Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1750

Der Weg Einer Freiheit

Interview von: arne mit Nikita, am: 25.03.2015 ]

Das Schaffen der Band aus Würzburg zu greifen, fällt gar nicht so leicht. Der Sound und das Selbstverständnis von DER WEG EINER FREIHEIT sind tief im Black Metal verwurzelt, doch auf dieses Genre zu beschränken ist das Spiel nicht. Eher schon gilt es, von einem furiosen und rigorosen Extrem-Metal zu sprechen. Schonungslose Blastbeat-Vorstöße stehen auf „Stellar“ neben dichtem MidTempo, melodischer Atmosphäre und epischer Düsternis.

 

Musicscan: Bevor ich’s vergesse direkt zum Auftakt: auf Facebook schreibt Ihr als Stil selbst Black Metal und engt Euer Spiel damit in der Beschreibung selbst ein. Interessanterweise werdet Ihr gar nicht so eng und klar positioniert wahrgenommen, wenn man Postings, Reviews, etc. liest. Ich selbst finde Euer Spiel auch offener gehalten. Mit welchen Hintergedanken habt Ihr also Black Metal geschrieben und würde es – etwas weiter gefasst – extremer Metal nicht besser umschreiben?

Der Weg Einer Freiheit: Da hast du im Grunde Recht, auch auf unserem Wikipedia Eintrag steht als Genrebezeichnung „Extreme Metal“. Dieser Terminus gefällt mir eigentlich ganz gut, da wir nicht nur in unserem Sound extreme Wege einschlagen, sondern immer versuchen die Extreme weiter auszuloten, Grenzen zu überwinden, Regeln zu brechen – nicht nur musikalisch gesehen. Trotzdem würde ich behaupten, dass wir im Black Metal nach wie vor tief verwurzelt sind, da einfach der Großteil der Bands, die uns damals wie heute beeinflussen, diesem Genre zuzuordnen sind und dies unser Sound natürlich noch immer widerspiegelt. Dass das jetzt auf Facebook noch nicht geändert wurde, liegt einfach daran, dass wir uns darüber nicht weiter Gedanken gemacht haben und die Bezeichnung Black Metal ja generell passt. Trotzdem soeben geändert, danke!

Musicscan: Bisweilen scheint es, als wären DWEF die Heilsbringer der hiesigen Extrem-Metal-Szene. So etwas liest man wenigstens hier und dort. Wie nehmt Ihr das wahr, was gebt Ihr auf solche Äußerungen? Welche Sporen habt Ihr Euch nach eigener Einschätzung bis heute denn erworben?

Der Weg Einer Freiheit: Wir bringen nun innerhalb von sechs Jahren die fünfte Veröffentlichung heraus, darunter drei Full-Lengths, eine EP und das erste Album als Demoversion. Darauf sind wir natürlich schon stolz, da es etwas ist, was uns niemand mehr wegnehmen kann. Natürlich ist von Außen immer ein gewisses Maß an Druck vorhanden, das kann denke ich niemand leugnen. Auch merken wir, dass es offenbar mittlerweile ein paar Leute gibt, denen recht viel an unserer Musik liegt und die an uns glauben, was uns natürlich weniger Angst macht, sondern viel mehr immer weiter nach vorn treibt. Dieser Gedanke ist beim Schreiben schon ein Stück weit präsent, man möchte die Fans ja auch nicht vergraulen, indem man plötzlich ganz andere Wege einschlägt. Das hätten wir auch nicht vor. Man ist natürlich froh drum, dass die eigene Leidenschaft auch so bei der Hörerschaft ankommt, trotzdem versuchen wir in unseren Kreativphasen weitestgehend von äußeren Einflüssen solcher Art Abstand zu nehmen, denn ich persönlich fürchte die Gefahr irgendwann nicht mehr für sich selbst, sondern nur noch für andere Leute Musik zu machen und das ist ja nicht der Sinn der Sache. Wir haben dieses Mal mehr Zeit und Geld in dieses Album gesteckt als je zuvor, von daher lastet eine recht hohe Verantwortung auf unseren Schultern. Im Endeffekt sind wir aber sehr froh, das alles auf uns genommen zu haben, denn die ersten Reaktionen haben bereits gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und auch wir selbst könnten nicht zufriedener mit dem Album sein.

