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Der Weg Einer Freiheit

Storie von: arne, am 12.05.2015 ]

EXTREME SEHNSUCHT. Inhaltlich richtet sich der Blick auf „Stellar“ nach oben, hin zu den weit entfernten, nicht greifbaren Sternen. Musikalisch regiert ein tief im Black Metal verwurzelter Extrem-Sound, der einerseits rigoros und hartnäckig angegangen wird, andererseits melodisch-atmosphärisch und düster-episch ausgestaltet ist.

 
Bands wie ULVER, WOLVES IN THE THRONE ROOM oder DER WEG EINER FREIHEIT kommt seit geraumer Zeit die Brückenfunktion zu, eine neue Hörer-Klientel an brutale Metal-Klänge heran zu führen. Band-Kopf Nikita Kamprad nimmt es pragmatisch und relativiert im gleichen Atemzug: „Ich hoffe, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass 14-jährige CASPER-Fan-Girls unsere Musik nur deswegen feiern, weil ihr großes Idol ab und zu erwähnt, dass er uns cool findet. Wir sehen das ein Stück weit als überschwängliche Hysterie an, die bei vielen nach kurzer Zeit wieder abflacht. Wie viel sich solche Hörer aus unserer Musik wirklich herausziehen, zeigt sich erst, wenn sie sich näher mit ihr befassen und das tun leider doch nicht so viele. Trotzdem sehen wir, wie unsere Hörerschaft anwächst und wir Leute aus ganz unterschiedlichen Lagern anziehen. Das finden wir schon okay so!“

Wobei allerdings nicht jeder Interessent willkommen ist. Auf Tour im Ausland erleben die Würzburger bisweilen irritierende Situationen, auf die sie gut und gerne verzichten könnten: „In Russland sind ein paar Konzertbesucher davon ausgegangen, wir seien waschechte Nazis. Wir sind deutsch, haben einen deutschen Namen und machen deutsche, extreme Musik. Bekanntlich wird der Black Metal leider bisweilen für die Verbreitung rechter Ideologien missbraucht. Nach dem Konzert in Moskau hat mir ein freundlicher Russe die Hand geschüttelt und sich vielmals für die Musik bedankt. Leider trug er ein ABSURD-Shirt. Nach der Show in Samara wollten einige Leute mit uns Fotos machen. Einer forderte uns prompt zum Hitlergruß auf. Da weiß man natürlich nicht, wie man reagieren soll. Die meisten dort drüben verstehen kein Wort Englisch, geschweige denn Deutsch. Wir haben uns natürlich nicht zu Fotos mit besagten Personen bereit erklärt und uns ob der aussichtslosen Situation zurückgezogen. Von Aggression oder Ärgernis gab es glücklicherweise keine Spur. Ich bin mir sicher, auch diese Leute würden es verstehen, wenn man denn miteinander kommunizieren könnte. Die Kommunikation fand dort aber nur in Form von Musik statt und die wurde gefeiert, wie wir es selten erlebt haben. Da wir aus einer anderen Kultur kommen und, gerade was unsere Geschichte betrifft, sich die Erziehung sehr unterscheidet, gab es teilweise Situationen, auf die wir nicht vorbereitet waren, da wir das so aus Deutschland nicht kennen. Offenbar ist in vielen Teilen des Ostblocks diese Problematik nicht angekommen oder es scheint niemand etwas daran ändern zu wollen.“

Auf der anstehenden Tour mit DOWNFALL OF GAIA dürften derartige Vorkommnisse ausbleiben. Gestalterische Parallelen zwischen deren letztem Album und „Stellar“ sind dem Frontmann zufolge übrigens unbeabsichtigt: „Da wir der Meinung sind, dass sich ihre und unsere Musik gut ergänzt, fanden wir es durchaus sinnig, zusammen auf die Bühne zu gehen. Wir stehen schon länger in Kontakt und sind zwei Bands, die gerne unterwegs sind. Dass sich unsere Platten-Cover ähneln, ist reiner Zufall. Mehr als die Sonnenfinsternis – wenn es bei „Aeons Unveils..


.“ überhaupt eine darstellen soll. – verbindet die Bilder aber nicht.“ Während sich DOWNFALL OF GAIA konzeptionell der Zeit widmen, beschäftigen sich DER WEG EINER FREIHEIT mit Sternen und dem Weltall, um ihre Gedanken zu abstrahieren und Interessierte mit einem vielschichtigen Werk zu fesseln:

„Es war schnell klar, dass dieses Album schwieriger zu verdauen ist und Hörern mehr Zeit abverlangt, den richtigen Zugang zu finden“, resümiert Nikita. „Das ist auch so gewollt. Das alte Material war teilweise sehr eingängig und straight, ohne großartig zu überraschen. Um aber das eine oder andere Detail verstehen oder überhaupt erst einmal hören zu können, braucht man Zeit. Das geht nicht schnell im Auto auf dem Weg zur Arbeit, im Bus oder am Laptop, sondern bei einem längeren Spaziergang oder vor der heimischen Anlage. Das Sinnbild der Sterne ist auf dem Album allgegenwärtig, in den Texten und auch im Artwork. Die Sterne begleiten uns jeden Tag. Menschen schauen seit jeher zu ihnen auf. Immer war es der Traum, sie irgendwann einmal zu erreichen – wie ein immer dagewesener Wunsch nach Freiheit, der meiner Meinung nach nicht hier auf der Erde oder in etwas Materiellem wie Geld oder wertlosen Gegenständen erfüllt werden kann. Ich denke, jeder Mensch muss seinen Weg zur Freiheit und seinem Glück suchen. Eine Anleitung gibt es aber nicht, und die moderne Gesellschaft wirkt diesem Gedanken genau entgegen. Sie greift schon früh in die freie Entfaltung der Menschen ein und stellt uns immer wieder vor Grenzen; ob nun in der künstlerischen Freiheit oder unserer Meinung. Diese Thematik wird in den Texten mit den Sternen assoziiert bzw. mit dem „Greifen nach den Sternen“. Dabei schwingt für mich immer auch Hoffnungslosigkeit mit, da man sich nach etwas sehnt, was man wohl nie erreichen wird. Die Musik hat mir immer dabei geholfen, mich selbst und andere Menschen besser kennenzulernen; stellt in dieser Hinsicht einen wichtigen Anker in meinem Leben dar.“

Seit dem Ausstieg von Tobias im Herbst 2012 ist Gitarrist Nikita auch für die Vocals bei DER WEG EINER FREIHEIT verantwortlich, was seinen Blick auf die Musik nochmals verändert hat: „Jeder von uns bekam das Mikro vor die Nase gestellt und vor meiner blieb es letzten Endes stehen. Vorher habe ich nie ernsthaft gesungen, geschweige denn mich als Sänger gesehen. Anfangs war es ungewohnt und eine enorme Belastung. Das Zusammenspiel von Gitarre und Gesang kann man aber üben. Da ich sowohl mit der Musik als auch mit den Texten zu 100 Prozent vertraut bin, ging das recht schnell. Mittlerweile kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen, nicht mehr zu singen. Ich habe den Gesang als die direkteste musikalische Ausdrucksform, die es gibt, kennen und lieben gelernt – auch wenn es zum größten Teil vermeintlich nur Rumschreien ist. Doch es gibt eine Vision in meinem Kopf, die Tobias früher sehr gut verstanden und erfüllt hat. Deshalb unterscheiden sich unsere beiden Stimmen gar nicht so krass. Im Nachhinein sind wir stolz, es alleine geschafft zu haben und können uns kein besseres Line-Up vorstellen.“

 
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