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Eiter

Interview von: Daniel mit Eiter, am: 14.06.2015 ]

Münster/Westfalen anno Domini 2015: Katholiken, Beamte und konservative Jurastudenten herrschen in Dunkelheit. Doch im Untergrund brodelt es. Von jeher hatte Münster, nicht zuletzt auch Dank der studentischen Szene eine Musiklandschaft, mit der in NRW letztlich vielleicht nur noch Köln mithalten konnte. In diesen Tagen erscheint mit „Hassbatzen“ der erste, in Eigenregie produzierte Longplayer von EITER. EITER – Ein Name wie geschaffen für einen räudigen Grindcoreact. Was sollte, was muss man wissen, wenn man sich das Wahlmotto „Spread the EITER“ auf die Fahne schreiben mag? Lassen wir die Band selbst zu Wort kommen.

 

Musicscan: Erst einmal möchte ich Euch zu „Hassbatzen“ gratulieren! Ein aus meiner Sicht wirklich gelungenes und enorm unterhaltsames Grind-Album! Da einige von Euch ja nun wahrlich keine Newcomer mehr sind, würde mich zunächst interessieren, wie es zu der unheiligen Allianz namens EITER gekommen ist.

Eiter: Erstmal vielen Dank für die schönen Worte. Freut mich, dass dir die Scheibe gefällt. Die Idee, die Band zu gründen entstand irgendwann irgendwann nachts auf einer Party, wo Striego, unser Sänger, und ich „leicht“ angeheitert waren und Blödsinn geredet haben. Da ich ja schon länger nicht mehr aktiv in einer Metalband gespielt hatte und er sowieso alles andere außer Metal kacke findet beschlossen wir eine Band zu gründen. Wir waren uns auch sofort einig darüber in welche Richtung es gehen soll. Wenn ich mich recht erinnere , hatte Striego wohl schon länger vor eine Band mit dem Namen „EITER“ zu gründen. So stand der Name am selben Abend noch fest. Danach haben wir einfach ein paar Musiker aus unserem Umfeld gefragt, ob sie Lust hätten dabei zu sein. Das ging dann alles ziemlich schnell. Bis wir dann unsere erste gemeinsame Probe hinter uns gebracht haben, hat es dann doch etwas länger gedauert. Die Band bestand also auf dem Papier schon einige Monate bevor wir unsere erste Probe hatten haha.

Musicscan: Mir liegen zwar keine Texte vor, aber ausgehend von den Songtiteln geht es zumindest vordergründig nicht um Gesellschaftskritik und/oder Politik, sondern eher um Gore? Wie seht ihr generell die Verbindung aus Humor und Musik, wo Grindcore als Genre doch eher eine betont politische Musikrichtung ist....siehe Napalm Death oder Misery Index.

Eiter: Ja generell geht es tatsächlich nahezu ausschließlich um Gore. In eingen Texten, zB. „Menschenschrott“ wird dies allerdings mit Gesellschaftskritik verbunden. Wir haben uns selber von Anfang an nicht allzu ernst genommen was die Texte und die generelle Herangehensweise angeht, was nicht heißen soll, dass wir eine Spaßband sind. Vielmehr sind die Texte durchweg mit einer Prise sehr schwarzem Humor gewürzt. Die Musik hingegen ist uns sehr ernst. Wir versuchen da immer ein bisschen die Balance zwischen Ernst und einem Augenzwinkern zu halten.

Musicscan: Worum geht es in den Texten und wer ist auf den Bandnamen gekommen? Was steckt dahinter?

Eiter: Textlich bewegen sich die Songs zwischen Sozialkritik, ganz stumpfem Gore wie bei „Amputation“, ekelhaften Geschlechtskrankheiten und ganz alltäglichen Dingen wie Fahrrad fahren bzw. dem Versuch Fahrrad zu fahren in dem song „Asphaltflechte“. Da Münster ja die Fahrrad Hochburg ist und jeder Münsteraner sein Fahrrad häufig benutzt, kommt es oftmals zu bösen Unfällen. Diesen traumatischen Sturzerlebnissen wollten wir ein Denkmal setzen und haben somit die vermutlich erste Grind Hymne über die Stadt Münster geschrieben. Ein bisschen Gore ist hier dann natürlich aufgrund von offenen Brüchen und Schürfwunden auch wieder mit drin. Der Bandname entstand wie oben bereits erwähnt auf besagter Party. Unser Plan war einfach einen Namen zu haben, der maximal ekelig und asozial klingt :-)

Musicscan: Eure musikalischen Wurzeln reichen von so unterschiedlichen Acts wie Long Distance Calling, bis hin zu Misery Speaks. Wie und warum fiel die Entscheidung in Richtung Grindcore?