Musicscan: Bands wie die Eure fungieren als Brücke für etliche Hörer hin zu extremerer Musik: habt Ihr aber eine Erklärung dafür, dass DWEF von vielen Hörer wahrgenommen und gut gefunden werden, die solche Sounds sonst gar nicht hören?

Der Weg Einer Freiheit: Eigentlich nicht und ich hoffe, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass 14-jährige Casper Fangirls unsere Musik nur deswegen feiern, weil ihr großes Idol ab und zu mal erwähnt, dass er uns cool findet. Wir sehen das ein Stück weit nur als überschwängliche Hysterie an, die bei vielen nach kurzer Zeit wieder abflacht. Wie viel sie sich aus unserer Musik wirklich herausziehen können, zeigt sich erst, wenn sie sich näher damit befassen und das tun heutzutage leider nicht mehr viele. Trotzdem sehen wir wie unsere Hörerschaft nach und nach anwächst und Leute aus ganz unterschiedlichen Lagern anzieht. Das finden wir schon okay so!

Musicscan: In Kürze geht Ihr mit Downfall Of Gaia auf Tour. Als ich Cover und Titel von Stellar gesehen/gelesen habe, musste ich direkt an sie und Aeon Unveils… denken, auch ein wenig an die lezte Shai Hulud Platte. Sind Parallelen Zufall, beabsichtigt, willkommen? Grundsätzlich finde ich auch, Ihr und DOG teilt eine ähnliche Einstellung – wenigstens wirkt es von außen so? Könnt Ihr das bestätigen, und wie lässt sich überhaupt Euer Selbstverständnis als Band (nicht musikalisch gemeint) in Worte fassen? Was ist die Grundlage Eurer gemeinsamen Band-Aktivitäten, was hält die Gruppe zusammen?

Der Weg Einer Freiheit: Wir sind mit DOG nun seit einiger Zeit in Kontakt, da die Idee, zusammen auf Tour zu gehen, schon länger im Raum stand. Ihr neues Album kam im November, unser Release steht kurz bevor und da wir der Meinung sind, dass sich unsere Musik recht gut ergänzt, fanden wir das durchaus sinnig zusammen auf die Bühne zu gehen. Dass sich unsere beiden Plattencover ähneln ist reiner Zufall, mehr als die Sonnenfinsternis (wenn es bei „Aeons Unveils...“ überhaupt eine darstellen soll...?) verbindet die Bilder ja aber auch nicht. Wir sind beides Bands, die gerne unterwegs sind, DOG schon etwas länger als wir, und wir freuen uns auf jeden Fall sehr auf die kommende Tour. Innerhalb unserer Band gibt es bei fast allen Angelegenheiten demokratische Abstimmungen, die aber glücklicherweise von vornherein immer recht eindeutig ausgehen. Von daher gab es noch nie ernste Komplikationen zwischen uns, was aber auch auf einem gesunden gegenseitigen Vertrauen basiert. Jeder weiß mittlerweile, was er in der Band zu tun hat und wir könnten menschlich nicht besser miteinander klarkommen, was natürlich der Grundstein jeder Bandharmonie ist. Leider sehen wir uns nicht wirklich oft, da wir jeder 3-5 Stunden voneinander entfernt wohnen, sind aber trotzdem täglich in Kontakt und tauschen uns über alle möglichen Dinge aus.

