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Monophona

Interview von: arne mit Chook und Claudine, am: 01.03.2015 ]

Es ist egal, ob es in den Songs der Luxemburger nun gerade mehr in die elektronische oder die Singer/Songwriter-Indie-Richtung geht. Die Interaktion der beiden Säulen des Sounds von MONOPHONA und ihre schlüssige Verbindung miteinander lassen „Black On Black“ so wirkungsvoll, wertig und ein Stück weit anders klingen. Ja sicher, Verweise in Richtung Trip-Hop und auf Acts wie Portishead, Fever Ray und Lamb sind schnell bei der Hand und – wohl – unvermeidlich, weil sie in Teilen nur zu gut treffen. Darauf zu reduzieren sind MONOPHONA aber nicht.

 

Musicscan: Auf facebook benennt Ihr Eure Einflüsse mit Trentemoller, Portishead und Björk, was nachvollziehbar ist und in Reviews häufig aufgegriffen wird. Was beeindruckt Euch im Schaffen dieser Künstler und wie gelingt es Euch, über diese Einflüsse hinaus zu gehen und etwas Eigenes zu erschaffen?

Monophona: Chook: Trentemoller war für mich immer ein großer Einfluss was seine Produktionsweise anging. In meinen Augen hat er einer der saubersten und interessantes Schaffungsweisen in der modernen elektronischen Musik. Claudine bringt allerdings viele Folk Elemente mit in unsere Musik. Das erklärt also den relativ eigenen Sound den wir entwickelt haben.

Musicscan: Daran anknüpfend: wo liegen Eurer Meinung nach die Trademarks oder Alleinstellungsmerkmale des Sounds von MONOPHONA? Oder anders: was zeichnet Euren Sound aus?

Monophona: Chook: ich denke daß unser Sound sich durch diese Mischung von Claudine's folkiger Stimme und Gitarre auszeichnet und auf der anderen Seite von meinen düsteren Drum and bass und Techno Sounds.

Musicscan: Eure Songs fühlt man häufig mehr als man sie hört. Man nimmt sie als stimmungsvoll, atmosphärisch und auch als ästhetisch wahr: ist eine derartige Wirkung von Euch beabsichtigt worden, als Ihr mit MONOPHONA gestartet seid? Wie hat sich Eure Selbstwahrnehmung im Zeitverlauf (vielleicht) verändert?

Monophona: Chook: Anfangs hatten wir überhaupt keine Ahnung in welche Richtung wir eigentlich gehen wollten. Das einzige was uns klar war, war daß wir keine fröhliche Musik machen wollten. Alles andere kam eigentlich ohne dass es wirklich beabsichtigt war.

Musicscan: Da Ihr gerade auf Tour gewesen seid: wie reagieren die Konzert-Besucher auf Eure Songs? Gibt es so etwas wie „typische“ Reaktionen, die Ihr auf Euren Gigs immer wieder wahrnehmt oder anschließende Kommentare/Äußerungen, die Euch immer wieder begegnen?

Monophona: Chook: ich glaube nicht daß es eine typische Reaktion gibt. Manche Leute mögen Claudine's Stimme am meisten, manche mögen die Beats oder Bässe und manche mögen die Mischung von allem mit dem akustischen Schlagzeug.

Musicscan: Und Ihr selbst: mit welchen Gefühlen/Stimmungen geht Ihr auf der Bühne, wie er-/durchlebt Ihr Eure Konzerte und was fühlt Ihr danach? Sprich: wie wirken Eure Songs auf Euch selbst?

Monophona: Claudine: Das hängt sehr von der Umgebung und den Umständen ab (siehe nächste Frage). Wenn zum Beispiel durch die Lichter eine gewisse Atmosphäre entsteht, dann ist es viel leichter in das Konzert einzutauchen. Auch die Haltung des Publikums trägt viel dazu bei, wie man einen Auftritt erlebt. Wenn das Publikum zuhört und mitgeht, dann wirkt das Set auf einen selbst auch ganz anders.

Musicscan: Mit der Beleuchtung und den Visuals, die Teil Eurer Shows sind, steuert Ihr zu einem Teil die Wahrnehmung Eurer Musik. Unterscheiden sich die Publikumsreaktionen, wenn Ihr Gigs ohne düstere Aura und Clips spielt? Kontext-bezogen wirkt Musik ja gerne anders. Wie erlebt Ihr das?

