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Coldburn

Storie von: arne, am 30.04.2015 ]

GEBEN UND NEHMEN. Das steckt als Motivation hinter den Band-Aktivitäten von COLDBURN. Mit „Down In The Dumps“ legt das Quintett ein ruppiges, direktes Zweitwerk vor, das für metallischen New York-HC im besten Verständnis steht. Mit Blick auf das beachtliche Tour-Programm der Sachsen drängt sich die Frage, ob sich ihre Sichtweise auf Sound und Szene verändert hat, geradezu auf: „In den letzten vier Jahren sind wir tatsächlich sehr rastlos gewesen“, stimmt Shouter Johannes zu und holt aus: „Wir haben versucht, das Bestmögliche aus unserer Freizeit herauszuholen und mussten deswegen einige Kompromisse eingehen. Ich denke, davon kann jeder, der auch nur ansatzweise den Anspruch hat, seine Musik live zu bringen, ein Lied singen. Allerdings ist das auch erst der Punkt, an dem Hardcore zu dem wird, was er ist. Diese Musik ergibt keinen Sinn, wenn sie ausschließlich für den Tonträger geschrieben wird. Man muss bereit sein, das Ganze herauszutragen und zwar überall dorthin, wo es die Kids inte

 
ressiert. Wenn es sie interessiert, bekommst du zurück, was du reinsteckst; ein Austausch von Energien. Das Benzin in deinem Blut steht vor dir, wenn du auf Bühnen, Kachelböden, wackeligen Podesten, in Kellern, Clubs oder auf Festivals stehst. Entzünden kannst du es nur, wenn man merkt, dass du das, was du sagst, ernst meinst und dass du für das, was du da tust, mindestens 100 Prozent deiner Kraft aufwendest. Ein anderer und weitaus pragmatischerer Punkt ist, dass wir alle etwas verstreut wohnen. Das bedeutet, dass die Zeit, in der wir auf Tour sind, auch die Zeit ist, in der wir die Chance haben, öfter miteinander rumzuhängen und die Band zu leben. Du wächst persönlich enorm an dem, was andere dir ermöglichen. Ohne den Support einer großen Menge an Bands, Promotern und Freunden ist es nicht möglich, in einer Szene, welche ich trotz diverser digitaler und medialer Auswüchse noch dem Untergrund zuordne, Fuß zu fassen. Dafür können wir uns nur bedanken; nicht mehr und nicht weniger. Hardcore ist real und Hardcore ist live. Ich finde es sehr wichtig, rastlos zu sein. Solange das Feuer brennt, werden wir rastlos bleiben.“

Um die Motivation der Band muss man sich demnach nicht sorgen. Die Musiker wissen, was sie an ihrer Gruppe haben: „An erster Stelle steht sicherlich der Fakt, dass wir im Hardcore einen Platz gefunden haben, an dem wir uns Zuhause fühlen“, äußert der Frontmann. „Diese Größe gab für uns vor COLDBURN und sie wird es auch nach COLDBURN weiter geben. Es klingt vielleicht platt, aber mir fällt keine bessere Formulierung ein, um das zu beschreiben. COLDBURN ist für uns in all dem eine sehr persönliche Plattform, um am Konstrukt Hardcore teilzunehmen; etwas zurückzugeben, hinzuzufügen und weiterzuführen. Wenn du dich in den wichtigen Jahren deiner Jugend von einem Medium so sehr angezogen und beeinflusst fühlst, ist es auf der einen Seite schwer und auf der anderen Seite unsinnig, sich irgendwann davon zu verabschieden. Hardcore/Punk, wie auch andere Jugendkulturen, gewähren dem Individuum Platz, über Erfahrungen, Gedanken und Eindrücke zu berichten – individuelle Meinungen über soziale, politische oder emotionale Umstände. All das geschieht oft fernab von gewöhnlichen Arten der Kommunikation. Der Austausch findet auf verschiedenen Ebenen statt. Manchmal ist er expressiv und manchmal findet er nur im Herz oder Kopf statt. Ich weiß genau, dass ich für alle von uns spreche, wenn ich sage, Hardcore/Punk ist für uns der richtige Platz. Ob und was uns das bringt, ist eine gute Frage, die ich schwer beantworten kann. Ich möchte mir und allen anderen gegenüber authentisch und ehrlich


sein. COLDBURN ist ein authentischer Output eines Gemischs aus Gedanken, Gefühlen und Ästhetik. Wenn ich irgendwann tatsächlich mal ein Resümee ziehe, dann will ich zurückschauen und wissen, dass all das, was ich gemacht habe, mein eigener Wille und meine eigene Überzeugung war. Ich möchte zurückschauen und sehen, dass ich und meine Freunde an etwas teilgenommen haben, was die Vorstellungskraft von einer normhaften Gesellschaft übersteigt und diese vielleicht sogar etwas verstört. Manchmal muss man sich selbst daran erinnern, Abstand zu gewinnen zu Ansprüchen, Anforderungen und Vorstellungen von anderen, um sich nicht zu sehr verbiegen zu lassen. Im nächsten Schritt ist es dann zusätzlich noch der Respekt gegenüber dem „Anderen“, welcher im gleichen Zuge nicht zu kurz kommen darf. Dies ist, glaube ich, eine der Lehren, die ich für mich persönlich ziehen und in gleichen Teilen auf soziale, kreative und emotionale Ebenen anwenden kann.“

Als hörbares Ergebnis all des Gesagten steht nun „Down In The Dumps“ mit seinem ruppig-metallischen NY-Hardcore-Sound: „Wir wollten einen sehr plakativen und alltäglichen Ausspruch wählen, um einen zugänglichen Zusammenhang mit der Idee und den Gedankenfetzen des Albums herzustellen. Melancholie ist das Stichwort“, erklärt Johannes. „Dahinter verbergen sich Wut, Resignation, Reflektion und vor allem Zweifel. Es geht ganz und gar nicht um chronisch betrübte oder niedergeschlagene Emotionen. Eher ist es eine melancholische Reflektion der eigenen Umstände und Fragen; der Wut gegenüber sich selbst und gegenüber anderen. Es hat sich nicht viel an dem verändert, was uns umtreibt. Auch wenn wir hier offensichtlich nicht in den schwierigsten Umständen leben, sind es Zweifel, die zum Ausdruck gebracht werden. Zweifel über angeblich sichere oder zufriedenstellende soziale, emotionale, (schein)heilige und vielleicht sogar politische Strukturen; Wut und Unzufriedenheit über strukturelle Unausweichlichkeiten. All das soll Fragen aufwerfen. Fragen aus der Ich-Perspektive. Fragen, die sich auf den Hörer übertragen können und Fragen, die sich an den Hörer wenden. Die Mitnahme dessen ist ein Angebot, welches nicht zwangsläufig angenommen werden muss. Der Titel spricht eine aktuelle Form traditioneller Melancholie an, und der Inhalt ist wütender, als es scheint. Meiner Meinung nach besteht eine gewisse Abhängigkeit unsererseits gegenüber diesen Fragen, der Wut und auch gegenüber der Gemütslage. Ich weiß nicht, ob dieses Album irgendwelche Antworten geben kann und auch nicht, ob ich es kann. Deswegen weiß ich nicht einmal, ob ich an der Gemütslage etwas ändern möchte.“

 
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