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Mörser

Interview von: arne mit Matze, am: 21.02.2015 ]

Was die achtköpfige (!) Gruppe auf facebook selbst als „Pure Fucked Up War Music!“ bezeichnet, stellt sich weiterhin als derbe Mixtur aus Grindcore, Powerviolence und Brutalo-Death dar, die mit einer rohen Hardcore-/Punk-Attitüde abgeschmeckt wird. Unerbittlich reiten MÖRSER ihre Riff-Attacken und Blastbeat-Salven, die vom Gebrüll, Geschrei und Gekeife vierer (!) Frontmänner angetrieben werden. Das neue Album „V“ steht für einen schonungs- und rücksichtslosen Extrem-Sound, der einmal mehr der Spiegel seiner Zeit ist.

 

Musicscan: Zunächst: Seid Ihr selbst überrascht, dass Mörser nach wie vor aktiv sind und mit V ein neues Album heraus bringen? 1st Class Suicide ist schon ein wenig her, was ist zwischenzeitlich denn alles passiert?

Mörser: Nee, überrascht sind wir nicht. Wir brauchen ja schon seit jeher ziemlich lange um genug Songs für eine ganze Platte zu komponieren. Einige Stücke auf der „V“ sind dementsprechend schon fast so alt wie unsere letzte Veröffentlichung. Zum Beispiel "Lost in the Days". Wir machen uns damit keinen Stress. Es soll Spaß machen, da sind wir uns alle einig. Und deswegen, glauben wir, gibt es uns auch schon so lange und wird es uns noch lange geben.

Musicscan: Bevor ich’s vergesse: acht Leute unter einen Hut zu bekommen, ist gerade dann ein Wahnsinn, wenn man Touren organisieren will. Wie erlebt Ihr das? Wie kompliziert ist es? Wie oft führt die Personalstärke dazu, dass Ihr verzweifelt? Oder aber: was ist Euer Geheimnis, doch alles ohne große Schwierigkeiten hin zu bekommen?

Mörser: Ja, das ist oft einfach unmöglich und wir müssen oft Konzerte absagen, weil einer von uns nicht kann, oder was anderes vorzieht. Und da gilt bei uns, den Wunsch des einzelnen zu akzeptieren. Keiner ist da sauer. Bei megageilen Konzerten haben dann eigentlich alle zu sehr Bock und lassen auch mal Urlaube sausen.

Musicscan: Auf facebook sprecht Ihr selbst von Pure Fucked Up War Music!. Führt das bitte doch noch ein wenig aus. Wie nehmt Ihr Euren Sound selbst wahr? Aus welche Grundhaltung heraus spielt Ihr ihn? Was stachelt Euch an, derart extrem nach vorne zu gehen und eigentlich nie zurück zu stecken?

Mörser: Äh, ertappt. Pure Fucked Up War Music. Das ist natürlich Style over Substance. ...aber passt mit dem Sound zusammen auch irgendwie zu den scheiß Bildern, die man in den Nachrichten so sieht. Vielleicht machen wir diese Art Lärm, weil so vieles in der Welt so scheiße läuft? Wir sind sicher keine besonders politische Band, aber für „tralala“ und "ein bisschen Frieden" sind Mörser eben erst recht nicht zuständig.

Musicscan: In früheren Zeiten gab es im Mörser Line-Up durchaus mehr Instrumente. Was sind Vor- oder Nachteile, die Ihr in der heute „klassischen“ Anlage mit zwei Gitarren, einem Bass und Schlagzeug erlebt?

Mörser: Wir hatten zeitweise zwei Gitarren und zwei Bässe. Der Vorteil mit zwei Bässen zu spielen besteht natürlich darin, dass der Sound der Band automatisch anders klingt, als das Standard-Line-Up. Seit Dennis, der nach der zweiten LP als Gitarrist dabei war, wieder ausgestiegen ist, spielt Sven, unser früherer zweiter Bass, Gitarre, und komponiert jetzt viele unserer Songs.

Musicscan: Wie hat man sich denn die Proben und das Songwriting vorzustellen: wie kommt am Ende jeder der Shouter zu seinen Einsatzzeiten? Wie regelt Ihr das, wie spielt es sich ein?

Mörser: Das Komponieren läuft immer ganz unterschiedlich ab. Mal kommt jemand mit einem fertigen Song an und wir spielen ihn dann fast so, wie er gedacht war. Eigentlich gilt so ein Song aber als Grundgerüst, an dem alle rumschrauben können. Einige Songs entstehen auch im Proberaum. Im Jammen sind wir zwar ziemlich schlecht, aber wenn einer mit einem Riff ankommt, spielen wir das bis einer wild in den Lärm gestikuliert und eine Idee hat, wie es weitergehen könnte. Die Gesangspassagen kommen meist erst ganz am Ende, wenn der Song fertig ist. Die Sänger treffen sich dann außerhalb der Proben und überlegen sich ihre Einsätze. Ist dann immer ´ne ziemlich geile Probe, wenn der Gesang dazustößt.

