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Unhold

Interview von: arne mit Thomas, am: 09.03.2015 ]

Der Ansatz des Schweizer Quintetts UNHOLD ist als fordernd und immer wieder überraschend zu umreißen. Die Spielwiese zwischen vielerlei Stilen wie Sludge, Noise, Düster-Hardcore, Post-Rock und -Metal bietet dafür hinreichend Gelegenheit und der resultierende Heavy-Mix weist noch weitere Zutaten auf. Miriam Wolf (ex-Crippled Black Phoenix und My Wolf) ist auf dem Viertwerk „Towering“ erstmals für Klavier- und Keyboard-Klänge sowie (Back-Up-)Gesang verantwortlich. Die Dichte und Tiefe der elf Tracks erweitern sich dadurch nochmals deutlich. UNHOLD legen ein einstündiges Album vor, das organisch, fesselnd und ungemein Kraft raubend daher kommt.

 

Musicscan: Unhold gibt es schon sehr lange. Deshalb: Wie lassen sich Einstellung und Erwartungshaltung hinsichtlich der Band-Aktivitäten in Worte fassen? Was „bringt“ es Euch, als Band aktiv zu sein, was zieht Ihr für Euch persönlich aus der Beteiligung an Unhold? Gab es zwischenzeitlich Momente, in denen die Band auf der Kippe stand? Was hat am Ende den Ausschlag dafür gegeben, dass Ihr doch weiter gemacht habt?

Unhold: Wir haben uns 1992 gegründet. Das ist wirklich schon ein Weilchen her. Mich freut es sehr, dass wir das zusammen seit so langer Zeit machen. Wir waren wir immer eine sehr demokratische Band in der alle ihre Ideen einbringen können und das gibt schon ein spezielles Bandgefüge. Wenn durch die Vielfalt so etwas entstehen kann, das allen in der Band gefällt, dann werden unsere Songs zum Ausdruck der Gedanken und Gefühle aller Beteiligten. Dass wir uns diese Möglichkeiten geben war uns allen ((glaub)) immer wieder Ansporn und Motivation.

Musicscan: Musikalisch lasst Ihr Euch viele Optionen offen, indem Ihr die verwendeten Stile immer wieder neu zusammensetzt und dabei neu gewichtet: wie hat sich aber das selbstbewusste Arbeiten mit dem Stil-Mix im Zeitverlauf entwickelt? Wie hat sich Euer Blick auf das Songwriting verändert?

Unhold: Wenn wir miteinander Musik machen sind Stile kein Thema. Wir sind interessiert an guten Riffs und geilen Klangwänden. In uns allen herrschen verschiedene Stimmungen und die finden beim spielen ihren Weg raus. Wir sind auch als Musikhörer sehr vielfältig. Das darf sich in unserer Musik auch getrost wiederfinden. Eine Veränderung gab es vor allem jetzt mit Piano, Synthi und den drei Stimmen. Das gibt mehr Möglichkeiten und das ist cool.

Musicscan: Und aus Eurer Erfahrung: Welche Vorteile bringt es mit sich, stilistisch nicht so festgelegt zu sein? Direkt aber auch mit der Kehrseite gekoppelt: Welche Nachteile habt Ihr vielleicht schon erlebt?

Unhold: Es ist sicher etwas härter, die Band zu promoten. Man hat mehr zu erklären. Unsere Musik verlangt nach einer Auseinandersetzung, was ich persönlich eigentlich wieder als Vorteil sehe. Es hat halt schon eine persönliche Note. Das gefällt mir sehr gut.

Musicscan: In meinem Review habe ich u. a. geschrieben: „UNHOLD legen ein einstündiges Album vor, das organisch, fesselnd und ungemein Kraft raubend daher kommt. Der Wechsel rockiger und metallischer Passagen ist dabei schlüssig gelöst, schafft Dynamik und Kontraste; sorgt für viele eindrückliche Momente.“ War es ein Ziel von Euch, eine solche Wirkung bei Hörern zu erreichen? (Soweit man das eben versuchen/ansteuern kann)

Unhold: Yeah, du beschreibst das in deinem Review sehr cool, danke, danke. Es gab beim Songwriting immer wieder so Momente bei welchen wir selber gestaunt haben. Wenn die Band an einem Riff arbeitet und dann plötzlich ein Instrument etwas ganz anderes spielt und alle direkt mitgehen, dann war da eine Dynmaik, die wir unbedingt mit in die Songs nehmen wollten.

