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Sworn In

Storie von: arne, am 04.05.2015 ]

LEBEN, LIEBE, LEIDENSCHAFT. Die aus Grayslake, Illinois stammenden SWORN IN beschreiben ihr Spiel schlicht als emotional. Verträglich oder friedfertig ist es deshalb noch lange nicht. Das Quintett setzt sein Zweitwerk „The Lovers/The Devil“ zwischen MetalCore, Deathcore und Emo/Screamo um. Die konzeptuelle Auseinandersetzung mit destruktiven Liebesbeziehungen fordert die Frage nach konkreten Erfahrungen der Musiker und den Tragödien ihrer Leben geradezu heraus.

 
„Um ehrlich zu sein, denke ich, dass mir die wirklichen Tragödien in meinem Leben erst noch bevor stehen,“ gibt Schlagzeuger Chris George zu Protokoll. „Tragödie als Begrifflichkeit ist per se ein sehr starkes Wort. Doch schon die bloße Existenz kann erdrückend oder stressbeladen sein. Wir sind als tourende Musiker erwachsen geworden, was teils verwirrende, desorientierte Eindrücke und Erfahrungen mit sich gebracht hat. Oftmals weiß ich nicht, wer oder was ich eigentlich bin; vom wo ganz zu schweigen. Mitunter kann ich einen Tag nicht vom anderen unterscheiden, so, als ob ich ihn immer wieder erlebe. Dann suche ich kleine Dinge, die mir Halt bieten, mich motivieren, voraus zu schauen und die mir dabei helfen, meinen Alltag zu bewältigen. Denn ich will es bis zum nächsten Tag schaffen. Am Leben zu sein, bedeutet Kampf. Mit unseren Songs wollen wir die Leute dazu bringen, zu verstehen, dass ihre Probleme entweder durch die Umstände begründet sind oder allein in ihren Köpfen existieren. Jeder Mensch verdient Respekt und benötigt Kraft, um zu leben und zu überleben. Sicherlich ist das einfach gesagt. Mitunter sind Probleme und Tragödien so gewaltig, dass sie nicht in Worte gefasst werden können. In diesen Momenten darf man nicht vergessen, dass man niemals wirklich allein ist und es immer jemanden gibt, zu dem man eine Verbindung herstellen kann oder der einen versteht. Auch intensive Gefühle können geteilt werden. Vielleicht hilft unsere Musik einigen Leute dabei, mit ihren Problemen klar zu kommen, indem sie erkennen, dass wir ähnliches durchleben.“

Einen philosophischen Ansatz verfolgen SWORN IN mit „The Lovers/The Devil“ dabei nicht: „Mein Vater ist ein Philosophie-Lehrer, doch um philosophische Texte und Bücher mache ich einen Bogen,“ gibt der Drummer auf Nachfrage zu. „Jedoch bin ich an Themen wie dem Leben, unserer Existenz, an Selbsterfüllung und -verwirklichung, etc. stark interessiert. Ich bin am Leben, also interessiert es mich, zu erfahren, was es heißt, lebendig zu sein. Ein waches Bewusstsein führt meiner Ansicht nach unweigerlich zu Fragen nach dem wer, wie, was und warum.“ Auf ihrem Zweitwerk stellen die Musiker aus Grayslake, Illinois vor allem auf die Schattenseiten von Liebes- bzw. Leidensbeziehungen ab. Das ist wenigstens der Eindruck, der sich beim Hören einstellt. „Wir wollten ein Album erschaffen, mit dem sich Hörer identifizieren können, die Schmerz und Verlust kennen gelernt haben,“ so Chris George. „Wer sich in seiner Existenz verloren fühlt, findet in unseren Songs hoffentlich neuen Mut. Die Gewichtung der Stücke von „The Lovers/The Devil“ war mir sehr wichtig. Auf der „The Lovers“-Seite erklingen sieben Stücke, auf der von „The Devil“ nur sechs. Die inhaltliche Zweiteilung ist auch im Sound offenbar, wobei „The Devil“ düsterer und sludgier klingt.“


Wohlklingend oder verträglich ist der Mix diverser Core-Spielarten eigentlich zu keiner Zeit; dafür aber kontrastreich, aufputschend und Kraft raubend: „Es ist mir tatsächlich gelungen, jede negative Empfindung, die ich bislang erlebt habe, adäquat zu vertonen und sie so für andere nachvollziehbar zu machen,“ freut sich der Schlagzeuger. „Im Grunde hat sich das Album ganz von selbst geschrieben und mir dabei geholfen, all das Dargestellte zu verarbeiten. Das hat zur Folge, dass ich den Menschen, der einst mit dem Schreiben begonnen hat, schon gar nicht mehr kenne.“ Obwohl es sich im Falle von SWORN IN um eine vergleichsweise junge Band handelt, die kaum die Anfänge ihrer Karriere absolviert hat, zieht der Musiker mit Blick auf seine Erlebnisse ein unerwartet ernüchterndes Feedback, was (Liebes-)Beziehungen anbelangt:

„Nach der ganzen Zeit mit der Gruppe, dem Touren, Reisen und Leute-Kennenlernen, kann ich sagen: schon bevor es mit der Band losging, hatte ich alles, wovon ich jemals geträumt habe. Nur wusste ich es damals nicht zu würdigen. Damit meine ich insbesondere meine Freundschaften und Beziehungen. Mit zunehmender Zeit unterwegs hat vieles davon gelitten. Es bedingt Kompromisse und Einschränkungen, seinen Musiker-Traum in die Tat umzusetzen. Mit zunehmender Zeit gibt man immer mehr auf, um die Sache am Laufen zu halten. Ich möchte keinesfalls undankbar klingen und schätze die Chance, die sich uns bietet, sehr. Doch es ist hart. Als tourender Musiker muss man sich über seine Prioritäten im Klaren sein. Man lernt schnell, was einem wirklich etwas bedeutet. Heute bin ich eine stärkere Persönlichkeit, doch es gibt immer wieder Tage, die mir nicht leicht fallen. Mein Körper führt dann das aus, was von ihm erwartet wird. Mit dem Leben auf Tour arrangiert man sich. Interessant finde ich dabei, dass ich den kleinen Dingen des Alltags heute eine viel größere Bedeutung zubillige. Das Gras auf der anderen Seite ist eben immer grüner und wird es wohl immer bleiben.“

Trotz dieser pessimistischer Äußerung ist Chris George gerne Musiker und stolz auf das Zweitwerk seiner Band, mit dem SWORN IN eindeutig an Relevanz gewinnen: „Es hat sich tatsächlich eine Menge getan. Einige Hörer werden anfangs verwirrt sein und müssen sich zunächst orientieren. Doch letztlich greifen die unterschiedlichen Aspekte alle stimmig ineinander und formen ein Gesamtbild. Wann immer wir Songs aufnehmen, entstehen auch düstere Noise-Sequenzen und obskure Ideen, die in der Vergangenheit im weiteren Arbeitsprozess verloren gegangen sind. Das habe ich immer als unbefriedigend empfunden. Meistens blieb keine Zeit zum Experimentieren, weil wir auf den Punkt fertig waren. Dieses Mal hatten wir endlich doch die Gelegenheit dazu, Dinge auszuprobieren und Ideen wieder aufzugreifen. Das Album zeugt davon.“

 
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