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Divine:zero

Interview von: arne mit , am: 09.02.2015 ]

Die aus Erkelenz stammenden DIVINE:ZERO haben mit „The Cold Asylum“ kürzlich ihren zweiten Longplayer veröffentlicht. Das Album steht ganz im Zeichen des melodischen Death Metal, dem die Musiker seit rund 15 Jahren verschrieben sind. Seitdem die Band ohne Keyboard-Unterstützung agiert, klingt der Sound des Quartetts straffer und wertiger. Das Material der Platte profitiert davon ungemein.

 

Musicscan: Was – in aller Kürze – lässt sich aus 15 Jahren Underground berichten? Welche Erlebnisse/Erfahrungen möchtet Ihr nicht missen, worauf hättet Ihr verzichten können? Worauf freut Ihr Euch noch, was wollt Ihr noch erleben mit DIVINE:ZERO?

Divine:zero: 15 Jahre sind natürlich alles in allem eine ganz schön lange Zeit, in der wir als Band echt viel – wenn auch bei weitem nicht genug - erlebt haben. Generell können wir auf unzählige wirklich geile Konzerte und Festivals zurückblicken. Da jetzt einzelne Gigs rauszupicken ist echt schwierig. Was mich sehr beeindruckt ist die Kontinuität der Szene und die Gewissheit, an manche Orte immer wieder wiederkehren und mit Gewissheit einen verdammt geilen Konzertabend mit den Leuten erleben zu können. Eher missen würden wir gerne die Tatsache, nicht schon die The day God left mit Achim Kaiser aufgenommen zu haben und natürlich die ganzen Besetzungswechsel, die wir immer wieder über uns ergehen lassen mussten. Die haben uns doch teilweise extrem ausgebremst und wir hätten mit Sicherheit mehr erreichen können, hätten alle Leute in der Vergangenheit dasselbe Herzblut in die Band gesteckt, wie es das jetzige Line-Up tut. Aber wir wollen da überhaupt nicht zu sehr in der Vergangenheit leben, sondern mit der derzeitigen Version von DIVINE:ZERO noch vieles erreichen und erleben. Und da sind wir uns sicher, dass noch einige gute Songs und viele gute Shows in uns stecken.

Musicscan: Wie habt Ihr im Zeitverlauf die „Wertigkeit“ des MeloDeath und Eurer Band in der Wahrnehmung der Hörer erlebt? In Wellen ist der Stil ja mal mehr, mal weniger präsent, während die Underground-Szene eher stabil und unter sich bleibt. Wo stehen wir derzeit Eurer Meinung nach und welchen Stellenwert haben sich DIVINE:ZERO bis heute erarbeitet?

Divine:zero: Der MeloDeath ist ja irgendwie immer präsent und irgendwie aber auch nicht. Die Hochzeit war mit Sicherheit in der zweiten Hälfte der 90er, als MeloDeath schon fast ein Massenphänomen war. Heute habe ich das Gefühl, dass der Begriff manchmal von einigen Leuten aus dem Mainstream als Inbegriff musikalischer Stagnation benutzt wird. Auf der anderen Seite ist es genau das, was du beschreibst. Im Underground hat dieser Stil seine stabile Position und ich denke, es wird immer Leute geben, die sagen werden: „Das ist genau die Musik, der ich mich verschrieben habe und auf die ich abfahre!“ MeloDeath ist für viele ein Lebensgefühl, genauso wie es auch Black Metal oder Glamrock ist. Ich denke, für viele Leute aus der Undergroundszene trifft auch genau dies zu und da glaube ich, dass wir uns über all die Jahre zu einem Namen mit Verlässlichkeit entwickelt haben. Ich denke, wir sind keine von den Bands, die mal für zwei, drei Jahre groß angesagt ist und sich danach wegen welchen Gründen auch immer wieder auflöst. Ich kann für uns sagen, dass wir es mit dieser Musikrichtung verdammt ernst meinen, auch wenn wir uns bewusst sind, dass wir innerhalb der Szene nicht auf einem Level wie beispielsweise Night in Gales sind. Aber an den Reaktionen der Fans merken wir, dass wir ein Name sind, der sich auf einem gewissen Niveau fest etabliert hat und den man immer wieder gerne auf Shows weiß. Unser Ziel ist natürlich, als Band so groß zu werden, wie man es als deutsche MeloDeath Band halt werden kann.

Musicscan: Auf Eurer Website schreibt ihr selbst, das Zweitwerk hätte schon viel früher erscheinen müssen. Was hat dagegen gesprochen, es ohne komplettes Line-Up mit einem Session-Musiker einzuspielen und früher rauszubringen?

