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Royal Thunder

Storie von: arne, am 22.04.2015 ]

Die aus Atlanta stammenden ROYAL THUNDER verfolgen einen weit gefassten Zugang zur Welt des Rock. Ihr Zweitwerk „Crooked Doors“ vereint Elemente aus dem Psychedelic-, Folk-, Southern-, Blues- sowie Hard-Rock und weist zudem eine abstrakte Doom-Kante auf. Die düster-souligen Stücke des Quartetts wirken hypnotisch und fesselnd. Zusätzlich kommt eine intuitive Eingängigkeit zum Tragen, der man sich nicht entziehen kann.

 
Frontfrau MLny Parsonz führt die übergreifende Anlage des Spiels auf die ergebnisoffene Arbeitsweise der Band sowie einschneidende Tour-Erfahrungen zurück: „In den letzten Jahren haben wir uns unsere Hosenboden wund gespielt. Nach der Veröffentlichung von „CVI“ gab es lange Zeit keinen einzigen Moment, in dem wir uns hinsetzen und neues Material schreiben konnten. Erst als wir uns wieder in die Aria Studios eingebucht hatten, konnten wir Stück für Stück am neuen Album arbeiten. Das war eine anstrengende Zeit. Gerade für mich, als es daran ging, die Vocals einzusingen. Zu diesem Zeitpunkt fehlte es mir immer noch an Selbstvertrauen. Längere Zeit davor hatte ich schon auf Tour mit Stimmproblemen zu kämpfen. Das ist sehr unangenehm, wenn man dabei von der Bühne in viele erwartungsvolle Gesichter blickt. Es gab Tage, an denen ich vor und nach den Shows geheult habe, weil ich nicht wusste, wie ich das nächste Set überstehen soll; geschweige denn die nächsten Wochen und Monate. Besonders schlimm lief es auf der Europa-Tour mit Baroness. Als Sängerin habe ich mich komplett unwohl gefühlt. Eines Abends waren wir in Paris gemeinsam etwas trinken. Nach einigen Flaschen süßen Biers haben wir darüber diskutiert. Peter von Baroness hat mir damals empfohlen, einfach tiefer zu singen. Er hatte den Eindruck, das ich außerhalb meines natürlichen Stimmumfangs singen würde. Was soll ich sagen? Er hatte Recht! Als wir „CVI“ aufgenommen haben, wollte ich zu viel und habe es übertrieben. Nachdem ich meinen Gesang umgestellt habe, tauchte für mich allerdings die Frage auf, wie ich mich in unserem Sound fortan definieren und was ich darstellen will. Zunächst fühlte ich mich unsicher und habe mit mir gekämpft. Als ich mich an die Leute erinnerte, die meine ganz schwachen Auftritte gesehen haben, kam ich an einen Punkt, an dem ich nicht weiter machen wollte. Doch diese Phase ging vorbei. Letztlich habe ich nicht aufgegeben und umso härter gearbeitet. Nun sehe ich, dass sich die Arbeit ausgezahlt hat. Inzwischen weiß ich, was ich als Sängerin zu leisten imstande bin. Es kommt auf die Einstellung an. Perfekt ist man ohnehin nie. Es ist wie bei den Jedi-Rittern: mit Hilfe der Macht und Zuspruch kann man die eigene Schwäche überwinden und zu innerer Stärke finden.“

Als ROYAL THUNDER ins Studio gingen, veröffentlichte die Band ein Statement, nach dem sie „ohne Plan, Absichten und Erwartungen in die Arbeit gehen und voll und ganz auf die Kraft des Rock vertrauen würde“. Nach Beendigung des Prozesses verrät die Sängerin und Bassistin etwas mehr


zur Entstehung von „Crooked Doors“: „Wir haben – bildhaft gesprochen – unsere Arbeitskittel angezogen, die Pinsel gegriffen und Strich für Strich an unserem Bild gemalt. Wir wussten nicht immer, wohin uns der kreative Prozess führen und wie das Gesamtbild aussehen würde. Das hat uns zwischendurch bisweilen geängstigt. Der Zeitdruck war kontraproduktiv, denn Kreativität und Inspiration lassen sich nicht erzwingen. Viele haben gefragt, wann wir fertig sein würden. Unser Rettungsanker hieß Joey Jones. Er ist nicht nur ein enger Freund der Band, sondern auch Betreiber der Aria Studios und eine unentbehrliche Hilfe, wenn es ums Songwriting geht. Er ist der einzige, von dem ich mir hundert Mal sagen lasse, dass ich Dinge besser kann. Das will ich dann unbedingt tun, weil ich weiß, dass er mich nicht grundlos triezt. Ich will ebenfalls hören, was er in mir sieht. Auf halber Strecke hört Joey nicht auf. Die Chemie im Studio war die ganze Zeit über anregend; innerhalb der Band und auch gegenüber Joey. Gemeinsam haben wir alle Prüfungen bestanden und uns gegenseitig unterstützt, wo immer es ging. Im Studio – aber auch auf der Bühne – sind wir eine eingeschworene Familie, die füreinander da ist.“

Das Songwriting geschieht beim Quartett aus Atlanta ganz konkret wie folgt: „Jeder Track beginnt damit, dass Josh die Idee für ein Stück auf der Gitarre spielt,“ erzählt MLny Parsonz. „Einen Meinungsaustausch oder Diskussionen gibt es nicht; gibt es nie. Für uns schickt es sich einfach nicht, die kreative Kraft, die Musik darstellt, zu zerreden. Ich würde es mit der Entwicklung eines Kindes vergleichen. Zunächst muss es lernen, sich verständlich auszudrücken. Dann ist es an den anderen, es zu verstehen. Beide Seiten müssen Geduld und Willen aufbringen. Nicht immer erkennt man sofort, worum es geht. Irgendwann macht es Click. Evan beginnt dann, einen Rhythmus mit dem Schlagzeug zu finden und später steige ich ein und suche meinen Platz im Song.“

Das als „Crooked Doors“ erscheinende Ergebnis ordnet die ROYAL THUNDER-Frontfrau wie folgt ein: „Mit den neuen Songs versuchen wir, unsere Hörer durch eine „schiefe Tür“ zu führen und uns mit ihnen entlang eines gewundenen, nicht geraden Weges zu bewegen. Dabei wollen wir vermitteln, welche Empfindungen wir bei der Arbeit am Material durchlebt haben. Wohin der Weg führt? Vielleicht zum nächsten Album!? Bis heute haben wir noch keine klare Vorstellung davon, was wir eigentlich tun und wohin sich das entwickelt. Daran hat sich bislang aber noch niemand gestört und wir fahren gut damit.“

 
 Links:
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