Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1648

Coldburn

Interview von: arne mit Jo, am: 13.03.2015 ]

Sonderlich niedergeschlagen klingen COLDBURN auf ihrem zweiten Longplayer nicht. Eher schon ist von einer ruppigen, schlagkräftigen und hasserfüllten Platte zu sprechen. „Down In The Dumps“ steht als Essenz aus sechs Band-Jahren, die das Quintett aus Leipzig dafür genutzt hat, viel zu touren und seinen Stil auf den Bühnen in ganz Europa zu schleifen. Die Songs fallen heute ergebnisorientierter und direkter aus, da sie auf unnützes Beiwerk verzichten und allein dorthin gehen, wo es weh tut. Am zugrunde liegenden Ansatz des metallisch angereicherten New Yorker Hardcore halten die Leipziger dabei fest.

 

Musicscan: Ihr spielt viel live und das schon immer. Hat das viele Touren und Auftreten Euren Blick auf Band, Hardcore, HC-Szene verändert, wenn Ihr Eure Erfahrungen/Eindrücke Revue passieren lasst? Was lässt sich diesbezüglich sagen? <&music-team>

Coldburn: In den letzten vier Jahren sind wir tatsächlich sehr rastlos gewesen. Wir haben versucht das höchstmögliche aus unserer Freizeit herauszuholen und mussten deswegen auf anderen Seiten einige Kompromisse eingehen. Ich denke davon kann jeder der auch nur ansatzweise den Anspruch hat seine Musik live zu bringen ein Lied singen. Allerdings ist auch das erst der Punkt an dem Hardcore zu dem wird was es eigentlich ist. Diese Musik ergibt keinen Sinn wenn sie ausschließlich für den Tonträger geschrieben wird. Man muss bereit sein das ganze herauszutragen und zwar überall dort hin wo es die Kids interessiert. Wenn es die Kids interessiert dann bekommst du zurück was du reinsteckst. Ein Austausch von Energien. Das Benzin in deinem Blut steht vor dir wenn du auf Bühnen, Kachelböden, wackeligen Podesten, in Kellern, Clubs oder auf Festivals stehst. Entzünden kannst du es nur wenn es merkt, dass du das was du sagst ernst meinst und das du für das was du da tust mindestens 100% deiner Kraft aufwendest. Egal an welchem Ort auch immer sich ein Veranstalter die Zeit nimmt deine Show zu promoten und zu organisieren musst du bereit sein das zu zeigen was du auf deinen Platten versuchst zu imaginieren. Ein anderer und weitaus pragmatischerer Punkt ist, dass wir alle etwas zerstreut wohnen. Das bedeutet, dass die Zeit in der wir auf Tour waren/sind auch die Zeit ist an der wir die Chance haben öfter miteinander rumzuhängen und die Band zu „leben“. Es gibt so viele Erinnerungen aus den Vergangenen vier Jahren, dass ich es im Moment nicht für möglich halte ein Schlüsselerlebnis heraus zu picken. Wir sind noch mittendrin und ich fühle mich zu frisch um irgendein Resümee zu ziehen. Du wächst persönlich enorm an dem was andere dir ermöglichen. Ohne den Support einer großen Menge an befreundeten Bands, Promotern und Freunden ist es nicht möglich in einer Szene, welche ich trotz diversen digitalen und medialen Auswüchsen noch dem Untergrund zuordne, Fuß zu fassen. Dafür können wir uns nur bedanken - nicht mehr und nicht weniger. Hardcore ist real und Hardcore ist live. Ich finde es sehr wichtig rastlos zu bleiben. Solang also das Feuer brennt werden wir rastlos bleiben.

Musicscan: Dazu: Was "bringt" es Euch, mit Coldburn aktiv zu sein, was zieht Ihr für Euch persönlich aus der Beteiligung an der Band? Welche "Lehren" habt Ihr für den Alltag neben der Musik und Band gezogen?