Musicscan: Apropos Band: Der Ausstieg von Tobias ist damals mit musikalischen Differenzen begründet worden. Wenn eines von zwei Gründungsmitgliedern geht, ist das schon ein herber Einschnitt. Könnt Ihr noch etwas mehr zu den Hintergründen und Näheres zu den Differenzen sagen? Wohin wollte die eine Seite, wohin die andere? Warum war kein Kompromiss mehr möglich?

Der Weg Einer Freiheit: Sein Ausstieg war natürlich schon erstmal ein Rückschlag für uns. Rückblickend haben wir aber eingesehen, dass es sich wohl schon länger abgezeichnet hatte und im Nachhinein auch besser für alle Beteiligten war. Dass seine Entscheidung nur auf musikalischen Differenzen beruhte stimmt nicht ganz, es war einfach allgemein die Luft und Motivation, die ihm weitestgehend fehlte, während er zugesehen hat, wie euphorisch und begeistert der Rest der Band bei der Sache war. Also war es seine eigene Entscheidung einen Schlussstrich zu ziehen und uns Vier weitermachen zu lassen ohne unnötig zu bremsen. Für diesen schwierigen Schritt und allgemein für alles, was er für die Band getan hat, sind wir ihm natürlich sehr dankbar, auch wenn wir nach dieser Nachricht wie gesagt erstmal vor den Kopf gestoßen waren, da er, wie du schon sagst, auch von Anfang an dabei war.

Musicscan: Unweigerlich auch noch, sorry: Mit welchen Überlegungen hat Nikita die Vocals übernommen? Ein neuer/anderer Sänger hätte ja durchaus den Sound von DWEF bereichern können, doch Ihr habt – wenn ich‘s richtig gelesen haben – erst gar nicht gesucht, sondern direkt Nikita in Stellung gebracht. Bei Solefald lief es gerade genauso: hängt das damit zusammen, dass man die eigene „Vision“ möglichst so umsetzen will, wie man sie im Kopf hat?

Der Weg Einer Freiheit: Natürlich stand im Raum, sich auf die Suche nach einem neuen festen Sänger zu machen und es standen auch verschiedene Leute zur Debatte. Es kam jedoch nie zu einem Vorsingen, da wir schon sehr schnell merkten, dass es auch zu viert überraschend gut funktioniert. Jeder von uns bekam einmal das Mikro vor die Nase gestellt und vor meiner blieb es letztenendes stehen, auch wenn ich vorher noch nie ernsthaft gesungen geschweige denn mich als Sänger gesehen hatte. Anfangs war es für mich natürlich erstmal ungewohnt und eine hohe zusätzliche Belastung, aber wie jedes Instrument kann man auch das Zusammenspiel von Gitarre und Gesang üben und da ich sowohl mit der Musik als auch mit den Texten zu 100% vertraut bin, ging das recht schnell. Mittlerweile kann ich mir es sogar gar nicht mehr vorstellen, nicht zu singen, da ich den Gesang als die direkteste musikalische Ausdrucksform kennen und lieben gelernt habe, die es gibt – auch wenn es bei uns ja zum größten Teil nur vermeintliches Rumschreien ist. Es gibt schon eine gewisse Vision in meinem Kopf, die Tobias früher auch sehr gut verstanden und erfüllt hat. Deshalb unterscheiden sich unsere beiden Stimmen vielleicht auch gar nicht so krass, weil ich natürlich ebenfalls versuche, das ganze genau so umzusetzen, wie ich mir das in meinem Kopf vorstelle. Sicherlich gibt es den ein oder anderen Sänger, der nochmal eine andere Note mit eingebracht hätte, aber weil wir damals auch sowohl eine Tour als auch schon einige Festivals bestätigt hatten, mussten wir eine schnelle Lösung finden, sind im Nachhinein aber stolz, das alleine geschafft zu haben und könnten uns nun kein besseres Line-Up vorstellen.

Musicscan: Fühlt Ihr Euch als Band eigentlich insgesamt verstanden? Kommt bei den Leuten in etwa das an, was Ihr in/mit Euren Songs auszudrücken sucht? Gibt es grundsätzlich etwas, dass Leute bei Euch "mitnehmen" sollen?

