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Dagoba

Storie von: arne, am 05.07.2015 ]

DIE DUNKLE SEITE. DAGOBA begreifen ihre Alben stets als Chance, ihren Sound neu zu erfinden oder wenigstens neu zu gewichten. Auf „Tales Of The Black Dawn“ präsentiert sich das Quartett aus Marseille nun ungemein fokussiert, spannungsgeladen und brachial. Dank der Integration von Industrial- und Black Metal-Zitaten wird der ohnehin schon vielschichtige Post-Metal der Franzosen nochmals erweitert und aufgewertet.

 
„Als Band richten wir uns allein nach dem, was uns interessiert und was wir hören möchten. Das bannen wir auf Platte,“ äußert Bassist Werther Ytier. „Das tun wir inzwischen seit 15 Jahren, die wir als Gruppe bestehen und gemeinsam aufnehmen und touren. Inzwischen muss man eher von einem geteilten Lebensweg als nur von einer Band sprechen. Wir entwickeln und verändern uns mit der Zeit kontinuierlich. Es wird nicht passieren, dass wir ein Album doppelt einspielen, denn das widerspricht unserem Grundverständnis und unserer Arbeitsweise. Diese Einstellung schätze ich sehr.“ Im Verlauf ihrer Karriere sind DAGOBA schon mit vielen Stilen in Verbindung gebracht worden. Für den Bassisten ist die Sache dabei denkbar einfach: „Am Ende des Tages handelt es sich um Metal. Es trifft aber zu, dass wir unterschiedliche Genre und Stile miteinander verbinden, die vom Industrial bis hin zum Black Metal reichen. Gerade auf dem neuen Album sind wir die Dinge roher und brachialer angegangen. Es ist unser Ziel gewesen, näher an unseren Live-Sound heran zu rücken. Dieser Maßgabe folgend, haben wir die Platte umgesetzt. Das Ergebnis sollte die Leute umhauen, wie einst PANTERAs „Vulgar Display Of Power“. Anfangs brauchen die Songs ein wenig, doch nach einigen Durchläufen werden die Hörer das Album abfeiern.“

Das mit dieser Aussage dokumentierte Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Die Franzosen wissen, welch starker Longplayer ihnen mit „Tales Of The Black Dawn“ geglückt ist: „Die Musik ist für uns eine niemals endende Reise – voll von Eindrücken, Erlebnissen und Schattierungen,“ so Werther Ytier. „Ebenso sind unsere Songs. Mit jedem Album streben wir danach, das nächsthöhere Level zu erreichen. Zunächst geht es aber um gutes Songwriting, das stets die Basis darstellt.“ Dem Nachfolger von „Post Mortem Nihil Est“ liegt dabei wiederum ein Konzept zugrunde, wie es bei DAGOBA immer der Fall ist: „Alle unsere Alben basieren auf konzeptionellen Ideen. Es erscheint uns nicht opportun, Songs ohne Sinn und Verbindung nebeneinander zu stellen,“ erklärt der Musiker. „Die Kombination der Stücke und die Entwicklung der Reihenfolge der jeweiligen Tracklist sind im Arbeitsprozess sehr wichtig für uns. Jedes Album ist eine eigene Welt, in die man eintauchen und die man entdecken kann. Vom Titel her kommend, ist „Tales Of The Black Dawn“ programmatisch auszulegen. Es handelt sich um ein düsteres, wildes und kämpferisches Werk, das mehr als seine Vorgänger die dunkle Seite unserer Musikalität herausstellt.“

Die Verbindung zum letzten Album von 2013 ist dabei offenbar: „Post Mortem Nihil Est“ ist für uns eine Art Neubeginn gewesen,“ rekapituliert Werther. „Angefangen vom Sound bis hin zum Image der Band haben wir alles auf den Prüfstand gestellt und überarbeitet, um den Leuten eine neue Vision unserer Gruppe zu


präsentieren. Die Weiterentwicklung haben wir bewusst forciert; alles sollte frisch und auch eingängiger klingen. Mit „Tales Of The Black Dawn“ setzen wir diesen Weg fort – nur eben auf eine düstere Art und Weise. Unsere Songs und Alben sind von jeher vielschichtig und abwechslungsreich angelegt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir uns voll und ganz in sie einbringen und sie später auf der Bühne ohne Kompromisse ausleben. Es ist uns wichtig, dass man immer wieder neue Ideen und Akzente bemerkt. Selbst dann noch, wenn man das Album schon etliche Male gehört hat. Das neue Album fällt zunächst als brachial und düster auf. Dennoch bereitet es keine Schwierigkeiten, unsere Absichten nachzuvollziehen und sich in die Songs hinein zu hören.“

Ihrem Wesen nach wirken die neuen Tracks gestrafft, ohne die übergreifende und experimentierfreudige Arbeitsweise infrage zu stellen: „Zuletzt habe ich wieder verstärkt die Punk-Platten gehört, die ich als 14-Jähriger rauf und runter gehört habe,“ gibt der Bassist zu Protokoll. „Im Songwriting haben sie mir geholfen, zielstrebiger zu arbeiten und direkt auf den Punkt zu kommen. Natürlich versucht man, externe Einflüsse im Arbeitsprozess auszublenden. Bisweilen ist es aber hilfreich, sich an das eine oder andere zu erinnern.“ Noch prägender für die Ausrichtung von „Tales Of The Black Dawn“ ist aber etwas anderes: „Die Touren nach der Veröffentlichung von „Post Mortem Nihil Est“ haben uns dabei geholfen, herauszufinden, was wir wirklich wollen und wie es mit unserem Sound weitergehen soll,“ erzählt der Franzose. „ Ausgehend davon haben wir das Ziel definiert, Energie geladene Songs zu schreiben und die atmosphärische Komponente noch stärker zu gewichten. Wenn man sich über das Ziel klar ist, bereitet es keine Probleme, Songs zu schreiben, die genau das umsetzen. Wir schätzen es sehr, mit verschiedenen Stilen zu experimentieren und sie miteinander zu kombinieren. So erschaffen wir ein abwechslungsreiches Album, das uns selbst und den Hörern viel zu bieten hat. Bei all dem achten wir auf Qualität. Lieber schreiben wir weniger Stücke, aber dafür alle von gleich hoher Güte.“

Mit der Erweiterung der symphonischen und der Industrial-Passagen verstärkt das Quartett die Intensität seiner Tracks und transportiert partiell andere Gefühle: „Wie bei jedem DAGOBA-Album sind wir die Dinge ein Stück weit anderes angegangen,“ erklärt Werther Ytier abschließend. „Das beginnt bei den Strukturen und Melodien, die dieses Mal weniger offensichtlich zu Tage treten. Dennoch ist die Platte eingängig und nachvollziehbar. Die Strukturen der Lieder sind bewusst so gesetzt, dass wir unsere Hörer an uns binden, sie aber auch zum Nachdenken anregen. Meiner Meinung nach haben wir unser Ziel erreicht, ein Album zu erschaffen, die man immer und immer wieder hören möchte.“

 
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