Musicscan: Wenn Ihr es quantifizieren müsstest: wie viel Prozent Eures Songwriting passieren bauchgesteuert, wie viel geplant? Oder wie nähert Ihr Euch prinzipiell dem Songschreiben? Inwieweit haben die Live-Erfahrungen mit der Zeit das Songwriting vereinfacht/leichter werden lassen?

Unhold: Ich würde sagen, dass heute viel mehr aus dem Bauch heraus passiert. Wir waren glaube ich als Band noch nie so kompakt wie heute, menschlich und musikalisch. Das öffnet Türen in der Musik. Mit den Live Erfahrungen geht nicht unbedingt das Songwriting einfacher, es ist vielmehr so, dass man sich als Band intensiver kennenlernt. Das färbt sicher auch aufs Songwriting ab.

Musicscan: Inwieweit hat der Einstieg von Miriam Wolf Eure Arbeitsprozesse durcheinander gebracht, was hat sich verändert? Wovon profitiert der Sound durch ihren Einstieg Eurer Meinung nach am meisten?

Unhold: Der grösste Teil der Songs von „Towering“ bestanden bereits als Miriam und Leo in die Band gekommen sind. Wir haben dann gemeinsam die Songs an das neue Line-Up angepasst und da sofort gemerkt, dass wir gut funktionieren und dass wir unbedingt zusammen neue Songs schreiben wollen. Live spielen wir bereits auch ganze neue Sachen. Die beiden sind voller Ideen und sehr musikalisch. Mit Piano, Organ, Synthi und mehr Stimmen die zur Verfügung stehen haben wir ganz neue Möglichkeiten. Das gibt allen mehr Raum aber verlangt auch nach mehr Rücksicht. Die Dynamik ist so sehr hoch und die neuesten Songs zeigen das bereits sehr gut.

Musicscan: Nach die Arbeit getan was, aber bevor Towering veröffentlicht wurde: Was ist zur Grundhaltung innerhalb der Band zu sagen. Gab es hinsichtlich Erwartungen, Überzeugungen, was-auch-immer Unterschiede? Ach ja: Und profitieren auch Unhold davon, dass das Umfeld heute mehr bereit für solche Heavy-Klänge ist als vor zehn oder zwanzig Jahren?

Unhold: Wir haben uns für 2015 von Beginn weg mehrere Zeitfenster für Live-Shows eingeplant um möglichst viel spielen zu können. Die erste Tour war jetzt im Jänner/Februar und es war super zu sehen, dass viele Leute gerne an Live-Shows gehen. Wir hoffen, dass dies natürlich zu mehr Shows führen wird, das wäre schon was.

Musicscan: Ihr seid mit namhaften Bands wie Shrinebuilder, A Storm Of Light, Minsk, Coalesce, Crowbar, The Ocean, etc. aufgetreten: Wer hat Euch warum besonders beeindruckt und von wem habt Ihr Euch vielleicht sogar etwas (was?) für Unhold abgeschaut?

Unhold: Es ist natürlich grossartig, wenn du persönlich auf alle diese Künstler treffen kannst und etwas abschauen kann man sich hie und da. Für mich waren Shrinebuilder ein Höhepunkt. Ich mag die verschiedenen Bands der Leute sehr. Sie dann von so Nahe spielen sehen war schon geil.

Musicscan: Zum Abschluss: der Definition nach, ist ein Unhold ein a) böser Geist oder Ungeheuer; ein Wesen, das Furcht einflößt (Mythologie, Märchen) oder b) ein Mensch, der moralisch verwerfliche Dinge tut oder rohe Gewalt ausübt. Was waren die Gedanken einst bei der Namensfindung? Wie legt Ihr Unhold heute aus?

Unhold: Unser Unhold ist ein ungehaltenes Ungeheuer, dass sich aufbäumt, sich einen Weg bahnt und dich verführen kann.

 
 Links:
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