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All That Remains

Storie von: arne, am 25.02.2015 ]

Einige Bands der „New Wave Of American Heavy Metal“ schnüren den einst frei interpretierten Mix aus Death-, Thrash- und Core-Zitaten inzwischen wieder in ein deutlich engeres Korsett; setzen auf stringente, harte Metal-Sounds. Andere Gruppen halten dem modernen Crossover-Verständnis die Treue, wenn sie aufgeschlossen und ergebnisoffen weiterhin die optimale Balance zwischen Aggressivität und Eingängigkeit zu erschaffen suchen. ALL THAT REMAINS zählen in die zuletzt genannte Kategorie und sind eine Gruppe, die mit einer frischen Attitüde und frei von Berührungsängsten aufspielt. Das seit 1998 bestehende Outlet um Sänger Philip Labonte legt mit „The Order Of Things“ seinen siebten Longplayer vor, der die Relevanz der Formation aus Massachusetts eindrucksvoll bestätigt.

 
Bis heute haben sich die Musiker Spontanität und Pragmatismus bewahrt, was man zuletzt beim Video der ersten neuen Auskopplung – ,No Knock‘ – sehen konnte: „Das war eine sehr spontane Angelegenheit. Wir wollten unseren Fans den neuen Song präsentieren, hatten aber kein passendes Bild-Material“, erzählt Philip, der einst auch Shouter von Shadows Fall gewesen ist und live bisweilen bei Killswitch Engage aushalf. „Ich habe mir eine Kamera geschnappt und meine Hunde gefilmt. Wenig später war das Video fertig und wir haben es auf unsere Website gestellt. Wer Hunde und unsere Musik mag, hatte den doppelten Spaß. Alle anderen konnten sich am Track erfreuen. Die Reaktionen haben gezeigt, dass sich die meisten Leute mit der Musik auseinander gesetzt haben. Sie sind ALL THAT REAINS-Fans, denen meine Hunde nicht so viel bedeuten, wie mir selbst, haha.“

Über mangelnden Zuspruch in der nordamerikanischen Heimat kann sich der Sänger nicht beschweren. Nachdem das 2012er Album „A War You Cannot Win“ in neue kommerzielle Sphären vorgedrungen ist, gibt es von „The Order Of Things“ stolze 1.000 Pre-Order-Pakete: „Es läuft in der letzten Zeit richtig gut für uns,“ bestätigt Philip. „Einer der Songs der letzten Platte war unsere erste Nummer Eins im amerikanischen Alternative-Radio, was hier immer noch eine große Sache ist. Die Shows sind ebenfalls größer geworden und inzwischen fällt die Headliner-Position immer öfter uns zu. Hier in Nordamerika verfügen wir heute über eine mehr als komfortable Position, weshalb wir unser Augenmerk nun vermehrt darauf richten, eine solche Stellung auch in Europa zu erlangen.“ Doch der Reihe nach. Was an der Entwicklung von ALL THAT REMAINS beeindruckt, ist die nachhaltige Verbesserung des Songwritings, die mit einem unerschütterlichen Durchhaltewillen gepaart ist. Viele der einstigen Weggefährten gehen die Dinge längst ruhiger an. Nicht so Philip Labonte & Co., die sowohl Release- als auch Tour-seitig weiterhin ein beachtliches Programm fahren und dabei qualitativ sogar zulegen:

„Um ehrlich zu sein, bin ich selbst jeden Tag aufs Neue überrascht, dass wir nach wie vor bestehen und so ein Rad drehen“, so der Frontmann. „Wir haben das weder angestrebt noch für möglich gehalten. Das hat, denke ich, dazu beigetragen, dass wir diese Zufriedenheit und Anerkennung verspüren, aus der heraus wir die Kraft ziehen, uns immer wieder neu zu beweisen. Der Zuspruch ist die stärkste Motivation für uns. Als


ich in meiner Jugend weitaus extremeren Metal spielte, hätte ich es nie für möglich gehalten, dass die Musik eines Tages meinen Lebensunterhalt sichern würde. Vielleicht ist es gerade deshalb so gekommen. Wir können uns inzwischen voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Das hilft uns dabei, noch besser zu werden. Wir wissen, dass wir nicht die nächsten Metallica sind, doch mit dem, was wir erfahren, sind wir mehr als zufrieden. Rückblickend scheinen mir unsere realistische Anspruchshaltung und Bescheidenheit sowie die harte Arbeit dafür verantwortlich, dass wir jetzt so gut dastehen. Wir sind hierzulande vergleichsweise groß, doch unser Selbstbild ist unverändert realistisch und eher klein. Wir drehen jedenfalls nicht durch, nur weil es gut läuft.“

Das soeben Gesagte findet auch im Folgenden seinen Ausdruck: „Natürlich ist es nicht leicht, sein Leben von einer Band zu bestreiten – auch nicht für ALL THAT REMAINS. Die Situation ist heute aber eine andere als in den frühen Jahren der Band. Heute gibt es einen Markt, der ein Musiker-Leben durchaus ermöglicht; selbst im Metal. In Amerika leben rund 320 Millionen Menschen. Guten und eigenständigen Bands sollte es möglich sein, wenige hunderttausend Leute anzusprechen, denn der härtere Rock- und Metal-Sektor ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Das Potenzial ist zweifellos da. Mit starken Alben und intensiven Shows versuchen wir, die Leute zu erreichen.“

Angesichts der Stil übergreifenden Anlage von „The Order Of Things“ stehen die Chancen dafür besser denn je: „Mit ALL THAT REMAINS haben wir uns nie einem bestimmten Sound zugehörig gefühlt“, betont Philip Labonte. „Das hat es uns leicht gemacht, immer wieder neue Dinge auszuprobieren und unseren Stil zu verändern. Das klingt in der Theorie allerdings einfacher, als es in der Praxis ist. Hier hilft uns unsere Einstellung. Wir haben keine Angst davor, vielleicht auch einmal nicht Metal genug zu sein. Es gibt viele Gruppen, die sich davor scheuen, die härteren Spiellagen zu verlassen. Solche Vorbehalte kennen wir nicht und doch sind wir eine Metal-Band. Jeder Musiker sollte sich allein nach seinen Ideen richten und sie nicht vorschnell verwerfen, nur weil sie nicht adäquat erscheinen. Man weiß vorher nie, wie die Leute – ob nun Fans oder Presse – reagieren. Deshalb ist es müßig, sich danach richten zu wollen. Das geht in den meisten Fällen schief und verwehrt es, etwas wirklich Gutes zu erschaffen.“

 
 Links:
  allthatremainsonline.com
 
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