Coldburn: An erster Stelle steht da sicherlich der Fakt das wir im Hardcore einen Platz gefunden haben in dem wir uns zuhause fühlen. Diese Größe gab für uns vor Coldburn und sie wird es auch nach Coldburn für uns geben. Es klingt vielleicht platt aber mir fällt leider auch keine bessere Formulierung ein um das zu beschreiben. Coldburn ist für uns in all dem eine sehr persönliche Plattform um an dem Konstrukt Hardcore teilzunehmen - etwas zurückgeben, etwas hinzufügen und etwas weiterführen. Wenn du dich in den wichtigen Jahren deiner Jugend von einem Medium so sehr angezogen und beeinflusst fühlst ist es auf der einen Seite schwer und auf der anderen Seite unsinnig sich irgendwann davon zu verabschieden. Hardcore/Punk sowie auch andere Jugendkulturen gewähren dem Individuum Platz über Erfahrungen, Gedanken und Eindrücken zu berichten. Individuelle Meinungen über soziale, politische oder emotionale Umstände. All das geschieht oft fernab von gewöhnlichen Arten der Kommunikation. Der Austausch den Ich auch schon in der Vorherigen Frage erwähnt hatte findet halt auf verschiedenen Ebenen statt - Manchmal ist er sehr expressiv und manchmal findet er eben nur im Herz oder Kopf statt. Ich weiß genau, dass ich für alle von uns sprechen kann wenn ich sage Hardcore/Punk ist so etwas wie der „richtige Platz“ für uns. Ob und was uns das bringt ist eine gute Frage die ich schwer beantworten kann - Ich möchte mir und allen anderen gegenüber authentisch und ehrlich sein. Coldburn ist ein authentischer Output eines Gemischs aus Gedanken, Gefühlen und Ästhetik. Wenn ich irgendwann tatsächlich mal ein Resümee ziehen möchte dann will ich zurückschauen und wissen, dass all das was ich gemacht hab mein eigener Wille und meine eigene Überzeugung war. Ich möchte zurückschauen und sehen, dass ich und meine Freunde an etwas teilnehmen was die Vorstellungskraft von einer normhaften Gesellschaft übersteigt und diese vielleicht sogar etwas verstört. Manchmal muss man sich selbst daran erinnern Abstand zu gewinnen zu Ansprüchen, Anforderungen und Vorstellungen von anderen um sich nicht zu sehr verbiegen zu lassen. Im nächsten Schritt ist es dann aber zusätzlich noch der Respekt gegenüber dem „Anderen“ welcher im gleichen Zuge nicht zu kurz kommen darf. Dies ist glaube ich eine der „Lehren“ die ich irgendwie für mich persönlich ziehen und in gleichen Teilen auf soziale, kreative und emotionale Ebenen anwenden kann.

Musicscan: Bezogen auf Coldburn: wie würdet Ihr die Grundhaltung/Attitüde der Band in Worte fassen, wie geht Ihr alle Belange rund um die Gruppe und was sonst noch so dazu gehört, an?

Coldburn: Unsere Attitüde läuft Hand in Hand mit dem eben gesagten. Das alles ist irgendwie schwer voneinander zu trennen oder zu unterscheiden da es sich auch irgendwie bedingt. Im Einzelnen sind wir ein Pulverfass aus verschiedenen Einflüssen. Wir sind keinesfalls alle mit den gleichen Wassern gewaschen und inspirieren uns deswegen auch in gehöriger Form gegenseitig. Manchmal führt das zu kämpfen die wir austragen müssen doch am Ende dieser Kämpfe steht ein produktives Ergebnis. Es ist eine ziemlich natürliche Bewegung innerhalb der Band. Wir haben alle unsere Steckenpferde und ergänzen uns gegenseitig. Dabei versuchen wir so gut es geht unser eigenes Ding zu machen und gleichzeitig auf Freunde zu hören und zu bauen. Alle Leute die irgendwie mit der Band zusammenarbeiten sind dahingehend im weitesten Sinne Freunde und Bekannte. Natürlich kann man das nicht so einfach generalisieren aber wir versuchen natürlich immer irgendwie mit Leuten zu arbeiten mit denen wir uns auch persönlich auf einer Ebene befinden. Vor allem der kreative Prozess ist dadurch bestimmt. Ob im Studio, bei dem Artwork, Songwriting oder Booking – Wir haben ziemlich genaue Vorstellungen bei denen wir aber keinesfalls auf die Hilfe und Einschätzung von Freunden verzichten wollen. Teilweise können wir das gar nicht. DIY ist definitiv ein Grundsatz der bei uns im Mittelpunkt steht. Ich versuche allerdings diesen Begriff nicht zu engstirnig zu sehen. Mein Ziel ist es in unserem Output als Coldburn über unser eigenes Schaffen hinaus viele Persönlichkeiten die ich schätze und bewundere zu integrieren.

