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Textures

Storie von: arne, am 02.02.2016 ]

Erst der äußere Eindruck, dann der zugrunde liegende Kern. In aller Knappheit beschreibt das den Ansatz der neuen Alben von TEXTURES. Mit „Phenotype“ legen die Niederländer zunächst ein klassisches Album auf, das vorwärts gerichteten, fordernden Metal aufweist. Ein Jahr später wird „Genotype“ folgen, das sich den „Erbfaktoren“ des Spiels des Sextetts – Riffs und Rhythmen – widmen und allein einen Mammut-Track beinhalten wird. Spannung ist durch den Konzept-Ansatz garantiert.

 
Keyboard-Spieler Uri Dijk ist seit 2010 vollwertiges Mitglied und reflektiert im Gespräch zunächst seine ersten Erfahrungen mit dem Sound der Band: „Bevor ich Teil von TEXTURES geworden bin, habe ich weder getourt noch hätte ich mir das zu träumen gewagt. Schon die zweite Show war in Indien, einem Land, in dem ich zuvor nie gewesen bin. Meine erste Tour führte sogleich sechs Wochen durch die USA. Es ging direkt in die Vollen. Ein Highlight folgte auf das nächste. Mit der Zeit habe ich mich an das Band-Dasein und den Stil von TEXTURES gewöhnt. Meine musikalischen Wurzeln liegen im skandinavischen Melodic-Metal. Deshalb brauchte es ein wenig, bis ich mit der Musik klargekommen bin – mit den verspielten Rhythmen und der Komplexität. Inzwischen fühlt sich aber alles natürlich an.“ Der Kontakt ist damals über Daniel de Jongh zustande gekommen, der zuvor zum neuen Frontmann erkoren worden war: „Personell hatte sich einiges getan. Zunächst ist der Sänger ausgestiegen, einige Monate später auch der Keyboarder. Daniel de Jongh kenne ich von seiner alten Gruppe. Als TEXTURES Ersatz suchten, hat er mich ins Gespräch gebracht. Einige Biere mit den Jungs später hatte ich zunächst für zwei Shows zugesagt. Anschließend wollten wir weiter sehen. Alles lief glatt, so dass ich nun seit fünf Jahren mit von der Partie bin.“

Der angesprochene Gewöhnungsprozess zog sich für den Keyboarder über ein Jahr: „Zunächst musste ich Zugang finden und verstehen, worauf die Band aus ist,“ so Uri Dijk. „Die Jungs haben mir dabei geholfen, indem sie mir ihre Einflüsse und Inspirationsquellen vorgestellt haben, die nicht bloß auf den Metal-Sektor beschränkt sind und bis hin zu minimalistischen Komponisten reichen. Auch heute lerne ich noch dazu, doch ich habe schon bemerkt, dass es in meinem Spiel Verschiebungen von schnellen Keyboard-Soli hin zu atmosphärischen Klängen gegeben hat, die in den sphärischen und rhythmischen Bereich gehen.“ Auf „Phenotype“ kann sich der Musiker nun erstmals auszeichnen: „Als ich zur Band gestoßen bin, war die Arbeit für „Dualism“ zu 75 Prozent beendet, so dass ich mich kaum einbringen konnte,“ erinnert sich Uri. „Ich bin vor vollendete Tatsachen gesetzt worden, was mir jedoch die Möglichkeit eröffnete, mich an die Musik und die Arbeitsweise der Band anzunähern. Davon profitiere ich heute. Für die neuen Alben bin von Beginn an in das Songwriting einbezogen gewesen. TEXTURES sind stets offen für abgefahrene Ideen und bereit, neue Dinge ausprobieren, wenn sie vielversprechend erscheinen. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass es mir gelungen ist, einen dezenten skandinavischen Einfluss einzuschmuggeln, wenn man auf meine Melodien achtet.“

Was die kreative Arbeit anbelangt, bestehen für TEXTURES weder definierte Strukturen noch andersartige Restriktionen: „Persönlich finde ich es spannend, dass man seine Ziele auf verschiedenen Wegen erreichen kann. In unserem Songwriting probieren wir das oft aus, was mir sehr gefällt,“ freut sich der Keyboarder. „Bewusst denken wir jenseits der gängigen Konventionen und versuchen, neue Spielmuster zu finden, die an unser Ziel führen. Diese Mentalität hilft uns dabei, uns weiter zu entwickeln und nicht zu stagnieren. Wir tauschen uns regelmäßig über Musik aus, die wir entdeckt haben. Interessante Ansätze und Ideen findet man überall, wenn man seine Ohren im Alltag offen hält. Man weiß nie, was später einmal inspirierend sein kann. Wir machen uns einen Spaß daraus, neue Klänge und abgefahrene Ideen untereinander zu teilen.“ So entsteht ein loser Ideen-Pool, auf dem die Niederländer aufsetzen, wenn sie eigene Stücke schreiben: „Für sich selbst arbeitet jeder die ganze Zeit an spannenden Einfällen, doch das passiert ohne einen dahinter liegenden Plan. Wenn wir auf Tour sind, hören wir die unterschiedlichsten Sachen und analysieren sie. Mit unserem Gitarristen Bart verbringe ich so auch viele Abende. Wir gönnen uns einige Biere und analysieren Musik. Geht es dann in die Arbeit an eigenen Songs, profitieren


