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Soilwork

Storie von: arne, am 02.09.2015 ]

MEHR ALS NUR SPEED. Veränderungen im Line-Up flankieren die Karriere von SOILWORK. Konstanz gibt es immerhin seit drei Jahren, so dass die schwedischen MeloDeather ihr neues Album „The Ride Majestic“ in derselben Besetzung wie zuletzt „The Living Infinite“ einspielen konnten.

 
„Von außen betrachtet, scheinen SOILWORK ein Zirkus zu sein, weil ständig die Mitglieder wechseln,“ nimmt Frontmann Björn „Speed“ Strid das Thema sarkastisch auf. „Als einziges Gründungsmitglied bin ich verblieben und muss ein totaler Idiot oder Diktator sein, mit dem keiner lange zusammen arbeiten will oder kann. Das scheint die Meinung vieler Leute zu sein. Dem ist aber nicht so. Innerhalb der Band nehmen wir die Dinge weder als Zirkus wahr noch gibt es böses Blut, wenn jemand geht. In zwanzig Jahren passiert einfach eine Menge und persönliche Prioritäten ändern sich. Auch Musiker durchlaufen Lebensphasen. Das ist ganz normal. Irgendwann stehen Hochzeiten, Familienplanung und ein geregeltes Leben an. Teil einer tourenden Band zu sein, ist hart. Ich verdamme niemanden dafür, wenn er nach einer gewissen Zeit genug davon hat; kann das vielmehr nachvollziehen. Gerade mit zunehmendem Alter ist es verständlich, dass man sich neu orientiert. Das habe ich im Verlauf der Jahre mehrfach erlebt. Tägliche Routinen bieten eine Sicherheit, die man als Musiker nur schwerlich findet.

Ich will nur klarstellen, dass SOILWORK stets nur als demokratische Band funktionieren. Niemand wird zu irgendetwas gezwungen; wir schmeißen niemanden raus oder suchen nur Leute, die das Songwiriting ihrer Vorgänger kopieren können. Jeder, der neu hinzu stößt, kann seine Einflüsse und Ideen bei uns einbringen. Das ist ein wichtiger Treiber dafür, dass sich unser Sound immer weiter verändert. In dieser Beziehung sind mir insbesondere die ersten Proben mit Sylvain Coudret und David Andersson in guter Erinnerung. Als neue Gitarristen haben sie eine andere Art des Songwiritngs etabliert, die mich aus meiner Komfortzone gerissen hat und überaus befruchtet wirkt. Mit Peter Wichers war ich im Songwriting früher ein eingespieltes Team. Mich nach der ganzen Zeit auf andere Musiker und Arbeitsweisen einzustellen, hat ungeahnte Kreativität freigesetzt. Dank Sylvain und David habe ich mich in den letzten Jahren als Sänger enorm verbessert. Deshalb begrüße ich personelle Wechsel von Zeit zu Zeit, auch wenn sie nicht zwangsweise passieren müssen.“

Für den Sänger selbst liegen die Prioritäten weiterhin klar auf SOILWORK: „Es mag banal klingen, doch mich treiben die Liebe zur Musik und die Möglichkeit, meine Songs vor Leuten zu performen, an. Mehr brauche ich nicht.“ erzählt Speed. „Dafür nehme ich auch gerne alle Strapazen in Kauf. Für das letzte Album sind wir neun Wochen ohne Pause durch Nordamerika getourt. Natürlich ist es irgendwann schwer, die Motivation aufrecht zu halten und mit den Einschränkungen der Privatsphäre klar zu kommen. Ohne Disziplin und eine professionelle Einstellung steht man das nicht durch. Auf der anderen Seite geben mir die Musik und die Fans so viel zurück. Wer bin ich, mich da über Unannehmlichkeiten zu beschweren?! Natürlich vermisse ich meine Familie, wenn ich unterwegs bin. So langsam muss ich mich wohl auch entscheiden, ob ich Kinder haben möchte.


Mit 37 Jahren ist das ein Thema. Doch bislang bin ich überzeugt davon, dass es noch nicht an der Zeit ist, aufzuhören. Die Band ließe sich gewiss auch auf einem Hobby-Level fortführen. Das Erfüllende ist aber gerade das Live-Spiel, das ich nur als tourende Band so richtig auskosten kann. Es gibt da draußen immer noch so viele Leute, die uns sehen und abfeiern möchten. Auch deshalb halte ich weiter durch.“

Mit dem 2013 veröffentlichten „The Living Infinite“ haben die Schweden nochmals einen Qualitätssprung hingelegt, den man ihnen so nicht zugetraut hatte. Das wirkt nun auch auf „The Ride Majestic“ nach: „Es ist für uns kein gewöhnliches Album gewesen und nicht zufällig eines mit zwei CDs. Auch deshalb haben wir viel Aufmerksamkeit erfahren, was ich so nicht erwartet hätte,“ rekapituliert der Sänger. „Es freut mich aber mehr, dass es uns gelungen ist, die Leute wieder zu überraschen. Wir haben neue Dinge ausprobiert und unseren Sound verändert. Nun wollen die Leute wissen, wie unsere weitere Entwicklung verläuft. Ich denke, es ist uns gelungen, nachzulegen. Dieses Mal veröffentlichen wir kein Doppel-Album, und doch ist es wieder ein besonderes.“

Die schwedische Band profitiert dabei von dem Umstand, dass die Beteiligten nichts als anspruchsvollen Metal umzusetzen suchen: „Privat höre ich nicht mehr ganz so viel extremen Metal, was nicht heißt, dass ich nicht weiterhin aggressive Songs schreiben will,“ verrät Björn. „Mit David habe ich noch eine zweite Band, The Night Flight Orchestra, mit der wir in Richtung des klassischen 70er-Jahre Rocks gehen. Dort werde ich als Sänger ganz anders gefordert. Im Kontext von SOILWORK möchten wir es aber weiterhin hart und brutal haben. SOILWORK steht für Metal mit einem innovativen Anspruch und daran möchten wir gemessen werden.“

Das heute namhafter besetzte Umfeld bei ihrem Label ängstigt den Schweden nicht: „Mit Nuclear Blast verbindet uns eine lange, erfolgreiche Vergangenheit. Unsere Beziehung ist über die Jahre gewachsen und stark. Sie haben inzwischen Gruppen wie SLAYER oder LAMB OF GOD unter Vertrag, fantastische Bands. Wenn wir, wie es gerade geschieht, Platten fast zum selben Zeitpunkt herausbringen, befinden wir uns im Wettbewerb mit ihnen. Dennoch spüren wir das Vertrauen unseres Labels und denken, auch weiterhin schlagkräftige Argumente auf unserer Seite zu haben.“ Hört man „The Ride Majestic“, kann man dem nur zustimmen. Speed & Co. setzen das um, was der Sänger als Zielvorgabe formuliert:

„Wichtig ist mir, dass wir nicht nur an dem festhalten, was wir bereits getan haben und was erfolgreich gewesen ist. Wir wollen uns weiter entwickeln und nicht stagnieren. Man erkennt uns als SOILWORK, doch wir sind nicht dieselben wie vor zwanzig Jahren. Mit jedem Album überraschen wir sowohl uns selbst als auch unsere Hörer. Darauf bin ich stolz, wie auch auf die Tatsache, dass wir keine Band sind, der es nur ums Geschäft geht und die dafür kreative Kompromisse in Kauf nimmt.“

 
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