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Bullet Tooth Records

Storie von: arne, am 18.09.2015 ]

Ein neues Label zu etablieren, ist kein leichtes Unterfangen. Auch dann nicht, wenn man über viele Kontakte verfügt und in der relevanten Szene bekannt ist. Fünf Jahre nach seinem Ausstieg bei Trustkill Records kann Josh Grabelle dennoch von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Sein BULLET TOOTH RECORDS ist dick im Geschäft und die Zeichen stehen auf weiterem Wachstum.

 
Der aus New Jersey stammende Label-Manager besetzt wiederum das Feld zwischen Hardcore und Metal. Bands, die über sein Label veröffentlichen, sind u. a. Earth Crisis, First Blood, Affiance, Most Precious Blood, Memphis May Fire, Throw The Fight, Deception Of A Ghost, Dead Icons und Death Ray Vision. „Ich nehme für BULLET TOOTH in Anspruch, den Gruppen, mit denen ich arbeite, die Möglichkeit eines weltweiten Vertriebs und internationaler Marketing-Aktionen zu bieten. Sie können ihren DIY-Prinzipien treu bleiben und behalten die volle kreative Kontrolle; erhalten aber die Chance, international zu touren und Platten zu verkaufen.“

An der Signing-Politik von Josh hat sich nichts geändert: „Die Bands stammen überwiegend aus Hardcore, MetalCore und Metal. Eine definierte Agenda existiert jedoch nicht. Ich interessiere mich für Gruppen, die auffallen, im Gespräch sind und die mir persönlich gefallen. Das Beste, was eine Band tun kann, ist es, gute Songs zu schreiben und mit ihnen zu touren. Sind Gruppen gut und erfolgreich, werde ich von ihnen hören. Zu Hause zu sitzen und Däumchen zu drehen, führt hingegen nicht zum Erfolg. Ohne Fleiß und Arbeit geht es nicht. Musiker, die es ernst mit ihrer Karriere meinen, arbeiten die ganze Zeit über an ihrer Technik, ihren Songs und ihrem Auftritt. Es gibt viele talentierte Musiker, doch nur wenige schaffen es, eine Karriere zu starten. Das sind zumeist die, die es wirklich wollen und alles dafür tun. Das ist nicht anders als in jeder anderen Unterhaltungssparte. In Hollywood versuchen es auch Unmengen an Schauspielern, Fuß zu fassen. Nur den wenigsten ist es vergönnt und die bekommen dann die großen Rollen. Warum sollte es in der Musik anders sein? Wenn es so einfach wäre, gäbe es viel mehr professionelle Bands. Das Umfeld ist hart und ungerecht, doch es kann klappen.“

Für das Geschäftsmodell eines Labels gilt das ganz genauso. Der BULLET TOOTH-Kopf zeigt sich dennoch zuversichtlich, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu betreiben: „Es funktioniert noch, mit Musik Geld zu verdienen, allerdings muss man heutzutage noch härter arbeiten und geschickt agieren. Ohne zusätzliches Merchandise geht es längst nicht mehr. Das ist ein nötiger Bonus geworden. In Abstimmung mit den Bands versuche ich individuell die besten Pakete zu schnüren. Die kommerziell größten Erfolge sind die Platten von Affiance, Memphis May Fire und Throw The Fight gewesen. Die Alben von The Paramedic, First Blood und Earth Crisis haben sich ebenfalls gut geschlagen. Ich bin zufrieden, wie es läuft.“ Die veränderten Rezeptionskanäle von Musik sind dabei auch im Feld zwischen Hardcore und Metal bemerkbar:

„Seitdem damals Napster aufgekommen


ist, haben sich die Hörgewohnheiten mehr und mehr hin zu digitalen Downloads verschoben. Obwohl dieser Transformationsprozess noch nicht beendet ist, scheint das Streaming inzwischen das neue beliebteste Mittel der Wahl zu sein. Die Industrie steht vor der Herausforderung, jedem die Musik, die er hören will, immer und überall verfügbar zu machen. Das Überangebot ist allgegenwärtig, doch gute Musik setzt sich auch heute noch durch. Die Major-Label haben die Hörer in der Vergangenheit dazu erzogen, ein Album mit ein bis zwei guten Songs für 10 bis 15 US-Dollar zu kaufen. Sie haben sich aber nicht für die Qualität ihrer Produkte interessiert oder dafür, wie die Alben bei den Leuten angekommen sind. In Zukunft geht es meiner Meinung nach darum, wirklich gute Musik auf den Markt zu bringen und die Leute dazu zu bewegen, sie immer und immer wieder zu hören.“

Die fünf stärksten und relevanten Veröffentlichungen von BULLET TOOTH benennt Josh Grabelle mit Memphis May Fire’s „Between The Lies“, Affiance‘s „Blackout“, Death Ray Vision’s „We Ain't Leavin' Till You're Bleedin’“, Throw The Fight’s „What Doesn’t Kill Us“ und Earth Crisis’ “The Discipline“. Hinsichtlich der abgesetzten Formate zeichnet sich dabei kein einheitlicher Trend ab:

„Es ist von Band zu Band verschieden, ob es mehr physische oder digitale Verkäufe gibt. Bei traditionelleren Gruppen wie First Blood, Earth Crisis oder Most Precious Blood gibt es eine größere Nachfrage nach Vinyl. Bei den jüngeren „Warped Tour-Vertretern“ wie Memphis May Fire, The Paramedic oder Throw The Fight läuft die digitale Schiene besser. Mit den regionalen Erfolgen sieht es nicht anders aus. Einige laufen hier in Amerika richtig gut, bekommen aber in Europa kein Bein auf den Boden. Andere finden in Europa viel Anklang, doch hier geht nicht viel. Was die Formate anbelangt, schätze ich persönlich vor allem das Vinyl. Es ist kein Zufall, dass unsere erste Veröffentlichung – Kid Liberty‘s „Fight With Your Fists“ – zuerst als farbige LP erschienen ist. Ich bin ein Hardcore-Kid und Vinyl liegt mir im Blut!“

Was die deutsche Szene anbelangt, hat der BULLET TOOTH-Kopf gute Erinnerungen an frühere Tage und macht ambitionierten Newcomern Mut: „Mitte der 1990er Jahre habe ich die Aktivitäten der deutschen Hardcore- und Metal-Szene aufmerksam verfolgt. Die meiner Meinung nach beste Platte ist bis heute „To Reduce The Choir To One Soloist“ von AcMe. Dieses Album klingt für mich wie der sprichwörtliche Soundtrack zum Untergang. Heaven Shall Burn, Caliban, Spawn und True Blue haben mich damals ebenfalls überzeugt. Vielleicht passt es ja irgendwann in der Zukunft wieder, und ich signe eine Band aus Deutschland.“

 
 Links:
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