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Interview von: arne mit LINIE, am: 30.07.2015 ]

Bei den Hanseaten geht mehr als bei anderen Kollegen. LINIE treten auf ihrem Debüt „What We Make Our Demons Do“ mit 101% Angepisstheit und einer schonungslosen Grundhaltung an. Die Songs des Quintetts sind als eruptiv und aufputschend zu beschreiben. Der Crossover zwischen Noise, Stoner,Rock und Sludge sowie Elektro kommt aber zugleich auch manisch fesselnd und schroff zugänglich. Gerade live werden die Tracks der Norddeutschen ob ihres Volumens und der transportierten Intensität punkten.

 

Musicscan: Im letzten Jahr habt Ihr im Zuge der MCD bezüglich Eures Sounds noch von „Underground-Electro-Extravaganza“ gesprochen. Jetzt beim Debüt verzichtet Ihr darauf. Dazu eine dreigeteilte Frage: inwieweit hat sich Euer Blick auf das eigene Schaffen verändert, ist Euer Sound gewachsen und warum passt der Term inzwischen nicht mehr?

Linie: Generell ist es immer schwierig seine eigene Musik zu beschreiben oder einzuordnen, weil man ja erstmal sein eigener Kritiker ist, bevor andere was davon mitbekommen. Aber grob sollte man dem natürlich schon einen oder mehrere Namen geben, um die Leute zumindest grob vorzubereiten was sie erwarten könnte. Unser Blick auf unser Schaffen hat sich schon verändert und wir sind bestimmt auch etwas selbstsicherer geworden nach dem ersten Feedback seitens der Presse. Aber als erstes hat sich unsere Musik verändert bzw. weiterentwickelt. Wir haben nach der EP schnell gemerkt, welches Potential in der Band steckt. Die ersten Songs für das Album hatten von Anfang an ein anderes Niveau und mit Iggi als zusätzliches Mitglied auch eine andere Herangehensweise in Bezug auf Songwriting und Sound. Der Term passt also schon noch, vielleicht würde er jetzt anders heißen: „Rock/Desert/Noise Extravaganza“ vielleicht.

Musicscan: Wie ist es denn prinzipiell um die Rezeption Eurer Band bestellt? Da in den Songs doch eine ganze Menge zusammen kommt, dürftet Ihr ganz unterschiedliche Hörergruppen ansprechen. Andererseits könnte es auch sein, dass sich primär „Nerds“ angesprochen fühlen, die auf neuartige Sounds und Stilkombinationen abfahren. Was und wen erlebt Ihr auf Euren Konzerten? Wie verhält sich das?

Linie: Wir wollen natürlich so viele Leute wie möglich ansprechen und wenn viele verschiedene Hörergruppen zuhören und das abfeiern, ist das eine super Sache und ein Kompliment für die Musik. Ob das jetzt „Nerds“ sind wie du sagst oder Leute die sonst eigentlich nur Rap hören ist doch völlig egal. So lange die Musik die Leute erreicht, stehen dann halt auch mal Metal-Kutten neben Snapbacks auf Konzerten nebeneinander und feiern gemeinsam ab. Wir wollen da kein Klischee bedienen oder nur Underground Post-Core-irgendwas Fans ansprechen. Wenn man sich als aller erstes überlegt für wen man Musik machen will, bevor man überhaupt nur einen Ton geschrieben hat, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Die persönliche Intention und Begeisterung an der eigenen Musik rückt in den Hintergrund und wird automatisch verfälscht.

Musicscan: Welche Absichten liegen Eurer Musikalität grundsätzlich zugrunde? Ich finde es interessant, dass Euer Sound vielfältige Einflüsse und Bestandteile besitzt, letztlich aber doch sehr stringent und klar strukturiert umgesetzt wird…

Linie: Danke das nehmen wir erstmal als Kompliment, die ich dem Punkt da abgeholt zu haben. Wie schon eben erwähnt, haben wir keine detaillierten Absichten was das Songwriting betrifft. Wir legen los und entweder es gefällt uns und wir arbeiten weiter dran oder nicht. Jemand bringt ein Riff oder eine grobe Idee mit in den Proberaum und wenn uns das begeistert wird ein Song draus. Der kann wie zum Beispiel „Bearing Life“ mal komplett stripped down und schlicht sein oder wie „Natural Selection“ groß angelegt und progressiv. Letztlich darf natürlich trotzdem der rote Faden nicht fehlen und es freut uns wenn du ihn erkannt hast.

Musicscan: Die Hooklines sind auf dem Debüt klar heraus gearbeitet. Nachvollziehbarkeit scheint Euch dabei sehr wichtig zu sein, immer wieder erklingen schroff eingängige Passagen. Heißt im Umkehrschluss aber: das muss im Songwriting schon halbwegs geplant werden, wofür Ihr ein Stück weit auf Impulsivität und Unberechenbarkeit verzichtet. Fällt Euch das im Arbeiten schwer, und wie stellt sich der „Kompromiss“ ein? Oder ist es gar keiner?

