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Twitching Tongues

Storie von: arne, am 29.10.2015 ]

TWITCHING TONGUES haben unlängst den Einstieg des früheren Hatebreed-Gitarristen Sean Martin verkündet. Zusammen mit der Veröffentlichung ihres neuen Albums „Disharmony“ über Metalblade dürfte das der Band aus Los Angeles eine Menge Aufmerksamkeit einbringen. Zu Recht, denn die Kalifornier treten mit einem interessanten Metal-Hardcore-Crossover an, der klassisch und eigen zugleich anmutet.

 
Um den Ansatz der Gruppe zu verorten, wird zumeist auf Gruppen wie Only Living Witness, Life Of Agony, Cro-Mags, Sam Black Church, Sheer Terror und Type O Negative verwiesen. Der gemeinsame musikalische Nenner der Genannten klingt aber doch anders, als man meinen könnte. Das Drittwerk des Quintetts entwickelt sich zwischen groovigem Metal, markanten Thrash-Riffs und brachialem Hardcore. Die Eigenständigkeit des Spiels von TWITCHING TONGUES resultiert dabei vor allem vom kehligen Gesang her, der anfangs gewöhnungsbedürftig klingt, auf den man aber alsbald abfährt:

„Gegenwärtig kann ich lediglich sagen, dass wir von unserem neuen Album angenehm überrascht und sehr gespannt sind, wie die Fans es aufnehmen werden,“ zeigt sich Frontmann Colin Young im Gespräch bescheiden und erwartungsfroh. „Für uns markiert die anstehende Veröffentlichung von „Disharmony“ das Ende eines längeren Weges, den wir bald schon mit Touren und Shows krönen, auf denen wir die neuen Songs endlich live spielen können. Interessanterweise gelingt es uns am Ende fast immer, den Großteil der Leute auf unsere Seite zu ziehen. Das reicht oft an die Marke von 90 Prozent heran und ist für uns witzig zu beobachten. Dass es immer auch Leute gibt, die Bands wie die unsere nicht mögen, gehört dazu.“

In den vergangenen sechs Jahren hat sich der Sänger ein dickes Fell angeeignet, auch wenn die Gruppe eigentlich immer schon mehr Zuspruch als Ablehnung erfahren hat: „Rückblickend scheint mir, dass wir schon ganz zu Beginn daran geglaubt haben, eine langlebige Band gestartet zu haben,“ meint Colin. „Wir haben den Vorteil, dass mein Bruder und ich die beiden Songwriter von TWITCHING TONGUES sind. Ich wüsste nicht, aus welchem Grund wir jemals aufhören müssten. Der Einstieg von Sean ist natürlich verrückt. Wir können es selbst noch immer kaum glauben, und ich kann es nicht abwarten, auf der Bühne das erste Mal nach rechts zu blicken und ihn dort unsere Songs spielen zu sehen.“ Angesichts der Tatsache, dass von Attitüde und Sound her Ähnlichkeiten zu Code Orange, Harm's Way und Nails bestehen, überrascht es nicht, das neue Album auf Metalblade erscheinen zu sehen:

„Ich begrüße es, dass die Metal-Welt mehr und mehr Notiz von uns nehmen wird,“ so der Frontmann. „Mit dem neuen Album auf Metalblade dürfte sich das nochmals steigern. Dennoch bleibt der Hardcore wohl auf ewig unser Zuhause. Schon allein deshalb, weil wir unser Fähnchen nicht in den Wind hängen, um sich bietende Chancen zu nutzen. Es muss von sich aus passen. Gleichwohl sind wir gespannt, zu erfahren, welche


Möglichkeiten sich der Band durch „Disharmony“ bieten werden.“ Die Crossover-Aufstellung der Band aus Los Angeles scheint vielfältige Optionen zu bieten: „Wir schätzen den Umstand, dass wir uns nicht zwischen verschiedenen Stilen entscheiden müssen,“ erklärt Colin Young. „Unsere Einflüsse fließen allesamt gleichberechtigt in unsere Songs mit ein. Mal steht der eine zentral, mal ein anderer. Die Stücke des neuen Albums unterscheiden sich deshalb sehr voneinander und das ist toll. Warum sollen wir also analysieren, was wir tun? Es funktioniert doch auch so! Bei uns ist nichts ausgeschlossen außer beschissener Pop-Punk und Warped Tour-Deathcore-Mist.“

Die nicht festgelegte Ausrichtung führt zu interessanten Eindrücken, wenn man „Disharmony“ hört, die auf den ersten Blick nicht immer unbedingt verständlich sind: „Fokussierter und dennoch breiter angelegt – das scheint doch ein Widerspruch in sich zu sein,“ erwidert der Sänger. „Und dennoch trifft es auf uns zu. Wir haben bewusst die Entscheidung getroffen, uns nicht zu limitieren und auf unsere Eingebungen zu vertrauen. Im Songwriting hinterfragen wir nicht viel. Für das neue Album wollten wir allerdings sowohl die Brutalität ausbauen als auch die Eingängigkeit des Materials steigern. Im Ergebnis steht so etwas wie Suffocation meets Fleetwood Mac, Type O Negative meets Dying Fetus oder Lady Gaga meets Candlemass. Ich habe angefangen, unseren Sound so zu umschreiben. Auf dem neuen Album finden sich viele vermeintliche Widersprüche, die dennoch gut funktionieren. Einflüsse zwischen Candlemass, Cannibal Corpse, King Diamond und Bolt Thrower werden mit weiteren klassischen Elementen gemischt. So entstehen die Songs, die nach TWITCHING TONGUES klingen und typisch für uns sind. Für Hörer geht es am Ende darum, sich darauf einzulassen und Spaß daran zu haben. Wen so etwas nicht interessiert, der braucht sich ja nicht mit uns zu beschäftigen.“

In dieser Hinsicht sind die Kalifornier klar den Hardcore-Wurzeln verschrieben: „Das stimmt, wir halten es diesbezüglich ganz klassisch,“ stimmt Colin zu. „Jeder sollte allein die Art von Musik spielen, die er für sich als richtig und stimmig erachtet. Punkt. Wer hat das Recht einem zu sagen, dass die eigenen Überzeugungen falsch sind? Niemand! Fuck that! Jeder sollte tun, wonach ihm ist. Es gibt keine Regeln, an die man sich halten muss.“ Wie wahr, also entdeckt und genießt „Disharmony“ und besucht im Januar 2016 die EMP Persistence Tour 2016, um TWITCHING TONGUES neben Terror, Ignite, H2O, Iron Reagan und Wisdoms In Chains live zu erleben.

 
 
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