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Fleshgod Apocalyspe

Storie von: arne, am 15.02.2016 ]

Die Römer von FLESHGOD APOCALYPSE sind von jeher mit Ideenreichtum, Entdeckerfreude und Akribie in der Umsetzung ihrer Songs aufgefallen. Die Verbindung von extremem Metal und theatralischer Neo-Klassik, wie sie von den Italienern praktiziert wird, ist wahnsinnig und aufregend zugleich. Besonders deutlich wird das auf dem neuen Album „King“, das die Motivation der Band beeindruckend eigenständig und farbenfroh heraus stellt.

 
„Wir schätzen die Herausforderung. Von Beginn an ist es unser erklärtes Ziel gewesen, Musik zu erschaffen, wie es sie zuvor noch nicht gegeben hat, und Dinge zu versuchen, die neuartig sind und an die sich noch niemand heran gewagt hat,“ erläutert Bassist Paolo Rossi zum Ansatz von FLESHGOD APOCALYPSE. „Ganz bewusst bewegen wir uns außerhalb des sichereren Terrains und haben keine Angst, uns auf diesem Weg auch einmal zu verirren. Davor braucht man sich nicht zu fürchten, solange man es erkennt und anschließend korrigiert. Extremen Death Metal mit einer opulenten Orchestrierung und einem klassischen Anspruch zu vermengen, ist in der Tat herausfordernd. Es hat seine Zeit gebraucht, bis wir zu dem Punkt gelangt sind, an dem wir wirklich das ausdrücken können, was uns vorschwebt.“ Auch wenn die Songs bisweilen einen anderen Eindruck erwecken: unnötiges Beiwerk oder sinnfreie Gimmicks gibt es bei den Römern nicht: „Jeder einzelne Song steht für eine Geschichte, die auf authentischen Gefühlen basiert und vorbehaltlos umgesetzt wird,“ so der Bassist. „Uns geht es nicht darum, irgendetwas darzustellen, was wir nicht sind oder hinter dem wir nicht stehen. In den ersten Jahren sind wir zumeist mit dem technischen Death Metal in Verbindung gebracht worden; einem Genre, in dem es einigen Musikern primär darum geht, sich zu profilieren. Unser Ansatz ist das nicht. Wir verstehen unser Spiel nicht einmal als technisch und legen es auch nicht darauf an, über Gebühr technisch orientiert zu sein.“

Hörer haben es dennoch nicht leicht, wenn sie sich mit dem Schaffen der Italiener beschäftigen: „Es braucht zweifellos mehrere Durchläufe, bis man unsere Alben in ihrer Gesamtheit erfassen und genießen kann,“ stimmt Paolo zu. „Doch genau so wollen wir es haben. Hörer sollen sich intensiv mit unseren Songs auseinander setzen und sie Stück für Stück entschlüsseln. Nichts drängt sich von selbst auf. Selbst unsere geradlinigen Passagen sind vielschichtig arrangiert. Je länger man unsere Musik hört, desto mehr entdeckt man. Die Komplexität ist dabei nicht übertrieben, sondern auf eine gute Art und Weise sogar förderlich. Hörer sollen schließlich nicht die Lust verlieren, wenn sie unser Album wenige Male gehört haben. Vielmehr soll die Wertschätzung gegenüber unserer Arbeit im Zeitverlauf zunehmen und auch der Spaß, den man empfindet.“ Die angesprochene Lernkurve absolviert man bereitwillig, weil man spürt, dass sich die Anstrengung lohnt und FLESHGOD APOCALYPSE etwas besonderes erschaffen:

„Ich bin mir sicher, dass die Leute in den meisten Fällen nachvollziehen können, worauf wir aus sind,“ meint der Musiker. „Das mache ich an dem Respekt fest, mit dem uns begegnet wird. Dennoch gilt es im Hinterkopf zu behalten, dass unser Anspruch an die Musik ist in vielerlei Hinsicht speziell und kompliziert ist. Wenn man unsere Songs und Alben nicht gleich von Beginn an versteht, darf das niemanden wundern. Uns überrascht es jedenfalls nicht. Der Faktor Zeit spielt eine wichtige Rolle. Unsere Fans lieben uns dafür. Sie wissen, dass sie es in unserem Fall mit einem wachsenden Gebilde zu tun bekommen, dass sich beständig verändert, immer wieder neue Dinge ausprobiert und dabei ganz bewusst Grenzen überwindet.“ Als positive Nebenerscheinung findet die Formation aus Rom zu Differenzierung im Wettbewerb und einer wiedererkennbaren Positionierung: „Wir sind bestrebt, unser eigenes kleines Licht in der Heavy-Szene anzuzünden,“ fasst es Paolo Rossi. „Auf dem Weg zu diesem Ziel sind inzwischen die ersten Erfolge zu verzeichnen. Immer mehr Leute nehmen FLESHGOD APOCALYPSE als Band mit einem eigenständigen Stil wahr. Unsere harte Arbeit zahlt sich demnach aus, was das anbelangt. Nichts ist erfüllender, als einen markanten Sound zu etablieren, der einen von anderen absetzt. Die Leute sollen nach wenigen Momenten eines Songs mit Bestimmtheit sagen können „Das sind FLESHGOD APOCALYPSE!“ Das zu erreichen, daran arbeiten wir mit Nachdruck.“