Der Weg Einer Freiheit: Da haben wir schon den Eindruck, ja. Das Feedback, das wir von den Fans bekommen, deckt sich schon oft mit dem Selbstverständnis, welches wir von den Songs haben. Das ist sehr erfreulich, es tun sich aber auch oft völlig neue Interpretationen und Sichtweisen auf, an die wir selbst gar nicht gedacht hätten. Aber das ist bei dem großen Spielraum, den die Musik und vor allem die Texte dem Hörer bieten, auch klar und so soll es auch sein. Anders ist es manchmal bei der Presse. Oft muss alles schnell auf schnell gehen, Pressetexte werden nur mit Halbwissen aus dem Internet zusammengedichtet und es bleibt keine Zeit uns vorher zu fragen, ob dies oder das überhaupt seine Richtigkeit hat. So verbreiten sich verschiedene Ansichten über die Band, die teilweise gar nicht zutreffen, was natürlich ärgerlich ist. Wir versuchen schon immer ein Auge darauf zu haben und alles abzusegnen, was über uns geschrieben wird, aber leider ist das nicht immer möglich. Während die Fans die Musik wirklich hören und sich mir ihr beschäftigen, habe ich bei manchen Presseleuten leider den Eindruck, dass aus mangelnder Zeit oder Interesse oder eben auf Grund halbgarer Informationen, ein falscher Eindruck von dem entsteht, was wir eigentlich sagen wollen. Das ist natürlich keinesfalls die Regel, aber gehört zu einer der etwas negativeren Erfahrungen, die wir in diesem Bereich gesammelt haben. Es gibt definitiv auch Redakteure, die sich den Arsch auf reißen, gut recherchieren und sich intensiv mit der Musik beschäftigen und das sind wir auch über eine kritische Meinung nicht böse – solange sie eben fundiert ist.

Musicscan: Ihr tourt ja viel und überall – inkl. Ostblock: wie wird denn eine deutsche Band mit deutschen Band-Namen aufgenommen? Und gibt es Unterschiede, wie Eure Songs hier oder dort aufgenommen und verstanden werden?

Der Weg Einer Freiheit: Offenbar sind in auf unserer Russland-Tour durchaus ein paar Konzertbesucher davon ausgegangen, wir seien waschechte Nazis. Wir sind deutsch, haben einen deutschen Namen, machen deutsche, extreme Musik und bekanntlich wird der Black Metal ja leider oftmals für die Verbreitung rechter Ideologien missbraucht. Nach dem Konzert in Moskau hat mir bspw. ein sehr freundlicher Russe die Hand geschüttelt und sich vielmals für die Musik bedankt, leider trug er ein Absurd Shirt. Auch nach der Show in Samara wollten einige der Leute Fotos mit uns machen, einer davon forderte uns prompt zum Hitlergruß auf. Da weiß man natürlich erstmal nicht, wie man reagieren soll, denn die meisten dort drüben verstehen kein Wort Englisch, geschweige denn Deutsch. Wir haben uns daraufhin natürlich nicht zu Fotos mit besagten Personen hinreißen lassen und haben uns ob der aussichtslosen Situation zurückgezogen. Von Aggression oder Ärgernis gab es jedoch keine Spur, jeder war gut drauf und ich bin mir sicher, auch diese Leute würden es verstehen, wenn man denn miteinander ordentlich kommunizieren könnte. Diese Kommunikation fand dort eben nur in Form von Musik statt und die wurde gefeiert wie wir es nur selten erlebt haben. Da wir klar aus einer anderen Kultur kommen und gerade was unsere Geschichte betrifft sich die Erziehung sehr unterscheidet, gab es schon teilweise Situationen, auf die wir nicht wirklich vorbereitet waren, da wir das so in Deutschland nicht kennen. Offenbar ist in vielen Teilen des Ostblocks diese Problematik immer noch nicht angekommen und es scheint auch niemand etwas daran zu ändern.

