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Costa's Cake House

Interview von: arne mit Nanouk, am: 09.06.2003 ]

Im MetalCore-Sektor haben Costa's Cake House mit Sicherheit einen der ungewöhnlichsten, aber zugleich auch einprägsamsten Bandnamen. Dabei sorgt nicht allein ihr Name für Aufmerksamkeit. CCH haben sich mit jedem ihrer Releases weiterentwicklelt und ihre Mischung aus Hardcore, Grind und Black stetig verfeinert. Mit der Zeit entstand eine durchschlagende Chaos-Truppe, die immer komplexere und abgedrehtere Songs vorlegte. Den vorläufigen Höhepunkt bildet das, kürzlich auf Firefly erschienene, Vollzeit-Debüt "555"

 

Musicscan: Stell doch bitte Costa's Cake House und die Leute, die darin involviert sind, kurz vor. Was sollte man über Euch wissen?

Costa's Cake House: wir sind zu fünft, arnaud und tobias spielen bass, carsten schreit, matthias spielt gitarre und ich schlagzeug. Neben der band arbeitet arnaud als mediengestalter, tobias studiert stadtplanung, matze ist gerade in seinem anerkennungsjahr als erzieher, carsten macht eine ausbildung zum heilpraktiker und ich studiere neuere und neuste geschichte, sowie kulturwissenschaften und kulturarbeit. Costa's cake house gibt es seit Anfang 1998. Angefangen haben wir als eine power violence band mit gelegentlichen Schreiemo Einflüssen. Wir hatten seither 2 Besetzungswechsel. Steve, unser erster Gitarrist ist, nachdem er umgezogen ist, durch Matthias ersetzt worden und Anfang 2k kam mit Arnaud, ein zusätzlicher Bassist, in die Band. Dadurch ist der Sound kompakter, intensiver und brutaler geworden.Durch diese Wechsel und das Zusammenwachsen als Band hat sich auch unser Musik weiter entwickelt. Mit der zeit ging alles mehr in Richtung Metal und wurde durch komplexere Songstrukturen technischer und vertrackt chaotischer. In unser Musik vereinen sich Elemente aus dem Hardcore, Black Metal, Grindcore sowie melodischeren Schreiemo Einflüssen.

Musicscan: Mit welcher Intention habt Ihr die Band damals gegründet? Hat sich das seither verändert? Wenn ja, wie?

Costa's Cake House: die hauptintention die band 1998 zu gründen war um zusammen spass zu haben und die musik zu machen auf die wir bock hatten. Mit der zeit kam dann allerdings auch der anspruch dazu in unseren texten aussagen zu vermitteln und nicht nur die musik für sich sprechen zu lassen. Ich würde sagen, dass wir mit der zeit "professioneller" geworden sind und die band hauptsächlich als vehikel sehen um uns auszudrücken.

Musicscan: Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr in Eurer Entwicklung ein wenig durch Euren Bandnamen "behindert" worden seit/ noch behindert werdet. Seht Ihr das ähnlich oder wurde Euch das gar mal offen gesagt?

Costa's Cake House: das kann ich so unterschreiben. Zu anfang war es recht schwer mit dem namen, da die leute uns in keine schublade stecken konnten, was aber genau das war was wir mit dem namen erreichen wollten. Wir haben ihn schon als bewusste abgrenzung zu dem ganzen schubladen denken und den gängigen klischees innerhalb der hc-szene gewählt, einfach auch um die leute vor den kopf zu stossen und sie zum nachdenken anzuregen. Inzwischen ist der name aber kein all zu grosses problem mehr, da wir uns durch unsere ständige livepräsenz und durch unsere platten doch auch wiederum einen recht guten ruf erspielt haben. Ein nachteil den dieser name immer noch mit sich bringt ist allerdings, dass wir für grössere label unattraktiv sind, da wir nicht wirklich vermarktbar sind mit diesem namen. Offen gesagt hat uns das allerdings nur eddie goodlife ;-)

Musicscan: Natürlich kann keine HC-Band die Sparte neu erfinden: Was aber ist bei Euch die "Besondere Note" - Was hebt Euch von anderen Bands ab? Wo liegen Eure Trademarks?

Costa's Cake House: unser trademark ist denke ich, dass wir zwar nichts neu erfinden aber dafür etwas anders kombinieren und nicht klischees reproduzieren. Ich denke wir haben es geschafft einen doch etwas eigeneren stil zu kreiren. Ein freund von uns meinte zur neuen platte: "durchdacht und trotzdem ausm Bauch, innovativ aber nicht studentisch, heavy ohne bollo, evil aber 555, melodisch und trotzdem aufs Fressbrett, eben anders..." und ich finde das trifft es ganz gut.