Linie: Mit großen Planungen, Kompromissen oder Absichten arbeiten wir nicht. So sollte Musik nicht entstehen. Wir finden das Musik direkt, spontan und aus dem Bauch heraus entstehen sollte. Die eingängigen Hooks sind in ihrer simplen Art einfach nur ein Ergebnis einer entsprechend freien Arbeitsatmosphäre. Kompromisse sind bei uns eher Modifikationen und davon lebt fast jeder Song. Auf Impulsivität haben wir nicht unbedingt verzichtet, wir haben es eher auf ein gesundes Maß beschränkt. Die Unberechenbarkeit ist, wie schon richtig erkannt, kaum vorhanden da wir eher Wert auf die Kompaktheit innerhalb der Songs gesetzt haben und nicht die Songs mit Breaks, Bridges oder Samples verhackstücken wollten. Das wäre dann auch nicht wir bzw. wie wir Musik machen.

Musicscan: Was bringt das 1 % mehr an Angepisstheit, und wie äußert es sich Eurer Meinung nach auf Eurem Debüt? Ihr gebt ja vor, mit 101 % Angepisstheit unterwegs zu sein…

Linie: Warum geht der Amp bis 11? It´s one louder isn´t it?“ Um mal in Spinal Tap Sprache zu antworten. Unsere Musik ist vom Sound her eher dunkel angelegt und wir fühlen uns darin sehr wohl und können das als Ventil nutzen. Eine gewisse Tiefe spielt ebenfalls mit und das wollten wir in dem Sound unbedingt wiederspiegeln.

Musicscan: Nachdem der Produzent der MCD zum Line-Up gestoßen ist: warum habt Ihr Euch für What We Make Our Demons Do mit Timo Höcke doch wieder für einen externen Produzenten entschieden? Was hat dagegen gesprochen, das Album selbst umsetzen, und welchen Input hat Timo beitragen können?

Linie: Wir kannten Timo schon etwas länger im Vorfeld und als sich herausstellte, dass wir konkret an einem Album arbeiten wollen, war ziemlich schnell klar das in professionelle Hände zu geben bzw. mit ihm zusammen daran zu arbeiten. Er hat einfach andere Möglichkeiten was Sound und Aufnahmetechnik angeht, als wir im Moment. Die EP ist ja ziemlich DIY mit kleinen Mitteln entstanden. Beim Album wollten wir dann die optimalen Gegebenheiten schaffen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Timo hat ein wahnsinnig gutes Gespür für den Sound einer Band und ihm ist wichtig das der so wenig wie möglich verfälscht wird. Das ist uns ebenfalls sehr wichtig und als die ersten aufgenommen Songs durch die Studioboxen drangen, waren wir dann auch komplett überzeugt, dass Timo der richtige Mann für uns ist. Er versteht es Kleinigkeiten im Song hervorzuheben die erstmal gar nicht auffallen, das Gesamtbild aber enorm optimieren. Wir sind mehr als zufrieden mit dem Album und der Zusammenarbeit mit Timo. Grüße und high five an dieser Stelle!

Musicscan: Die Arbeit an What We Make Our Demons Do dürfte schon eine kleine Weile beendet sein. Gerade für eine Band, wie die Eure, die von Veränderung lebt und vorwärts gerichtet agiert: kribbelt es nicht, dass ihr für Wochen/Monate die Füße still halten müsst, bis das Album heraus ist? Habt Ihr zwischenzeitlich schon neue Songs geschrieben? Wie geht’s stilistisch weiter?

Linie: Das kribbelt natürlich wie verrückt. Aber mittlerweile haben uns ja die ersten Pressestimmen erreicht und wir sind sehr glücklich darüber, dass sie so gut ausfallen. Das treibt natürlich zusätzlich an und wir arbeiten hin und wieder auch schon an neuen Songs. Jüngst haben wir ja „Velocity Of Light“ veröffentlicht. Einen neuen Song, der nicht auf dem Album sein wird und nur als 7“Vinyl Single und digital erhältlich ist. Das Vinyl ist auf 150 Stücke limitiert. Dafür sind wir in der Zwischenzeit dann noch mal ins Studio gegangen, um uns die Zeit etwas zu verkürzen.

Musicscan: Ach ja: wie würdet Ihr What We Make Our Demons Do gerne „verstanden“ wissen, was würde Ihr über Euer Debüt gerne lesen oder hören? Was sollten die Leute mitnehmen?

Linie: Wir hoffen, dass jeder der sich das Album anhört seinen Spaß damit hat. Verstehen muss man es nicht oder gar nach irgendwelchen Sub-Botschaften suchen indem man das Vinyl rückwärts hört. Atmet es ein und wer will kann es uns gerne wissen lassen was er dabei empfindet.

Musicscan: Gerade live dürftet Ihr mit Volumen und Atmosphäre einen gewaltigen Eindruck schinden: was ist für die kommenden Wochen und Monate geplant?

Linie: In der Tat! Wir spielen am 31.07 eine Release Show im Hafenklang in Hamburg. Einen Monat später sind wir auch noch mal in der Stadt zu sehen. Darüber hinaus arbeiten wir gerade mit Hochdruck an weiteren Shows und an einer ersten kleinen Tour im Herbst/Winter. Es kommt gerade etwas Bewegung in die ganze Sache und wir freuen uns auf die weiteren Entwicklungen und hoffen so viel wie möglich live zu spielen.

Musicscan: Letzte Worte?

Linie: Vielen Dank für das Interview und am 31.07 kommt „What We Make Our Demons Do“. Nur das ihr das schon mal im Kalender rot markiert ;-)

 
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