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Relapse Records

Storie von: arne, am 29.03.2015 ]

Seit nunmehr 25 Jahren steht Relapse Records synonym für relevante Veröffentlichungen im Bereich von Grindcore, Death und Heavy Metal. Bands, die das Label aus Upper Darby, Pennsylvania unter Vertrag nimmt, agieren häufig mit einer experimentellen, vorwärts gerichteten Einstellung. Etliche von ihnen haben die Entwicklung ihrer Stile maßgeblich mit geprägt und Spuren in den Annalen des Extrem-Undergrounds hinterlassen.

 
Zwischen 1990 und 2015 haben Größen wie Amorphis, Incantation, Human Remains, Misery Index, Nasum, Exhumed, The Dilllinger Escape Plan, Agoraphobic Nosebleed, Pig Destroyer, 16, High On Fire, Brutal Truth, Cephalic Carnage, Dying Fetus, Necrophagist, Obscura, Red Fang, Skinless, Zeke, Bongzilla, Suffocation, Mastodon, Mortician, Neurosis, Nile, Origin, Soilent Green oder Today Is The Day Alben über Relapse heraus gebracht und den Ruf des Labels stetig ausgebaut: „Unsere Position haben wir uns durch konstant gute Veröffentlichungen toller Bands erarbeitet“, äußert Rennie Jaffe, der seit rund zehn Jahren als Vize-Präsident und Label-Manager fungiert: „Hinzu kommt, dass hier bei uns immer Leute arbeiten, die Tag und Nacht nichts anders tun, als alles für unsere Künstler zu geben und sie bestmöglich zu pushen. Sicherlich braucht man auch ein wenig Glück, doch für uns würde ich eher beanspruchen, dass wir vielversprechende Bands und Gelegenheiten frühzeitig erkannt haben und sie zu nutzen wussten – sowohl für die Künstler als auch für das Label.“

Die Veränderungen der Rezeptionsgewohnheiten der Hörer und die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Musik in den digitalen Medien wirken sich auch auf Relapse aus, wie der Jurist bestätigt: „Das Geschäft hat sich grundlegend verändert. Die Szene, aus der wir stammen, basierte früher auf Tape-Trading und Eigeninitiative. Bands haben ihre Demos selbst aufgenommen, die Aufnahmen kopiert, promotet, unter die Leute gebracht und Touren selbst organisiert. All das funktionierte ohne Label und Öffentlichkeit. Nach einiger Zeit und einem Entwicklungsprozess sind Bands dann irgendwann für Labels interessant geworden. Alles wurde auf eine professionelle Stufe gehoben. Heutzutage kann jede Band, egal wie lange sie existiert oder wie gut sie ist, innerhalb kürzester Zeit Songs schreiben, auf dem Computer selbst produzieren und eine bandcamp-Seite stellen. Eine musikalische Ausbildung oder Live-Erfahrung braucht man längst nicht mehr, um ein Publikum zu finden und gehört zu werden.“

Eine Folge davon ist es, dass es Künstlern zunehmend Probleme bereitet, mit Musik Geld zu verdienen. Relapse Records, bei dem 20 Mitarbeiter/innen in Vollzeit arbeiten, reagiert darauf: „Es hat gravierende Veränderungen gegeben, die wir und der Rest der Branche spüren“, so Rennie Jaffe. „Es ist ein Fakt, dass heute nicht mehr ansatzweise so viele „Einheiten“ eines Titels wie früher verkauft werden. Das liegt nicht daran, dass aktuelle Gruppen weniger populär wären. Die Leute konsumieren Musik einfach anders. Wir versuchen dem


zu begegnen, indem wir hochwertige CDs produzieren, die im Paket mit Artwork und Verpackungskomponenten etwas Besonderes darstellen. Etliche andere Labels haben physische Formate bereits aufgegeben und bringen nur noch billig und lieblos aussehende CDs auf den Markt. Kids, die dafür kein Geld ausgeben wollen, kann ich verstehen. Ich selbst kaufe auch nur Dinge, die einen Wert darstellen und anständige Qualität bieten.“

Hinsichtlich der abgesetzten Träger-Medien gibt es nach wie vor eine klare Rangfolge, wie der Label-Manager verrät: „CDs sind für uns nach wie vor das Format Nummer Eins. Circa 60 bis 70 Prozent all unserer Verkäufe sind CDs. Relapse hat aber schon immer fast alle Veröffentlichungen auf Vinyl heraus gebracht. Vor etwa drei Jahren haben wir eine wahrnehmbare Veränderung im Markt bemerkt. Inzwischen verfolgen wir die Vinyl-Verkäufe sehr genau. Wir achten darauf, dass die gut laufenden Titel immer verfügbar sind. Früher haben wir Pressungen von zumeist 1.000 Stück aufgelegt, die mal nach zwei Wochen, mal erst nach zwei Jahren verkauft waren. Um Nachpressungen haben wir uns nicht gekümmert, doch diese Zeiten sind vorbei.“ Die Signing-Politik wird indes fortgesetzt wie eh und je, denn Qualität setzt sich nach Ansicht von Relapse auch in einem schwierigen Umfeld durch:

„Meine Arbeit zeigt mir regelmäßig, dass es nach wie vor Bands mit einem frischen und aufregenden Sound gibt. Manchmal gelingt es ihnen sogar noch, die gesamte Heavy-Sparte zu beeinflussen – so wie Mastodon oder The Dillinger Escape Plan. Manchmal ist es auch nur ein Gitarrist, der aus seinem Equipment besondere Töne hervor zaubert, oder ein Sänger, der großartige Texte oder eine einzigartige Stimme mitbringt. An unserer Signing-Politik hat sich grundsätzlich nichts geändert. Es gibt kein vordefiniertes Schema, dem wir folgen. Auch bezüglich des Genres gibt es keine Vorgaben. Grind, Death Metal, Hardcore, etc. – alles ist möglich. Hinsichtlich der Herkunft der Bands ist es uns egal, ob sie aus Kalifornien, Großbritannien oder Deutschland stammen. Für uns zählt, dass die Bands gut sind und wir in ihnen Potenzial erkennen. Mit Necrophagist und Obscura haben wir auch zwei deutsche Gruppen unter Vertrag.“

Das Fazit aus 25 Jahren hat der Vize-Präsident schnell parat: „Wir haben bewiesen, dass man auf unterschiedliche Art und Weise heavy und düster sein kann. Relapse ist mehr als nur ein Death Metal- und Grindcore-Label. Besonders stolz bin ich auf die Tatsache, dass wir einen Beitrag dazu geleistet haben, die Grenzen des Heavy Metal zu erweitern.“

 
 Links:
  relapse.com
 
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