Musicscan: Es heißt ja immer so schön, Hardcore sei eine jungendorientierte Musik, die vor allem von und für jugendliche Ängste lebt. Bewahrheitet sich das im Fall von CCH? Ihr seid jetzt ja auch schon ein wenig älter und da verschieben sich ja unweigerlich Prioritäten usw. Oder nicht?

Costa's Cake House: das auf jedenfall, aber ich denke, dass das grundgefühl erhalten bleibt. Inzwischen ist es bei allen in der band beispielsweise so, dass die ausbildung und das studium einen wichtigen teil einnehmen und nicht mehr das reine unbeschwerte musikmachen im vordergrund steht. Abgesehen davon haben sich auch auf die band gesehen die prioritäten verschoben. Wir sind einiges eingespielter und sehen das ganze nicht mehr nur als hobby wie noch zu anfang. Und in bezug auf die jugendlichen ängste, ich denke die werden durch andere ersetzt ;-), durch eine gewisse form von existenzangst vielleicht, aber auch durch die artikulation von unzufriedenheiten mit gesellschaftlichen, politischen und persönlichen entwicklungen.

Musicscan: Über Eure Release hat sich der Sound stetig entwickelt. Das ist unüberhörbar. Wie seht Ihr denn selbst diese Entwicklung? An welchem Punkt seid Ihr gesartet und wo seid Ihr heute?

Costa's Cake House: angefangen hatten wir mehr oder weniger als eine power violence band mit gelegentlichen schreiemo einflüssen. Durch die bestzungswechsel und durch unser zusammenwachsen als band ging dann alles immer mehr in richtung metal, die songs wurden technischer und wir haben immer mehr wert auf das songwriting gelegt. Für mich persönlich ist es auch ganz wichtig, dass da eine entwicklung zu erkennen ist, denn ich fände es langweilig i einer band zu spielen, die immer wieder nur sich selbst wiederholt. Wir haben uns mit cch keine grenzen gesetzt von daher kann dich musikalisch noch einiges erwarten. ;-)

Musicscan: Wo seht Ihr Euch als Band in der Musik-Landschaft positioniert? Es gibt ja inzwischen Unmengen an Bands, die musikalisch ähnlich agieren...

Costa's Cake House: wir sehen uns eindeutig als hardcore band mit starkem metaleinfluss. Ich denke nicht dass du uns zu der typischen metalcore szene zählen kannst, da wir auf der einen seite zwar musikalisch schon in die richtung gehen, aber auf der anderen seite doch wieder anders sind. Zum anderen habe ich das gefühl, das viele leute in der sog. Metalcore szene uns nicht ernst nehmen, was dazu führt, dass wir recht häufig konzerte mit bands anderer stilrichtungen spielen. Das ist superinteressant und macht mir auch riesig spass, auf der einen seite zwar mit metalcore bands zu spielen aber dann auch des öfteren mit punkrock, emo und hc bands. Ich habe ab und an das gefühl, das wir so die metalband für die emokids sind ;-)

Musicscan: Was seht Ihr als größten Erfolg Eures bisherigen Weges an und warum? ...und natürlich die größte Niederlage!?

Costa's Cake House: als grössten erfolg sehe ich persönlich alleine die tatsache, dass wir platten rausbringen und auf tour gehen können, leute erreichen und über die musik kennen lernen. Eine niederlage in Bezug auf die band hatten wir noch nicht wirklich, oder zumindest nichts was ich als solches bezeichnen würde.

Musicscan: Welches Feedback habt Ihr denn auf die bisherigen Releases bekommen?

Costa's Cake House: bisher fast auschliesslich positives, abgesehen von der ein oder anderen nicht ganz so dollen review.

Musicscan: Wo seht Ihr Euren Hörerkreis - wer sollte Euch antesten? Wer kommt zu Euren Shows?

Costa's Cake House: antesten sollte uns auf jedenfall jeder der auf heftige musik steht, sei es metal, hardcore, chaoscore, noise oder was weiss ich nicht alles, ich denke das ist so der kreis an personen der am ehesten in frage kommt. Auf unsere shows kommen neben hard- und metalcore kids auch recht viele leute aus der emo/ screamo ecke, sowie vereinzelt metal- und punkkids.

