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Black Space Riders

Interview von: arne mit JE und SEB, am: 03.08.2015 ]

Stilistisch hält sich das Quintett weiterhin alle Optionen offen, seinen organischen, ganzheitlichen Rock-Sound zu entwickeln. Die BLACK SPACE RIDERS bewegen sich natürlich und wirkungsorientiert zwischen Elementen aus dem Heavy-, Stoner-, Psychedelic-, Doom- und Space-Rock. „Refugeeum“ ist dem Grunde nach wie der viel beachtete Vorgänger „D:rei“ rhythmisch verspielt und groovig gehalten. Melodisch, treibend bzw. intensiv atmosphärisch fallen die einzelnen Stücke auch wiederum aus. Eine sowohl raumgreifende als auch zeitlose Musikalität zeichnet das Spiel der Münsteraner aus.

 

Musicscan: Eure Einflüsse sind auf facebook mit „Space & Earth, Death & Birth“ – das mutet ebenso existenziell wie allgemein und offen für Interpretationen an und passt damit tatsächlich richtig gut. Mit welchen Hintergedanken habt Ihr das aber geschrieben oder wie legt Ihr das jetzt aus?

Black Space Riders:JE: Das war damals beim Neuanlegen der Facebookseite halt ein Teil des Profils, den Du ausfüllen konntest. Ich hab da seinerzeit keine Doktorarbeit daraus gemacht, sondern mir ist das ehrlich gesagt ganz spontan in die Tastatur geflossen. Selbstverständlich hat das trotzdem einen Hintergrund: Bands bestehen ja aus Musikern und auch Musiker haben natürlich Einflüsse, die jenseits der eigenen musikalischen Sozialisation liegen. Will damit sagen, wir machen unsere spezielle Art von Musik ja nicht nur, weil wir bestimmte Bands gehört haben. Alles was um uns herum passiert und was wir erleben, prägt uns als Menschen und damit auch als Musiker und fliesst ein! Dass das ein bisschen existenziell, interpretationsoffen und mysteriös klingt – fällt mir auch gerade auf - passt in der Tat gut zu unserer Art des musikalischen Geschichtenerzählens.

Black Space Riders:SEB: Ich empfinde es als die 4 Eckpfeiler einer Reise, die wir musikalisch mit jedem Album unternehmen und die der Zuhörer mit jedem Durchlauf neu miterleben kann.

Musicscan: Wie lassen sich Eure Einstellung als Band und Euer Selbstverständnis als Gruppe grundsätzlich in Worte fassen? Das ist jetzt nicht nur musikalisch gemeint, sondern was zeichnet Euch aus, was treibt Euch an, welche Basis liegt Euren gemeinsamen Unternehmungen als Black Space Riders zugrunde? Wie hat sich das im Verlauf der Jahre vielleicht verändert?

Black Space Riders:JE: Wir sind ein Haufen Freunde, der zusammen Musik macht. Und zwar genau die Musik, die wir selbst machen wollen und als Fans auch selber gerne hören möchten. Das ist der Kern des Ganzen und das merkst Du uns an, wenn Du uns triffst und wenn Du uns auf der Bühne erlebst. Die Band selbst ist ein Freundeskreis, dieser Kreis ist nach aussen offen: unser Toningenieur und Produzent, unser Fotograf, unser Covergestalter … viele Menschen, die uns seit langer Zeit begleiten und dazugehören. Dadurch, dass diese Band keinen wirtschaftlichen Druck hat, können wir das auch durchziehen. Natürlich ringen und streiten auch oder gerade mal Freunde gerne um den bestmöglichen Weg! ;)

Musicscan: Euch gibt es ja schon eine kleine Weile und das eine oder andere Konzert und Festival habt Ihr auch schon gespielt: von den Bands, mit denen Ihr bislang die Bühnen geteilt habt – wer hat Euch warum besonders beeindruckt, und was habt Ihr Euch ggf. für die eigene Band abgeschaut – z. B. Attitüde, Entertainer-Qualitäten, Umgang mit dem Publikum, Professionalität, inhaltliche Aussage…?