Divine:zero: Das hätte selbstverständlich so gemacht werden können. Allerdings sehen wir DIVINE:ZERO in erster Linie als Liveband. Es hätte auch vollkommen ausgereicht, wenn ich (Björn) den Bass alleine eingespielt hätte. Schließlich war ich ja der ursprüngliche DIVINE:ZERO-Bassist. Aber dadurch wären wir noch lange nicht livefähig gewesen. Und ich glaube, Ben, Stefan und ich hatten da auch alle eher eine Vorstellung aus Teenagertagen: Es war uns wichtig, eine komplette Besetzung aus Leuten zusammen zu bekommen, die sich mit der Band vollkommen identifizieren, die diese Musik leben und darüber hinaus auch noch Bock haben, viele Wochenenden gemeinsam miteinander in stinkenden Autos oder etliche Tage in muffigen Proberäumen zu verbringen, eben weil sie sich gegenseitig mögen. Wir hatten in der Vergangenheit oft genug die Situation, dass wir drei mit Haut und Haar hinter dieser Band standen und bei den Mitmusikern unter „ferner liefen“ rangierten. DIVINE:ZERO braucht aber das feste Line-Up und den Einsatz aller und wir waren bereit, zu warten, bis wir das gefunden hatten. Dies ist dann ja auch vor zwei Jahren geschehen, als Makka die vakante Position am Bass weit mehr als nur besetzt hat. Das war die Warterei bis zur Veröffentlichung dann auch absolut wert!

Musicscan: Trifft es zu, dass der überwiegende Teil des Materials von The Cold Asylum schon geschrieben war und das neue Line-Up „nur noch“ die Umsetzung erledigt hat? Oder habt Ihr an den Ideen weiter gearbeitet und den frischen Input mitgenommen?

Divine:zero: Das Material war schon fertig aufgenommen - bis auf den Bass. Während der Bassaufnahmen kam es zum ersten Bassistenwechsel, danach habe ich Teile des Basses eingespielt, dann hatten wir den nächsten Bassisten, dem wir die Chance geben wollten, auch noch mit auf dem Album vertreten zu sein. Das sah dann so aus, dass auf der Version drei unterschiedliche Tieftöner zu hören waren. Als Makka dann zu uns stieß, haben wir gesagt „Scheiß drauf! Spiel die Platte komplett neu ein.“ Es war uns es extrem wichtig, dass die Leute die neue Band zu hören bekommen.

Musicscan: Ist das neue Album heute besser/stärker, weil es über einen langen Zeitraum hinweg umgesetzt worden ist? Hat die längere Phase ohne neues Album Eurer Meinung nach dazu beigetragen, dass The Cold Asylum insgesamt so kompakt ausgefallen ist?

Divine:zero: Die Songs selber sind eigentlich während eines recht kurzen Zeitraumes entstanden, zumindest wenn man es in den schon fast unerträglichen DIVINE:ZERO-Zeitdimensionen betrachtet. Ich glaube, das Album ist deswegen kompakter, weil wir verwässernden Ballast wie etwa die Keyboards und chaotische Songstrukturen losgeworden sind. Nadja hatte uns 2009 verlassen und viele Leute kamen zu uns, die begeistert von dem roheren, keyboardlosen Sound waren. Wir waren ja immer schon eher gitarrenlastig und die Keys haben überhaupt nicht gefehlt. Gitarrenarbeit stand ja immer im Vordergrund und das Keyboard war nur für Soundteppiche und bestimmte soundtechnische Highlights zuständig. Als dies nun wegfiel, konnten wir uns noch mehr auf die Gitarrenarbeit konzentrieren. Solos wurden zu einem wichtigeren Bestandteil und insgesamt achteten wir auf klarere Songstrukturen. Auf The day God left waren manche Songs noch viel zu unnachvollziehbar. Damit meine ich nicht progressiv, sondern einfach in ihrer Struktur zu chaotisch. Wir haben uns bei den Songs von The cold Asylum auf das konzentriert, was die Essenz der Lieder ausmacht. Musik wird nicht automatisch poppig, nur weil sie eine nachvollziehbare Struktur hat. Es ging uns um Funktionalität und da stand immer die Frage im Vordergrund: „Was ist funktional? Was ist chaotisch? Was ist strukturlos?“ Ich glaube im Rückblick, das ist uns auch gelungen.