Musicscan: Zur neuen Platte: Wie kommt man denn als dt. Band zu FireFly? Dieses ital. Label ist ja nicht unbedingt bekannt bzw. etabliert hier in Deutschland...

Costa's Cake House: die zusammenarbeit mit firefly kam zustande nachdem wir an sylvester auf nem festival in belgien mit face the fact gespielt haben und giorgio und josh (die macher von firefly, die auch bei face the fact mitspielen) ziemlich begeistert von uns waren und uns gleich nach der show fragten ob wir nicht lust hätten mit ihnen zu arbeiten, worauf wir dann erst einmal die lighting up the nightsky mcd bei ihnen veröffentlichten und später dann die "555" full length, die allerdings aus verschiedenen gründen später rauskam als geplant. Wir haben uns für firefly entschieden, da es das label war was uns am schnellsten rausbringen konnte, auch wenn es am ende dann doch wieder länger gedauert hat. Zum anderen waren sie von anfang an an uns interesiert und wir dachten, dass es auch nicht schlecht ist mit einem relativ neuen lable zu arbeiten, da wir als band noch mehr einfluss nehmen können als bei etablierteren, bei denen vieles in schon ausgetretenen bahnen läuft.

Musicscan: Ich finde es schon recht ungewöhnlich, dass die LP-Version der Platte eine ganze Weile vor der CD auf dem Markt ist. Wie kam das denn? Warum hat sich das Release eigentlich so lange verzögert?

Costa's Cake House: die lp ist auf einem anderen label als die cd erschienen, was einer der gründe für das frühere erscheinen der vinylversion ist. Zum anderen hat sich der release der cd auf grund von finanzproblemen immer weiter nach hinten verschoben. Da die vinylversion allerdings eine einmalige limitierte sache ist wollten wir die auch zuerst draussen haben und dann die cd als regulären release hinterher schicken.

Musicscan: Das Material von "555" ist jetzt ja schon ein wenig älter. Seitdem habt Ihr sicherlich neue Songs geschrieben. In welche Richtung seit Ihr weitergegangen?

Costa's Cake House: die sachen die wir seitdem geschrieben haben sind denke ich noch mehr auf den punkt, etwas rockiger und geradliniger, aber mit mehr melodien und gleichzeitg auch heftiger, da die songs direkter sind. Ich denke wir kommen in unserem songwriting immer mehr in richtung der klassischen rocksongs, ohne dabei an härte und intensität zu verlieren.

Musicscan: Erzähle mir doch bitte etwas zu Euren Texten. Was ist Euch wichtig? Welche Themenkreise sprecht Ihr an?

Costa's Cake House: Unsere texte handeln im grossen und ganzen von unseren leben und wie wir damit umgehen in einer kapitalistischen gesellschaft zu leben. Alles was einen einfluss auf uns hat wird verarbeitet, sei es liebe, frustration, soziale und politische entwicklungen und was sonst noch alles. Unsere texte haben unterschwellig eine politische dimension, da alles politisch ist. Wir versuchen allerdings keine platten parolen und schwarz weiss texte zu schreiben, sondern das ganze eher von einem persönlichen standpunkt zu schildern. Auch wir haben fehler und keine wahrheit gepachtet, daher hegen wir auch nicht den anspruch irgendwelche lösungen parat zu haben. Wir sehen unsere texte eher als kommunikationsplattform. Wir sprechen gewisse themen an, legen unsere gedanken und gefühle dar.

Musicscan: Wieso singt Ihr auf deutsch? Ich finde das super und auch super ungewöhnlich...

Costa's Cake House: auf der neuen platte sind alle texte auf deutsch, einfach auf grund dessen, dass es uns leichter fällt uns auf deutsch auszudrücken als auf englisch. Sprache an sich ist ein doch eher limitiertes medium um gefühle und gedanken zu artikulieren und dies dann noch in einer anderen sprache zu tun fällt doch oft etwas schwer. Auf den älteren releases waren auch öfters englische texte, weil gewisse dinge auf deutsch einfach scheisse klingen.

Musicscan: Zum Titel - Was habt Ihr Euch dabei gedacht, das Album "555" zu taufen? Beinhaltet das in irgendeiner Form Kritik?

