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Gorod

Storie von: arne, am 26.09.2015 ]

Ihren technischen Death Metal spielen die Franzosen von GOROD sowohl mit schonungsloser Präzision als auch mit einem aufgeschlossenen Blick über den Genre-Tellerrand hinaus. „A Maze Of Recycled Creeds“ ist das fünfte Album der Formation aus Bordeaux betitelt, das wiederum extreme Brutalität mit einem ganzheitlichen Rahmen und vorwärts gerichteten Ausreißern verbindet.

 
Längst hat sich herum gesprochen, dass der Fünfer progressiv und wertig aufspielt. Gitarrist Mathieu Pascal zufolge lassen sich die Musiker vom stetig wachsenden Zuspruch und den einhergehenden Ansprüchen nicht beeindrucken: „Natürlich wissen wir, dass die Leute hohe Erwartungen an uns richten. Angst davor haben wir aber nicht. Das schafft für uns genau die richtige Arbeitsmotivation, denn es treibt uns an, noch besser zu werden, Überraschungen in unsere Songs einzubauen und immer wieder mit frischen, unverbrauchten Ideen zu arbeiten. Externe Einflüsse spielen letztlich aber keine Rolle, wenn wir kreativ arbeiten. Wir selbst stellen die höchsten Ansprüche an uns. Für unseren Sound gibt es feststehende Zutaten, die das Wesen von GOROD grundlegend definieren. Daneben nutzen wir die Freiheitsgrade, die wir identifizieren. Unsere persönlichen Interessen werden in der Durchmischung beider Ausprägungen optimal repräsentiert.“

Auf Veränderungen muss man bei den Franzosen stets gefasst sein. Gemessen am Vorgänger von 2012, „A Perfect Absolution“, hat sich wieder einiges getan: „Für mich persönlich gibt es keine so gravierenden Verschiebungen, als dass die Leute unsere Entwicklung und das neue Album nicht verstehen könnten,“ meint der Gitarrist. „Aber natürlich bin ich so nah dran, dass ich nicht objektiv abschätzen kann, was passieren kann und wie die Songs auf andere wirken. Gewöhnlich lasse ich das auf mich zukommen und nehme dann mit Genugtuung oder Erstaunen zur Kenntnis, was die Leute über uns äußern. Meine Band-Kollegen sind der Meinung, dass die neue Platte komplexer als ihr Vorgänger ausgefallen ist. Ich stimme insoweit zu, als dass sie herausfordernder in der Umsetzung auf der Bühne ist. Dennoch würde ich nicht so weit gehen, zu sagen, dass sie vertrackter oder sperriger als die früheren Alben klingt.“ Zur besseren Einordnung sollte man wissen, dass in den Reihen von GOROD nicht einfach nur exzellente Individualisten und Songwriter stehen, sondern sogar studierte und lehrende Musiker:

„Aufgrund der Zusammensetzung unseres Line-Ups haben wir alle Möglichkeiten. Unser zweiter Gitarrist Nico, Schlagzeuger Karol und ich selbst arbeiten als Musik-Lehrer und beschäftigen uns auch intensiv mit der Musik-Theorie. Es fällt uns nicht schwer, uns voll und ganz an der Musik und dem Komponieren festzubeißen. Daraus resultiert der bisweilen sterile, vergleichsweise emotionslose Eindruck unserer Songs. Es ist nicht unsere Absicht, Musik für Frickler zu schreiben. Manchmal passiert uns das allerdings. Dafür versuchen wir es aber genauso häufig, unsere Songs mit Eleganz und Pfiffigkeit anzureichern, was


in unserem Metier nun auch nicht so häufig anzutreffen ist.“

Dennoch sollte man wohl dankbar dafür sein, dass Mathieu Pascal & Co. nicht alle ihre Ideen umsetzen können: „Meine Idealvorstellung unseres Sounds reicht deutlich weiter als das, was uns möglich ist. Wir haben nur zwei Gitarristen im Line-Up. Ginge es nach mir, könnten es auch vier bis sechs sein. Das sind Restriktionen, die ich akzeptiere und an die ich mein Spiel anpasse. Doch manchmal stört es mich schon, wenn ich krasse Riffs finde, die sich im Kontext der vollen Band als nicht umsetzbar erweisen. Das hängt vor allem mit der Geschwindigkeit meines Spiels zusammen. Wenn es so schnell wird, dass die anderen nichts mehr beitragen können, ist es zu viel des Guten. Unhörbar sollen unsere Tracks schließlich nicht sein. Der Grundkonsens innerhalb unserer Band lässt sich daher wie folgt beschreiben: es soll immer Metal sein und muss in unser Fünfer-Besetzung gut klingen. Ansonsten ist nichts ausgeschlossen. Dennoch finden sich auf einigen Platten Songs, die wir live nicht spielen, weil ihre Umsetzung zu schwierig ist – etwa ,Varangian Paradise‘ vom letzten Album oder ,Watershed‘ von „Process Of A New Decline“. Es sind tolle Stücke, die die jeweiligen Platten bereichern, doch aufgrund der vielschichtigen Arrangements und der vielen Gitarren-Spuren funktionieren sie live einfach nicht.“

Der kreativen Herausforderung müssen sich die Franzosen aber auch in einem anderen Bereich stellen: „Das Songwriting an sich fällt mir nicht unbedingt schwerer. Heute ist es nur schwieriger, die nötige Zeit dafür freizuschaufeln,“ erzählt der Gitarrist. „In unseren Jobs und Familien sind wir stark eingebunden, so dass die Band mitunter in den Hintergrund rutscht. Was ich unbedingt vermeiden möchte, ist es, kreativ zu stagnieren. Es ist mir aufgefallen, dass die Ideen heute nicht mehr ganz so selbstverständlich aus mir heraus sprudeln, wie in den frühen Tagen. Andererseits benötige ich auch nicht mehr so viele gute Einfälle, um starke Songs zu formen. Früher hat das Komponieren deutlich länger gedauert. Die ersten Stücke für das neue Album sind bereits vor drei Jahren fertig gewesen. Doch erst zwischen März und Juli 2014 ging es dann weiter, kurz, bevor wir aufnehmen wollten. Zwischen 2013 und 2014 habe ich mir ein eigenes Studio eingerichtet. Deshalb fehlte es an der Zeit fürs Songwriting. Als alles fertig war, konnte ich mental umschalten und habe losgelegt. Das letzte Album war breit und vielschichtig. „A Maze Of Recycled Creeds“ ist nun wieder düsterer und geradliniger. Selbst unser Band-Logo auf dem Cover ist kantiger und rudimentärer gehalten.“

 
 Links:
  facebook.com/GorodOfficial
 
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