Monophona: Chook: Die etwas düstere Stimmung gehört schon dazu. Wir haben gemerkt dass Konzerte die wir z.B. Nachmittags auf Festivals wenn die Sonne scheint weniger gut ankommen, weil die Atmosphäre nicht wirklich zu den Liedern passt. Wir mögen es wenn es relativ dunkel auf der Bühne ist wenn wir spielen.

Musicscan: In der Anlage zwischen verschiedenen Stilen fühlt Ihr Euch erkennbar wohl. Hinsichtlich der Ausrichtung der Sounds wahrt Ihr Euch Freiheiten, die Ihr auch ausnutzt. Wie schwer fällt es Euch aber, bei all den Möglichkeiten, die Ihr habt, eine verbindende Stimmung für ein Album zu erschaffen. Die Verbindung der einzelnen Tracks scheint Euch ja schon wichtig zu sein… Oder täuscht der Eindruck?

Monophona: Chook: ich denke dass heutzutage jeder der einen Rechner besitzt unendliche Möglichkeiten hat. Es bringt nichts jeden neusten Tool der auf den Audio-Markt kommt zu besitzen sonst riskiert man sich schnell in den endlosen Presets und Möglichkeiten zu verlieren. Ich glaube daß das verbindende an unseren Tracks die Atmosphäre ist. Wir können eigentlich soviel wir wollen ausprobieren, die etwas düstere Stimmung bringt das Ganze am Ende wieder zusammen.

Musicscan: Wie geht Ihr mit dem „Problem“ um, das ausgebremste, düstere Musik sich bisweilen schnell „unterordnet“ und zwar gefällt bzw. anspricht, aber nicht immer einen bleibenden Eindruck hinterlässt? Steuert Ihr in dieser Richtung bewusst gegen? Was tut Ihr, um wiedererkennbare Songs zu erschaffen?

Monophona: Claudine: Ich empfinde es eigentlich nicht so. Eigentlich ist es doch eher "gefühlsneutrale" Musik -ob nun düster oder eher uptempo - , die keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Wenn Musik aber eine deutliche Position einnimmt, dann fordert sie auch den Hörer. Wir haben bewusst am Ende einen Song vom Album genommen, weil wir das Gefühl hatten, dass er den Hörer nicht fordert. Das Wichtigste - und das Spannende - am Songschreiben ist es Risiken einzugehen.

Musicscan: Nachdem Ihr mit The Spy ein erstes Album geschaffen hattet: inwiefern hat sich durch den Arbeitsprozess am Debüt Eure musikalische „Vision“ für MONOPHONA verfestigt oder verändert? Wie wirken sich die Erkenntnisse der damaligen Arbeit auf Black On Black aus?

Monophona: Chook: The Spy war eher ein Experiment. Wir wussten nicht wohin wir mit dem Album wollten. Es war halt ein neuer Challenge für uns mit Klängen zu arbeiten die uns eher unbekannt waren. Als wir mit Blackonblack anfingen hatten wir viel mehr Erfahrungen sowohl im Studio als auch auf der Bühne gesammelt. Wir hatten deshalb ein viel klareres Bild von dem was wir mit dem 2. Album erreichen wollten.Dadurch sind die neuen Lieder auf der Bühne dynamischer als die vom ersten Album geworden.

Musicscan: In der letzten Zeit sind Shoegaze-Acts wieder verstärkt auf der Bildfläche erschienen bzw. erfahren wieder mehr Aufmerksamkeit. Fühlt Ihr mit diesem nach innen gerichteten Genre eine starke Verbindung? In Teilen sind Eure Songs durchaus als introvertiert zu beschreiben…

Monophona: Claudine: Wir hätten uns jetzt spontan nicht mit Shoegaze identifiziert... obwohl die Musik mich persönlich durchaus anspricht. Es gefällt mir auch, dass die Musiker hinter den Songs zurücktreten. Das Musikmachen ist letztendlich doch immer das Wichtigste - heute beobachtet man bei Konzerten aber immer häufiger, dass das "Handwerkliche", wenn man so will, den Showeffekten weichen muss. Das ist zwar unterhaltsam, aber ich mag es eher wenn ich einen Song oder ein Album Stück für Stück selbst erfassen kann. Vielleicht gibt es dann da in der Tat einen Berührungspunkt zu Shoegaze, weil wir einen ähnlichen Ansatz haben, diesen aber anders umsetzen.

 
 Links:
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