Spätestens mit „King“ hat die Gruppe etwas erschaffen, das man als ihren Weg einordnen muss: „Der Sound wirkt ausgeglichener und in sich stimmiger,“ weiß der Bassist. „Auf die Kompositionen an sich trifft das ebenfalls zu. Dass die


Produktion dieses Mal annähernd so ausfällt, wie wir es uns vorgestellt haben, freut uns besonders. Innerhalb unserer Stücke passiert so viel, dass es wichtig ist, einen transparenten Sound zu haben, der es ermöglicht, alle Feinheiten und Akzente bemerken und aufnehmen zu können. Nur so erhält man das volle Bild. In der Vergangenheit haben wir uns das Leben selbst schwer gemacht, indem wir Kompromisse eingegangen sind, wenn uns die nötigen Ressourcen oder die richtige Technik fehlten. Dieses Mal haben wir darauf Wert gelegt, dass alles gut klingt. Vom Ergebnis sind wir auch selbst überwältigt. Es ist wieder ein Konzept geworden, weil wir es schätzen, wenn unsere Alben als ein großer Song wahrgenommen werden. Natürlich besitzt jedes Stück seine eigene Identität und Berechtigung. Doch erst in ihrem Zusammenspiel eröffnet sich das Gesamtbild.“

Die Weiterentwicklung gegenüber den früheren Alben ist für Paolo offensichtlich: „Wir wissen, dass wir nicht perfekt sind. Deshalb arbeiten wir beständig daran, besser zu werden, indem wir aus unseren Fehlern lernen. Unsere Musik war und ist komplex und vielschichtig und wird es auch weiterhin bleiben. Dennoch haben wir sie zuletzt leicht modifiziert, indem wir die Songdienlichkeit und die Nachvollziehbarkeit gesteigert haben. Das bedeutet aber nicht, dass wir an Intensität oder Dramaturgie verloren haben. Meine Aussage zielt vielmehr auf die Balance und Interaktion zwischen den einzelnen Instrumenten ab. Bei der Arbeit an „King“ ist das eine der wesentlichen Stellschrauben gewesen, an der wir angesetzt und auf die wir viel Zeit verwandt haben. Wir wollten ein Album erschaffen, das offener und „atmender“ als seine Vorgänger klingt. Nur, wenn man die richtige Balance zwischen allen Zutaten herstellt, erreicht man das.“ FLESHGOD APOCALYPSE pflegen nicht zufällig das Selbstbild, eine wachsende Band zu sein: „Das ist Teil unseres Selbstverständnisses,“ erläutert Paolo Rossi. „Das ist der Grund, weshalb wir kein Album doppelt aufnehmen werden und sich unser Sound beständig entwickelt. Ausgehend vom dem, was wir schon erreicht haben, geht es immer weiter. Wenn ich heute die frühen Stücke von FLESHGOD APOCALYPSE höre, betrachte ich sie als Embryos dessen, was wir heute zu leisten im Stande sind. Ich bin davon überzeugt, dass es mir in zehn Jahren im Rückblick auf „King“ ganz genauso gehen wird. Transformation und Veränderung sind wesentliche Teile unserer Musik. Für mich würde es an Verrat an mir und meinen Hörern grenzen, wenn wir schlicht still stehen und den Metal nicht um neue Impulse bereichern würden. Sich aus zu probieren und weiter zu entwickeln ist essentiell für unsere Identität.“

Der technische Aspekt ist für die Römer dabei weniger wichtig, als gedacht: „Jede Band ist bis zu einem gewissen Grad auf Technik und Techniken angewiesen, um ihre Ideen zu verwirklichen,“ äußert der Bassist. „Das bedeutet allerdings nicht, dass man übertrieben technisch agieren muss. Unseren Anspruch möchte ich als extrem und theatralisch charakterisieren, jedoch nicht zwingend als technisch geprägt. Die Qualität des Songwritings besitzt für uns einen ungleich höheren Stellenwert als unsere individuellen Fähigkeiten. Worauf es letztlich ankommt, sind Spannung, Dramaturgie und die Güte des Sound-Flusses. Als Komponisten nehmen wir uns alle Freiheiten und schränken uns nicht ein. Wir tun, wonach uns ist. Nur mit dieser Herangehensweise kann man aufregende, neue Musik erschaffen. Wer sich von vorherein zurück nimmt und bescheidet, wird sich nur in den Grenzen des Bekannten bewegen und kann nichts Neues produzieren. Als FLESHGOD APOCALYPSE wollen wir aber gerade darüber hinaus gehen.“ Das neue Album ist der imposante Beleg, dass die Italiener diesen Worten auch Taten folgen lassen: „King“ ist dramatisch angelegt, dabei aber zugleich sehr aggressiv. Das zugrunde liegende Konzept bedingt diese Ausprägungen, denn es thematisiert – in aller Kürze – die Vorbereitung auf einen Kampf in unseren Köpfen. Wir müssen den „King“, der in uns lebt, kennen und verstehen lernen. Das ist mit Unwägbarkeiten verbunden und kann gefährlich sein. Dennoch ist es eine Herausforderung, der sich ein jeder stellen muss.“

 
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