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Loch Vostok

Storie von: arne, am 10.04.2015 ]

Die Schweden von LOCH VOSTOK treten mit einem facetten- und kontrastreichen Metal-Mix an, der schnelle Mitnahmeeffekte und tief reichende, nachhaltige Substanz in einem spannenden Mischungsverhältnis zusammen führt. Auf seinem sechsten Longplayer „From These Waters“ brennt das Quintett aus Uppsala ein wahres Feuerwerk an vorwärts gerichteten Ideen und inspirierter Kreativität ab.

 
Dabei betreibt Band-Kopf Teddy Möller mit den Songs die Bewältigung eines persönlichen Schicksalsschlages: „Nach der Veröffentlichung von „V – The Doctrine Decoded“ haben wir ein wenig getourt, doch dann hat das Leben eine unerwartete Wendung genommen“, erzählt der Gitarrist und Sänger. „Mein Vater ist verstorben, nachdem er drei Jahre lang gegen den Krebs gekämpft hat. Als Familienmensch wollte ich am Ende so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen und meine Mutter in dieser schwierigen Phase nach Kräften unterstützen. Für meine Familie und mich war es ein herber Verlust, unseren Vater und Großvater zu verlieren. Viele meiner Gefühle habe ich in Liedern verarbeitet. Um mich abzulenken, habe ich in diesen Wochen und Monaten eine Menge Musik geschrieben. Alles, was sich in mir aufstaute, habe ich heraus gelassen und so verarbeitet. Aufgrund der Umstände klingt dieses Mal alles noch ein wenig verrückter. Stilistisch habe ich mich aber auch in der Vergangenheit nicht einschränken lassen und gespielt, wonach mir war.“

Die Skandinavier sind in der Tat für gleichmal fordernde wie freigiebige und teils ungewöhnliche Metal-Kompositionen bekannt: „Als unser abgefahrenstes Stück würde ich ,Beyond The Obvious‘ vom letzten Album „V – The Doctrine Decoded“ bezeichnen“, äußert Teddy voller Stolz. „Es ist wirklich schrullig und reicht von Zitaten aus der russischen Folklore über Blastbeats und jazzy Bebop-Elemente bis hin zu Queensrÿche-Parts, Death Metal und Symphony X-Riffing. Ich kann mir nur schwerlich vorstellen, dass wir das nochmal toppen werden, aber ausgeschlossen ist es nicht. Solch verrückte Stücke schätze ich sehr. Sie sind der Spiegel unserer Agenda, nach der nichts ausgeschlossen und alles möglich ist.“ Dieser Maßgabe folgend nimmt auch „From These Waters“ unberechenbare Bahnen, die von Hörern ein offenes Ohr und Konzentration verlangen:

„Mir gefällt es, dass wir nicht so leicht zu fassen sind,“ so der Frontmann. „Unseren Sound würde ich als Mixtur aus progressivem Metal, Black und Death Metal sowie Ambient-Rock beschreiben. Oben drauf setzen wir einen cheesy Anstrich und Pop-Chöre. Ich bin ein großer Fan der Foo Fighters und sie sind die Könige der Chöre. Vielleicht passt für uns Pop-Prog mit einer Grindcore-Attitüde!? Meine Frau kann meine Intensionen nachvollziehen und das reicht mir.“ Von einem musikalischen Standpunkt aus fühlt Teddy Möller eine starke Verbindung zu den Sound-Tüftlern von Extol, während er textlich eher Parallelen zu Napalm Death sieht. Im modernen Heavy-Underground ist das Quintett mit dieser Ausrichtung gut positioniert: „Mir gefallen das aktuelle


Umfeld und die neuen technischen Möglichkeiten sehr,“ bekräftigt der Musiker. „Da draußen ist so viel Kreativität, es gibt viele abgefahrene Ideen. Jeder Künstler kann mit Geduld und ein wenig Geschick im eigenen Wohnzimmer tolle Songs und Platten aufnehmen. Die hohe Quantität an Bands schränkt sicherlich den Platz für einzelne Gruppen ein, dennoch begrüße ich die Entwicklungen der letzten Jahre, weil gleichzeitig die Qualität gestiegen ist. Für uns als LOCH VOSTOK hat sich insgesamt wenig verändert. Wir sind so produktiv wie eh und je und werden dabei von unserem Label Vicisolum Productions gut unterstützt.“

Der ansehnlich hohe Output der Schweden überzeugt stets mit verspielten, zwingenden Metal-Tracks: „Das Songwriting fällt mir leicht. Das liegt zu einem guten Teil daran, dass wir alle Freiheiten haben und auf keinen bestimmten Sound festgelegt sind,“ benennt Teddy Möller die Gründe. „Ich sammle Ideen und Song-Fragmente, nehme Demos auf und schicke sie den Anderen. Sie entscheiden dann, was wir verwerfen und woran wir gemeinsam weiter arbeiten. Alles, was einen Song besser und stärker werden lässt, ist als Input willkommen. Die anderen Band-Mitglieder sind meine Kontrollgruppe, die dafür sorgt, dass am Ende nur starke Tracks das Licht der Welt erblicken. Im kreativen Überschwang verliere ich bisweilen die Kontrolle und Objektivität, doch dafür gibt es ja das Band-Gefüge. Es ist unser Ziel, die Hörer zu überraschen und Songs abzuliefern, die man so im besten Fall noch nicht gehört hat. Selbst gemessen an unserer eigenen Historie sind auf unserem neuen Album wieder Sub-Genres und inhaltliche Themen verarbeitet, die wir zuvor noch nicht berührt haben. Auf der nächsten Platte wird das allerdings nicht viel anders sein.“

Bezüglich „From These Waters“ haben die Musiker aber nicht alles dem Zufall überlassen: „Es war ein definiertes Ziel von uns, ein rohes und direktes Album zu erschaffen,“ verrät der Frontmann. „Das ist uns geglückt. Abgesehen davon haben wir aber tatsächlich primär auf die natürliche Evolution des LOCH VOSTOK-Sounds vertraut, die uns bislang noch niemals im Stich gelassen hat. Die Grundlage für unsere Band ist bis heute unverändert: wir sind ein Haufen Freunde, die Spaß haben und die Musik spielen wollen, die ihnen gefällt. Daran halten wir uns.“ Vor diesem Hintergrund ist es nur folgerichtig, dass der Sänger und Gitarrist das neue Album auch selbst produziert und gemixt hat. So ist es den Schweden möglich, ihre musikalische Vision gemäß den eigenen Vorstellungen möglichst unverfälscht umzusetzen. Das fesselnde Ergebnis spricht für sich.

 
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