Musicscan: Wenn es ums kreative Arbeiten geht: ist es eher Prinzip Zufall (oder Chaos) oder passiert bei Mörser mehr geplant, als man von außen denkt?

Mörser: Planen kann man das nicht wirklich, manchmal sitzt man Tage und einem fällt nur Mist ein, manchmal greift man zwei Minuten in die Saiten und hat was, aus dem dann ein ganzer Song entsteht. Ist ein bisschen wie das Wetter. Wie poetisch! Und übrigens in Bremen meistens echt scheiße.

Musicscan: Euch gibt es schon eine ganze Zeit lang. Interessant finde ich den Umstand, dass Mörser immer als extrem wahrzunehmen sind, obwohl sich der extreme Sektor in den ganzen Jahren enorm weiterentwickelt und verändert hat. Woran könnte das Eurer Meinung nach liegen und wie habt Ihr die Veränderung extremer Musik in den letzten Jahren erlebt, sofern Ihr sie denn bestätigt?

Mörser: Wir sind was derzeitige Bands angeht echt nicht auf dem Laufenden. Aber wenn sich da was weiterentwickelt ist das gut. Egal in welche Richtung. Wir selbst kultivieren ja auch einen Sound, der immer ein wenig roh klingt. Unser Schlagzeugsound z.b. wird grundsätzlich nicht getriggert. Außer der Bass Drum ist da alles komplett analog. Dass Musik „extrem“ klingt, liegt meist nicht nur an Geschwindigkeit oder schnellem Riffing. Der Gesamtsound muss stimmen. Es gibt viele Bands, die schneller blasten als wir; dann klingt das meist aber auch sehr technisch und live bekommen solche Bands manchmal Probleme, wenn das Live-Setup nicht stimmt. Was bringt dir ein Gravity Blast auf´m Schlagzeug, wenn das Publikum die Snare nicht hört.....bei uns ist die Technik eben nicht so wichtig. Das macht die Sache authentisch.

Musicscan: Dazu: was sich über die Mörser-Veröffentlichungen zieht, ist eine Attitüde, die Euch auszeichnet. Seht Ihr das auch so? Wie stellt Ihr sicher, dass dieses Trademark trotz wechselnder Mitglieder die Zeit überlegt hat?

Mörser: Mörser ist Konsens der acht Mitglieder. Wir haben alle wirklich einen völlig anderen Musikgeschmack. Einige von uns hören privat nicht mal, oder nur selten so harten Kram. Aber wenn wir Stücke schreiben, wissen wir in etwa, wie das klingen muss. Es soll dann eben nach Mörser klingen. Im Grunde sehr konservativ.

Musicscan: Stichwort Bremer Schule: gibt es Bands aus Eurem Umfeld, die Ihr zu genauerer Beobachtung empfehlt? Es gibt ja sicherlich Kids, die das „Erbe“ von Systral, AcMe, Carol, Euch, etc. antreten und in Eure Fußstapfen getreten sind. Oder nicht?

Mörser: Hier in Bremen kennen wir jedenfalls keine Band, die solche Ambitionen hat. Schade eigentlich. Im weiteren Umfeld hört man dann schon manchmal was, das doch ein bisschen nach uns klingt. Ob das dann wirklich der Einfluss einer "Bremer Schule" ist, kann man natürlich nicht sagen.

Musicscan: Mörser ist ohne Frage eine Underground-Legende, die ihre Spuren hinterlassen hat. Ärgert Ihr Euch aber vielleicht manchmal, dass Ihr mit dem Extrem-Sound, den Ihr spielt, der Zeit etwas voraus gewesen seid? Wie habt Ihr die Rezeption und Würdigung Eurer Band bis heute erfahren? Auf welche Leistungen/Verdienste seid Ihr besonders stolz?

Mörser: "[D]er Zeit etwas voraus"! :) Das geht doch runter wie Öl! Nein, das ärgert uns nicht. Warum sollte es? Wir freuen uns sehr über das anhaltende Interesse, und wenn wir eingeladen werden Konzerte zu spielen. Worauf wir vielleicht stolz sein können, ist, dass wir immer noch eine Gruppe von Freunden sind, die zusammen gerne Krach machen. 6 von den 8 Gründungsmitgliedern sind immer noch dabei. Und Dennis, unser ehemaliger Gitarrist hat mit uns das Schlagzeug und die Gitarren für "V" aufgenommen und für uns gemischt. Über gute Rezensionen freuen wir uns natürlich auch.

Musicscan: Abschließend: worauf darf man sich 2015 neben der neuen Platte freuen? Welche Pläne habt Ihr, was Touren, etc. anbelangt?

Mörser: Zunächst auf das Ieperfest im August! ...und dann hat Sven vor zwei Wochen schon wieder so`n Killersong mitgebracht...

 
 Links:
  facebook.com/Morser.Bremen
 
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