Musicscan: Stellar ist als kompakt und rabiat zu beschreiben, aber auch als wieder sehr abwechslungs- und kontrastreich. War die barsche Attitüde von Beginn an Absicht? Wie stellt Ihr im Arbeitsprozess sicher, dass die Abwechslung nicht zu kurz kommt und die Spannungsbögen funktionieren?

Der Weg Einer Freiheit: Da ich vorher nie weiß, in welche Richtung ich mit einem Album überhaupt gehen will, fange ich meistens einfach an zu schreiben und lasse der Musik viel Freiraum, um sich selbst zu entwickeln. Es ist wie ein Spiegelbild des Lebens und das folgt üblicherweise ja auch keinem roten Faden. Das ganze braucht wiederum immens viel Zeit, was früher auch etwas anders war. Da gab es Songs, die habe ich an einem Tag komplett fertig geschrieben, mittlerweile kann es auch mal einige Monate dauern. Aber ich finde es wichtig, dem Songwriting viel Zeit zur freien Entfaltung zu geben. Das ganze macht es unberechenbarer, interessanter und abwechslungsreicher als von Vorherein mit einem strikten Plan voranzugehen.

Musicscan: Wie verhält es sich bei DWEF mit Bauchgefühl/Instinkt vs. Planung/bewusstes Vorgehen im Songwriting: was besitzt bei Euch welchen Stellenwert und wie fließt beides ins Songwriting ein?

Der Weg Einer Freiheit: Wie in der vorhergehenden Antwort schon erwähnt, überwiegt beim Songwriting definitiv das Bauchgefühl. Mein Hirn schalte ich erst ein, wenn die Songstruktur grob steht und es an die Details geht. Passt dieser Melodielauf zu dieser Harmonie, macht es Sinn hier einen triolischen Fill zu spielen oder doch eher binär? Da gibt es meiner Meinung nach schon ein richtig oder falsch, viele musiktheoretische Dinge sind sogar mathematisch belegbar und hält man sich an gewisse Regeln hört sich vieles sofort besser und logischer an. Das ist wie ein Haus bauen: man kann es mit gewissen Grundkenntnissen tun und später vielleicht auch darin leben, aber wirklich schön schaut es nicht aus und man weiß nie, wann es zusammenfällt. Vieles von dieser Theorie habe ich bspw. in der Schule oder beim Klavierunterricht gelernt und bin im Nachhinein doch froh darum das alles durchgezogen zu haben.

Musicscan: Wie seid Ihr auf den thematischen Kern von Stellar gekommen? Es scheint ja ein Konzept zu sein – richtig? Worum geht es genau? Interessanterweise braucht es beim Hören durchaus Zeit, sich hinein zu hören und auf Eure Absichten zu schließen, obwohl die Attitüde der Platte zunächst eigentlich recht straff scheint…

