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Tausend LÖwen Unter Feinden

Storie von: arne, am 10.11.2015 ]

DU BIST NICHT ALLEIN. Auf ihrem Debüt-Album „Machtwort“ vertonen TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN den Lebens-Zyklus eines Menschen; beleuchten dessen Motive und Triebfedern, aber auch sein Umfeld. Jenseits dieses Konzeptwerks basiert der Hardcore des Quintetts aus NRW jedoch auf einem gelebten Kollektiv-Ansatz.

 
In diesen Kontext ist auch die zuletzt aufgelegte Tour-Pressung der „Licht“ EP mit GORILLA BISCUITS-Gedächtnis-Cover einzuordnen: „Die Idee kam aus einem ganz einfachen Grund. Diese Band ist unsere komplette Jugend durch bis heute immer präsent gewesen“, erklärt Frontmann Matzo. „Einige unserer Mitglieder sind Straight Edge und nicht zuletzt durch GB beeinflusst worden; sowohl musikalisch als auch auf ihre Lebenseinstellung bezogen. Zudem vertreten wir als Band die Einstellung, dass es wichtig ist, zusammen einen Konsens zu finden, auch wenn man verschiedene Meinungen hat. GB haben schon zu ihrer Anfangszeit Wert darauf gelegt, nicht militant auf Staight Edge zu bestehen oder sich in eine bestimmte Schublade stecken zu lassen, sondern gemeinsam mit anderen Menschen außerhalb der Szene in Dialog zu treten. Diesen Ansatzpunkt sehen wir bei uns ganz genauso. Wir müssen die Ideen, die sich in der Hardcore-Szene entwickeln, bis in die Mitte der Gesellschaft tragen, um Problematiken sichtbarer zu machen und Dinge in positive Richtungen verändern zu können.“ Daran schließt sich nahtlos der von TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN propagierte Wert der Gemeinschaft an, der Teil des Selbstverständnisses des Quintetts ist:

„Wir legen Wert auf den Begriff des Kollektivs, da es sich bei uns – wie bei jeder anderen Band – um ein soziales Kollektiv handelt, bei dem Menschen mitwirken, die an das Gleiche glauben und für die gleichen Werte einstehen“, erläutert der Sänger. „Eine Band ist immer durch ihr Umfeld geprägt und wird ohne dessen Unterstützung niemals weit kommen. Wir zählen neben dem Kern, also den Musikern, die auf der Bühne stehen und die Songs schreiben, auch alle anderen mit zum erweiterten Kreis der Band, die auf irgendeine Art und Weise involviert sind. Label, Booking-Agentur, Designer, Journalisten, Familie, Freunde und natürlich jeder einzelne Fan sind daran beteiligt, dass sich der Gedanke, die Idee und die Message unserer Band verbreiten. Jeder innerhalb des sozialen Kollektivs hat seine Individualität und eigene Meinung. Viele Bereiche wie Wertvorstellungen, Musikgeschmack und Ansichten über das Leben überschneiden sich. Aus der Vielfalt und den damit verbundenen Diskussionen und Kompromissen entsteht schließlich etwas Gemeinsames. Wichtig ist uns in der ausgeprägten Individualisierung, die in unserer Gesellschaft geschieht, zu betonen, dass man nicht immer nur auf sich alleine gestellt ist. In jedem sozialen Konstrukt sind wir auf Zusammenhalt, Nächstenliebe und gegenseitige Hilfestellungen angewiesen und müssen in der Lage sein, Kompromisse einzugehen. Eine Band ist dafür ein gutes Beispiel. Von diesem kleinen Kontext lässt sich auch auf größere Zusammenhänge schließen.“ Musikalisch wie textlich berufen sich TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN auf ihrem Debüt auf traditionelle Hardcore-Wurzeln und zeigen sich auch deren Ethik verpflichtet:

„Hardcore


ist schon lange nicht mehr nur im Underground zu finden. Wie bei anderen sogenannten Sub-Kulturen ist eine Verschiebung durch Medien wie das Internet und ein globalisiertes Denken der Menschen zu beobachten. Eine immer stärker segmentierte Gesellschaft hat in Bezug auf Konsum ebenso differente Bedürfnisse, woraus sich ein „Patchwork der Minderheiten“ ergeben hat,“ ordnet Matzo die HC-Verortung der Band ein. „Es handelt sich bei Hardcore nicht mehr um eine Randerscheinung der Gesellschaft. Songs laufen in den Diskotheken. Radio-Sender laden Hardcore-Bands zu Interviews ein. Auf Festivals, auf denen früher nur Metal-Bands gespielt haben, besteht heute die Hälfte des Line-Ups aus Hardcore-Bands. Diese Entwicklung hat viele negative Auswirkungen und bringt auch eine gewisse Kommerzialisierung mit sich, die oftmals im Gegensatz zu den Inhalten steht, die Texte im Hardcore thematisieren. Auf der anderen Seite ergibt sich die Chance, auch Menschen, die sich zuvor niemals mit solchen Inhalten beschäftigt hätten, zu erreichen. Besonders in einer Zeit, in der alle Grenzen in den Köpfen immer mehr verwischen und viele Menschen durch den Informationssturm überfordert sind, ist es wichtig, die traditionellen Werte zu stärken, da sie in immer schneller werdenden Zeiten einen Sicherheitsanker bilden.“ Die Entwicklung der Gruppe spiegelt solche Erkenntnisse wider: „Von Beginn an wollten wir ein klares Zeichen setzen,“ bekräftigt der Frontmann. „Wir sind nicht allein. Ihr seid nicht allein. Wir gehören zusammen, und zusammen können wir die Welt verändern. So pathetisch, wie das für manch einen klingen mag, ist das doch der Ansatzpunkt, der zur Band geführt hat. Es ist in ganz praktischer Hinsicht auf das tägliche Leben bezogen. Wir müssen im Kleinen beginnen, die gesunden sozialen Strukturen auszubauen, damit es im Großen funktionieren kann. Wenn jeder seinem Nachbarn zur Seite steht, kann das einen Ketteneffekt haben, so dass am Ende jedem geholfen ist.“

Die Hilfe ist bei TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN aber stets eine Hilfe zur Selbsthilfe, wie Matzo mit Blick auf das Debüt ausführt: „Der Titel „Machtwort“ bezieht sich gar nicht auf ein Machtwort, dass wir als Band sprechen wollen. Es handelt sich bei dem Album um ein Konzeptalbum, das den Lebensweg eines Menschen von der Geburt bis zum Tod nachzeichnet. Der Titel „Machtwort“ beinhaltet das „Macht“, dass der Protagonist in der Geschichte sich selbst gegenüber spricht. Er sagt dort: „Hier ist keine Macht. Ich verlasse diesen Ort noch in dieser Nacht.“ Es geht also um ein Machtwort, das ein Mensch sich selbst gegenüber spricht. Es geht darum, dass der Protagonist erkennt, dass er in allen weltlichen Genüssen und in den irdischen Machtstrukturen, die die Menschen konstruiert haben, keine wirkliche Macht über sich und das Leben finden kann. Er kann die Erlösung und den Sinn des Lebens nur in sich selbst finden.“

 
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