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Between The Buried And Me

Storie von: arne, am 09.07.2015 ]

Das neue Album von BETWEEN THE BURIED AND ME ist die musikalische Entsprechung einer ergebnisoffenen Reise. Die Songs von „Coma Ecliptic“ folgen einem Koma-Patienten, der sich auf der Suche nach dem „Perfekten“ durch seine früheren Leben bewegt. Den kreativen Geistern aus North Carolina bietet eine solche Grundlage alle Freiheiten, kontrastreich zu arrangieren und sich kompositorisch auszutoben. Das Quintett lässt sich nicht lange bitten.

 
Dank harter Arbeit, musikalischer Relevanz und treuer Fans hat die Gruppe längst einen Status erreicht, der es den Musikern ermöglicht, sich voll und ganz auf das Kreative und intensive Shows zu konzentrieren: „Für uns als Band zählt eigentlich schon immer das Touren,“ merkt Bassist Dan Briggs (auch Orbs und Trioscapes) an, der inzwischen seit zehn Jahren Teil des Line-Ups ist. „In unseren Zeiten auf Victory Records sind wir jedes Jahr sieben bis acht Monate lang unterwegs gewesen, was Kräfte raubend war. Heute ist es uns möglich, zwischendurch durchzuatmen und nicht mehr ganz so viel touren zu müssen. Anders geht es auch gar nicht, denn die Umstände sind andere. Einige Mitglieder sind inzwischen verheiratet, haben Kinder und andere Verpflichtungen neben der Band. Ich selbst bin noch in anderen Gruppen aktiv und schätze es sehr, neben BETWEEN THE BURIED AND ME weitere Outlets für meine Kreativität zu pflegen. Die Band besteht inzwischen seit 15 Jahren. Weder wollen wir selbst ein Burn-Out erleiden noch wollen wir es uns mit den Fans verscherzen, weil wir schlechte Platten oder Shows abliefern. Es hat sich für uns eine angenehme Balance eingestellt, die es uns ermöglicht, alles auf einem hohen Niveau zu bestreiten.“

Dan Briggs und seine Kollegen haben die richtigen Lehren aus der Aufbauphase der band gezogen: „Die krasseste Phase diesbezüglich war 2010. Von Januar bis August sind wir ohne Pause getourt. Länger am Stück waren wir niemals unterwegs und das wird sich auch nicht wiederholen. Die Stimmung innerhalb der Gruppe war am Tiefpunkt, wir konnten uns nicht mehr sehen. Zum ersten und einzigen Mal stand ich kurz davor, die Band und unsere Musik zu hassen. Hätte ich noch eine Woche mehr spielen müssen, hätte ich meinen Bass auf der Bühne zertrümmert. Die letzte Show der Tour war die härteste meines Lebens. So weit darf es erst gar nicht kommen. Diese Erfahrung hat uns viel gelehrt. Glücklicherweise war das, bevor auch nur einer von uns geheiratet und Kinder bekommen hat. Wir behalten das auf ewig im Hinterkopf. Natürlich war das intensive Touren notwendig, um dahin zu gelangen, wo wir heute stehen. Doch der Preis dafür wäre fast zu hoch gewesen. Deshalb wissen wir unsere heutige Position umso mehr zu schätzen. Wir touren weniger, können aber ganz gut davon leben.“

Einen besseren Weg, Aufmerksamkeit und Fans zu gewinnen, sieht der Bassist trotz der angesprochenen Entbehrungen und Krisen nicht: „Viele junge Bands fragen uns, ob es einen Trick gibt, um bekannt zu werden. Den gibt es nicht! Wir kennen nichts anderes, als unsere Sachen in einen Van zu packen und live zu überzeugen. So war es früher, und auch heute geht es nicht anders. Sicherlich gilt es inzwischen verstärkt, die Social Media-Kanäle zu nutzen. Doch am Ende muss man sich in der realen Welt beweisen. Nur zu Hause zu sitzen, wird nicht funktionieren. Am Touren führt kein Weg vorbei. Wir haben heute einen Manager und Leute, die uns bei der Organisation unterstützen. Das macht es angenehmer, doch bis 2009 zu „The Great Misdirect“ haben wir noch fast alles selbst regelt. Einen langen Atem zu haben, ist demnach ebenfalls wichtig. Zehn Jahre haben wir darauf hin gearbeitet, dass wir das Tempo etwas heraus nehmen und Verantwortung abgeben können.“

Gleichwohl ist es nur wenigen Bands vergönnt, flächendeckend als vorwärts denkend, visionär und Genre erweiternd wahrgenommen zu werden: „Die Leute und Journalisten sind uns heute wohlgesonnen, doch das war nicht immer so,“ erwidert der BETWEEN THE BURIED AND ME-Bassist. „Sehr genau erinnere ich mich an ein Review zu „Colors“ auf lambgoat.com. Auf diese Website hat in den USA jeder geschaut, um Neuigkeiten zu erfahren, Tour-Daten zu finden sowie Review und Interviews zu lesen. Wir hatten das Album fertig gestellt und fühlten uns unglaublich stark; hatten die Überzeugung, dass jeder die Platte abfeiern müsse. Das Review war das genaue Gegenteil. Der Journalist hat unsere Intention nicht verstanden. Die experimentellen Passagen sind bei ihm überhaupt nicht angekommen, die kleinen Spielereien ebenso wenig. Es hat mich gewundert, dass er keinen Zugang zu den Songs gefunden hat. Dabei galten die Schreiber des Magazins als aufgeschlossen und