Black Space Riders:JE: Spontan fallen mir BLACK TUSK ein. Was die Jungs live an Spielfreude ausstrahlen, wirft Dich förmlich um. Und was für nette, authentische Menschen dann Backstage und am gemeinsamen Merchstand! Als Jonathan Athon starb, war ich echt getroffen. Ich meine, wir haben nur wenig Zeit miteinander verbracht und dennoch fühlte ich mich ihm sehr nah. Wir haben auch viel mit Bands zusammen gespielt, die wenige Leute kennen würden, wenn ich hier jetzt Namedropping betreiben würde. Auch wenn eine Band nicht so bekannt ist, findest Du wertvolle, tolle Menschen, beseelte Musiker und tolle Entertainer.

Black Space Riders:SEB: Da fallen mir zum einen NEUME aus Berlin ein, bei denen ich fassungslos vor der Bühne stand und mich gefragt habe: „Wie schaffen die es, mit 2 Leuten, einen so dermaßen geilen und unglaublichen Krach zu produzieren, wofür andere Bands locker 5 Leute benötigen?“ Und dass Bill von BUSHFIRE mit gebrochenem Bein – stehend!! (Gruß an Mr. Grohl, „Sooo hart bist du auch wieder nicht!“) – mal so richtig den KuBa in Jena gerockt hat. Respekt!

Musicscan: Wie habt Ihr die Rezeption von D:REI bei den Leuten und in der Presse wahrgenommen? Insgesamt waren die Reaktionen durchweg positiv und viele neue Leute sind auf Euch aufmerksam geworden. Worauf führt Ihr das zurück und was ist Euch besonders im Gedächtnis geblieben?

Black Space Riders:JE: Ich fand schon sehr bestätigend, wie breit die Zustimmung ausfiel. D:REI ist ja nun wirklich keine leichte Kost mit fast 80 Minuten Spielzeit und seiner ganzen Wucht und Schwere. Die ersten beiden Alben stiessen allerdings auch schon auf super Feedback, gerade bei Reviews, da hatten wir dann eher einen „Geheimtippstatus“. Unsere Bekanntheit und Fanbasis wird halt immer grösser von Album zu Album. Es kommen jedes Mal neue Leute dazu, ohne dass wir die alten Leute verlieren. Ich glaube, das liegt daran, dass unsere Musik sich immer weiter entwickelt, immer etwas Neues dazukommt, was wiederum auch neue Leute anspricht. Das passiert gerade bei REFUGEEUM auch ganz stark. Erstaunlich war, dass in mehreren US-reviews wirklich seitenlang Song für Song unsere Texte interpretiert und abgefeiert wurden. Wow! Ich meine, ich bin ja nun kein Muttersprachler … damit hatte ich nicht gerechnet.

Black Space Riders:SEB: Das war schon sehr beglückend und auch überraschend, wie intensiv sich viele Menschen mit „D:REI“ auseinandergesetzt haben; sowohl mit den Texten, als auch mit der Musik. Und wie unterschiedlich auch Stimmungen wahrgenommen bzw. erlebt wurden. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir dabei, dass beinahe jeder Song des Albums in irgendeinem Review als Anspieltipp/Topsong angegeben wurde.

Musicscan: Inwieweit wirkt der breitere Zuspruch nach? Beschreibt doch bitte das Grundgefühl, mit dem Ihr Refugeeum geschrieben und umgesetzt habt. Gibt es Unterschiede hinsichtlich Herangehensweise und bandinterner Stimmung im Vergleich zu den früheren Alben, irgendwelche Unterschiede hinsichtlich Eurer Erwartungen, Überzeugungen, was-auch-immer?

Black Space Riders:JE: Der breite Zuspruch bestätigt, aber kein Grund abzuheben! Wir sind ja nun wirklich weit davon entfernt, eine megafette Band zu sein, die gerade voll durchstartet. Das ist eher so, dass wir unser eigenes Ding machen und uns freuen und ein bisschen wundern, dass wir trotzdem so gut ankommen. Insofern ist das ein druckloses Grundgefühl: befreit, zufrieden, neugierig. Wir hatten genau gar keine Erwartungen an einen „Erfolg“, als wir Ende 2008 zusammen in einem schimmeligen Loch anfingen, unsere Klangwände aufzutürmen. Schön, dass sich nun doch ein bisschen was tut, das ist aber alles schon „über den Erwartungen“. Vom Songwriting her ist es so, dass wir nach jeder Albumproduktion, wenn wir wieder zuhause im Proberaum angekommen sind, unbeschwert darauf los jammen. Das war auch nach D:REI so. Was da in dieser Anfangszeit an neuartiger Musik entsteht ist der Hammer. Es ist so, als ob wir jeweils eine neue Stufe des Verständnisses miteinander entwickeln.

