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Scranival

Interview von: arne mit Chris, Gerrit, Max, am: 11.08.2015 ]

Der selbstbetitelten MCD von 2012 folgt mit „The Art Of Suffering“ nun der zweite Daseinsnachweis von SCARNIVAL. Die Hannoveraner legen ihren Vollzeit-Einstand vor, der zwölf Songs umfasst und eine verdichtet aufspielende Band präsentiert. Schnell ist klar, dass der Fünfer sich auf den melodischen Death Metal festgelegt hat und diesem Stil über die vollen 50 Minuten Spielzeit die Treue hält. Dass Björn „Speed“ Strid bei ,Watch Me‘ als Gast zu hören ist, passt demnach gut.

 

Musicscan: Gleich zu Beginn, damit ich es nicht vergesse: das Pre-order-Package kommt mit einer Dose Bier. Ist das nicht schon sehr viel Klischee? Was hat Euch bewogen, die Dose zu nehmen und nicht etwas anderes? Gab es ggf. Wahlmöglichkeiten? ;-)

Scranival: Chris: Hier möchte ich gleich als Erstes Deine zweite Frage zitieren: "Der Melo Death lebt von Klischees." ;) Nein, tatsächlich kam das Label mit dieser Idee auf uns zu und wir haben lediglich das Artwork angeliefert. Klar, Metal und Bier, das ist Klischee ohne Ende, andererseits fanden wir aber auch, ist so eine Dose ein nettes Gimmick und wenn ich verraten würde, was wir in Sachen Merchendise gerade noch so planen… Jedenfalls wird das nächste Gimmick sehr "unmetal" sein ;)

Musicscan: Der Melo-Death ganz allgemein lebt von Klischees bzw. eingeführten Strukturen und Spielmustern: was sind Eurer Meinung nach die Vorzüge dieser Spielart, warum seid Ihr mit Ihr unterwegs und inwiefern bereichern Scarnival das Genre/was zeichnet Eure Songs aus?

Scranival: Chris: Der Vorzug dieser Spielart ist, dass wir sie spielen können. Außerdem ist sie der kleinste gemeinsame Nenner, auf den wir uns in dieser Band mit 5 extrem unterschiedlichen Musikgeschmäckern einigen konnten. Für mich persönlich war diese Art des Metal einer der Gründe, warum ich überhaupt angefangen habe, Metal zu hören und zu lieben. Scarnival erfindet das metallische Rad vielleicht nicht neu, aber gerade dadurch, dass wir 5 musikalisch sehr unterschiedlich ticken und in der Band drei Leute Songs schreiben, hält die Musik vielleicht die ein oder andere Überraschung bereit. Es gibt vermutlich nicht viele Melo-Death-Bands, wo mitten im Song plötzlich einer anfängt mit Kopfstimme zu singen ;)

Musicscan: Facebook und Band-Website widersprechen sich, was die Gründung anbelangt: 2009 oder 2012? Dazu: wie hat sich Euer Sound ausgehend von den ersten Proben entwickelt - wo seid Ihr gestartet, wo steht Ihr heute, wohin soll es vielleicht künftig noch gehen?

Scranival: Gerrit: Wir haben ein Problem mit unserem Alter und möchten dieses nach Möglichkeit verschleiern... ;) Nein, im Ernst. Scarnival gibt es in der Tat seit 2009. Wir haben damals noch mIt unserem Sänger Niklas gerockt. Nikki ist dann nach Hamburg gegangen und wir standen vor der großen Herausforderung, hier in Hannover einen passenden Ersatz zu finden. Hannovers Metal Szene ist überschaubar und alle guten Leute stehen im Grunde schon in Lohn und Brot bei anderen Bands. Es war gar nicht so leicht, da einen Sänger zu finden, der sowohl menschlich und vor allem musikalisch zu uns passt. Zumal Nikki damals ja im Grunde der perfekte Mann für die Stelle des Sängers war. Mit Daniel haben wir dann letztlich einen langjährigen Freund als Frontsau begeistern können, der verrückt genug war, sich mit uns einzulassen. Das war in 2012. BIs dahin hatten wir mit Scarnival bis auf ein paar Gigs noch nichts vorzuweisen. Und somit ist 2012 so etwas wie unser zweites Gründungsjahr. Wir haben dann unmittelbar unsere EP veröffentlicht und begonnen am Album zu arbeiten.

