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Lionheart

Storie von: arne, am 21.01.2016 ]

Die Kalifornier sind für eine klare Kante und direkte, toughe Sounds bekannt. Das gilt für die Metal-Hardcore-Tracks von LIONHEART, aber auch für die Texte von Frontmann Rob Watson. Mit „Love Don‘t Live Here“ erscheint das vierte Album der Band aus Oakland, das die eingeführten Trademarks brachial und effektiv fortführt.

 
Das Quintett kooperiert in Europa nunmehr mit Beatdown Hardwear Records, während es in seiner Heimat das Label LHHC Records auf die Beine gestellt hat. Mit der eigenen Position im Genre zeigt sich der Shouter im Gespräch zufrieden, auch wenn LIONHEART insgesamt ein Stück weit unterbewertet erscheinen: „Das trifft leider zu,“ meint Rob. „Die Gründe dafür sind meiner Ansicht nach zweigeteilt. Zunächst, und das ist der schwerwiegendere, haben wir uns als Band nicht der Industrue angebiedert. Wir haben stets nur das getan, was wir wollten. Dafür bezahlen wir einen gewissen Preis. Um Cliquen und die Szene-interne Politik im Hardcore kümmern wir uns nicht und nehmen darauf keine Rücksicht. Wir überlegen nicht, ob es richtig oder falsch ist, mit der einen oder anderen Band zu touren. Bei bekannten Gruppen schleimen wir uns nicht ein, um von ihnen mitgenommen zu werden. Zudem sind unsere Label bislang nicht „cool genug“ gewesen. Doch wir gehen unseren Weg und verbiegen uns nicht. Es gibt ausreichend viele Gruppen, die das tun, um Teil der Industrie zu sein und das ist peinlich genug. Wir müssen und werden kein Teil davon sein. Der zweite größere Grund ist in meinen Augen, dass wir unseren Stil nicht verändern. Sieht man von meinen Vocals ab, klingen wir fast immer noch wie zu Beginn. Dem schwergewichtigen Hardcore halten wir seit unserer Gründung die Treue, auch wenn die Trends in andere Richtungen weisen. In den Jahren, in denen wir aktiv sind, haben wir schon viel gesehen. Von Tough-Guy-Sachen hat sich der Trend über Mosh-Hardcore zuletzt zur Rückbesinnung auf die 1990er Klänge verschoben. Mal ist es das eine, dann das andere. Wir halten es stets direkt und aufrecht, verstecken uns weder hinter Komplexität noch übertriebener Dramatik. Dass unser Ansatz nichts für jeden Hörer ist, stört uns nicht. Inzwischen haben wir uns als Band einen komfortablen Status erarbeitet. Das führe ich auf das zurück, was ich gerade beschrieben habe. Im Zeitverlauf zahlt sich unser Weg aus.“

Dass andere Gruppen ein komfortableres Auskommen vom Hardcore bestreiten können, stört den LIONHEART-Frontmann nicht, sieht er doch das daraus erwachsene Potenzial: „Ich freue mich für Bands, die kommerziell Anklang finden. Für sie ist das toll. Weshalb Gruppen von der Szene verteufelt werden, die – ob nun zufällig oder nicht – im Mainstream auffallen, verstehe ich nicht. Die Musik scheint mir manchmal die einzige Industrie zu sein, in der Erfolg verdammt wird. Vertriebler, die von einem Abschluss zum anderen eilen, werden animiert, angefeuert und für ihren Erfolg beglückwünscht. In der Musik ist es eher anderes herum. Wann immer eine Band, die


im Underground gestartet ist, einen nur ansatzweise messbaren Erfolg verbucht, wird ihr sogleich Ausverkauf vorgeworfen. Als wenn die bloße Anzahl der Leute, die eine Band hören, irgendetwas aussagt. Aus der Hardcore-Szene sind doch nur wenige Gruppen nachhaltig ausgebrochen. Für Hatebreed freut es mich besonders, denn sie verdienen es. Bands wie diese dienen als Brückenkopf und können Kids für den Underground gewinnen. Davon profitieren vielleicht letztlich sogar wir. Der Hardcore scheint mir dieser Tage größer und agiler als jemals zuvor zu sein. Das ist toll. Es gibt so viele unterschiedliche Strömungen, die als Hardcore zusammen gefasst werden. Hier findet jeder Hörer etwas, das ihm gefällt.“

Rob Watson stellt in seinen Texten vor allem auf das harte Leben ab. LIONHEART ist für ihn keine politische Plattform, und überhaupt erachtet er übertrieben gesellschaftskritische Gruppen als fragwürdig: „Was die politische Komponente im Hardcore anbelangt: davon bin ich nie ein großer Freund gewesen. Deshalb vermisse ich es auch nicht. Für mich ist das eher mit dem Punk verknüpft und war einer der Gründe, weshalb ich vom Punk zum Hardcore geschwenkt bin. Von Teenagern, die über die ach so schlimme Regierung jammern, war ich gelangweilt. Die halbgare politische Komponente war häufig naiv und einfach nur ärgerlich. Lieber habe ich Blood For Blood oder Hatebreed gehört, deren Texte die Kämpfe im Alltag thematisieren, mit denen ich mich identifizieren kann. Es braucht Mut, um über seine eigene Zerrissenheit zu singen und sein Innerstes nach außen zu kehren. Über die Regierung zu schimpfen, mutet im Vergleich dazu leicht an und erfordert wenig Mumm. Ein Beispiel: die Heuchelei der Anti-Kapitalismus-Bands konnte ich noch nie nachvollziehen. Unabhängig von der Frage, wie ich zum Kapitalismus selbst stehe, fußt doch die Grundidee jeder Gruppe auf dem Prinzip der freien Marktwirtschaft und damit vom Kapitalismus. Eine Band ist nichts anderes als ein Geschäft, das man eröffnet, mit ihm in den Markt eintritt, das man bewirbt und zu verkaufen versucht, indem man sich von seinen Mitbewerbern differenziert. Tourende Gruppen fahren im Van herum, verkaufen ihr Merchandise (gedruckt auf Shirts, die mitunter in der dritten Welt hergestellt werden), trinken Backstage Bier von einem Weltkonzern, tragen Vans, Nike’s oder Doc Martens und einige von ihnen fordern ihr Publikum dazu auf, Kommerz und Kapitalismus zu verteufeln. Also bitte, das ist scheinheilig! Ohne eine funktionierende freie Marktwirtschaft gäbe es die Bands gar nicht. Ich bin froh, dass sich die Heuchelei weitgehend auf eine Szene beschränkt, der ich nicht angehöre.“

 
 Links:
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