Black Space Riders:SEB: Hinsichtlich der Texte war es bei „Refugeeum“ schon so, dass es mich noch mehr als bisher innerlich aufgewühlt und extrem beschäftigt hat. Hin und wieder gab’s da schon sehr emotionale und engagierte Diskussionen mit JE, die auch schon mal ein bisschen höher kochten. Wir haben ja schon zu „D:REI“ die meisten Texte gemeinsam entwickelt oder verfasst, aber bei „Refugeeum“ war es doch noch intensiver, emotionaler – und im Ergebnis dann auch klarer und deutlicher.

Musicscan: Die konzeptionell ernste Thematik hört man den Songs nicht unbedingt an. Wer sich mit den Texten beschäftigt und hinhört, nimmt das zwar mit, doch ein Muss ist es (wohl) nicht. Wie seht Ihr die Gewichtung von Musik und Texten verteilt? Was soll(t)en Leute von Refugeeum mitnehmen?

Black Space Riders:JE: Wir möchten die Band für Dein Kopfkino sein! Wir erzählen Geschichten und wir transportieren Stimmungen, sowohl musikalisch als auch textlich. Am Anfang steht immer die Musik. Irgendwann kommt die Idee zum Konzept, daraus leiten sich zunächst einzelne Geschichten, einzelne Songtitel und danach erst die Texte ab. Klar funktioniert die Musik auch mit anderen Texten, doch nur zusammen ist es ein „Grosses-Ganzes“! Es ist ja auch nicht so, dass man über die Flüchtlingssituation nur aus der politisch-verbitterten oder der tieftraurigen Perspektive schreiben kann! Klar ist das ein super ernstes Thema und eine Herzensangelegenheit für uns: deshalb schreiben wir darüber! Dennoch ist ja zusätzlich zu alle dem Leid und Dunkel auch bzw. gerade Hoffnung, Reise und Aufbruch für viele Flüchtlinge ein wichtiges Thema und auch dies soll unsere Musik transportieren.

Musicscan: Gibt es eine besondere Entstehungsgeschichte zu Ritual Of Inner Strength? Wie kam dieser Track zustande? Welche Bedeutung für das Album messt Ihr diesem Stück bei?

JE. Den hatte ich anfänglich als reinrassigen Ultra-SloMo-Doom-Song geschrieben und so hatten wir ihn auch zunächst gespielt. Aber irgendwas fehlte, um ihn „besonders“ zu machen. Ich hab nachts mal mit Loops und Beats rumgespielt und wir haben ihn dann einfach mal in diesem Trip-Hop-Dub-Feeling ausprobiert und das fühlte sich wunderbar an! Durch dieses extrem langsam-monoton-Repetitive kam ich auf den Textgedanken: Atmen! Rudern! Durchhalten! Überleben! Es beeindruckt mich zutiefst, dass Menschen den fast sicheren Tod in einem überfüllten Schlauchboot vor Augen haben und dennoch so verzweifelt und gleichzeitig hoffnungsvoll sind, diesen Weg dennoch zu gehen. Was passiert im Kopf dieser Menschen im offenen Boot im Unwetter mitten auf dem Mittelmeer? Ist für mich auf dem Album ein klassischer Abschlusstrack, so wie „The End“ (The Doors), „Echoes“ (Pink Floyd), „Dallas 1 pm“ (Saxon), „Hallowed be thy name“ oder „Rime of the ancient mariner“ (Iron Maiden) oder natürlich harhar „Seasons in the abyss“ (Slayer). Ach ich liebe Schlusstracks! Und danach wieder von vorn hören!

