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Alkaloid

Storie von: arne, am 14.04.2015 ]

Die Band stellt ihr Schaffen unter das Banner „Extreme Prog Metal“. Das taugt jedoch allein, um die ungefähre Stoßrichtung von ALKALOID abzustecken. Zu fassen ist das Spiel auf „The Malkuth Grimoire“ nur ansatzweise. Das vom Quintett in Eigenregie umgesetzte und herausgebrachte Debüt ist alles und nichts zugleich. Grundsätzlich werden die zwölf Tracks vorwärts gerichtet, technisch und brutal entwickelt; die Ausgestaltung dabei sehr frei interpretiert und viele zusätzliche Stile, Ideen und Akzente mit eingebunden.

 
„Die Genrebezeichnung habe ich verwendet, weil man uns sowieso in eine Schublade steckt. Dem bin ich zuvor gekommen,“ erwidert Schlagzeuger Hannes Grossmann auf „Extreme Prog Metal“ angesprochen: „Ich finde jedwede Stilbezeichnung obsolet, weil Musik immer für sich spricht. Aus Gründen des Marketings war es aber klug, zumindest eine engere Bezeichnung zu wählen. Wir wollen damit signalisieren, dass wir zwar Prog-Metal spielen, dieser aber deutlich krasser ausfällt als bei Opeth, Haken und Dream Theater. Dadurch, dass man eine gewisse Schublade suggeriert, klingt die Musik ja keinen Deut anders. Ich denke ohnehin nicht in Sub-Genres. Die machen meistens ja keinen Sinn – unser selbst gewähltes Attribut übrigens auch nicht. Warum eine kleine Szene noch weiter schwächen, indem man sie künstlich limitiert? Wir wollen uns jedenfalls nicht limitieren. Wenn wir auf dem nächsten Album eine Folk-Ballade bringen, einen Trip Hop-Song oder ein Brutal Death-Metal-Stück, würde alles widerspruchsfrei funktionieren.“

Die Prog-Verortung legen Hannes und ALKALOID dabei im klassischen Verständnis aus: „Heutzutage ist Prog auch nur eine Schublade, die auf alle Bands passt, die Keyboards und 7/8-Takt verwenden,“ so der Schlagzeuger. „Ich verstehe das Wort progressiv wörtlich – also als fortschrittlich. Es ist nicht unser Ziel, das Rad neu zu erfinden – was natürlich sowieso sehr schwierig ist – oder ausschließlich Sounds zu kreieren, die völlig neuartig sind. Es geht uns vielmehr darum, Vorhandenes neu zu kombinieren. Durch die Kombination von scheinbar gegensätzlichen Elementen ergibt sich etwas einzigartiges, dass vorher noch nicht gemacht wurde. Der Song ,Dyson Sphere‘ beispielsweise nutzt Reggae-Grooves und Blasts auf 280 bpm, ohne dass dies ein Widerspruch wäre. Es funktioniert als logischer Zusammenhang. Die einzelnen stilistischen Elemente wurden aber schon verwendet – Blasts, Death Metal Riffs, Reggae-Grooves, Ambient-Parts. Es baut auf Bekanntem auf, unterläuft dann aber konsequent die Erwartung des Hörers. Das finden wir spannend. Zudem denke ich, dass man auch progressiv im Hinblick auf sein eignes Schaffen sein sollte. Man kann sich selbst treu zu bleiben, ohne die gleiche Platte nochmal aufzunehmen. Deswegen klingt „The Malkuth Grimoire“ eben nicht wie ein neues Obscura-Album, auch wenn Chris und ich circa 80 Prozent der letzten beiden Obscura-Alben geschrieben haben. Man sollte nach vorne blicken und nicht zurück!“

Die anderen und früheren Betätigungsfelder der an ALKALOID Beteiligten umfassen auch Necrophagist,


Spawn Of Possession, Aborted, Dark Fortress, God Dethroned, Blotted Science und Noneuclid. Da wundert es nicht, dass die Variabilität und Qualität des Songmaterials herausragend und fesselnd sind. An Kreativität, Mut und Fokussierung mangelt es den Musiker ebenso wenig. Als Folge fordert das Album beim Hören Zeit, obwohl die Attitüde insgesamt straff und zugänglich angelegt ist: „Es freut mich sehr, wenn du das so empfindest“, nimmt der Drummer das Kompliment an. „Nichts an diesem Album ist zufällig. Alles war geplant und bis ins letzte Detail ausarrangiert. Allein der Mix hat 28 Tage gedauert! Unsere Musik basiert darauf, scheinbare Widersprüche aufzugreifen und musikalisch aufzulösen. Das ist schwierig und entsteht nicht durch Zufall. Innerhalb der Band waren wir uns einig, was wir wollen. Der von uns verfolgte offene Ansatz war ein Grund, die Band überhaupt ins Leben zu rufen. Ich denke, dass „The Malkuth Grimoire“ ein gutes Album geworden ist. Was ein gutes Album haben muss? Gute Musik! Mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen, weil es leider kein Patentrezept dafür gibt. Es ist aber wahrscheinlich Grundvoraussetzung, dass die Musik auf einem Album authentisch ist, also als Selbstzweck geschrieben wurde und nicht etwa, um kommerziell erfolgreich zu sein. Das schließt sich zwar nicht gegenseitig aus, aber wenn es vorrangiges Ziel ist, dass Kunst „ankommt“, dann kann da nur Scheiße rauskommen.“

Die Songs von „The Malkuth Grimoire“ sind als kompakt und rabiat zu beschreiben. Stellenweise wäre es möglich gewesen, noch stärker in eine melodische und atmosphärische Richtung zu gehen, doch ALKALOID ziehen dann lieber die Brutalität an: „Das ist eine schöne Umschreibung, mit der ich sehr gut leben kann“, meint Hannes Grossmann. „Ich denke, es wird auf zukünftigen Alben noch weitaus mehr möglich sein, die melodischen und atmosphärischen Momente auszuweiten. Für dieses Album war es uns aber wichtig, eben die erwähnte Brutalität zur Geltung kommen zu lassen. Warum? Weil die Songs das logisch aus sich heraus verlangt haben. Eine etwas kryptische Antwort, ich weiß. Manchmal ergeben sich die Puzzleteile eines Songs von alleine und da gibt es oft nur eine einzige „richtige Lösung“. In diesem Fall waren es oft die brutaleren Parts. Zudem muss man sagen, dass es Bands gibt, die in der Vergangenheit schon Death Metal mit melodischen und atmosphärischen Elementen angereichert haben – wie Opeth. Diese Bands sind den Weg in Punkto Brutalität oder Krassheit aber nicht bis zum Schluss gegangen. Wir tun das!“

 
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