Costa's Cake House: Weil die dreifache Fünf die Zahl des freien Menschen ist. Der Mensch hat fünf Teile am Rumpf, zwei Beine, zwei Arme und einen Kopf. Jeder dieser Teile hat wiederum fünf Unterteile. An den Beinen je fünf Zehen, an den Händen je fünf Finger, am Kopf je fünf Öffnungen. Jeder dieser Teile ist wiederum in seinen Proportionen fünfgeteilt. Also Fünf-Fünf-Fünf. Auch alchimistisch ist der Mensch mit der Fünf verbunden. Er besteht aus den vier aristotelschen Elementen, Erde, Feuer, Wasser, Luft plus dem fünften Element, der Quinta Essentia, das mit dem Bewußtsein identisch ist und der Mensch hat fünf weltliche Sinne. Zudem sind wir fünf freunde, also wieder die 5-5-5. Die Symbolik der Fünf-fünf-fünf steht für uns für einen erstrebenswerten Zustand des Lebens, welcher in einer gesellschaschaft die auf materiellen besitz, herrschaft und unterdrückung aufbaut, leider schwer zu verwirklichen ist, aber nichts destotrotz einen traum darstellt, den es zu träumen lohnt!!! Es beinhaltet ein stückweit kritik an der hc- szene, in dem sinne dass diese den ganzen "666" trend übernommen hat ohne wirklich über die bedeutung bescheid zu wissen. Für uns als band ist eine freie gesellschaft, so wie ein freies leben ein wünschenswerteres ideal als knechtschaft, sklaverei und unterdrückung für welches die "666" steht. Auch abgesehen von der reinen bedeutung der zahlen ist die kritik die, das nicht alles oberflächig geblaubt werden sollte, sondern eben auch mal ein bischen an selbiger gekratzt werden sollte.

Musicscan: Habt Ihr als Band auch einen politischen Anspruch? Wofür steht Ihr als Band ein?

Costa's Cake House: wir haben keinen direkten politischen anspruch in der form, dass wir sagen unterstützt dies oder jenes, sind aber denke ich doch alle politisch orientierte menschen. Uns beschäftigt sehr was sich gesellschaftlich und global entwickelt. Als band gesehen kannst du uns politisch auf jedenfall in die linke ecke stellen, sofern diese kategorien von linnks und rechts heute überhaupt noch bedeutung haben, musst dir ja nur mal die diskussionen innerhalb der linken ansehen. Wie schon weiter oben erwähnt hegen wir nicht den anspruch irgendeine form von wahrheit gepachtet zu haben, und wollen dies deshalb auch nicht in schwarz-weiss texten präsentieren. Es ist dann immer schwer diesem selbst gesetzten anspruch gerecht zu werden. Ich denke wir müssen in unseren texten auch nicht immer wieder das rad neu erfinden, gerade in bezug auf politische texte gibt es so viele die das einiges besser formulieren können oder das auch schon getan haben. Und ich denke eine band muss nicht immer über politik sprechen um politisch zu sein, es kommt mehr darauf an was du tust als auf das was du sagst.

Musicscan: Mit welchen Anspruch und mit welcher Motivation geht Ihr an die eigene Musik und das Leben im allgmeinen?

Costa's Cake House: ich kann hier nur für mich sprechen, aber in bezug auf musik möchte ich die dinge so gut wie möglich machen, dabei aber auch soviel spass wie möglich haben. Auf das leben allgemein geshen gilt was ähnliches, ich möchte dieses so gut es geht auskosten, aber gleichzeitig auch alles was ich mache richtig machen.

Musicscan: Welche Hoffnungen/ Wünsche verbindet Ihr mit dem neuen Album und allgemein mit Eurer Zukunft als Band?

Costa's Cake House: ich hoffe, dass wir mit der neuen platte zum einen mehr beachtung und anerkennung bekommen und zum anderen natürlich auch neue leute erreichen. Wir sind alle sehr zufrieden mit der platte und hoffen dass einige leute mal über ihren schatten springen und uns anchecken, auch wenn wir eben nicht die momentan gängingen klischees bedienen. Ich finde es recht schade, dass in der hc-szene inzwischen immer mehr wert auf labels und klischees gelegt wird als das was zum einen auf musikalischer ebene geboten wird, und zum anderen was hinter den bands steckt. Ich habe das gefühl das alles immer oberflächiger wird und sich auch thematisch vieles im kreis dreht, wenn es denn überhaupt noch aussagen in den texten gibt.

Musicscan: Wollt Ihr noch etwas loswerden?

Costa's Cake House: erst einmal ein ganz dickes danke an dich für das interview. Und ansonsten tretet mit uns in kontakt wenn euch danach ist, sei es wegen ner show oder einfach nur wegen nem netten gespräch. Und checkt unsere neue platte aus. ;-) costascakehouse@gmx.de

 
 
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