Musicscan: Dazu leicht variiert, aber mit anderem Hintergedanken: wie lassen sich denn Eure Einstellung als Band und Euer Selbstverständnis als Gruppe in Worte fassen? Das ist jetzt nicht (nur) musikalisch gemeint, sondern was zeichnet es Euch, was treibt Euch an, welche Basis liegt Euren gemeinsamen Unternehmungen als Scarnival zugrunde?

Scranival: Max: Wir machen das ganze weil unser Herz an dem Scheiß hängt :D An der Musik, an der Szene, an der guten Zeit mit anderen Bands und den Leuten vor der Bühne. Wir sind keine Band, die das hier alles macht um Platten zu verkaufen oder Fame zu bekommen. Wir haben natürlich nichts dagegen, wenn das auch passiert ;) , aber das ist nicht unsere eigentliche Motivation. Wenn die Leute vor der Bühne eine Wall-Of-Death anzetteln oder sonstwie ausrasten, dann ist das Euphorie und Glückseligkeit für uns. Wir betreiben die Sache mit dem nötigen Ernst und Respekt, genauso wie mit Spaß und Blödelei. Uns ist es eben wichtig auf und neben der Bühne eine gute Zeit zu haben, denn das hilft dann den ganzen nervigen Organisationskram zu bewältigen. Davon fällt halt doch einiges an, wenn man sowas halbwegs ambitioniert betreiben möchte. Dabei bringt sich jeder in die Band ein, so gut er es eben kann. Bei uns gibt es keinen Chef - das heißt, manche Themen werden zu Tode diskutiert :D Da können die Dinge auch mal länger dauern, aber so sind wir eben. Wenn man das alles neben Beruf und Privatleben macht, ist es immens wichtig, das Verlässlichkeit und Verständnis innerhalb der Band bestehen. Durch die Albumproduktion wurde uns das auch nochmal besonders deutlich. Ich finde wir sind als Band an dem ganzen Entstehungsprozess gewachsen.

Musicscan: Rein musikalisch geht das Debüt klarer in die Extreme bzw. Kontraste. Die Songs sind auf der einen Seite härter, auf der anderen Seite jedoch auch melodischer und griffiger; insgesamt ist alles noch variabler. Wenn Ihr das selbst beurteilen würdet: wo seht Ihr die musikalischen Unterschiede zur MCD und wie kam es zu den Veränderungen?

Scranival: Chris: Der größte Unterschied liegt im Vergleich zur EP vor allem darin, dass wir uns diesmal viel Zeit genommen haben, an Songs zu feilen und auch im Studio noch herum zu probieren. Was die Songs an sich angeht, war das aber kein bewusster Prozess. Genau wie früher schon haben wir einfach die Songs gemacht, die uns gerade in den Kopf gekommen sind. Vielleicht ist das auch ein Grund für die von dir angesprochene Variabilität. Und natürlich kommt hinzu, dass man auf fast einer Stunde Spielzeit auch viel mehr Unterschiedliches präsentieren kann, ohne dass gleich der rote Faden in der Musik verloren geht.

Musicscan: Anknüpfend an die Frage zuvor: was habt Ihr bewusst voran getrieben; was ist Folge des Live-Spielens oder zufällig passiert? Zu Zeiten der MCD habt Ihr ja noch von Angry Deathrock gesprochen...