Musicscan: Wie verhält es sich mit Bauchgefühl/Instinkt vs. Planung/bewusstes Vorgehen: was besitzt bei Euch welchen Stellenwert und wie fließt beides ins Songwriting ein? Vom Hören her würde ich vermuten, dass vieles instinktiv passiert, jedoch nicht alles…

Divine:zero: Wenn ich ein Riff schreibe, ist es für mich selber immer wichtig zu wissen, wo die Reise hingehen soll. Ich habe oft eine ganz klare, instinktive Vision von einem Song, die ich in einem ersten Anlauf so in Form eines Demos auch aufnehme. Da wir aber keine Alleinherrschaft sind, passiert es automatisch, dass die anderen meine Ideen aufnehmen und ihre ganz eigene Interpretation daraus entwerfen. Da ist nichts vorgeschrieben, das ist das Bauchgefühl, welches da herrscht. Oft spielt Stefan den Beat über ein Riff komplett anders als ich es mir ursprünglich vorgestellt hatte. Ben akzentuiert viele Riffs ganz anders als ich und wir lassen uns dann einfach treiben, ergänzen und verwerfen. Erst wenn wir eine instinktive Grobrichtung festgelegt haben, mit der wir alle glücklich sind, fangen wir an, an den Einzelheiten und Details zu arbeiten. Und da gehen wir dann sehr bewusst und architektonisch vor.

Musicscan: Reizt es Euch bisweilen, nicht noch brachialer und aggressiver durchzuziehen? Auf der Platte geht Ihr ja schon hier und da in diese Richtung, doch gelegentlich scheint es, innerhalb der Band bestünde eine gewisse Unruhe sowie der latente Wunsch, noch heftiger unterwegs zu sein. Oder täuscht der Eindruck?

Divine:zero: Der Wegfall der Keys eröffnete uns natürlich die Möglichkeit, noch brachialer zu Werke zu gehen. Und im Nachhinein ist es echt toll, dass uns sowohl die Fanreaktionen als auch die Reaktionen der Presse zu diesem Schritt beglückwünschen. Momentan habe ich das Gefühl, dass uns die positiven Reaktionen auf unsere neue Härte ein wenig ermutigen, demnächst vielleicht doch noch eine Schippe draufzulegen. Es kann also durchaus sein, dass wir demnächst härtetechnisch einen Zahn zulegen.

Musicscan: Gemeinhin heißt es oft, das dritte Album einer Band ist der Gradmesser hinsichtlich des kreativen Potenzials und darüber, ob es was wird oder nicht. Zieht doch bitte mal schon jetzt Fazit? Was habt Ihr erreicht, fühlt Ihr Euch derzeit zufrieden? Was habt Ihr für das dritte Album vor? ;-)

Divine:zero: Das nächste Album wird schon ein gewisser Druck für uns sein. Wir müssen abliefern! Aber ich glaube, wir werden dafür bereit sein. Es war immer unser Ziel, mit jedem neuen Demo, mit jeder Aufnahme und mit jedem Album die Messlatte höher zu hängen. Die Herausforderung für das nächste Album sehe ich in der Art des Songwritings. Riffideen haben wir en masse. Ich glaube, alleine mit meinen momentan vorhandenen Ideen könnte ich schon anderthalb Alben füllen. Und da ist noch nichts von Ben bei und wir wissen auch noch überhaupt nicht, wie Makka sich in das Songwriting integrieren wird. Wir haben auch schon einige Ideen zu fertigen Songs ausgearbeitet, die sich ziemlich gut an das Material von The cold Asylum anschließen. Aber ich bin mir sicher, dass wir erst dann richtig kreativ werden, wenn wir uns ganz bewusst an das Schreiben der dritten Scheibe setzen. Für mich wäre es wichtig, dass wir noch effektiver in Sachen Songstrukturen, Songlinien und Spannungsaufbau werden. Da könnten wir mit Sicherheit noch einiges rausholen. Man muss sich nämlich immer fragen, ob ein Song den richtigen Spannungsbogen hat oder ob er nur eine Aneinanderreihung von Riffs und Beats ist. Da kann sich bei uns gerne noch etwas tun. Ansonsten sind wir aber zufrieden mit den Liedern. Wir hören uns die Aufnahme immer noch gerne an. Alles in allem denke ich jedoch, dass wir unser Potenzial noch nicht richtig ausgeschöpft haben und durchaus zu mehr in der Lage sind. Und ich kann da ganz ehrlich sein: Was wir erreicht haben, ist für uns noch nicht genug. Auch im MelodDeath-Bereich geht da noch mehr! Das ist unser Ziel für das dritte Album.