musikalisch gebildet. Was soll ich sagen; das Album hat einen richtigen Hype ausgelöst und ist später fast überall sonst abgefeiert worden. Es stellt einen Wendepunkt unserer Karriere dar. Seitdem werden wir so richtig als progressiv und relevant wahrgenommen. Vielleicht liegt es daran, dass wir damals unsere Wurzeln im Hardcore und Metal erstmals offensichtlich verlassen haben und deshalb auch anderen Hörergruppen aufgefallen sind. Weil ich damals so enttäuscht von der Rezension war, erinnere ich mich bis heute sie. Inzwischen können wir uns aber nicht mehr beschweren.“

Zum Entwicklungsprozess seiner Gruppe äußert Dan ebenfalls Interessantes: „Wenn ich so darüber nachdenke, hält der Verständigungsprozess unter uns fünf bis heute an und äußert sich sehr deutlich auf dem neuen Album. „Coma Ecliptic“ ist eine Platte, wie ich sie schon seit Highschool-Zeiten umsetzen wollte. Es ist progressiver Rock und so etwas liebe ich schon immer. Bislang hat mich jede Veröffentlichung von BETWEEN THE BURIED AND ME überzeugt und begeistert, doch der Sound weist schon auf den frühen Sachen latent in diese Richtung. Wenigstens empfinde ich das so. Über die abgefahrenen Frühwerke und die jüngeren Konzept-Alben mussten wir uns zur Dominanz des progressiven Rock vorarbeiten. Wenigstens für mich ist das logisch. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass wir über die Zeit bessere und verständnisvollere Musiker geworden sind. „Coma Ecliptic“ spiegelt das wider, und es hat 15 Jahre gebraucht, bis die Band zu diesem Punkt gelangt ist.“

Die Vorzüge der neuesten Platte weiß Dan Briggs direkt zu benennen: „Was besonders deutlich wird, ist unsere Weiterentwicklung im Bereich des Songwritings. Wir haben uns gezähmt, doch die Arrangements wirken trotzdem fantastisch. Anstatt viele unterschiedliche Einflüsse miteinander zu kombinieren, haben wir den Fokus der Elemente, mit denen wir arbeiten, geschärft. Mit weniger Input erreichen wir im Ergebnis mehr. Alles ist bewusster zusammen gesetzt und klingt insgesamt reifer. Beim Schreiben und Hören bleibt es bei einem Abenteuer. Der musikalische Aspekt wird dabei zielgerichteter adressiert. Dass dabei den Melodien eine wichtige und tragende Rolle zukommt, ist eine Folge der beschriebenen Entwicklung. Zudem werden die Refrains noch einmal klarer heraus gearbeitet. Rückblickend ist der Entstehungsprozess flüssig und reibungsfrei verlaufen. Wir haben nichts übertrieben und auch keine weiteren grauen Haare bekommen. Auch diesbezüglich haben wir unsere Lektion gelernt. Wir haben früh genug angefangen und in Ruhe ein Jahr an den Songs gearbeitet. Vorher hatten wir uns einige Wochen lang nicht gesehen, so dass wir heiß waren, wieder miteinander zu arbeiten.“

Wenn der Bassist die Arbeitsweise umreißt, klingt es eigentlich nicht kompliziert. Dennoch erlangen die Alben des Quintetts eine ganz eigene Güte: „Wir setzen mit BETWEEN THE BURIED AND ME das um, was wir selbst an anderen Gruppen schätzen. Als Hörer und Musik-Fans wollen die Ideen anderer nachvollziehen, uns in ihre Songs hinein hören, mit ihren Texten beschäftigen und die Verbindung von Artwork und Musik ergründen. Zudem interessieren wir uns für Interviews mit den Musikern, um noch tiefere Einblicke in die Gedanken und Intentionen zu gewinnen. Zu einem guten Teil sind unsere Fans genauso und das freut mich. Man sollte immer das ganze Bild sehen, um zu verstehen, worum es geht. Wir sind kein Pop-Act, bei dem es um Hit-Singles oder kurzfristige Aufmerksamkeit geht, sondern wollen eine länger andauernde Verbindung zu unseren Hörern aufbauen und pflegen. Deshalb begnügen wir uns nicht mit allgemeinen Phrasen. Progressive Musiker haben heute ideale Möglichkeiten. Bands wie The Mars Volta, Tool oder Mastodon haben den Boden bereitet. Die Leute sind bereit für Gruppen wie unsere; von den ganzen Prog-Vorreitern früherer Jahrzehnte ganz zu schweigen. Es ist aus meiner Sicht kein großes Risiko, Konzeptalben zu veröffentlichen. Es gibt Leute wie uns, die genau so etwas hören und entdecken wollen. Der Zuspruch, den wir erfahren, beweist es. Innerhalb des Tour-Zyklus einer Platte spielen wir bisweilen nur das aktuelle Album am Stück. Selbst das zieht und begeistert die Fans.“

 
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