Musicscan: Welche wesentlichen Vorzüge besitzt Eurer Ansicht nach der der metallische Hardcore-Sound New Yorker Prägung? Was hat er, dass Euch dazu verleitet hat, mit Coldburn in diese Richtung zu gehen? Warum haltet Ihr dem Stil bis heute die Treue?

Coldburn: Es ist ein roher und gleichzeitig unglaublich kraftvoller Sound. Ein ehrlicher Sound. Inspiration aus dem New Yorker Sound zu ziehen war ein natürliches Vorgehen. Wir haben uns das nicht vorgenommen aber ich denke wir waren und sind stets von den Bands aus New York durch persönliche Vorliebe beeinflusst. Die Konsistenz dessen folgt so ein bisschen aus dem „weiterführen“ welches ich schon eher erwähnt habe. Die Subkultur hat eine Tradition die in den USA wurzelt. Sie hat einen großen Einfluss auf uns als Persönlichkeiten ausgeübt und somit auch auf den Sound unserer Band. Wir haben uns bei weitem nicht vorgenommen etwas Neues zu erfinden und trotzdem legen wir dem ganzen unsere eigene Schablone über. Diese Schablone wird sich auch so schnell auch nicht ändern. Wir haben nicht vor uns mit jedem Release neu zu erfinden.

Musicscan: Born From Pain, Madball, Cro-Mags, Backtrack, No Turning Back, Terror, Judge, Trapped Under Ice - Ihr seid mit vielen Bands getourt/aufgetreten, die man nennen könnte, um Euren Sound zu verorten: mit wem von ihnen fühlt Ihr Euch vielleicht besonders verbunden, nachdem er sie kennen gelernt habt? Wer hat Euch warum überrascht? Was habt Ihr Euch beim einen oder anderen für Coldburn abgeschaut - ob nun Einstellung, Show-Faktor, Professionalität,…?

Coldburn: Ja Mann, wirklich ne Menge! Wir haben den allen einiges zu verdanken. Eigentlich nimmst du dir von allen „etwas mit“. Allerdings weiß ich nicht ob es wirklich eine einzige gibt zu der wir uns besonders verbunden fühlen. Es ist so etwas wie ne große Familie. Manche Onkels siehst du nur ganz selten. Die eine Oma kannst du überhaupt nicht leiden. An den einen Bruder lässt du nichts rankommen denn du kennst ihn ja schon so lange und der eine Cousin der immer so komisch zu dir war ist dir jetzt plötzlich sehr nah und ihr hört total oft voneinander...Du lernst einfach so viele verschiedene Typen kennen! Man merkt schnell, dass man sich untereinander viel ähnlicher ist als man das vorher auf Basis irgendwelcher Vorurteile angenommen hat. Natürlich ist es ein großer Unterschied ob du nur ein oder zwei Shows zusammen spielst oder eine Tour von 4 Wochen. Ich denke zu den Bands aus unserer direkten Umgebung oder Bands mit denen wir auf Tour waren, seien es Expire, Risk It, Brutality Will Prevail, Redemption Denied, haben wir natürlich ein engeres Verhältnis. Das liegt natürlich ganz einfach daran das wir die nötige Zeit hatten uns tatsächlich näher kennen zu lernen. Kurze Gespräche über die neusten Bands, Frauen, die neue Platte, die „komischen Typen in der Ecke da hinten“, die letzten Shows oder über die „komische Agentur“ sind wichtig aber um rauszubekommen ob man auf der gleichen Welle schwimmt bedarf es etwas mehr Zeit. Wenn du 4 Wochen lang zusammen in einem Van, dicht an dicht gedrungen sitzt dann hast du gar keine andere Chance als auf Tuchfühlung zu gehen. Für mich persönlich kann ich sagen, dass mir die Euro-Tour mit Expire im Jahr 2014 am meisten mitgegeben hat. Das sind ziemlich gute Jungs und ich denke wir haben viel gemeinsam. Die Tour war krass ausgeglichen und im gleichen Moment ganz schön durchgedreht. Es gab ne Menge Kaffee, Eiscreme, Zach hat sich um die Donuts gekümmert und wir haben gegenseitig mehr über die Unterschiede von mittelamerikanischen und mitteldeutschen Hardcorekids herausgefunden.