Musicscan: Grundsätzlich: fühlt Ihr Euch und Euren Ansatz von Hörern und Presse verstanden? Was ist Euch in dieser Hinsicht als besonders treffend und als nicht so treffend in Erinnerung geblieben? Welche Konzert-Reaktionen sind besonders lebhaft in Erinnerung geblieben?

Divine:zero: Wir haben für The cold Asylum sehr viele gute Reviews und Reaktionen eingefahren, die alle im oberen Bereich der Bewertungsskala lagen. Es wurde viel Positives über die Qualität der Songs geschrieben und dass wir uns deutlich steigern konnten. Allerdings gibt es da auch einige Dinge, die ich grundsätzlich nicht ganz nachvollziehen kann. Uns wird oft vorgeworfen, zwar qualitativ hochwertig zu sein, das Rad jedoch nicht neu erfunden zu haben. Dazu muss ich ein paar Dinge sagen. An erster Stelle auf jeden Fall, dass es nie unser Bestreben war, innovativ zu sein. Es geht uns darum, MeloDeath zu spielen und damit ist der Rahmen dann auch ziemlich eng gesteckt. Das war auf den letzten beiden Scheiben so und wird auch auf Album Nummer drei so sein, ganz einfach, weil das die Musik ist, die wir spielen wollen. Punkt. Das wurde von den Schreibern vollkommen richtig erkannt, jedoch vollkommen falsch interpretiert. Ich frage mich nämlich: Muss jede Band eine neue Musikrichtung erfinden? Tun das denn die ganzen Extreme-Death-Bands, deren neue Releases allmonatlich abgefeiert werden? Bei denen scheint das vollkommen in Ordnung zu sein. Sobald man dies jedoch als MeloDeath-Band macht, ist es anscheinend ein Verbrechen. Das kann ich nicht absolut nicht nachvollziehen. Was ich ebenfalls nicht nachvollziehen kann, sind Reviews, in denen wir als Metalcore-Ableger bezeichnet werden. Ich kann weder in unserer Musik noch in unserer visuellen Umsetzung Metalcore-Elemente ausmachen. Nimmt man da etwa die Tatsache, dass es bei uns Stakkatoriffs gibt? Also das ist nun wirklich keine Erfindung des Metalcores, das gab es schon vor 25 Jahren – und zwar im Metal!. Von irgendwelchen Muttertach-Vattertach-Beatdowns sind wir ja nun Meilen entfernt. Auf unserem Cover gibt es auch keine Neonkraken oder pinken Haie. Wir sind Metal und nichts anderes kann ich in unserer Musik erkennen.

Musicscan: Auf facebook preist Ihr Euch für Fans von At the Gates, Dismember, In Flames an. Inwieweit findet sich ihr Einfluss in Euren Songs? Was tut Ihr, um nicht bloß nachzuspielen, sondern auch eigene Akzente einzubringen, was differenziert Euch von ihnen?

Divine:zero: Ich glaube, es sind die zusätzlichen Einflüsse, die jeder von uns als Hörer und Musikfan zusätzlich noch in das DIVINE:ZERO-Songwriting einbringt. Wenn ich nur At the Gates und In Flames höre, dann kommt da natürlich nicht viel anderes bei raus. Aber wenn ich als Musikfan, der auf viele Spielarten des Metals steht – in meinem Fall fängt das bei 80ies Hair Metal an und endet bei Zeug wie Endstille - all meinen musikalischen Horizont in das Songwriting einbringe, dann wird kaum ein 1:1-Klon der MeloDeath-Größen bei rauskommen. Ich setze mich jedenfalls nur selten hin und zocke mal einen At the Gates Song nach. Ich lasse mich beim Spielen eher instinktiv treiben und das Ergebnis ist halt, dass die Songs, die dabei rauskommen, in diese Musiksparte passen. Allerdings habe ich nie In Flames Songs analysiert um genau herauszubekommen, wie die Jungs ihre Songs arrangieren. Da passiert vieles viel mehr im Unterbewusstsein. Auch wenn wir natürlich alle große Göteborgfans sind!

Musicscan: Worauf darf man sich in der kommenden Zeit von Euch freuen, was steht für Euch in den nächsten Monaten auf dem Programm?

Divine:zero: Bei uns stehen als nächstes zwei Videoprodukionen auf dem Plan. Außerdem wollen wir noch ein paar Shows auf Sommerfestivals ergattern und generell einen Haufen Liveshows reinholen. Denn auf der Bühne fühlen wir uns letzten Endes am wohlsten.

 
 Links:
  divine-zero.com
 
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