Black Space Riders:SEB: Da muss ich wohl mal aus dem Nähkästchen plaudern, denn ich war zwar bei den Aufnahmen der Basis-Tracks (live eingespielt wurden Drums, Bass und beide Gitarren) auch mit im Studio, aber „Ritual“ hab ich nicht mitgekriegt, weil ich zwischendurch mal weg war. Und dann komm‘ ich wieder und sehe: „Was???? 9 Minuten 27 ??? Ihr seid doch wohl total verrückt!“ Und genau das denke ich jetzt immer noch, wenn ich das Album höre. Nach „Walking shades“ hat man ja schon eine ganze Menge hinter sich, und dann kommt auch noch „Ritual..“. Oh mein Gott! Aber dann fängt es ganz entspannt an, man versinkt, und ehe man sich versieht ist es auch fast schon wieder zu Ende. Also von vorn. Von ganz vorn.

Musicscan: In meinem Review habe ich u. a. geschrieben: „Die Vielschichtigkeit der vierten Platte nimmt man allerdings erst mit der Zeit so richtig zur Kenntnis. Anfangs scheint es, die Musiker wären verhalten und zögerlich unterwegs. Irgendwann stellt man dann verwundert fest, dass dies gar nicht so ist.“ Das bedeutet auch, dass nur diejenigen „belohnt“ werden, die Zeit investieren. Dabei heißt es doch, die Leute wollen heutzutage keine Zeit mehr investieren, sondern schnell konsumieren und nicht nachdenken wollen. Ihr setzt quasi einen Gegenentwurf um. Mit welchen Hintergedanken geht Ihr in Euer Songwriting?

Black Space Riders:JE: Wir haben gar keine Hintergedanken! Wir machen einfach unseren aktuellen und weiterentwickelten Entwurf der Musik, die wir lieben und mit der wir aufgewachsen sind. Wir stehen auf „Langspielplatten“, also machen wir die auch. Die beste Langzeitwirkung haben doch „Grower“: Alben, auf denen Du bei jedem Hören noch neue Schichten und Details entdeckst, die toll klingen, Dich in den Arm nehmen und nicht mehr loslassen. Klar, kriegst Du damit nicht jeden youtube-Skipper innerhalb von 30 sekunden-Snippets überzeugt …. Na und?!!!

Black Space Riders:SEB: Weniger ein Hintergedanke sondern eher gemeinsamer Wille ist es, Songs und letztendlich dann auch Alben entstehen zu lassen, die uns und auch die Zuhörer berühren und mitnehmen, anregen oder auch beruhigen. Daraus entstehen dann dynamische Spannungsbögen, die sowohl den einzelnen Song als auch ein ganzes Album dann letztendlich ausmachen. Das ist die Musik, die wir machen wollen.

Musicscan: Rein musikalisch geht Refugeeum noch klarer in die Kontraste. Die Songs sind auf der einen Seite heaviger, auf der anderen Seite jedoch auch melodischer und griffiger; insgesamt ist alles noch variabler. Wenn Ihr das selbst beurteilen würdet: wo seht Ihr die musikalischen Unterschiede zur D:REI und wie kam es zu den Veränderungen? Was habt Ihr bewusst voran getrieben; was ist Folge des Live-Spielens oder zufällig passiert?

Black Space Riders:JE: Erst einmal danke für die Blumen! Die Kontraste, die Du auf D:REI zwischen den LP-Seiten und den Songs gefunden hast, findest du auf REFUGEEUM innerhalb der einzelnen Songs. Wir lassen jetzt einfach noch mehr zu als früher, lassen die Musik entstehen und fliessen und lassen uns und den Songs Raum und Zeit. Das liegt daran, dass wir immer mehr zusammenwachsen und uns in letzter Konsequenz ehrlich gesagt auch völlig egal ist, ob man das, was da entsteht stilistisch gut einordnen kann. Bewusste Entscheidungen wie „Wir machen jetzt mal was in Richtung xyz“ gibt es bei uns nicht.

Musicscan: Zum Schluss: die Release-Shows sind für September und Oktober angesetzt – also einige Zeit nach dem Erscheinen des neuen Albums. Warum ist das so?

Black Space Riders:JE: Wir wollten im Juli Urlaub machen! Unsere Fans auch! Und die Clubbetreiber auch! Das Schöne: so können die Leute bei den Shows unsere Songs schon mitsingen! ;)

 
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