Musicscan: Rein musikalisch finde ich, seid ihr mit Down In The Dumps noch klarer in die Extreme bzw. Kontraste gegangen. Gleichfalls wirkt das Album als Ganzes aber auch kompakter und schön zielgerichtet. Teilt Ihr diese Einschätzung? Und wenn Ihr das selbst beurteilen würdet: wo seht Ihr die musikalischen Unterschiede zu The Harsh Fangs Of Life? Was habt Ihr dabei bewusst voran getrieben; was ist Folge des vielen Live-Spielens oder zufällig passiert?

Coldburn: Es hat einige Zeit gedauert und wir haben viel Zeit darin investiert an dem Punkt weiterzumachen an dem wir vor zwei Jahren mit „The Harsh Fangs Of Life“ stehen geblieben sind. Die Entstehungsphase ist auf ein Neues von einem Besetzungswechsel und einigem „hin und her“ geprägt. Im Herbst 2014 waren wir dann schließlich bereit für das Studio und haben uns für zwei Wochen in die Ghostcity Studios in Süddeutschland zurückgezogen. Wir nahmen uns reichlich Zeit, bekamen Unterstützung von unserem neuen Gitarristen Daniel und produzierten zusammen mit Alex Adelhardt das neue Album „Down In The Dumps“ umgeben von Wald und Wiese. Viele Ideen die auf der neuen Platte zu hören sind entstanden tatsächlich erst im Studio. Das Album wurde dann auf ein neues von Paul Miner in den Buzzbomb Sound Labs in LA gemixt und gemastert. Wir schätzen uns ziemlich glücklich mit schon bekannten und neuen Gesichtern zusammengearbeitet zu haben und ich denke das ist auch genau der Grund für die von dir beschriebene Entwicklung. Was aus alledem entstanden ist entspricht ziemlich genau unseren Vorstellungen einer Fortführung des Vorgängeralbums: Wir wollten weiterhin der Linie und dem Sound den wir mit Coldburn gefunden haben treu bleiben und uns dabei trotzdem nicht zu sehr einengen lassen. Außerdem wussten wir, dass wir Sachen ausprobieren wollten und uns etwas mehr Zeit für die Produktion nehmen wollten. Der Hörer kann das nachvollziehen denke ich. Darüber hinaus kann er dabei zuhören wie wir uns an manchen Stellen etwas weiter aus dem Fenster lehnen. Ich denke im Unterschied zu dem Vorgänger ist dieses Album weniger Live beeinflusst. Keiner der Songs ist jemals vorab bei einer unserer Shows erklungen. Das war bei „The Harsh Fangs Of Life“ anders. Wir hatten sozusagen keine Testphase für irgendeinen dieser Songs und mussten uns auf unser Gefühl verlassen. Einen Einfluss der gesammelten Erfahrungen kann man dem Album natürlich trotzdem nicht absprechen.

Musicscan: Beschreibt doch bitte das Grundgefühl, mit dem Ihr Down In The Dumps geschrieben und umgesetzt habt. Gibt es Unterschiede hinsichtlich Herangehensweise und bandinterner Stimmung im Vergleich zu Euren früheren Releases, irgendwelche Unterschiede hinsichtlich Eurer Erwartungen, Überzeugungen, was-auch-immer?

Coldburn: Wie schon erwähnt gab es erneut Besetzungswechsel welche sich während des Songwritings von statten zogen. Das hat natürlich immer zur Folge, dass sich bestimmte Einflüsse auf die Songs verschieben oder eben verschwinden bzw. hinzukommen. Wir wollten versuchen noch mehr Wucht hinter die Songs zu bekommen. In meinen Augen sind sie alles in allem aggressiver und wütender geworden. Das Grundgefühl welches wir in das Album gelegt haben und welches es übermitteln soll ist Wut, Resignation, Reflektion und vor allem Zweifel. Bezüglich der Umsetzung würde ich meinen, dass das ganze Thema diesmal etwas konzeptioneller als bei den Vorgängern angegangen wurde. Ich denke das war ein Umstand der sich daraus entwickelte, dass wir uns recht zügig nach dem letzten Album vorgenommen haben die Diskografie mit einem weiteren Album fortzusetzen. Wir hatten also alle wirklich viel Zeit um uns Gedanken darüber zu machen was genau daraus werden soll. Der Prozess der Zusammensetzung der einzelnen Vorstellungen ist gleich geblieben - Streit, Kompromisse, Forderungen und Zurückstecken gehören dazu.