Scranival: Gerrit: Angry Death Rock? Wirklich? :D Das höre ich jetzt zum ersten Mal. Aber das ist wirklich eine Gute Frage. Letztlich ist es ja so, dass die Songwriter Ideen in den Raum bringen und wir zu fünft den Song fertig bauen. Es gibt auch Ausnahmen, bei denen der ein oder andere Song komplett übernommen wird. Aber in der Regel entsteht der finale Song in der Gruppe. Und da ist es dann spannend zu sehen, wie am Ende alle Geschmäcker unter einen Hut gebracht werden. Klar, gerade live funktionieren schnelle Thrasher sehr gut und gerade groovige Mosh-Parts heizen häufig richtig ein. Aber am Ende müssen wir alle das Gefühl haben, dass der Song rund ist und in Gänze funktioniert. Aber das empfindet jeder Einzelne von uns auch gerne mal anders, als der Rest. Wie Chris schon schrieb, unsere Schnittmenge liegt im Melo Death schwedischer Gangart. Wir stehen auf melodische Doublelead-Gitarren, genauso wie auf brachial-groovigen Shit, auf thrashige Nackenbrecher, wie auf Riffs die einfach nur straight rocken. Eigentlich ist es doch so, man merkt relativ schnell, ob einen der Song packt und wenn er uns überzeugt, dann wird es so gemacht.

Musicscan: Wie verhält es sich bei Scarnival insgesamt mit Bauchgefühl/Instinkt vs. Planung/bewusstes Vorgehen im Songwriting: was besitzt bei Euch welchen Stellenwert und wie fließt beides ins Songwriting ein?

Scranival: Max: Das ist eigentlich immer ganz spannend finde ich. Denn bei uns gibt es ja drei Leute, die die Songs komponieren: Chris, Henna und ich. Jeder von uns hat glaub ich seine eigene Herangehensweise, wenn er in seinem stillen Kämmerlein aus dem nichts einen Song kreiert. Bei mir entstehen die ersten Teile eines Songs immer aus dem Bauch heraus, aus einer Idee in meinem Kopf oder auch einer Stimmung heraus. Allerdings benutzen wir alle beim Songwriting früher oder später immer wieder dieselben Bausteine und fügen diese dann im Proberaum zusammen. Dabei fliegt mal ein Baustein raus, ein anderer wird verändert oder alles bleibt wie es ist - das weiß vorher keiner so genau. Und ich denke an dieser Stelle entscheidet eine Mischung aus Instinkt und bewusstem Vorgehen darüber, wie der Song am Ende aussieht. Oft wird diskutiert, wie ein Part wirkt oder warum er nur zweiml anstatt dreimal im Song auftaucht usw. Am meisten Spaß machen jedoch die Momente in denen wir im Proberaum zusammenhocken und einer von uns ein Riff aus der Hüfte schießt und eins zum anderen kommt - bis auf einmal ein kompletter Song entstanden ist. Außerdem haben wir während der Produktion festgestellt, dass gewisse Songs innerhalb des Albumkontextes auf einmal anders wirken bzw. anders funktionieren als wenn sie für sich alleine stehen. Solche Erfahrungen nehmen wir dann natürlich "bewusst" mit in die nächste Produktion.

Musicscan: Euch gibt es ja schon eine kleine Weile und das eine oder andere Konzert und Festival habt Ihr auch schon gespielt: von den Bands, mit denen Ihr bislang die Bühnen geteilt habt - wer hat Euch warum besonders beeindruckt, und was habt Ihr Euch ggf. für die eigene Band abgeschaut – z. B. Attitüde, Entertainer-Qualitäten, Umgang mit dem Publikum, Professionalität,…?

Scranival: Daniel: Ich finde man kann sich eigentlich von fast jeder Band inspirieren lassen. Viele Bands mit denen wir die Bühne geteilt haben, bringen auf ihre eigene Art immer etwas mit, was man in der Form noch nicht kannte. So finde ich zum Beispiel haben wir auf den Festivals immer total unbefangen mit irgendwelchen "größeren" Bands quatschen können. Sicherlich gibt es immer mal wieder die ein oder andere Truppe, die sich selbst etwas zu ernst nimmt und dementsprechend nicht ganz so locker rüber kommt, aber auch das muss man in der Situation dann auch einfach so akzeptieren. Da die privaten Musikgeschmäcker bei uns doch teilweise sehr stark variieren, kann man nicht wirklich pauschal sagen welche Band uns wirklich allen etwas mitgeben konnte. Ich für meinen Teil fand auf dem Dong Open Air letztes Jahr Annihilator und Motörjesus ziemlich genial. Eine super lockere Art, starke Bühnenpräsenz und einfach nur "normale" Jungs mit denen das Bierchen dann noch ein bisschen besser schmeckt.

