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Agnostic Front

Storie von: arne, am 18.04.2015 ]

In den Songs ihres neuen Albums „The American Dream Died“ thematisieren AGNOSTIC FRONT die gesellschaftlichen Zustände in ihrer Heimat, Polizei-Willkür und die zunehmende Entkopplung der politischen Klasse von der arbeitenden Bevölkerung. So, wie die Dinge nach Einschätzung von Frontmann Roger Miret derzeit laufen, gehen die einst geteilten Werte und Überzeugen verloren.

 
„Als Punk Rock-Veteran muss ich diese Themen aufgreifen und die Leute dazu bringen, sich dessen bewusst zu werden“, so der Sänger. „Die große Politik hat heutzutage keinen Respekt mehr für den kleinen Mann, sieht ihn nicht einmal mehr. Die Politiker kümmern sich nicht mehr darum, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass wir den amerikanischen Traum im Alltag finden oder erleben können. Stattdessen entwickelt sich alles zu einem Polizei-Staat! Meine Mutter ist mit mir einst von Kuba in die USA emigriert, um in Frieden, Freiheit und Unabhängigkeit leben zu können. Diese Werte gehen heute verloren. Die zunehmende Kontrolle durch den Staat soll unsere Bewegungs- und Redefreiheit einschränken. Vielleicht ist es noch nicht ganz so schlimm, wie ich es darstelle, doch als Amerikaner möchte ich die Verfassung, auf die ich bei meiner Einbürgerung geschworen habe, auch in der Realität wirken sehen. Das ist unser Recht! In regelmäßigen Abständen versuchen Politik und Regierung, die Verfassung zu ignorieren oder mit Tricks zu umgehen. Diese Entwicklungen muss man genau beobachten und im Fall der Fälle für seine Rechte eintreten.“

Songs wie ,Police Violence‘, ,Enough Is Enough‘ oder ,Social Justice‘ sind neben dem Titel-Track Ausdruck des angestauten Frust- und Aggressions-Potenzials. Roger Miret & Co. kanalisieren ihre Wut produktiv: „In meiner nächsten Umgebung finde ich die Kraft und Sicherheit, die ich benötige, um an anderer Stelle zu kämpfen. Ich bleibe wachsam, weil ich weiß, wie schnell Dinge eskalieren können. Der Staatsapparat provoziert nur allzu gerne. Hier hat der einfache Bürger eine schwache Position. Man hat jüngst mehrfach gesehen, dass Leute von der Polizei erschossen und dafür nicht einmal belangt worden sind. Wir alle haben das gesehen! Doch die Politik kümmert sich ausschließlich um sich selbst und das große Geld. Der gemeinschaftliche Neid zerstört dieses Land auf eine unerbittliche Art und Weise. Jeder muss sehen, wo er bleibt und für sich selbst und seine Familie sorgen. Doch das kenne ich schon, denn ich bin in den Reagan-Jahren aufgewachsen. Die Themen, die wir auf der neuen Platten aufgreifen, begleiten AGNOSTIC FRONT schon seit unserer legendären Single „United Blood“! Wir hinterfragen Autoritäten und glauben nur dem, was wir mit eigenen Augen sehen. Im Internet-Zeitalter sind die Gewalt-Exzesse und Skandale nur einfacher zu verfolgen. Es gefällt mir, dass sich kaum noch etwas unter den Teppich kehren lässt. Unsere Songs sind der Ausdruck unserer Empörung über das, was um uns herum geschieht. Wer mit offenen Augen durch


das Leben geht, kann und darf die Verfehlungen und Missstände nicht ignorieren. Wir sind keine naiven Schafe, die dem Leithammel ins Schlachthaus folgen. Wacht auf Leute!“

Das elfte Album der New Yorker Hardcore-Urgesteine ist das erste mit Gitarrist Craig Silverman (Only Living Witness, Blood For Blood, Slapshot), der seit Mai 2014 zum Line-Up zählt. „Als wir ihn in die Band holten, war die Zeit für eine neue Platte gekommen. Unsere Einstellung und unser Ärger waren stark, all das musste heraus. Die beiden Sessions, die zu „The American Dream Died“ geführt haben, möchte ich wie folgt beschreiben: es gibt acht Songs, an denen wir mit meinem Bruder Freddie gewerkelt haben. Daneben gibt es acht weitere, die wir als die „CBGB's Matinee Session“ bezeichnen. Das sind die verrückten Old School-Stücke, die ich in Arizona mit meinem Freund Rich Labbate (Insted) geschrieben habe. Mit unserem Neben-Projekt The Alligators spielen wir komprimierte, energetische Blast-Tracks. Auf dem letzten AGNOSTIC FRONT-Album „My Life My Way“ haben wir das mit ,That's Life‘ so ähnlich ausprobiert und die Leute haben es live geliebt. Also haben Rich und ich acht Killer-Tracks geschrieben, die diese beeindruckende Old School-Wut transportieren. Die anderen sind darauf sofort abgefahren. Rich ging mit uns später auch ins Studio und hat dabei geholfen, den richtigen Vibe einzufangen.“

Apropos alte Freunde und gegenseitige Hilfe: gelegentlich kommt die Frage auf, wie eingeschworen die Hardcore-Szene eigentlich noch ist. Die Beteiligung und Gastauftritte von Freddy Cricien, Toby Morse, Lou Koller und Matt Henderson belegt, dass die Bande in New York nach wie vor stark sind: „Die Verbundenheit und Kraft der Szene spüre ich auch heute noch!“, bestätigt Roger Miret. „Von Zeit zu Zeit wird die Qualität in der Wahrnehmung vieler von der Quantität überlagert, doch in der Szene gibt es zu jeder Zeit Leute, die sich kümmern und die Ideale am Leben halten. Mir ist es wichtig, die jungen Kids zu erreichen und ihnen zu vermitteln, was Hardcore bedeutet und welch tolle Gemeinschaft sie gefunden haben. Der Hardcore ist von jeher familienorientiert. Mal läuft es super und man ist aufeinander eingeschworen. Mal kotzt man sich gegenseitig an und möchte sich weder sehen noch hören. Ich für meinen Teil gebe mich stets so, wie ich bin und fordere auch von anderen, sich nicht zu verstellen und ihre Launen und Meinungen frei zu äußern. Wer ehrlich zu sich selbst ist, kann auch anderen gegenüber aufrichtig sein. Nur so findet man zu sich selbst und kann von anderen respektiert werden.“

 
 Links:
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