Musicscan: Wenn Ihr es quantifizieren müsstest: wie viel Prozent Eures Songwriting passieren bauchgesteuert, wie viel geplant? Oder wie nähert Ihr Euch prinzipiell dem Songschreiben? Inwieweit haben die Live-Erfahrungen mit der Zeit das Songwriting vereinfacht/leichter werden lassen?

Coldburn: Wir treffen uns für gewöhnlich alle in Leipzig um an Songs zu schreiben. Meistens sind es einzelne Instrumentalisten die mit vorbereiteten Riffs, Ideen oder Songfetzen die Basis bzw. die Struktur der Songs legen. Ich weiß nicht genau wann die Bauchsteuerung aufhört und die Planung anfängt. Es sollte auf jeden Fall im Bauch beginnen und dann mit Gefühl geplant werden. Ich denke aber beides sind existentielle Bestandteile des Songwritings. Groove findet grundsätzlich im Bauch statt und Struktur wird geplant. So läuft es bei uns ab würde ich meinen. Ich möchte auch hier ungern generalisieren oder quantifizieren denn auch dieser Punkt begnügt sich keiner Konstanten. Durch digitale Studiotechnik wird den Songs zwangsläufig einiges an Bauchgefühl genommen. Groove kann durch diese allerdings nicht digital erzeugt oder beeinflusst werden. Da auch der Groove ein wichtiger Bestandteil schon erwähnter Einflüsse ist, ist es uns auch sehr wichtig ihn Live sowie auch auf Platte zu finden. Die Live-Erfahrungen helfen sicher dabei diesen natürlichen Groove zu verinnerlichen und ihn somit auf die Produktion zu übertragen.

Musicscan: Abschließend: Warum seid Ihr niedergeschlagen und was tut Ihr, diese Gemütslage zu ändern? Was sollen die Hörer vom neuen Album "mitnehmen"?

Coldburn: Wir wollten einen sehr plakativen und alltäglichen Ausspruch wählen um einen zugänglichen Zusammenhang mit der Idee und den Gedankenfetzen des Albums herzustellen. Melancholie ist das Stichwort. Dahinter verbergen sich Wut, Resignation, Reflektion und vor allem Zweifel. Es geht, ganz und gar, nicht um chronisch betrübte oder niedergeschlagene Emotionen. Eher ist es eine melancholische Reflektion der eigenen Umstände und Fragen, der Wut gegenüber sich selbst und gegenüber anderen. Es hat sich nicht viel an dem verändert was uns herumtreibt. Auch wenn wir hier offensichtlich nicht in den schwierigsten Umständen leben sind es Zweifel die hier zum Ausdruck gebracht werden sollen. Zweifel über angeblich sichere oder zufriedenstellende soziale, emotionale, (schein)heilige und vielleicht sogar politische Strukturen. Wut und Unzufriedenheit über strukturelle Unausweichlichkeiten. All das soll Fragen aufwerfen. Fragen aus der Ich-Perspektive. Fragen die sich auf den Hörer übertragen können und Fragen die sich an den Hörer wenden. Die Mitnahme dessen ist ein Angebot welches nicht zwangsläufig angenommen werden muss. Der Titel spricht eine aktuelle Form traditioneller Melancholie und der Inhalt ist wütender als es scheint. Meiner Meinung nach besteht eine gewisse Abhängigkeit Unsererseits gegenüber diesen Fragen, der Wut und auch gegenüber der gewissen Gemütslage. Ich weiß nicht ob dieses Album irgendwelche Antworten geben kann und ich weiß nicht ob ich es kann – deswegen weiß ich auch nicht ob ich an der Gemütslage etwas ändern möchte.

 
 Links:
  facebook.com/coldburnfuckyou
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Avatar
  The Atlas Moth
  Cane Hill
  Cursed Earth
  Good Tiger

Interviews/Stories:

  All Will Know
  Minipony
  Lionheart

Shows:

  12.12. Doro - Regensburg
  12.12. Jo Stockholzer - Wuppertal
  13.12. Jo Stockholzer - Zwickau
  13.12. Peter And The Test Tube Babies - Bremen
  13.12. Mia Aegerter - Frankfurt