Musicscan: Beschreibt doch bitte das Grundgefühl, mit dem Ihr Euer Debüt geschrieben und umgesetzt habt. Gibt es Unterschiede hinsichtlich Herangehensweise und bandinterner Stimmung im Vergleich zur MCD, irgendwelche Unterschiede hinsichtlich Eurer Erwartungen, Überzeugungen, was-auch-immer?

Scranival: Gerrit: Um ehrlich zu sein, sind wir doch recht unbedarft an die Sache heran gegangen. Sicherlich, wir haben nach der Produktion der EP unsere Lehren gezogen und versucht DInge zu verbessern, aber der Umfang, ein Album auf die Beine zustellen, ist eben ein ganz anderer. Auch nach dieser Produktion wird es etliche DInge geben, die wir beim nächsten Album verbessern können. Ein ganz globaler Punkt war jedoch für uns klar: "Wir müssen noch ne Schippe drauf legen!" Sowohl die EP aus 2012, als auch jetzt "The Art Of Suffering" sind im Studio unseres Gitarristen Henna entstanden, lediglich gemastert wurde das Album bei Rainer Holst im Staccatostudio. Wir wollten am Ende sagen können: "Seht her, das ist das Debüt und das hört man auch!" Wir haben viel Zeit in die Vorproduktion gesteckt, viel diskutiert. Das gab es bei der EP nicht, da waren die Songs schon komplett fertig, als es ins Studio ging. Wir haben Equipment im Studio aufgerüstet. Komplett im eigenen Studio zu arbeiten hat natürlich Vor- und Nachteile. Wir haben uns vielleicht hier und da schon die ein oder andere Freiheit gegönnt, viel probiert, zum Teil sogar noch im Recording-Prozess arrangiert und Songwriting gemacht. Das ist kreativ betrachtet natürlich ein großer Vorteil, da man diese Zeit im eigenen Studio nicht bezahlen muss. Aber es besteht natürlich auch die Gefahr, dass man sich verzettelt. Wir hatte zwischendurch schon auch den ein oder anderen Hänger und da mussten wir uns schon ordentlich am Riemen reißen, um nicht aus der Spur zu kommen. Aber am Ende hat es sich natürlich gelohnt, wie ich finde. Aber das sagt wahrscheinlich jeder zu seiner eigenen CD ;)

Musicscan: Abschließend: gibt es eine inhaltliche rote Linie, die die einzelnen Stücke von The Art Of Suffering miteinander verbindet? Was sollte man in dieser Hinsicht wissen bzw. was sollen Leute bei Euch mitnehmen?

Scranival: Daniel: Also es ist auf jeden Fall kein Konzeptalbum und jeder Song steht somit für sich selbst. Inhaltlich gibt es sicherlich Parallelen, da sie sich alle mit ähnlichen Dingen beschäftigen. So haben wir zum Beispiel die Thematik, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen ("The Art Of Suffering"), sich in einer Krise mit sich selbst zu befinden ("Losing Identity") bis hin zu der Frage was man tun würde und könnte wenn Moral, Ethik und die Verantwortung über das eigene Handeln keine Rolle mehr spielen ("One Morning Left"). Dadurch das Chris und ich beide Texte schreiben und jeweils etwas anders an die Lyrics herangehen, decken wir da somit auch eine größere Bandbreite ab. Alles in Allem geht es aber hauptsächlich um das Leben, Schicksale und damit verbundene Fragen und Sichtweisen. In erster Linie soll jeder der uns hört einen Teil unserer Energie aufnehmen und einfach Freude daran haben. Ich finde es super wenn Leute glücklich und inspiriert aus unseren Konzerten gehen.

 
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