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Jinjer

Storie von: arne, am 22.06.2015 ]

Bands aus Osteuropa haben es nach wie vor schwer, in Mittel- und Nordwesteuropa aufzufallen und sich eine Anhängerschaft aufzubauen. Dabei gibt es längst Gruppen, die absolut konkurrenzfähig aufspielen. Die aus der Ukraine stammenden JINJER sind eine von ihnen. Der Heavy-Mix des Quintetts zwischen Groove-Metal und MetalCore ist leidenschaftlich und überzeugend inszeniert.

 
„Wir stammen aus einer wenig erbaulichen Gegend, die industriell geprägt ist,“ äußert Bassist Eugene zur Herkunft der Musiker. „Das Leben dort ist hart. Jeder will weg, sofern sich eine Chance bietet. Eine Möglichkeit zu finden, der harten Realität zu entfliehen und sich dabei gleichzeitig mit der Situation auseinander zu setzen, bietet uns die Musik. Mit unseren Songs zwischen Hardcore und Heavy Metal drücken und leben wir uns aus. Anfangs war es ein Hobby. Heute gehen wir die Dinge ernsthafter und zielstrebiger an. Über die Jahre hat sich die Band zu unserem Job entwickelt. Die Basis unserer Musik ist dabei dieselbe geblieben. Unsere Stücke spiegeln das wider, was wir fühlen und erleben. Gerade jetzt, wo in unserer Heimat, dem Osten der Ukraine so viel passiert. Unsere Familien und Freunde sind direkt vom Konflikt betroffen. Doch auch neben diesem aktuellen Thema formulieren wir klare Botschaften, mit denen wir unsere Hörer zum Nachdenken anregen möchten. Es geht bei uns um gesellschaftliche Gleichgültigkeit und Ignoranz, Krieg und Gewalt allgemein, Ungerechtigkeiten, Gier, etc.“

Zum Thema des anhaltenden Konflikts mit Russland ergänzt der Musiker auf Nachfrage: „Das ist eine unschöne und schmutzige Angelegenheit. Viel sagen möchte ich dazu nicht. Unsere Einstellung zum Thema haben wir auf „Cloud Factory“ mit dem Song ,When Two Empires Collide‘ deutlich zum Ausdruck gebracht. Hört dieses Stück, wenn ihr an unserer Sichtweise interessiert seid. Wir stammen aus Donezk. Teile unserer Familien leben in den von den Separatisten kontrollierten Territorien. Unsere Band hat die Gegend freiwillig verlassen, doch nun leben wir weit entfernt von unserer Heimat. Auf dem nächsten Album wird dieses Thema sicherlich wieder seinen Platz finden.“ Apropos Platz finden, sich als professionell ausgerichtete Band in Osteuropa zu etablieren, ist gar nicht so leicht, wie Eugene rekapituliert:

„Eine nennenswerte Szene gibt es in der Ukraine nicht. Zuletzt sind einige Bands aufgekommen, die sich an einem poppig gefärbten Bullet For-Killswitch-MetalCore-Mix versuchen, doch viel mehr ist da nicht. Deshalb schauen wir lieber nach Europa, wo eine lebendige Szene existiert und sich Leute für JINJER interessieren – gerade im Hardcore. Dabei stammen wir gar nicht aus ihm. Zumeist umschreiben uns die Leute als progressiven MetalCore und vergleichen uns mit Bands wie Textures oder Protest The Hero. Inzwischen habe ich in Bezug auf uns vermehrt auch Groove-Metal gehört, was für mich ebenfalls okay ist. In Ländern


wie Tschechien, Polen und Rumänien ist die Hardcore-Szene ungemein stark. Und die Leute dort sind verrückt! In der Ukraine gibt es selbst in den großen Städten allenfalls zehn bis 15 Leute, die zu HC-Shows kommen, die allerdings richtig jung sind. Im Alter zwischen 13 und 19 Jahren hört man bei uns harte Musik, später kaum mehr. Im übrigen Osteuropa ist das zum Glück anders. Bezogen auf die Fans von JINJER kann ich zwischen einzelnen Ländern keine Unterschiede feststellen. Die Leute kommen zu unseren Shows, moshen, singen mit und fotografieren sich mit uns. Zuhause in der Ukraine kennt man uns inzwischen im Metal-Lager. Auch in anderen Ländern ziehen wir größere Publikums. Doch je weiter westlich wir uns vorwagen, desto kleiner werden die Shows und desto weniger Leute interessieren sich für uns.“

Das Quintett nimmt es, wie es kommt: „JINJER sind zu einhundert Prozent DIY,“ zeigt sich der Bassist stolz. „Wir kümmern uns um fast alle Belange selbst. Inzwischen zahlt sich das langsam aus. So sind wir 2013 zur besten Metal-Band der Ukraine gekürt worden. In den letzten zwei Jahren haben wir mehr als einhundert Shows in Europa gespielt und noch hundert weitere in Russland und der Ukraine. Darunter waren zwei größere Touren auf dem Balkan, namhafte Festival- und Support-Auftritte vor Tiamat, Ektomorf, Caliban, Kataklysm und Nazareth, Dog Eat Dog. Insbesondere seit der Veröffentlichung von „Cloud Factory“ im vergangenen Jahr läuft es für uns richtig gut.“

Wenn man die Songs der Gruppe hört, fällt zunächst der charismatische Gesang von Frontfrau Tatiana auf. Im musikalischen Bereich haben JINJER aber auch etwas zu bieten: „Später entdeckt man vielleicht unsere anspruchsvollen, jedoch nicht zu komplexen Instrumental-Parts,“ hofft Eugene. „Zudem unterscheiden sich unsere Songs voneinander. Abwechslung ist uns wichtig, auch wenn JINJER stets Songs spielen, die im Metal beheimatet sind. Das ist die Basis, der wir uns verpflichtet fühlen. Innerhalb dieses Rahmens kommen dann Einflüsse unterschiedlicher Genres zum Tragen. Fest steht allein, dass wir keinen Regeln folgen und das tun, wonach uns ist. Wir bestimmen die Themen der Lyrics und die Zusammensetzung unserer Musik ganz allein. Die Grundlage aller JINJER-Stücke ist aufrichtige, reale Inspiration. Wir sind selbst gespannt, was als nächstes geschieht. Mit der Arbeit am Nachfolger von „Cloud Factory“ haben wir gerade begonnen. Zur groben Ausrichtung lässt sich sagen, dass wir weiterhin wie JINJER klingen werden, jedoch anders.“

 
 Links:
  facebook.com/JinjerOfficial
 
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