wir davon, denn dann haben wir schon Einfälle und Ansätze, mit denen wir beginnen können. Die Art und Weise, wie TEXTURES Songs schreiben, ist definiert. Wir vertrauen auf unsere Erfahrung. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir vorher wissen, was am Ende herauskommen wird. Unsere Interessen sind vielfältig und nicht allein auf den Metal beschränkt. Wenn man nur Metal hört und selbst Metal spielt, führt das unweigerlich zu Metal-Inzest, wie man es an Trends ablesen kann, die in Wellen immer wieder kehren. Das wollen wir vermeiden.“

Uri Dijk selbst findet die Inspiration für sein Spiel inzwischen ebenfalls außerhalb der Metal-Genres: „Fast zeitgleich zu meinem Einstieg bei TEXTURES habe ich die elektronische Musik für mich entdeckt. Zuvor habe ich ausschließlich Metal gehört und mich für nichts anderes interessiert. Mein erster Kontakt mit dem Dubstep hat mich dann umgehauen. Auf seine Weise ist Dubstep so heavy, obwohl es sich um elektronische Musik handelt, die auf Synthesizern basiert. Das hat mir die Augen geöffnet, wie engstirnig ich bis dahin gewesen bin. Ich habe unglaublich viel aus diesem Sektor aufgesaugt und bin dadurch ein besserer Musiker geworden. Die anderen in der Band hören alles von Jazz bis Balkan-Folkore und überhaupt alle Arten fesselnder Musik, unabhängig davon, welchem Stil sie zuzurechnen ist.“

In der Wahrnehmung vieler Hörer genießen TEXTURES einen hohen Stellenwert. Die Niederländer werden als progressiv, innovativ und andersartig gekennzeichnet: „Das ängstigt mich nicht,“ erwidert der Keyboarder. „Ich empfinde dies eher als Bestätigung dafür, dass wir gute Arbeit abliefern. Zunächst sind wir darauf aus, uns selbst zu überraschen und zu fordern. Wenn uns das gelingt, besteht die realistische Chance, dass auch unsere Hörer überrascht werden. Wir spüren innerhalb unserer Gruppe sehr genau, ob wir Gefahr laufen, uns zu wiederholen, oder wir etwas erschaffen, hinter dem wir nicht voll und ganz stehen. Die Musik darf sich weder langweilig noch langatmig anfühlen. Wir wollen spüren, dass es voran geht. Bei den Leuten entsteht dadurch der Eindruck, wir seien visionär, doch für uns ist das normal.“

Abweichend von der gewöhnlichen Arbeitspraxis in früheren Jahren zeigen sich die Umstände der Entstehung von „Phenotype“ und „Genotype“ verändert: „Als Menschen sind wir fünf Jahre älter, was sich auch auf die Band auswirkt,“ erzählt Uri. „Zwei Band-Mitglieder sind inzwischen verheiratet, drei von uns haben Kinder. In den frühen Tagen von TEXTURES gab es keine Zwänge oder Restriktionen. Alle waren jung und konnten sich voll und ganz auf die Musik fokussieren. Das geht heute nicht mehr. Wir sind keine Vollzeit-Band. Die Musik ist unser Hobby, das wir neben unseren Jobs und Verpflichtungen betreiben. Insofern unterliegt alles einem gewissen Zeitdruck. Für die beiden neuen Alben haben wir mit Vorlauf Songwriting-Tage geplant, um fokussiert arbeiten zu können. Ohne eine präzise Planung geht nichts mehr. Jeder muss wissen, wann er wohin muss, um was zu tun. Wahrscheinlich ist der ganze Prozess dadurch verzögert, doch nur so können wir weiterhin kreativ sein und die Qualität sicher stellen, auf die wir abzielen.“

…Überraschungen inklusive: „Es finden sich etliche Ansätze auf „Phenotype“, die TEXTURES so noch nicht verfolgt haben,“ weiß der Keyboarder. „Da ist zum Beispiel ein Stück, das wir mit acht Schlagzeugern eingespielt haben. Man hört nichts als Drums. Dann gibt es ein Lied, in dem lediglich ein Klavier erklingt. Auch das hat es bei uns noch nicht gegeben, doch es passt in den Kontext. Für uns als Band war es sehr wichtig, dass sich jeder von uns in das Songwriting eingebracht hat und so zu einem integralen Teil der Songs geworden ist. Wir haben uns gegenseitig mit unseren Einfällen verblüfft und dann gemeinsam weiter gearbeitet. Ich bin ein lausiger Gitarrist. Dennoch habe ich einige Ideen auf der Gitarre entwickelt und sie den anderen vorgestellt. Was in der Gruppe daraus entstanden ist, haut mich noch immer um.“

 
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