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Light Your Anchor

Storie von: arne, am 06.04.2015 ]

DAS FEUER BRENNT. Die Hanseaten LIGHT YOUR ANCHOR treten auf ihrem „Homefires“ wiederum mit einem leidenschaftlichen, hymnischen Stil zwischen Modern- und Melody-Hardcore an. Die Musik dient dem Quintett als Anker im Leben und Hilfe dabei, den eigenen Alltag zu bewältigen.

 
Die Songs des neuen Albums gehen mehr denn je in die Extreme; fallen auf der einen Seite härter aus, auf der anderen Seite jedoch auch eingängiger und griffiger. Insgesamt wirkt das Material sehr variabel und enorm live-tauglich: „Es freut mich, dass du es bemerkt hast. Das war auch ein Stück weit unsere Absicht,“ erwidert Sänger Daniel im Gespräch. „Das Live-Spielen beeinflusst uns sehr. Denn die Songs müssen live einfach gut funktionieren. Ich denke, auf „Homefires“ sind sehr viele Tracks, die mit Publikum noch besser kommen als auf Platte. Wir hatten für das neue Album viel mehr Zeit, als noch bei „Hopesick“. Wir schrieben etwa ein Jahr lang die Songs und haben sie zwischenzeitlich auch als Pre-Production aufgenommen. Zudem standen wir von Anfang an mit Aljoscha „Ali“ Sieg von den Pitchback Studios in Kontakt, wo wir aufgenommen haben. Im Arbeitsprozess haben wir relativ früh vieles, was nicht funktionierte, über Bord geworfen.“

Das Grundgefühl, das die Hamburger Band mit ihrer neuen Platte verbindet, ist entsprechend positiv und zuversichtlich, obwohl die Lyrics in die entgegen gesetzte Richtung weisen: „Von den Texten her ist „Homefires“ relativ düster. Thomas (Gitarre und Gesang) und ich versuchen natürlich, eine gesunde Balance zwischen Verzweiflung und Hoffnung herzustellen. Dennoch beschäftige ich mich mit vielen negativen Ereignissen in meinem Leben“, erzählt der Frontmann. „Musikalisch haben wir versucht, mehr als Band zusammen zu arbeiten. Früher war es so, dass Thomas die Songs zuhause fast schon komplett fertig geschrieben und uns nur noch vorgestellt hat. Diesmal war das anders. Dadurch, dass wir mit Daniel einen neuen Gitarristen mit dabei haben, wurde mehr in der Gruppe gearbeitet. Er hat enorm viel Output und uns enorm weiter geholfen. Wir sind unglaublich stolz auf diese Platte und hoffen natürlich, dass sie mindestens genauso gut ankommt wie „Hopesick“ damals. Aber erwarten können wir das nicht. Das müssen ohnehin andere entscheiden. Für uns wissen wir aber, dass wir alles, was wir bei „Homefires“ gemacht haben, genauso wieder tun würden.“

Stilistisch bleibt es dabei bei einer agilen, nicht allzu festgelegten Ausrichtung, mit der die Hanseaten ihrem Shouter zufolge, am besten fahren: „Wir machen die Musik, auf die wir Bock haben und wollen uns da auch von niemanden was reinreden lassen. Es ist manchmal tatsächlich so, dass wir zwischen den Stühlen sitzen. Für die Toughen sind wir zu weich und für die Fans der sanfteren Töne zu hart. Das merkt man, wenn wir Shows spielen, wo der Schwerpunkt auf dem einen oder dem anderem liegt. Ich sag‘ immer, LIGHT YOUR ANCHOR ist der CASPER der Hardcore-Szene.“

Gefühlsecht, impulsiv und manchmal akustisch ist auch das Quintett aus Hamburg unterwegs. Insofern passt die Referenz. Dass der Titel-Track am Ende der Platte


in einer puristischen Version erklingt, hat aber andere Gründe: „Ich fand es früher immer cool, wenn Bands, die ich mag, einen Akustik-Track auf ihren Alben hatten, wenn ich spontan etwa an STRIKE ANYWHERE oder RISE AGAINST denke. Es ist doch so: manchmal kann eine Gitarre und eine Stimme viel mehr in dir bewegen und dich emotional berühren, als es einem Breakdown oder einem Blastbeat jemals möglich wäre.“ Hier äußert sich der unpathetische, intuitive Zugang der Musiker zu ihren Songs:

„Für uns ist unsere Musik ein Gefühl. Wir bringen das zum Ausdruck, was emotional und musikalisch gerade aus uns herausbrechen will“, beschreibt es der Frontmann. „In meinen alten Bands haben wir etwas mehr darauf geachtet, ob dieses oder jenes in der Szene ankommt. Möglicherweise, weil wir es auch nicht besser wussten. Aber mit der Zeit lernst du, dass das absoluter Schwachsinn ist. Wir alle sind reifer geworden und wollen heute nicht bewusst gefallen. Wir machen die Musik, auf die wir fünf Lust haben. Denn wenn du danach gehst, was grade angesagt ist, würden wir heute wie BACKTRACK und morgen wie TAYLOR SWIFT klingen.“ Diese Gefahr besteht nicht, denn LIGHT YOUR ANCHOR haben sich und ihren Stil gefunden. Nur, indem die Hanseaten sich und ihren Vorlieben treu bleiben, können sie mit ihren Songs ihre Erlebnisse verarbeiten:

„Wir schreiben zwar positive Musik, dennoch sind unsere Texte oft sehr verzweifelt und schreien sogar nach aufgeben“, weiß Daniel. „Für mich war das letzte Jahr eine absolute Talfahrt, und das merkt man bei den Texten auf „Homefires“. Ich will einfach nur, dass Hörer aus dem Negativen etwas Positives ziehen. Dieser Gedanke, dass man mit seinen Sorgen und Problemen nicht alleine ist, ist manchmal viel mehr wert, als man denkt. Jeder Mensch hat seine eigene Art, mit Sorgen fertig zu werden und seinen Alltag positiv zu gestalten. Einige von uns machen Sport, andere lesen, was allerdings auch nicht immer dazu beiträgt, dass man die Welt durch die rosa Brille sieht. Ich denke, dass jeder etwas dazu beitragen kann, dass diese Welt etwas besser wird und dass ist das, was mich und uns antreibt.“

Sich allen Widrigkeiten zum Trotz eine positive Einstellung zu bewahren, ist etwas, was der Sänger in allen Lebenslagen versucht: „Ich bin der Meinung, dass jeder etwas Kindliches in sich beibehalten sollte. Kinder haben weniger Vorurteile, kennen keine Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, etc. Zudem sehnen wir uns doch alle ein wenig nach den Tagen, als wir „nur“ zur Schule gehen mussten und das Essen Zuhause auf dem Tisch stand. Ich war nicht grade der coolste Teenager und auch nicht der mit den meisten Freunden, aber dennoch vermisse ich diese Zeit schon ein wenig. Stattdessen muss ich nun Steuererklärungen machen, Miete zahlen und selbst kochen. Das ist doch Scheiße.“

 
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