Eiter: Wir sind einfach alle sehr flexibel was Musik angeht und speziell unser Sänger steht halt einfach ganz besonders auf Geballer und wollte eine Grindcore Band gründen. Ich hatte auch mal wieder Bock auf hartes Geballer, da ich das seit der Auflösung von Misery Speaks doch sehr vermisst habe, diese Art von Musik zu spielen. Die anderen 3 wurden dann mit der Ansage, dass es extrem asozialer Grind mit einer Portion groove sein soll, rekrutiert. Sie wussten also auf was sie sich eingelassen haben. Is abgesehen davon auch mal geil, anstatt 8 Minuten, nur 1 Minuten Songs zu spielen. Da muss man sich nicht so viel merken, haha.

Musicscan: Meiner Meinung nach ist Grindcore seltsamerweise in Deutschland immer noch ein wenig unterrepräsentiert, vor allem, wenn es um politische Bands geht. Teilt ihr diese Meinung? Warum ist das so?

Eiter: Naja, zu aller erst ist Grind ja schon ziemlich extreme Musik. Der Prozentsatz der Menschen, die auf so etwas klar kommen, ist ja äußerst gering. Vermutlich haben die Deutschen da, wie so oft, einfach mal wieder einen Stock im Arsch. Aber natürlich gibt es auch hier politische Bands – speziell im Hardcore geht da ja einiges.

Musicscan: Wie seht ihr generell die Entwicklung der deutschen Musikszene? Tut sich was? Oder hinken wir als Deutsche, als Europäer vielleicht immer noch hinterher und lassen uns zu sehr von den USA beeinflussen?

Eiter: Das Problem auf internationaler Ebene ist einfach, dass die meisten deutschen Bands auch sehr deutsch klingen. Das macht es natürlich schwer im Ausland Fuß zu fassen, weil es dort dann meist keinen interessiert. Funktionieren tut so etwas, wenn man sein deutsch sein, als Alleinstellungsmerkmal vermarktet, so wie etwas Rammstein. Wenn man sich, so wie wir bewusst für deutsche Texte entscheidet, kann man international natürlich nicht besonders viel erwarten. Obwohl: die Texte versteht ja eh keiner – is dann auch egal, hehe. Abgesehen davon gibt es, wie ich finde, eine sehr fruchtbare Musikszene in Deutschland mit vielen guten und interessanten Bands. Deutschland ist halt leider nur nicht besonders experimentierfreudig und zu ängstlich. Deswegen kommt Musik, die neu und frisch ist, meist immer aus dem Ausland und wird dann hier adaptiert. Das ist dann wieder der bereits erwähnte Stock im Arsch.

Musicscan: Wie geht es mit EITER weiter? Bleibt es ein Projekt, oder sind weitere Schandtaten geplant?Wird es gar eine Tour geben?

Eiter: Die Band war ursprünglich als Hobby Band geplant, da die meisten von uns ganz normal berufstätig sind und einer auch schon Papa ist. Wir wollten einfach mal Songs schreiben und diese recorden um ein paar Shows spielen zu können. Das lief bisher alles sehr gut und macht viel Spaß. Deswegen werden wir einfach so weiter machen und versuchen zu so weit zu gehen, wie es mit dem Privat- und Familienleben vereinbar ist. Das es bald mal eine Tour geben wird , ist gar nicht mal so unwahrscheinlich. Bisher ist da noch nix geplant, aber wir wäre auf jeden Fall dafür zu haben.

Musicscan: Zum Abschluss noch eine Art Standard-Frage: Wenn Ihr Euch für die Band einen griffigen Werbeslogan ausdenken müsstet: Wie würde der lauten?

Eiter: Angelehnt an Bill Murray: „for relaxing times, make it EITER time“ oder an Kümmerling: „Nette Menschen hören EITER“. Hehe.

 
 Links:
  facebook.com/eiter.grind
 
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