Die „Rebellion-Tour“ ist unsere erste Tour seit einer gefühlten Ewigkeit. Deshalb können wir es kaum abwarten. Losgelöst von den beschriebenen Einschränkungen, macht uns Touren unglaublich viel Spaß. Unsere Songs mögen primär hart und wütend erscheinen. Das sind sie auch, denn auf diese Art und Weise verarbeiten wir unseren Alltag. Neben der Aggression sind KNUCKLEDUST-Songs aber immer auch positiv und optimistisch gestimmt. Der Alltag mag grau und beschwerlich sein, doch die Hoffnung geben wir deshalb noch lange nicht auf.“ In dieser Hinsicht halten es die Briten klassisch. Musikalisch, textlich und von der Attitüde her siedelt das Quartett sein „Songs To Sacrifice“ in der Tradition seiner Inspirationsquellen an:

„Es ist doch klar: jedes Genre braucht einige große, erfolgreiche Aushängeschilder, die Leute ansprechen und für eine Spielart begeistern,“ ist der Drummer überzeugt. „Wenn Kids selbst Gruppen gründen, imitieren sie anfangs zunächst diejenigen, die sie hören und gut finden. Das ist ein sich wiederholender Kreislauf. Natürlich gibt es immer wieder Bands, denen das nicht reicht und die aus dem etablierten Rahmen ausbrechen wollen. KNUCKLEDUST entstammen jedoch einer Ära, in der sich viele bewusst auf diesen Stil festgelegt haben. Als wir unsere Band gegründet haben, waren BIOHAZARD, MADBALL, SICK OF IT ALL, etc. diejenigen, zu denen wir aufgeschaut haben. Das hat bis heute seine Spuren in unserem Sound hinterlassen.“ Die Musiker aus dem East End halten auch ihrer Szene die Treue. Als Zeitzeugen und Beobachter des britischen Underground sind ihnen die Verwerfungen in den letzten zwei Dekaden nicht verborgen geblieben:

„Der Hardcore an sich steht heute separierter als vor zwanzig Jahren,“ meint Ray. „Damals gab es zwischen Punks, Skins und Hardcore-Kids noch geteilte Ansichten. Man hat dieselben Konzerte besucht und zusammen Zeit verbracht. Heute bekämpfen sich diese Gruppen eher und grenzen sich voneinander ab. Andererseits sind die Sub-Szenen für sich betrachtet stark gewachsen. Wenn man Dienstag und Donnerstag zwei Hardcore-Shows besucht, begegnet man einem komplett unterschiedlichen Publikum. Früher ist man immer auf dieselben Gesichter getroffen. Dazu kommt, dass die Halbwertzeit von Bands deutlich abgenommen hat. Die meisten scheinen es auf zwei bis vier Jahre zu bringen. Anschließend lösen sie sich nicht einfach nur auf. Viele Leute verschwinden gleich gänzlich aus der Szene. Das hat es früher nicht in diesem Ausmaß gegeben.“

 
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