Der Weg Einer Freiheit: Es war schon sehr bald klar, dass dieses Album etwas schwieriger wird und dem Hörer mehr Zeit abverlangen wird, den richtigen Zugang zu finden. Das ist im Prinzip auch so gewollt, da das alte Material im Rückblick teilweise doch sehr eingängig und straight war, ohne großartig zu überraschen. Um aber das ein oder andere Detail verstehen oder überhaupt erst einmal hören zu können, braucht man Zeit und diese Zeit muss man sich nehmen. Das geht auch nicht schnell mal im Auto auf dem Weg zur Arbeit, im Bus oder am Laptop, sondern vielleicht besser bei einem Spaziergang oder natürlich vor der heimischen Anlage zu Hause. Das Sinnbild der Sterne ist auf dem Album allgegenwärtig, sowie in den Texten als auch im Artwork. Die Sterne begleiten uns jeden Tag, wir schauen seit jeher zu ihnen auf und immer war es der Traum, sie irgendwann einmal zu erreichen. Wie ein immer dagewesener Wunsch nach Freiheit, die meiner Meinung nach nicht hier auf der Erde oder in etwas Materiellem wie Geld oder wertlosen Gegenständen gefunden werden kann. Ich denke jeder Mensch muss seinen eigenen Weg zur Freiheit und seinem Glück suchen und finden, eine Anleitung gibt es hier nicht. Leider wirkt die moderne Gesellschaft genau diesem Gedanken entgegen, greift schon früh in die freie Entfaltung des Menschen ein und stellt uns immer wieder vor Grenzen, vor allem in der künstlerischen Freiheit und der unserer Meinung. Diese Thematik wird in den Texten mit den Sternen assoziiert. Bzw. mit dem "Greifen nach den Sternen", bei dem für mich immer eine gewisse Hoffnungslosigkeit mitschwingt, da man sich nach etwas sehnt, was man aber wohl nie erreichen wird. Musik hat mir immer dabei geholfen, mich selbst und auch andere Menschen besser kennenzulernen und stellt einen großen Anker in meinem Leben dar.

Musicscan: Zum Schluss: Eine Band, wie die Eure, ist offenkundig dem guten, alten DIY-Gedanken verschrieben. Was spräche für dagegen, die Kontrolle mal komplett in die Hand zu nehmen und Euer nächstes Album selbst zu veröffentlichen und volle Verantwortung zu übernehmen?

Der Weg Einer Freiheit: Ich weiß zwar nicht, wann wir uns offenkundig dem DIY-Gedanken verschrieben hätten, aber abgeneigt sind wir dem generell natürlich nicht. Unser geistiges Eigentum hat bisher noch nie den Eigentümer gewechselt, d.h. mehr als zeitlich begrenzte Lizenzen unserer Outputs haben und werden wir auch nie herausgegeben. Das war uns bei der Unterzeichnung des Plattenvertrages extrem wichtig, da es auch ganz andere Deals gibt, die eine komplette Abtretung sämtlicher Rechte an Musik und Merch sowie dem geistigen Eigentum oder sogar den Namen der individuellen Musikern vorsehen. Wer heute so etwas unterschreibt, ist meiner Meinung nach selbst Schuld und da raten wir jeder jüngeren Band, die ein Angebot eines größeren Labels erhält, die Verträge gründlich von Profis und Anwälten prüfen zu lassen. Wir dürfen immer noch so viel Merch selbst herstellen wie wir wollen, haben alle unsere künstlerischen Freiheiten und nutzen die Vorteile eines Labels im Grunde nur, um auf eine fundierte und breite Vertriebs- und Promostruktur zurückgreifen zu können. Man kann meiner Meinung nach als Band niemals eine gute Promo- oder Bookingagentur ersetzen, die schon jahrelang im Business tätig ist und die erforderlichen Infrastrukturen und Kontakte besitzt. Wir wissen alle, dass man aus diesem Geschäft nicht reich wird und sich wohl immer mit dem ein oder anderen Nebenjob über Wasser halten muss, da reicht zumindest uns die Zeit einfach nicht aus, auch noch die Arbeiten eines Labels zu übernehmen – auch wenn wir Lust darauf hätten, uns in diesem Gebiet weiterzuentwickeln. Man muss ja auch irgendwie überleben. Die Zügel haben wir wie gesagt immer noch in der Hand, auch wenn es natürlich Verträge gibt, an die man sich halten muss. Die hätten wir aber nicht unterschrieben, wenn sie gegen unsere Mentalität sprächen.

 
 Links:
  facebook.com/derwegeinerfreiheit
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  As I Lay Dying
  Cult Of Luna
  Despised Icon
  The Menzingers
  Entrails

Interviews/Stories:

  Brutality Will Prevail
  Uzziel
  Carnifex

Shows:

  19.09. Amanda Palmer - Essen
  21.09. Abinchova - Saint Maurice
  22.09. Off With Their Heads - Trier