Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1740

Thy Art Is Murder

Storie von: arne, am 30.06.2015 ]

Sein Album „Holy War“ zu taufen und als Cover-Motiv das Foto eines Kindes zu nutzen, das einen Bombengürtel trägt, ist eine gezielte Provokation. Die Kombination aus beidem steht für THY ART IS MURDER synonym für Fanatismus sowie Konflikte und Verbrechen, die unter dem Deckmantel des Glaubens verübt werden. Musikalisch setzen die Australier auf ihrem Drittwerk eine Entsprechung: radikale, technisch geprägte Extrem-Sounds zwischen Deathcore und Tech-Death.

 
In einem kompromisslosen Stop’n’Go-Stil spielt sich die Band aus Sydney durch ihre Songs. Gitarrist Sean Delander bestätigt im Gespräch, dass THY ART IS MURDER auch hinsichtlich ihrer Live-Aktivitäten gnadenlos durchziehen: „Nach der Veröffentlichung von „Hate“ sind wir in die Vollen gegangen und haben uns nicht geschont. Über den Zeitraum von zwei Jahren sind wir praktisch non-stop getourt. Lediglich fünf Monate waren wir zwischendurch Zuhause, ansonsten permanent unterwegs. Einerseits schlaucht so etwas. Andererseits gewinnt man unglaublich viele Eindrücke. Insbesondere unsere erste Europa-Tour war für mich ein einschneidendes und prägendes Erlebnis. Seit ich Musiker bin, habe ich davon geträumt, die großen Festivals in Europa zu spielen und gemeinsam mit den Bands aufzutreten, mit deren Platten ich aufgewachsen bin. Plötzlich ist genau das passiert und ich hing zusammen mit meinen Vorbildern ab, habe mit ihnen Bier getrunken. Unsere erste Headliner-Tour in den USA war ebenfalls der Wahnsinn. Wir hätten niemals erwartet, dass so viele Leute uns und unsere Songs kennen und zu den Shows kommen. Zwar hatten wir mitbekommen, dass es einen bizarren Internet-Kult rund um THY ART IS MURDER gegeben hat. Dass sich dieser im realen Leben widerspiegelt, hätte ich in diesem Ausmaß aber nicht erwartet.“

Hinsichtlich der Entwicklung des Sounds der Australier kommt dem Internet ebenfalls eine wichtige Rolle zu, ist Sean mit Blick auf seinen Werdegang als Musiker überzeugt: „Das habe ich an mir selbst erlebt. Innerhalb kurzer Zeit sind viele Kids, mich eingeschlossen, mit Deathcore bzw. Tech-Death in Berührung gekommen. Wir waren begeistert, doch niemand hat auf das Songwriting geachtet. Neun oder zehn Sektionen in einem einzelnen Stück zu haben, fühlte sich richtig an. Es ging allein um Tempo-Variation und sprunghafte Technik. Den einzelnen Songs eine Identität oder Emotionalität mitzugeben, spielte keine Rolle. Die einzelnen Tracks mussten sich voneinander nicht absetzen, denn wichtig waren allein abgefahrene Ideen. Das Bewusstsein für den Wert des Songwritings hat sich erst mit der Zeit eingestellt. Es gibt Leute, die behaupten, wir wären auch heute noch keinen Schritt weiter, doch unser Ansatz ist inzwischen um einiges minimalistischer und klarer. Vier Sektionen in einem Lied reichen uns aus. Wir wiederholen sogar einzelne Passagen und halten uns an klassische Songwriting-Rezepte, um nicht nur extreme, sondern auch eingängige Songs zu erschaffen. Von den krassen, kompromisslosen Fricklern


bin ich aber weiterhin begeistert. Sie erweitern die Grenzen der Spielart und des Machbaren auf den Instrumenten. Die nötige Zeit zum Üben kann ich aber längst nicht mehr investieren. Deshalb ist das nichts mehr für mich. Wir gehen die Dinge inzwischen etwas entspannter an.“

Friedfertig oder gemäßigt klingt „Holy War“ deshalb noch lange nicht. Das hängt mit den Vorlieben von THY ART IS MURDER zusammen: „Persönlich favorisiere ich schnelle, aggressive Musik. Egal, ob es um das Spielen oder Hören geht,“ gibt der Gitarrist zu Protokoll. „Wir sind nicht die Art von Musikern, die viele unterschiedliche Stile zusammen bringen, um zu signalisieren, wie progressiv oder avantgardistisch sie sind. Uns ist es nicht wichtig, jedem zu gefallen. Das ist nicht unsere Welt, auch wenn sie für andere wunderbar funktioniert. Jede Gruppe muss ihren Weg finden. Für uns führt dieser in den extremen Metal, wo wir von vielen fantastischen Musikern umgeben sind, die uns pushen.“ Sean Delander denkt dabei in Projekten. Das Drittwerk ist für ihn längst abgeschlossen und Vergangenheit: „Um ehrlich zu sein, denke ich nicht mehr viel darüber nach,“ so der Australier. „Das Album ist aufgenommen und fertig. Ändern können wir nichts mehr. Ob die Leute es mögen oder nicht, wissen wir in Kürze. Sagen kann ich allerdings, dass mir das Songwriting inzwischen leichter fällt und ich zunehmend in der Lage bin, neue Dinge umzusetzen, die unseren Sound bereichern. Diese neuen Möglichkeiten halten die Magie aufrecht und begeistern mich. Es gefällt mir, dass die neuen Songs mehr Raum zur Entfaltung und zum Atmen besitzen. Auf unseren Touren haben wir erkannt, wie wichtig es ist, klare Strukturen zu haben und Elemente in die Songs einzubauen, die Identifikation und Wiedererkennung ermöglichen. Nur auf diesem Weg findet man zu einem einzigartigen Stil. Diesbezüglich wirken die Entschlackung des Songwritings und die Anreicherung der Songs mit Melodien Wunder. „Holy War“ besitzt sowohl die Qualitäten, für die THY ART IS MURDER bekannt sind, als auch neue Facetten. Die Basis bilden wiederum Groove- und Blastbeat-Passagen, ohne die es bei uns nicht geht.“

Erweitert wird das Spiel der Deathcore-Kombo um elektronische Zugaben, Streicher-Akzente und mutige Experimente. Rhythmisch verspielt sind die Australier ohnehin. Das Drittwerk der Band kommt düster, drückend und radikal. Dabei erschaffen die Musiker vermehrt abgefahrene Spielereien und sphärisch-apokalyptische Endzeit-Parts, die Hörern kalt den Rücken runter laufen.

 
 Links:
  facebook.com/thyartismurder
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Carnifex
  Sum 41
  Art Of Dying
  Crown The Empire
  Heart Of A Coward

Interviews/Stories:

  Origin
  Tluf
  Full Of Hell

Shows:

  26.06. Taking Back Sunday - Hamburg
  26.06. The Interrupters - Hamburg
  26.06. Billybio - Hamburg
  26.06. Whitechapel - Stutgart
  27.06. Billybio - Osnabruck